Peiner Allgemeine Zeitung

Mehr Aufwand, weniger Kunden: Gleich fünf Testzentre­n schließen

Betreiber reagieren auf neue Verordnung und gesunkene Nachfrage – Mario Buchhold ärgert sich über „schwarze Schafe“

- VON CHRISTIAN MEYER

KREIS PEINE. Mehr Aufwand und mehr Bürokratie, aber weniger Geld und weniger Kunden: Gleich eine ganze Reihe von Corona-Schnelltes­tzentren im Landkreis Peine wird an diesem Samstag schließen. Für Bürger gibt es immer weniger Möglichkei­ten, einen Abstrich nehmen zu lassen.

Ein Testzentru­m im Gasthausun­d die Wirtsleute helfen gleich mit: Im März legte die Ilseder Firma Intakt als erster privater Anbieter im Kreis mit einem Corona-Schnelltes­tzentrum in der Solschener Gaststätte „Zur Kastanie“los. Die angespannt­e Corona-Lage in Deutschlan­d und die große Test-Nachfrage führte dazu, dass allein Intakt noch sieben weitere Teststatio­nen aufbaute – von der Mehrzweckh­alle bis zum Hotel-Saal. Samstag schließt Peines größter Anbieter jedoch nun auch seine letzten vier verblieben­en Testzentre­n: Auf dem Schönau-Parkplatz in Stederdorf, im Dorfgemein­schaftshau­s in Hohenhamel­n, im Saal der Gaststätte „Zur Kastanie“sowie auf dem EdekaParkp­latz in Ölsburg. „Es gibt eine neue Testverord­nung des Bundes mit neuen Regeln und Anforderun­gen, die nicht so ohne weiteres zu erfüllen sind“, begründet Intakt-Geschäftsf­ührer Hendrik Hoppenwort­h.

Ein Beispiel: Unter anderem müsse die Corona-Warn-App eingebunde­n werden. „Dafür benötigt man Internet“, verdeutlic­ht Hoppenwort­h, doch nicht überall sei ein Anschluss vorhanden, etwa auf Parkplätze­n. „Wir müssten zusätzlich­e Handys für unsere Mitarbeite­r anschaffen.“Zudem würden inzwischen mehrere Orte wieder für ihre eigentlich­e Nutzung gebraucht. Im Hotel wird wieder Hochzeit gefeiert, im Gaststätte­n-Saal Geburtstag­e, im DGH stehen Versammlun­gen an. „Das freut mich natürlich“, unterstrei­cht Hoppenwort­h. Zuletzt hätten sich auch vermehrt Mitarbeite­r verabschie­det, die ihre Kurzarbeit dazu nutzten, sich Geld dazuzuverd­ienen, doch jetzt wieder zum Beispiel in der Gastronomi­e komplett gebraucht werden.

Parallel zum Abrauschen der Inzidenzza­hlen und der steigenden Impfquote sei außerdem ab Juni die Nachfrage kontinuier­lich gesunken. „Am ersten Ferienwoch­enende gab es noch einmal einen Ausschlag nach oben, aber mit den Zahlen aus April und Mai ist das nicht mehr vergleichb­ar“, verdeutlic­ht Hoppenwort­h. Da der Bund jedoch die Vergütung für die Tests von 11,50 noch einmal auf 8 Euro reduziert habe, sei der Betrieb nun auch aus betriebswi­rtschaftli­chen schwierig.

Das ist auch für Geschäftsf­ührer Mario Buchhold einer von mehreren Gründen, warum er mit seinem Rettungsdi­enst Daetz ebenfalls zum 31. Juli das Bürger-Testzentru­m in den Räumen der IGS in Edemissen schließt. „Ich möchte meinen Mitarbeite­rn vernünftig­e Löhne zahlen. Dafür müssten wir künftig pro Tag mindestens 50 Tests nehmen, doch zuletzt kamen an unserem Testtag durchschni­ttlich nur noch 25 Personen“, verdeutlic­ht Buchhold.

Auch der Daetz-Geschäftsf­ührer beklagt, dass der bürokratis­che Aufwand mit der neuen Verordnung steige. Jede getestete Person müsse künftig auf einem weiteren Blatt Papier den Test bestätigen und die Test-Ergebnisse müssten via Internet digital eingebunde­n werden. „Das kostet Geld“, merkt Buchhold an. Entspreche­nd ärgert er sich über ein paar „schwarze Schafe“, die mit ihrem kriminelle­n Verhalten dazu beigetrage­n hätten, dass eine neue Verordnung kam. Denn damit reagierte das

Gesichtspu­nkten

Bundesgesu­ndheitsmin­isterium auf Betrugsfäl­le der Vergangenh­eit.

Es gab private Testanbiet­er, die deutlich mehr für CoronaSchn­elltests abgerechne­t, als sie tatsächlic­h ausgegeben hatten. „Ich bin echt stinkig, dass man aber alle damit nun über einen Kamm schert. Ein paar wenige kriminelle Betreiber bringen uns in Misskredit“, betont Buchhold. Ohne die neue Verordnung hätte die Firma Daetz vermutlich sogar weitergema­cht, obwohl es sich derzeit eigentlich nicht mehr rechne. „Aber für mich geht es nicht darum, viel Geld zu generieren. Ich sehe uns auch in der Pflicht, die Sache mit Corona vernünftig zu Ende zu bringen.“

Intakt-Geschäftsf­ührer Hendrik Hoppenwort­h zieht nach vier Monaten mit dem Betrieb von Bürger-Testzentre­n ein positives Fazit. 190 Mitarbeite­r hatte Intakt auf 450

❱ Hohenhamel­n: Physiother­apie Sara Oehlmann, Im Unteren Dorfe 5 A.

❱ Lengede: Fitnessstu­dio Löwen-Fitness, Erzring 5, montags bis freitags 8.30 bis 21 Uhr sowie samstags und sonntags 10 bis 16 Uhr.

❱ Lengede: Ehemaliger PennyMarkt, Bodenstedt­er Weg. Auch einige Arztpraxen und Apotheken bieten Schnelltes­ts an, müssen dafür aber nicht vom Landkreis beauftragt werden.

Euro-Basis beschäftig­t. „Sie haben einen grandiosen Job gemacht.“Und dass die Inzidenzen in Deutschlan­d so weit nach unten gegangen sind, dazu hätten die Schnelltes­tzentren mit ihrer Arbeit beigetrage­n. Wenn die Corona-Zahlen wieder steigen und ein Lockdown nötig ist, könnte Intakt zügig wieder Testzentre­n hochfahren. „Aber ich hoffe, dass es dazu nicht kommt!“

❱ Bis zu zehn Personen. Kinder bis 14 Jahre, Pflegepers­onen und Geimpfte werden nicht gezählt

Beim Einkaufen in Geschäften und auf Märkten ist eine Maske zu tragen

❱ Bei Feiern sind maximal 100 Personen erlaubt, ein Corona-Test ist verpflicht­end

❱ In Diskotheke­n ist das Tragen einer Maske Pflicht, zudem benötigt man einen negativen Corona-Test

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FOTO: RALF BÜCHLER Unkomplizi­ert: Auf dem Edeka-Parkplatz in Ölsburg konnten sich Bürger auf eine Corona-Infektion testen lassen. Doch auch dieses Angebot beendet der Betreiber Intakt am Samstag.
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FOTO: RALF BÜCHLER Im März öffneten sich die Türen, im Juli werden sie geschlosse­n: Im Saal des Solschener Gasthaus „Zur Kastanie“wurde das erste Corona-Schnelltes­tzentrum eines privaten Anbieters im Landkreis Peine geöffnet.
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Mario Buchold
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Hendrik Hoppenwort­h

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