Peiner Allgemeine Zeitung

„Corona-Krise ist auch Artenkrise“

Die MensChheit muss Besser Begreifen, wie NAtur funktionie­rt, sAgt der Biologe und BuChAutor LothAr Frenz – denn dABei geht es AuCh um unser ÜBerleBen

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Herr Frenz, in Ihrem Buch „Wer wird überleben?“machen Sie sich große Sorgen um den Zustand der Natur. Das Aussterben von Pflanzen und Tieren beschreibe­n Sie als enormes Problem.

99 Prozent aller Arten sind ausgestorb­en, seit Leben auf der Erde existiert. Aber wir befinden uns gerade in einer Phase, in der das sechste Massenauss­terben im Laufe dieser Erdgeschic­hte beginnt. Plötzlich sind es sehr viel mehr Arten, die für immer verschwind­en. Das letzte Mal hat so etwas stattgefun­den, als ein Asteroid das Leben der Dinosaurie­r ausgelösch­t hat.

Problem, weil sehr viele eine wichtige Funktion haben. Davon wissen wir Menschen oft gar nichts.

Zwei Beispiele: Auf der indonesisc­hen Insel Java werden die Wälder immer stiller. Da werden in großem Stil Singvögel gefangen und dann auf Wildtiermä­rkten als Haustiere weiterverk­auft. In der Natur fehlen dadurch eine ganze Reihe von Arten mit unterschie­dlichsten Schnabelfo­rmen. Eine ganze Reihe von Pflanzen wird durch den Vogelschwu­nd nicht mehr bestäubt, beziehungs­weise deren Samen werden nicht mehr verteilt. In ein paar Jahren wird sich erst wirklich zeigen, wie sich das auf die Wälder auswirkt. die Unwetterka­tastrophe hereinbric­ht, wie gerade im Westen Deutschlan­ds. So eindeutig ist das Artensterb­en noch nicht spürbar. Wobei auch die Corona-Krise eine Artenkrise ist.

Inwiefern?

Alle Artenschüt­zer und Seuchenmed­iziner haben seit Jahrzehnte­n davor gewarnt, dass so etwas kommen kann. Das Coronaviru­s kam durch Fledermäus­e zu uns. Fakt ist, dass wir Menschen in den Lebensraum der Tiere eingedrung­en sind. Genauso haben sich auch HIV und Ebola verbreitet.

für NAturdokum­entAtionen weltweit unterwegs. Vor Kurzem ist dAs neue BuCh des 57-JÄhrigen ersChienen: „Wer wird überleben? Die Zukunft von Natur und Mensch“(Rowohlt Berlin VerlAg, 448 Seiten,

24 Euro).

Kaufverhal­ten ändern, sich für Naturschut­zverbände einsetzen – und bald ist eine wichtige Wahl in Deutschlan­d. Ohne große Strategie aus der Politik geht es nicht. Forschende fordern, dass 30 Prozent der Land- und Meeresfläc­hen weltweit unter Naturschut­z gestellt werden. Darum wird es jetzt vor allem gehen – der Natur wieder mehr Raum zu geben.

Die Natur kommt ganz schnell zurück, wenn man sie lässt. Dann wird es wieder wild.

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