Kul­tu­rel­le Ei­gen­hei­ten ver­ste­hen und nut­zen

Production Partner - - Interview | Rgb-geschäftsf­ührer Mike Brockmann - Interview & Fo­to: Mar­cel Courth

Mi­ke Brock­mann von rgb en­ga­giert sich in­ner­halb des Un­ter­neh­mens stark im Be­reich Bu­si­ness De­ve­lop­ment und der or­ga­ni­sa­to­ri­schen Pla­nung von Pro­jek­ten. Wir tra­fen Mi­ke Brock­mann im Head­quar­ter in Es­sen und spra­chen mit ihm über die Be­deu­tung von aus­län­di­schen Märk­ten und die Wich­tig­keit von kul­tu­rel­lem Ver­ständ­nis.

Wel­chen Stel­len­wert hat die Au­to Shang­hai für Sie?

Wir ver­fol­gen und be­glei­ten die Au­to­mes­se in Chi­na ja schon sehr lan­ge. Man hat in den Jah­ren ge­se­hen, dass sie sich stark ent­wi­ckelt hat. Gleich­zei­tig ist in Shang­hai das größ­te Mes­se­ge­län­de der Welt ent­stan­den. Spe­zi­ell auch die chi­ne­si­schen Her­stel­ler bau­en mitt­ler­wei­le sehr auf­wän­di­ge Mes­se­stän­de. Auch bei der Or­ga­ni­sa­ti­on wird Wert auf ei­ne Durch­mi­schung von lo­ka­len und in­ter­na­tio­na­len Her­stel­lern ge­legt. Für uns ist es sehr span­nend zu se­hen, wie sich das wei­ter ent­wi­ckelt. Wir ha­ben ei­nen äu­ßerst po­si­ti­ven Trend zu ver­zeich­nen, weil wir mit un­se­rer chi­ne­si­schen Toch­ter­fir­ma, der stu­dio rgb in Shang­hai, im­mer wie­der lo­ka­le Mar­ken be­treu­en. Von da­her ist das ei­ne sehr wich­ti­ge Mes­se und ein gu­ter Im­puls­ge­ber für uns.

War die Ent­wick­lung die­ser Mes­se auch ein Be­weg­grund in Chi­na ei­ne Toch­ter­fir­ma zu er­öff­nen?

Nein, das hat­te mit der Au­to­in­dus­trie nichts zu tun. 2007 bin ich zum ers­ten Mal in Asi­en ge­we­sen, weil wir dort im Rah­men der Er­öff­nungs- und der Clo­sing-ce­re­mo­ny der Spe­cial Olym­pics in Shang­hai tä­tig wa­ren. Da ha­be ich die ers­ten Kon­tak­te und die ers­ten Ein­drü­cke sam­meln kön­nen, wo­bei Chi­na zu die­ser Zeit noch sehr ge­wöh­nungs­be­dürf­tig war. Und 2010 wa­ren wir dann im Zu­ge der EXPO bei zwei Pa­vil­lons in­vol­viert, wes­halb ich in der Vor­be­rei­tungs­zeit oft dort war. Da es kei­nen Wett­be­wer­ber für uns in Chi­na gab, hat­ten wir die Ent­schei­dung ge­trof­fen, es mit ei­ner ei­ge­nen Ver­tre­tung vor Ort zu ver­su­chen. Wäh­rend des Expo-pro­jek­tes ha­ben wir auch un­se­ren jet­zi­gen Ma­na­ging Part­ner Ty­ron Truong ken­nen­ge­lernt und dann 2011 die stu­dio rgb Shang­hai er­öff­net.

Wie wich­tig ist denn dann die per­so­nel­le Auf­stel­lung vor Ort?

Un­se­rer Mei­nung nach ist das ein ele­men­ta­res The­ma. Wir glau­ben zwar, dass wir un­ser Ge­schäft ver­ste­hen, sind uns aber mitt­ler­wei­le auch si­cher, dass wir in Chi­na als Deut­sche selbst sehr schwie­rig ein Ge­schäft ma­chen könn­ten. Wir ha­ben ei­nen chi­ne­si­schen Na­ti­ve-spea­ker ge­sucht, der un­se­re Men­ta­li­tät ver­steht. Mit Ty­ron Truong ha­ben wir wirk­lich Glück ge­habt – er ist Deut­scher, hat chi­ne­si­sche Wur­zeln, spricht ver­schie­de­ne Dia­lek­te und kann sich auf dem Par­kett sehr gut be­we­gen. Wir ha­ben an­fangs erst mal Kon­tak­te ge­knüpft, um zu se­hen, wo denn der Markt ist. Die En­gi­nee­ring-ar­beit, die zu­nächst not­wen­dig war, ha­ben wir aus Deutsch­land mit sup­por­ted.

Wie tei­len sich die Pro­jek­te auf rgb Deutsch­land und Shang­hai auf?

Im End­ef­fekt ist es so, dass ein chi­ne­si­sches Pro­jekt zu 100 Pro­zent vom chi­ne­si­schen Ac­count be­zie­hungs­wei­se vom Ge­ne­ral Ma­na­ger be­treut wird. Deut­sche Pro­jek­te mit deut­schen Kun­den be­treu­en wir von hier – egal wo sie statt­fin­den. Es ist schon so, dass das Gü­te­sie­gel, wie die De­sign­spra­che, das tech­ni­sche Know-how noch von uns kommt. Na­tür­lich ist es auch wich­tig, den Markt zu ver­ste­hen. Es nutzt ja nichts, wenn ich ein tol­les De­sign ha­be, das am Markt aber nicht ver­füg­bar oder bau­bar ist. Den De­si­gneran­spruch, den Gestal­tungs­an­spruch, den tech­ni­schen An­spruch, den wir ha­ben, ad­ap­tiert auf den Markt und das Bud­get, das uns zur Ver­fü­gung steht so­wie die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten vor Ort, das ist die Mi­schung, die wir zu ge­ne­rie­ren ver­su­chen.

Das ist ja ge­nau der Vor­teil, der rgb den Kun­den an­bie­tet. In­ter­na­tio­nal zu wis­sen, was kann vor Ort und wie mit wel­chen An­sprü­chen er­stellt wer­den.

Ge­nau, wir ha­ben in den letz­ten Jah­ren durch Kun­den, die im Be­reich Lo­cal Sour­cing sehr star­ke Ak­ti­vi­tä­ten ge­zeigt ha­ben, sehr vie­le Er­fah­run­gen ge­sam­melt, was die­ser lo­ka­le Markt kann oder nicht kann. Bei der Au­to­mes­se war es gang und gä­be, dass man bis vor ein paar Jah­ren sein Equip­ment ein­ge­flo­gen bzw. -ge­schifft hat. Das hat­te ex­trem ho­he Lo­gis­tik­kos­ten zur Fol­ge. Und da liegt ge­nau un­ser Vor­teil, denn wir ver­ste­hen den Markt in Asi­en und auch in Ame­ri­ka. Wir wis­sen, was geht und was nicht und schaf­fen es so, ef­fi­zi­ent zu pro­du­zie­ren.

Sie sind jetzt seit sie­ben Jah­ren in Asi­en. War das rück­bli­ckend ein er­folg­rei­cher Schritt für Sie?

Grund­sätz­lich ja. Zu­nächst ein­mal war das Gan­ze ei­ne ex­tre­me Be­rei­che­rung, weil man Ein­bli­cke in Wel­ten, in kul­tu­rel­le Din­ge hat, die man sonst nicht hat. Wie man da sei­ne Ge­schäf­te macht, wie man be­stimm­te Din­ge ein­fach gar nicht tut oder an­ders macht, das war erst mal ganz in­ter­es­sant und be­rei­chernd. Und zu die­ser Er­fah­rung und Ent­wick­lung ge­hört auch die Ak­zep­tanz zu ver­ste­hen, dass es bei der Lö­sung von Auf­ga­ben kul­tu­rel­le Un­ter­schie­de gibt, die sich nicht durch die ty­pi­sche deut­sche Ar­beits­wei­se lö­sen las­sen. Für un­se­re Kund­schaft ist es wich­tig, dass wir die­ses Know-how und den Ein­blick in den Markt ha­ben. So kön­nen wir die Fra­gen be­ant­wor­ten, die vie­le an­de­re nicht be­ant­wor­ten kön­nen. Wir sind al­so sehr zu­frie­den, weil es grund­sätz­lich ein gu­tes Ge­schäft ist.

Ist das denn auch ein Grund, mit ei­nem ei­ge­nen Auf­tritt in die USA zu ex­pan­die­ren? Wol­len Sie auch dort tie­fer ver­ste­hen, wie der Markt funk­tio­niert und das für sich nut­zen?

Wir be­schäf­ti­gen uns schon län­ger mit die­ser Idee. Wenn man sich den Mes­se­ka­len­der an­schaut, stellt man schnell fest, dass die gro­ßen Mes­sen in Eu­ro­pa, Asi­en und Nord­ame­ri­ka statt­fin­den – auch bei un­se­ren Kun­den. Da­ne­ben ist der Markt ein sehr gro­ßer Markt und auch ein sehr spe­zi­el­ler, z. B. we­gen der Ge­werk­schaf­ten. Un­ser Au­gen­merk wird aber nicht nur auf dem Au­to­mo­bil­sek­tor, son­dern auch auf dem Cor­po­ra­te-be­reich all­ge­mein lie­gen. Da­her wol­len wir dort den glei­chen Weg ge­hen, den wir schon in Asi­en ge­gan­gen sind.

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