Get the Par­ty star­ted: Ya­ma­ha Ri­va­ge PM10 bei P!NK

Bei den Openair-kon­zer­ten von P!NK be­fand sich im Som­mer 2017 ein RI­VA­GE PM10 im Ein­satz. Wir spra­chen mit Mo­ni­tor­mi­scher Horst Hart­mann über sei­ne Er­fah­run­gen mit dem neu­en Ya­ma­ha Di­gi­tal­pult­sys­tem.

Production Partner - - Report | Monitormix P!nk - Text und Fo­tos: Jörg Küs­ter

Im Som­mer 2017 war Us-su­per­s­tar P!NK bei zwei aus­ver­kauf­ten Kon­zer­ten in der Ber­li­ner Wald­büh­ne zu er­le­ben. Die je­weils 22.000 Kon­zert­be­su­cher wur­den nicht ent­täuscht: Be­glei­tet von ei­ner ex­zel­len­ten Band (her­aus­ra­gend: Drum­mer Mark Schul­man und Gi­tar­rist Jus­tin Der­ri­co), sechs Tän­zern, al­ler­lei Na­del­kis­sen­vo­doo, ei­ner rie­si­gen Vi­deo­wall, rhyth­misch lo­dern­den Flam­men und reich­lich Feu­er­werk pfleg­te Ale­cia Beth Moo­re ihr Po­wer­frau­en-image und ließ ins­be­son­de­re bei den bal­la­des­ken Parts der Ti­me­co­de-ba­sier­ten Show ihr be­acht­li­ches Stimm­po­ten­zi­al er­ken­nen. Wer in der Band de fac­to die Ho­sen an­hat, wur­de wäh­rend des ers­ten Kon­zert­abends deut­lich, als die Sän­ge­rin ih­ren Key­boar­der nach ei­nem eher un­in­spi­rier­ten Kla­vier­auf­takt zur neu­en Sing­le „What about us“sicht­lich un­ge­hal­ten vor ver­sam­mel­tem Pu­bli­kum mit ei­nem def­ti­gen „This sounds li­ke Shit!“zu­recht­wies – autsch …

Ton­kell­ner trifft Chris­tel von der Post

Für den Mo­ni­tor­sound war Horst Hart­mann ver­ant­wort­lich, der P!NK be­reits seit 2006 be­glei­tet und auf ei­ne jahr­zehn­te­lan­ge Kar­rie­re in der Pro­au­dio-bran­che zu­rück­bli­cken kann: Die To­ten Ho­sen, die Scor­pi­ons, Sa­de, Cher, Anas­ta­cia, Kraft­werk, To­kio Ho­tel, Ne­na, Ju­li und vie­le an­de­re Künst­ler sind

auf sei­ner per­sön­li­chen Cre­dit-lis­te zu fin­den. Bei P!NK teilt sich Hart­mann die Ar­beit seit ei­ni­ger Zeit mit Jon Le­wis (u. a. AC/DC, Da­vid Gil­mo­re, Paul Mc­cart­ney), der an ei­nem ei­ge­nen Pult aus­schließ­lich die Sän­ge­rin be­treut: Ale­cia Beth Moo­re ver­wen­det bei ih­ren Shows fast durch­gän­gig ein ein­zel­nes Ear­pie­ce und lauscht mit dem frei­en Ohr an­sons­ten den Büh­nen­mo­ni­to­ren, zu de­nen in der Ber­li­ner Wald­büh­ne 16 Wed­ges so­wie die ob­li­ga­to­ri­schen Si­de­fills ge­hör­ten – rein tech­nisch be­trach­tet ei­ne nicht ganz op­ti­ma­le Lö­sung, zu­mal sämt­li­che an­de­ren Büh­nen­ak­teu­re in­klu­si­ve des Schlag­zeu­gers aus­schließ­lich mit In-ear-sys­te­men (Senn­hei­ser EM 2050 IEM mit Com­bi­ner AC 3200-II und zir­ku­lar po­la­ri­sier­ter Wen­de­l­an­ten­ne A 5000-CP) aus­ge­stat­tet sind.

Horst Hart­mann küm­mert sich an sei­ner Kon­so­le um die Mo­ni­tor­be­dürf­nis­se der Band so­wie die über­ra­schend um­fang­rei­chen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge zwi­schen den Be­tei­lig­ten: „Ich bin ein gro­ßer Fan der Kom­mu­ni­ka­ti­on un­ter­ein­an­der“, er­klär­te Hart­mann in Ber­lin und ver­wies auf den Um­stand, dass die Cr­ew von P!NK kom­plett mit In-ear-hö­rern aus­ge­stat­tet ist und bei Kon­zer­ten zu­dem zwölf Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mi­kro­fo­ne an stra­te­gisch sinn­vol­len Po­si­tio­nen ver­teilt sind. Hart­mann be­zeich­ne­te sich in An­leh­nung an ei­nen deut­schen Hei­mat­film der 1950er-jah­re scher­zend als „Chris­tel von der Post“– ein Ge­dan­ken­bild mit Schmun­zel­fak­tor an­ge­sichts ei­nes ge­stan­de­nen Mo­ni­tor­manns, der sich in an­de­ren Zu­sam­men­hän­gen ger­ne auch „Ton­kell­ner“nennt.

In Ber­lin war der von ei­nem schwar­zen Zelt ge­gen Re­gen ge­schütz­te Mo­ni­tor­platz mit zwei Kon­so­len ver­se­hen, die ih­re Ein­gangs­si­gna­le se­pa­rat von­ein­an­der über ei­nen pas­si­ven Split­ter er­hiel­ten: „Ich möch­te mit nie­man­dem sha­ren – mir ist das zu kom­pli­ziert“, kom­men­tier­te Horst Hart­mann. „Ich ar­bei­te ger­ne mit reich­lich Gain, was in die­ser Form bei vie­len Kol­le­gen nicht un­be­dingt der Fall ist. Manch­mal kommt man dann ein­fach nicht zu­sam­men …“Der in­ter­na­tio­nal er­fah­re­ne Mo­ni­tor­spe­zia­list hat­te sich für ein Ya­ma­ha Ri­va­ge PM10 ent­schie­den, wäh­rend Jon Le­wis eben­so wie sein Kol­le­ge am Foh-platz auf ei­ne Di­gi­co SD7 (mit ge­mein­sam ge­nutz­ten Sdracks) setz­te. Für au­dio­tech­nisch vor­be­las­te­te Be­trach­ter er­gab sich dar­aus am Mo­ni­tor­platz ein be­mer­kens­wer­tes Bild, das zwei Pul­te mit glei­cher Kampf­klas­se und ver­gleich­ba­rer Preis­ge­stal­tung auf engs­tem Raum ver­band.

Bei den Shows hat­te Hart­mann rund 90 In­put-ka­nä­le zu ver­wal­ten; aus­ge­spielt wur­den zwölf Ste­reo­we­ge so­wie di­ver­se Mo­no­we­ge. Selbst­ver­ständ­lich wur­den auf je­dem der bei­den Mo­ni­tor­pul­te aus Si­cher­heits­er­wä­gun­gen al­le Mi­xes vor­ge­hal­ten, so dass beim Aus­fall ei­ner Kon­so­le so­fort ei­ne Ha­va­ri­e­lö­sung ein­satz­be­reit ge­we­sen wä­re.

Viel hilft viel

Mit dem Ya­ma­ha Ri­va­ge PM10 war Horst Hart­mann im Som­mer 2017 par­al­lel so­wohl mit P!NK als auch den To­ten Ho­sen un­ter­wegs. Der Mo­ni­tor­mann ist ein lang­jäh­rig er­fah­re­ner Ya­ma­ha-an­wen­der, so dass die Fra­ge nach ei­ner Ver­gleich­bar­keit der Hand­ha­bung mit an­de­ren Di­gi­tal­pul­ten die­ses Her­stel­lers auf der Hand lag: „Das PM10 weist be­züg­lich der Be­die­nung vie­le Ähn­lich­kei­ten zu an­de­ren Ya­ma­ha-pul­ten auf, ob­wohl bei der Kon­struk­ti­on na­tür­lich deut­li­che Un­ter­schie­de vor­han­den sind“, ant­wor­te­te Hart­mann. „Ich je­den­falls ha­be mich auf An­hieb zu­recht­ge­fun­den. Die er­go­no­mi­sche Gestal­tung mit ih­rer Kom­bi­na­ti­on aus Touch­screens und Hard­ware-be­dien­ele­men­ten kommt mei­nen Wün­schen sehr ent­ge­gen, und der Über­blick ist su­per!“

Hart­mann wei­ter: „Für P!NK und die Ho­sen stan­den bei mir an­fangs auch an­de­re Pult­kon­zep­te auf dem Zet­tel, aber mit dem PM10 ha­be ich ei­ne Lö­sung ge­fun­den, mit der ich ent­spannt zu gu­ten Er­geb­nis­sen ge­lan­ge – zu­nächst war ich ehr­lich ge­sagt ein we­nig skep­tisch, aber man kann sich auf dem PM10 sehr gut or­ga­ni­sie­ren, was letzt­lich doch das Ent­schei­den­de ist: Ich weiß, wo al­les zu fin­den ist und muss nicht groß­ar­tig su­chen, wenn auf der Büh­ne akut Stress herrscht – die Mu­si­ker in­ter­es­siert schließ­lich nicht, war­um ich ein Pro­blem ge­ra­de nicht lö­sen kann, und sie er­war­ten zu Recht, dass ih­re Wün­sche schnellst­mög­lich er­füllt wer­den.“

Nach ei­ge­nem Be­kun­den be­treut Horst Hart­mann oft Pro­duk­tio­nen, bei de­nen ei­ne Ya­ma­ha Cl-kon­so­le „ei­nen Tick zu klein ist“und die ei­gent­lich op­ti­ma­le Men­ge an Aus­gän­gen nicht ganz er­reicht wird. „Beim PM10 gibt es von al­lem ge­nü­gend!“, fasst Hart­mann mit Ge­dan­ken an 144 Ka­nä­le, 72 Mix­bus­se, 36 Ma­trix­bus­se und 24 Dca-grup­pen zu­sam­men. Für ei­ne ge­wis­se Ent­spannt­heit sorgt laut Hart­mann dar­über hin­aus, dass Kon­so­len von Ya­ma­ha welt­weit für ih­re Zu­ver­läs­sig­keit be­kannt sind.

In Ber­lin setz­te sich das Ya­ma­ha Ri­va­ge PM10 aus der Pulto­ber­flä­che CS-R10, der Dsp-en­gi­ne DSP-R10 und zwei Rpio622 I/o-racks zu­sam­men, wo­bei die Ein- und Aus­gän­ge voll­stän­dig se­pa­riert wa­ren: Ei­nes der I/o-racks war aus­schließ­lich mit In­puts aus­ge­rüs­tet und be­fand sich ge­mein­sam mit dem Split­ter, den Di­gi­co Sd-racks so­wie meh­re­ren Senn­hei­ser Em-6000-draht­lo­s­emp­fän­gern in gro­ßen 19"-Schrän­ken, wäh­rend das zwei­te, mit ins­ge­samt 96 Aus­gän­gen be­stück­te I/o-rack in ei­nem rol­len­be­wehr­ten Dop­pel-ca­se un­ter­ge­bracht war, das als Stand­flä­che für die CS-R10 dien­te. Die mo­du­lar auf­ge­bau­ten Ya­ma­ha Rpio622-units las­sen sich frei be­stü­cken, so dass be­lie­bi­ge Kom­bi­na­tio­nen von In­puts und Out­puts mög­lich sind. Bei der A/d-wand­lung setzt Horst Hart­mann auf ei­ne ho­he Ab­tast­ra­te von 96 khz, was mög­li­cher­wei­se dem Klang, ganz si­cher aber kur­zen Durch­lauf­zei­ten zu­träg­lich ist. „Ich stre­be so we­nig La­tenz wie mög­lich an!“, sag­te Hart­mann in Ber­lin und be­ton­te, dass Lauf­zei­ten in sei­nem Auf­bau auch für dies­be­züg­lich kri­ti­sche Kan­di­da­ten wie Schlag­zeu­ger oder Per­cus­sio­nis­ten kein The­ma sind.

Ef­fek­te mit Ma­nie­ren

Die Mo­ni­tor­mi­schun­gen er­stellt Horst Hart­mann bei P!NK aus­schließ­lich un­ter Ein­satz des Ya­ma­ha Ri­va­ge PM10; ex­ter­ne Ana­log­pro­zes­so­ren oder Ef­fekt­ge­rä­te kom­men nicht zum Ein­satz. Für die Be­ar­bei­tung von Stim­men schätzt

Hart­mann aus dem in­ter­nen An­ge­bot des Pult­sys­tems ins­be­son­de­re den „nach­ge­mach­ten 1176-Kom­pres­sor“(Com­pres­sor 276), den „Com­pres­sor 260“(Hart­mann: „Ei­ne dbx­e­mu­la­ti­on mit Ma­nie­ren“) so­wie die neu­en Pre­cise-eqs, wel­che nach sei­nen Wor­ten ins­be­son­de­re im Bass­be­reich „sehr gut grei­fen“. Die in­ter­nen Ya­ma­ha-hall­ge­rä­te fin­det Hart­mann „ab­so­lut in Ord­nung“und be­denkt die viel­ge­lob­ten Tc-al­go­rith­men mit dem Prä­di­kat „gut“, so­fern spe­zi­el­le­re An­wen­dun­gen auf dem Pro­gramm ste­hen: „Für Stan­dard­auf­ga­ben kom­me ich mit den Ya­ma­ha-pro­zes­so­ren bes­tens zu­recht“, so Hart­mann.

Die von Ya­ma­ha in Zu­sam­men­ar­beit mit Alt­meis­ter Ru­pert Ne­ve ent­wi­ckel­te Silk-funk­ti­on kom­men­tiert der Mo­ni­tor­mann mit „auf Stim­men ganz schön, so­fern man die Re­dVa­ri­an­te wählt“. Auch zum An­di­cken von Kick­drum und E-bass hat sich die Schal­tung bei P!NK be­reits als nütz­lich er­wie­sen. „Silk ist kein All­heil­mit­tel, aber man kann rasch zu brauch­ba­ren Er­geb­nis­sen ge­lan­gen“, meint Hart­mann. „Harsch klin­gen­de Si­gna­le be­kommt man da­mit schnell ein we­nig wei­cher, wäh­rend man ten­den­zi­ell dumpf klin­gen­den Si­gna­le mehr Flit­ter bei­mi­schen kann. Ich be­trach­te Silk als Sch­man­kerl, das in vie­len Zu­sam­men­hän­gen ei­ne gu­te Fi­gur ab­gibt.“ Wäh­rend Horst Hart­mann für sei­ne Mo­ni­tor­mi­schun­gen frü­her ger­ne auf ei­ne Ba­sis­sze­ne zu­rück­griff und aus­ge­hend von die­ser die kom­plet­te Show fuhr, setzt er in­zwi­schen auf die vor­han­de­nen Au­to­ma­ti­sie­rungs­mög­lich­kei­ten: Bei P!NK ist je­dem Song ei­ne ei­ge­ne Sze­ne zu­ge­wie­sen, wel­che im Ver­lauf des Abends per „Next“-but­ton ab­ge­ru­fen wird. Die Vor­ge­hens­wei­se mag der Kom­ple­xi­tät der Ti­me­co­de-show von P!NK ge­schul­det sein, denn bei Kon­zer­ten der To­ten Ho­sen be­dient Hart­mann das Pult in ge­wohn­ter Ma­nier über­wie­gend hän­disch.

Das Ya­ma­ha Ri­va­ge PM10 kam in Ber­lin aus dem Be­stand der Black Box Mu­sic Ver­an­stal­tungs­tech­nik und war mit Soft­ware­ver­si­on 1.21 aus­ge­rüs­tet – ein Up­date auf die ak­tu­el­le Ver­si­on 1.5.1 woll­te Hart­mann wäh­rend der lau­fen­den Kon­zert­ter­mi­ne nicht vor­neh­men. Bei den Som­mer­auf­trit­ten der To­ten Ho­sen wur­de ein an­de­res PM10 be­reits mit Soft­ware­ver­si­on 1.5.1 be­trie­ben, wel­che von Hart­mann via Usb-stick „in we­ni­ger als ei­ner hal­ben St­un­de“ein­ge­spielt wor­den war. Seit der Ak­tua­li­sie­rung hat der Mo­ni­tor­mann Zu­griff auf „ei­ni­ge sehr nütz­li­che neue Fea­tu­res“: Be­son­ders prak­tisch er­scheint ihm ei­ne re­la­tiv zum Ori­gi­nal ein­grei­fen­de Over­lay-funk­ti­on im Ge­gen­satz zum ab­so­lut ar­bei­ten­den „Glo­bal Pas­te“– in sei­nen Wor­ten „ei­ne schö­ne, schnel­le und gut funk­tio­nie­ren­den Sa­che“. Hart­mann wei­ter: „Sehr nütz­lich ist auch die neu hin­zu­ge­kom­me­ne Shift-funk­ti­on, wel­che die Ein­stel­lun­gen ei­nes Ka­nals un­kom­pli­ziert auf wei­te­re se­lek­tier­te Chan­nels über­trägt – im Prin­zip nut­ze ich die Funk­ti­on für ei­ne Grup­pen­bil­dung im Aux-weg, was we­sent­lich di­rek­ter funk­tio­niert als bei di­ver­sen Wett­be­wer­ber­pro­duk­ten.“

Soft­ware­ver­si­on 1.5.1

Teil der Pro­dukt­po­li­tik von Ya­ma­ha ist es, das Ri­va­ge PM10 jetzt und in Zu­kunft mit Firm­ware-up­dates zu pfle­gen. Neue

Soft­ware­ver­sio­nen wer­den kos­ten­frei be­reit­ge­stellt und las­sen sich vom An­wen­der in ei­ge­ner Re­gie ein­spie­len. Die Vor­ge­hens­wei­se re­la­ti­viert den für man­che In­ter­es­sen­ten auf den ers­ten Blick mög­li­cher­wei­se ein we­nig hoch er­schei­nen­den An­schaf­fungs­preis für ei­ne Ba­sis­aus­stat­tung – an­dern­orts wird man zum Bei­spiel für neue Ef­fek­te ger­ne zur Kas­se ge­be­ten. Ein ganz prak­ti­scher Vor­teil ist dar­über hin­aus nicht von der Hand zu wei­sen: So­fern un­ter­schied­li­che PM10Sys­te­me mit der glei­chen Firm­ware-ver­si­on aus­ge­stat­tet sind, ver­fü­gen sie stets über ei­ne iden­ti­sche (Ef­fekt-)aus­stat­tung, so dass ein zur Show mit­ge­brach­tes Pro­ject-fi­le oh­ne An­pas­sun­gen und/oder läs­ti­ge Don­g­le- bzw. Li­zen­zie­rungs­pro­ble­ma­tik über­nom­men wer­den kann.

An­fang Ju­li 2017 wur­de für das Ya­ma­ha Ri­va­ge PM10 die Soft­ware­ver­si­on 1.5.1 vor­ge­stellt, wel­che er­war­tungs­ge­mäß di­ver­se Neue­run­gen be­inhal­tet. Zu den zen­tra­len In­no­va­tio­nen ge­hört die Mög­lich­keit, mit­hil­fe ei­ner Single­fi­ber-an­bin­dung über ein Neu­trik Op­ti­cal­con Glas­fa­ser-ver­bin­dungs­sys­tem grö­ße­re Dis­tan­zen als die bis­lang mög­li­chen 300 Me­ter zu über­brü­cken. Pas­send da­zu setzt die neue Sys­tem­kar­te HY256-TL-SMF („TWINLANE Sing­le Mo­de Fi­ber“) nicht mehr auf Mul­ti­mode­fa­sern, son­dern ge­währt Single­mode-licht­wel­len­lei­tern den Vor­zug – zwi­schen De­vices kön­nen auf die­se Wei­se nun Ver­bin­dun­gen von bis zu zwei Ki­lo­me­ter Län­ge her­ge­stellt wer­den. In­ter­es­sant dürf­te die neu ge­schaf­fe­ne Op­ti­on ins­be­son­de­re für Lar­ge­sca­le-broad­cast-ap­pli­ka­tio­nen sein, aber es mag auch Live-kon­zer­te ge­ben, bei de­nen je nach ört­li­cher Ge­ge­ben­heit 300 Me­ter zur Ver­le­gung der Fa­sern nicht aus­rei­chen. Üb­ri­gens wird das Netz­werk auch bei der neu ge­schaf­fe­nen Single­fi­ber-op­ti­on als red­un­dan­ter Ring an­ge­legt.

Deut­lich ver­bes­sert hat sich mit der neu­en Soft­ware­ver­si­on 1.5.1 die Auf­ruf­ge­schwin­dig­keit („Re­call Speed“) für Sze­nen, was von An­wen­dern frag­los er­freut zur Kennt­nis ge­nom­men wer­den wird. Bei der Be­wer­tung der Auf­ruf­ge­schwin­dig­keit soll­te man im Hin­ter­kopf be­hal­ten, dass das Ya­ma­ha Ri­va­ge PM10 be­acht­li­che Pa­ra­me­ter­men­gen ver­wal­tet, die al­le­samt von ei­nem Re­call tan­giert wer­den.

Vor­ge­se­hen ist nun auch ei­ne Un­ter­stüt­zung des PM10 durch den Con­so­le Fi­le Con­ver­ter 4.0.0 (Win/mac), mit des­sen Hil­fe sich in an­de­ren Ya­ma­ha-pul­ten er­stell­te Kon­fi­gu­ra­tio­nen in das Ri­va­ge PM10 über­tra­gen las­sen – ein Trans­fer ist auch in um­ge­kehr­ter Rich­tung mög­lich. Wer in­ter­na­tio­nal un­ter­wegs ist, wird sich über die Op­ti­on freu­en, bei auf­wän­di­gen Shows stets ei­ne „Start­hil­fe“zur Ver­fü­gung zu ha­ben, selbst wenn das ei­gent­lich für die Show ge­wünsch­te PM10 im be­tref­fen­den Land nicht ver­füg­bar sein soll­te. Thea­ter dürf­ten den File­con­ver­ter schät­zen, wenn sich ei­ne Pro­duk­ti­on aus der fes­ten Spiel­stät­te auf Tour­nee be­gibt und statt ei­nem Ri­va­ge PM10 bei­spiels­wei­se ei­ne CL5 ge­nutzt wer­den soll. Selbst­ver­ständ­lich las­sen sich le­dig­lich sol­che Pa­ra­me­ter über­tra­gen, die von den be­tei­lig­ten Kon­so­len un­ter­stützt wer­den, und auch die phy­sisch vor­han­de­ne Ka­nal-/bus­zahl setzt der

Kon­ver­tie­rungs­freu­de na­tür­li­che Gren­zen. Der Con­so­le Fi­le Con­ver­ter ist in Form ei­ner ei­gen­stän­di­gen Soft­ware kos­ten­frei ver­füg­bar (http://www.yama­hapro­au­dio.com/glo­bal/en/ down­loads/firm­ware_­soft­ware/ri­va­ge_pm10/).

Ein at­trak­ti­ves Fea­tu­re für ein Pult­sys­tem in der Preis­klas­se des Ya­ma­ha Ri­va­ge PM10 ist das nun ver­füg­ba­re Tie­linePatchi­ng (P2P TWINLANE patch). Mit­hil­fe der neu­en Funk­ti­on kön­nen Qu­er­ver­bin­dun­gen zwi­schen ein­zel­nen De­vices ein­ge­rich­tet wer­den; die ma­xi­ma­le Zahl von acht Rpio622 oder Rpio222 I/o-racks wird un­ter­stützt. Um ein Bei­spiel an­zu­füh­ren: An Rack 1 wird am zwei­ten Ein­gang der drit­ten Kar­te ein Si­gnal ein­ge­speist, das in Rack 8 am zehn­ten Aus­gang der fünf­ten Kar­te wie­der ent­nom­men wird – als di­rek­te Ver­bin­dung, die nicht vom Patching im Pult be­ein­flusst wird. Der pult­in­ter­ne Sze­nen­wech­sel ist ei­ne Ebe­ne un­ter dem Port-to-port-patching an­ge­sie­delt und tan­giert die­ses so­mit nicht – das Gan­ze kann man sich in et­wa so vor­stel­len, als hät­te man ein fest ver­leg­tes Ka­bel zwi­schen ei­nem Ein- und ei­nem Aus­ga­be­punkt ge­zo­gen. Die Ein­stel­lung wird im Pro­ject-fi­le hin­ter­legt. Für Tie­li­ne-patchings wur­den Vi­sua­li­sie­run­gen („Patch In­di­ca­ti­on for Sour­ces not on TWINLANE“) ge­schaf­fen, wel­che durch ih­re Farb­ge­bung auf den be­son­de­ren Sta­tus auf­merk­sam ma­chen und ner­vö­sen „Äh, wie­so hö­re ich jetzt trotz ge­setz­tem Kop­pel­punkt ge­ra­de nichts?“-fra­gen vor­beu­gen.

Nach der In­stal­la­ti­on von Soft­ware­ver­si­on 1.5.1 las­sen sich In­serts via TWINLANE schal­ten, so dass sich bei­spiels­wei­se ein auf der Büh­ne be­find­li­ches Ef­fekt­ge­rät naht­los in den Si­gnal­fluss ei­nes Ka­nals am FOH-PULT ein­bin­den lässt – vor­mals war so et­was aus­schließ­lich di­rekt an der En­gi­ne DSP-R10 mög­lich, wel­che sich mög­li­cher­wei­se ja in ei­nem sol­chen Zu­sam­men­hang eher un­güns­tig am Foh-platz be­fin­det.

Für Be­geis­te­rung dürf­te ei­ne in Soft­ware­ver­si­on 1.5.1 frei­ge­schal­te­te Emu­la­ti­on des le­gen­dä­ren Even­ti­de H3000 Ul­tra-har­mo­ni­zers sor­gen – „für lau“nimmt man ein sol­ches An­ge­bot oh­ne Fra­ge sehr ger­ne mit. Wei­te­re Ef­fek­te sind im Up­date eben­falls kos­ten­frei ent­hal­ten: Der bis­lang zwei­ka­na­lig aus­ge­leg­te dy­na­mi­sche EQ er­weist sich in vie­ler­lei Zu­sam­men­hän­gen als ex­trem nütz­li­ches Werk­zeug und un­ter­stützt nun vier (!) Ka­nä­le, die mit Si­de­chain-in­serts ver­se­hen sind, so dass bei­spiels­wei­se ein fre­quenz­se­lek­ti­ves Ducking mög­lich wird. Hin­ter der Be­zeich­nung „Bu­cket De­lay“ver­birgt sich ei­ne Vcm-si­mu­la­ti­on der be­rühmt-be­rüch­tig­ten Ei­mer­ket­ten­schal­tung, wel­che nicht nur Freun­den von Reg­gae und Dub­step ge­fal­len dürf­te. Der Buss Comp 369 lehnt sich klang­lich an ei­nen ex­trem be­lieb­ten ana­lo­gen Sum­men­kom­pres­sor an, des­sen Sound auf zahl­lo­sen Rock- und Pop-pro­duk­tio­nen zu hö­ren ist. Nicht nur Thea­ter wer­den den neu­en Du­gan Au­to­ma­tic Mi­xer mit bis zu 64 Ka­nä­len und fünf Funk­ti­ons­grup­pen (z. B. für Dis­kus­si­ons­ti­sche) ger­ne ein­set­zen.

Zu den Neue­run­gen in Soft­ware­ver­si­on 1.5.1 zählt ei­ne Event­lis­te, de­ren Sze­nen sich ma­nu­ell trig­gern las­sen: Die Not­wen­dig­keit zu ei­ner nu­me­ri­schen Sor­tie­rung ent­fällt, so dass ein­zel­ne Sze­nen di­rekt ab­ge­ru­fen wer­den kön­nen, wenn et­wa der Re­gis­seur oder ein Künst­ler ei­ne ent­spre­chen­de An­wei­sung er­teilt – im Prin­zip han­delt es sich um ein vir­tu­el­les Lay­er, das über der Sze­nen­ver­wal­tung an­ge­ord­net ist.

In der ak­tu­el­len Soft­ware­ver­si­on un­ter­stützt das Ri­va­ge PM10 eben­so wie die be­lieb­ten CL- und Ql-pul­te die Funk-

tio­nen Par­ti­al-load und Par­ti­al-sa­ve, was die Fes­ti­valtaug­lich­keit des neu­en Ya­ma­ha-sys­tems wei­ter un­ter­strei­chen soll­te. Die Li­bra­ries für EQ, Ef­fek­te usw. ver­fü­gen nun statt 300 über ins­ge­samt 600 Spei­cher­plät­ze.

Das Firm­ware-up­date auf Ver­si­on 1.5.1 stellt ei­ne Viel­zahl wei­te­rer Fea­tu­res zur Ver­fü­gung, die an die­ser Stel­le aus Platz­grün­den nicht er­schöp­fend er­ör­tert wer­den kön­nen – in­ter­es­sier­te Le­ser kön­nen sich bei De­tail­fra­gen an das kom­pe­ten­te Pro­au­dio-team der Ya­ma­ha Mu­sic Cen­tral Eu­ro­pe Gm­bh in Rel­lin­gen wen­den.

Back on the Block

In PRO­DUC­TION PART­NER wur­de vor et­was mehr als ei­nem Jahr über ei­nen der ers­ten hie­si­gen Ein­sät­ze des Ri­va­ge PM10 beim Clas­sic Open Air auf dem Ber­li­ner Gen­dar­men­markt be­rich­tet. Bei Ya­ma­ha dürf­te die seit­her er­folg­te Markt­ak­zep­tanz als er­freu­lich be­wer­tet wer­den: So ist et­wa Jo­sé Car­re­ras mit dem Sys­tem in­ter­na­tio­nal un­ter­wegs, und bei Klas­sik am Ode­ons­platz 2017 (mit dem wirk­lich un­glaub­li­chen Mar­tin Gru­bin­ger) be­fand sich eben­falls ein Ri­va­ge PM10 im Ein­satz. Die an­spruchs­vol­len Ver­an­stal­tun­gen pas­sen zu ei­ner weit ver­brei­te­ten Ein­schät­zung, laut wel­cher Ya­ma­has neue Kon­so­le ih­re Vor­zü­ge ins­be­son­de­re dann aus­zu­spie­len ver­steht, wenn De­tail­treue und fi­li­gra­ne Be­ar­bei­tungs­mög­lich­kei­ten bei kom­ple­xen Dar­bie­tun­gen ge­fragt sind.

Los­ge­löst da­von stößt die viel­be­ach­te­te Silk-schal­tung auch bei ar­ri­vier­ten Ton­meis­tern auf Ge­gen­lie­be, da sich der „ana­lo­ge Touch“der Hy­brid Mi­kro­fon­vor­ver­stär­ker (RY16-ML-SILK) pro Ka­nal stu­fen­los per „Tex­tu­re“re­ge­lung zu­mi­schen lässt – auch im Klas­sik­kon­text ist je nach In­stru­ment eben nicht im­mer die ma­xi­ma­le Klang­neu­tra­li­tät ge­fragt. Über­zeu­gungs­ar­beit leis­ten in vie­len Fäl­len die Hall-al­go­rith­men der vir­tu­el­len Vs­s4h­dma­schi­nen von TC Elec­tro­nic – frei nach dem Mot­to: Lie­ber we­ni­ger, aber da­für ex­zel­len­te Al­go­rith­men als ein un­über­sicht­li­cher Wust von Plug-ins var­ri­ie­ren­der Qua­li­tät. Dass beim PM10 ei­ne au­to­ma­ti­sche La­tenz­kom­pen­sa­ti­on vor­han­den ist und die Si­gnal­aus­ga­be auch wäh­rend kom­ple­xer Ak­tio­nen wie der Par­al­lel­kom­pres­si­on bei bis zu acht Plug-ins in je­dem Ka­nal pha­sen­starr bleibt, macht das Au­dio­en­gi­neer-le­ben am Foh-platz trotz zwangs­läu­fig leicht er­höh­ter Grund­lauf­zeit ein­fa­cher. Für En­de 2017 ist ein wei­te­res Firm­ware-up­date zu er­war­ten, das vor­aus­sicht­lich Ver­si­ons­num­mer 2.0 tra­gen und un­ter an­de­rem ei­nen Ver­bund­be­trieb der CS-R10 mit der an­ge­kün­dig­ten Kom­pakto­ber­flä­che CS-R10S („S“für „small“) un­ter­stüt­zen wird.

In Deutsch­land ist das Ya­ma­ha Ri­va­ge PM10 in­zwi­schen (Stand: Som­mer 2017) bei meh­re­ren Com­pa­nies ver­füg­bar: Die Black Box Mu­sic Ver­an­stal­tungs­tech­nik Gm­bh hat zwei Sys­te­me er­wor­ben, die Bab­bel & Ha­e­ger OHG ver­fügt eben­falls über zwei Sys­te­me, und die Pro­fi Mu­sik Han­dels Gm­bh be­schall­te mit ei­nem neu an­ge­schaff­ten PM10 die Haupt­büh­ne beim dies­jäh­ri­gen Elb­jazz Mu­sik­fes­ti­val. Die Staats­oper Ber­lin wird in der som­mer­li­chen Spiel­zeit­pau­se mit zwei PM10 aus­ge­rüs­tet, im Deut­schen Thea­ter in Göt­tin­gen wird ak­tu­ell ein PM10 in­stal­liert, und das Schau­spiel Frank­furt ge­hört ne­ben dem Schau­spiel Hannover und dem Fei­er­abend­haus der BASF eben­falls zu den An­wen­dern. Kurz: Nach ei­ner län­ge­ren Aus­zeit scheint Ya­ma­ha mit dem Ri­va­ge PM10 in­zwi­schen mehr als nur den sprich­wört­li­chen Fuß in der Tü­re zum Markt für zeit­ge­mä­ße di­gi­ta­le Pro­fi­pul­te zu ha­ben.

Dsp-en­gi­ne DSP-R10 mit red­un­dan­ten Netz­tei­len

Rpio622 I/o-rack für die Aus­gän­ge un­ter der Mo­ni­tor­kon­so­le

Ei­nes der Rpio622 I/o-racks war aus­schließ­lich mit In­puts aus­ge­rüs­tet

Horst Hart­mann an sei­nem Ar­beits­platz

Un­ter dem Tisch sieht es bei Horst Hart­mann so aus

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.