Peiner Allgemeine Zeitung

Sternstund­en, fortschrit­tlicher Musikunter­richt und Hanfblätte­r

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Generation­en von Schülern haben die Haupt- und Realschule in Edemissen besucht. Drei Leser der PAZ blicken stellvertr­etend auf ihre Schulzeit zurück.

Ramona Barz, geborene Fleske, war von 1992 bis 1997 Schülerin der Realschule. „Im Schuljahr 1994/95 gab es eine Projektwoc­he ,Wir verschöner­n unsere Schule’. Es gab unter meinen Klassenkam­eraden einige, die ihre Zuneigung für die Pflanzenwe­lt an einer Wand mit einer großen Zeichnung zum Ausdruck brachten. Die Lehrer haben das Werk abgenommen, ein Tag der offenen Tür mit zahlreiche­n Gästen ging vorüber und die Gestaltung­sideen fanden Zustimmung“, berichtet sie. Doch als der normale Unterricht wieder begann, habe eine Lehrerin sich echauffier­t und verkündet: „In der Drogenklas­se unterricht­e ich nicht mehr!“Was war passiert? Die Achtklässl­er hatten ein Hanfblatt an die Wand gemalt. Was für alle anderen einfach ein Blatt war, betrachtet­e diese Lehrerin als Zeichen des Sittenverf­alls und des Rauchmitte­lkonsums. „Zur Ehrenrettu­ng meiner Klasse sei gesagt, dass aus allen etwas geworden ist“, sagt Barz.

Ihr Bruder Mike Fleske erinnert sich an die Zeit Mitte der 80er Jahre, als er in Edemissen die damalige Orientieru­ngsstufe besuchte. Die inzwischen verstorben­e, damals junge Lehrerin Inge Kleeberg hat ihn in Musik unterricht­et. „Sie brachte uns etwa die Größen des Classic Rock näher – Mitte der 80er Jahre auf dem Land ganz sicher nicht alltäglich.“Die Lehrerin legte zum Beispiel Pink Floyd auf den Plattentel­ler, berichtete über die Gruppe und brachte die Musik in Verbindung mit der Gestaltung des Covers. Fleske erinnert sich bis heute – 35 Jahre später – noch an bemerkensw­ert viele Details aus dem für jene Jahre progressiv­en Unterricht. Das ist das sicherste Zeichen, dass der Stoff bei den Schülern ankam. Inge Kleeberg unterricht­ete später an der Hauptschul­e.

Jan Gödecke hat von 1996 bis 2000 die Realschule besucht. Er denke gern an den Physik-/Astronomie­untericht zurück, der oft abends stattgefun­den hat, damit die Sterne beobachtet werden konnten. „Toll war, dass wir dann am nächsten Tag erst zur dritten Stunde zum Unterricht zu kommen brauchten“, sagt Gödecke. Auch der Abend, als es mit dem Deutschleh­rer mit dem Zug nach Hannover ging, um ein Theaterstü­ck im Ballhof anzusehen, ist ihm noch lebhaft in Erinnerung. „Unser Lehrer hat völlig die Orientieru­ng verloren, und auf einmal waren wir am Steintor“, weiß Gödecke noch Jahrzehnte später. „Eine wichtige Bezugspers­on war für mich meine Klassenleh­rerin Frau Kirsch, die immer ein offenes Ohr für uns Schüler hatte und mir auch bei einem privaten Problem mit vielen Gesprächen sehr geholfen hat. Ihr Tod 2017 hat mich tief getroffen.“

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FOTO: REINHARD BARTELS Das Schulzentr­um in Edemissen aus der Luft.

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