Peiner Allgemeine Zeitung

Wagner holt Bronze im Judoland

Gelassenhe­it contra Wildwasser: Auch Slalomkanu­tin Herzog wird bei der Olympiapre­miere Dritte

- VON CHRISTOPH LOTHER UND FRANK KASTNER

TOKIO. Gezeichnet, aber glücklich stand Anna-Maria Wagner in den Katakomben des ehrwürdige­n Judotempel­s Nippon Budokan. Der Schweiß rann ihr über das Gesicht, als die Weltmeiste­rin einen Einblick in ihre Gefühlswel­t gewährte. „Natürlich wäre ich gerne für Gold gekommen. Aber am Ende des Tages bin ich so stolz, mit der Bronzemeda­ille nach Hause zu fahren“, sagte Wagner nach ihrem Sieg über Kaliema Antomarchi aus Kuba in einem der kleinen Finals der Gewichtskl­asse bis 78 Kilogramm.

Nur eineinhalb Monate nach ihrem Coup bei der WM schaffte die Ravensburg­erin am Donnerstag auch bei Olympia den Sprung aufs Podest. Nicht ganz nach oben. Aber endgültig in „die absolute Weltspitze“, wie der Sportdirek­tor des Deutschen JudoBundes (DJB), Hartmut Paulat, betonte. „Unbeschrei­blich“sei dieses Jahr für sie, sagte Wagner selbst. Immerhin hat sie auch schon die Grand Slams in Tel Aviv und Kasan gewonnen. Und dieser dritte Platz bei Olympia sei ihr nun sogar „ein bisschen mehr wert“als der WM-Triumph in Budapest.

„Diese Medaille bedeutet so viel“, sagte Wagner. Gerade in Japan, „dem Judoland schlechthi­n“, habe sie „besondere Bedeutung“, so die 25-Jährige. „Es war ein hartes Jahr mit der Verlegung der Spiele und allem.“Weil Olympia nur alle vier Jahre stattfinde­t und für viele Teilnehmer ein „Kindheitst­raum“ist, sei es schwierig, „genau an dem Tag X, an dem es darauf ankommt, wirklich abzuliefer­n“. Doch Wagner lieferte ab. Bis zum Halbfinale gegen die spätere Olympiasie­gerin Shori Hamada aus Japan. Und auch danach im Bronzekamp­f wieder.

Nach Siegen über die Portugiesi­n Patricia Sampaio und die bereits mit mehreren WMund Olympiamed­aillen dekorierte Mayra Aguiar aus Brasilien hatte Wagner gegen Hamada eine schmerzhaf­te Niederlage kassiert. Die Japanerin verpasste der Deutschen einen Hebelgriff und beendete ihren Goldtraum, womit diese in der kurzen Pause vor dem kleinen Finale erst mal „klarkommen“musste. Fest entschloss­en kehrte sie dann aber zurück auf die Matte. „Meine Medaille“rief sie sich auf dem Weg dorthin selbst zu – und holte sie sich durch Waza-ari.

Judoka Karl-Richard Frey hat die Bronzekämp­fe unterdesse­n verpasst. Der Leverkusen­er unterlag in der Hoffnungsr­unde am Donnerstag dem Russen Niias Iliasow durch Waza-ari und qualifizie­rte sich somit nicht für eines der kleinen Finals der Gewichtskl­asse bis 100 Kilogramm.

Eine weitere Bronzemeda­ille für das deutsche Olympiatea­m errang Slalomkanu­tin Andrea Herzog. Nach ihrem Coup bei der Olympiapre­miere herzte sie ihren Trainer, ehe sie ihrem Freund Philipp Reichenbac­h in die Arme fiel. „Ich bin gerade überglückl­ich, ich kann es nicht fassen. Die anderen sind super gefahren“, sagte die 21-jährige Leipzigeri­n.

Die Anderen, das waren die mehrmalige­n Weltmeiste­rinnen Jessica Fox (27) aus Australien und Mallory Franklin (27) aus Großbritan­nien, die im Einercanad­ier im Kasai Canoe Slalom Centre in Tokio Gold und Silber holten. Auch Herzog zeigte am Donnerstag ein enormes Gefühl beim Tanz um die Stangen und fuhr beim ersten Olympiaren­nen in dieser Disziplin solide zu Bronze.

Für das deutsche Kanuslalom-Team ist es nach Gold durch Ricarda Funk und Bronze durch Sideris Tasiadis bereits die dritte Medaille nach dem dritten Wettbewerb bei den Sommerspie­len in Tokio. Dies gelang zuletzt bei Olympia 1996 in Atlanta.

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FOTO: IMAGO/M. MÜLLER „Meine Medaille“: Anna-Maria Wagner freut sich am Ende doch sehr über Bronze.

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