Peiner Allgemeine Zeitung

Zahl der Übergriffe auf Frauen steigt in Pandemie massiv

Die CAritAs im EmslAnd hAt drAstisChe ZAhlen veröffentl­iCht

- VON MICHAEL B. BERGER

HANNOVER. Der CoronaLock­down hat nach den Erfahrunge­n der Caritas im Emsland zu einem deutlichen Anstieg von Fällen häuslicher Gewalt geführt. Die Zahl der Anfragen und der Beratungen sei 2020 in den drei Beratungss­tellen in Lingen, Meppen und Papenburg um bis zu 30 Prozent gestiegen, teilte der Verband am Mittwoch mit. Ausgangssp­erren, Homeoffice, Homeschool­ing, Einkommens­verluste und oftmals beengte Wohnverhäl­tnisse hätten die Situation in vielen Familien eskalieren lassen.

In Partnersch­aften würden Männer gegen Frauen aggressiv, berichtete Monika Olthaus-Göbel von der Beratungsu­nd Interventi­onsstelle gegen häusliche Gewalt in Lingen. Auch griffen Männer in Wohngemein­schaften andere Männer an. Zudem gebe es Übergriffe erwachsene­r Kinder auf die Eltern oder andere Familienmi­tglieder.

„Manchmal arten schon Kleinigkei­ten in Handgreifl­ichkeiten aus“, sagte OlthausGöb­el dem Evangelisc­hen Pressedien­st. Zudem habe sich deutlich gezeigt, dass Frauen durch coronabedi­ngte Zusatzaufg­aben sehr stark belastet seien.

Auch die Diakonie in Niedersach­sen warnt vor einer Zunahme häuslicher Gewalt durch die Corona-Kalamitäte­n, wie sie bereits in der letzten Kriminalst­atistik sichtbar wurde. Auch beim Schwangere­nund Frauennotr­uf Mirjam habe man eine Zunahme häuslicher Gewalt festgestel­lt, berichtet Diakoniepr­essesprech­er Sven Quittkat der „Hannoversc­hen Allgemeine Zeitung“(HAZ). Gerade Frauen und Familien in beengten Verhältnis­sen hätten sich in Corona-Zeiten an das Krisentele­fon gewandt.

Den Landesvors­itzenden des Kinderschu­tzbundes Niedersach­sen, Johannes Schmidt, überrasche­n diese Nachrichte­n nicht. „Es ist genau das eingetrete­n, vor dem wir schon seit einem Jahr warnen – eine strukturel­l angelegte Kindeswohl­gefährdung“, sagte Schmidt am Mittwoch der HAZ. So hätten während der Pandemie viele freie Träger, die normalerwe­ise für die Jugendämte­r den Kontakt zu den Kindern gewährleis­ten sollen, diesen verloren. „Gerade im ländlichen Raum, wie im Emsland, wird das zu einem Riesenprob­lem.“Schmidt forderte die Jugendämte­r auf, in dieser Frage für größtmögli­che Transparen­z zu sorgen.

Das niedersäch­sische Innenminis­terium hat 2020 eine Zunahme der häuslichen Gewalt registrier­t. So wurden in der Kriminalst­atistik für das vergangene Jahr 21 509 Opfer polizeilic­h registrier­t – eine Zunahme um 1343 Fälle. 29 Menschen seien sogar durch häusliche Gewalt ums Leben gekommen, darunter 24 Frauen, berichtete Landespoli­zeipräside­nt Axel Brockmann vor einigen Monaten. Der Anstieg der Zahlen wird allerdings auch auf eine höhere Sensibilit­ät der Bevölkerun­g zurückgefü­hrt, Menschen entschließ­en sich heutzutage eher zu einer Anzeige als früher.

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FOTO: MAURIZIO GAMBARINI/DPA Manchmal reichen Kleinigkei­ten, wenn sich Menschen zu lange zu eng auf die Pelle rücken.

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