„If in doubt – let it out!“

Special Ef­fects (SFX) sind das Salz in der Sup­pe ei­ner Ins­ze­nie­rung. Pro­duc­tion-part­ner-re­dak­teur Ebi Ko­the stellt die ver­schie­de­nen Tech­ni­ken vor, er­klärt Zu­läs­sig­kei­ten so­wie Qua­li­fi­ka­tio­nen, die beim Ein­satz von SFX not­wen­dig sind und gibt Tipps und Tr

Production Partner - - News - Text: Ebi Ko­the | Fotos: Joe Be­cker, Markus Kat­ter­le, Aman­da Hol­mes, Piotr Sz­ablow­ski, Chris­ti­na-kloodt, Stefan Haupt, Urs Lan­ge, Frank Bau­dy | Grafik: Le­na Voss

Ge­or­ge Kloodt von LMP Py­ro­tech­nik zi­tiert sei­ne frü­he­re Che­fin und da­mit ei­nen der wich­tigs­ten Leit­sät­ze bei der Ar­beit mit Py­ro­tech­nik. Den gan­zen Ar­ti­kel über die ver­schie­de­nen Tech­ni­ken im Be­reich Special Ef­fects so­wie Zu­läs­sig­kei­ten und er­for­der­li­che Qua­li­fi­ka­tio­nen für Py­ro­tech­nik und Hö­hen­feu­er­wer­ke gibt’s in un­se­rem um­fas­sen­den Über­blick ab Sei­te 12.

Was man un­ter Special Ef­fects ver­steht, hängt si­cher­lich vom Blick­win­kel des Be­trach­ters ab: Wäh­rend Bran­chen­frem­de schon ein Mo­ving­light als Spe­zi­al­ef­fekt an­se­hen könn­ten, wer­den in der Event­bran­che da­mit eher Tech­ni­ken be­zeich­net, die nicht zum Licht, Ton und Bild ge­hö­ren und den­noch op­ti­sche oder akus­ti­sche Ele­men­te ei­ner Show sind – die Gren­zen sind da nicht ganz rand­scharf. Ver­schie­dens­te Tech­ni­ken und Ma­te­ria­li­en kom­men da­bei zum Ein­satz. Na­tür­lich vor­kom­men­de Ele­men­te wie Was­ser, Luft und Feu­er wer­den ver­wen­det und da­mit kon­trol­liert (zu­min­dest soll­te es so sein) Ef­fek­te er­zeugt, um Stim­mun­gen und Emo­tio­nen aus­zu­lö­sen. Im Raum ver­teilt sor­gen Kon­fet­ti, Strea­mer und Sei­fen­bla­sen für be­son­de­re Bil­der.

Der Ne­bel

Als ers­ter SFX ist der Ne­bel zu nen­nen: Je­de Licht­fir­ma be­sitzt si­cher­lich Ne­bel­ma­schi­nen, mit de­nen Ne­bel­wol­ken oder auch ein leich­ter Dunst (Ha­ze) er­zeugt wer­den kön­nen, die not­wen­dig sind, um die Licht­strah­len im Raum sicht­bar

zu ma­chen. Bei her­kömm­li­chen Ver­damp­fer­ma­schi­nen wer­den da­für Spe­zi­al­flüs­sig­kei­ten mit den Haupt­be­stand­tei­len Was­ser und Gly­col durch ein Hei­z­ele­ment er­hitzt und dann als Dampf in den Raum ab­ge­ge­ben. Das Ne­bel­er­geb­nis ist auch von Luft­feuch­tig­keit und Tem­pe­ra­tur vor Ort ab­hän­gig. Zum Be­trieb der Ma­schi­nen wer­den Flui­de mit un­ter­schied­li­chen Auf­lö­sungs­ei­gen­schaf­ten an­ge­bo­ten, je nach­dem ob man ei­nen schnell auf­lö­sen­den oder ei­nen mög­lichst lang­an­hal­ten­den Ef­fekt er­rei­chen möch­te.

Ge­nau­so alt wie die Ver­wen­dung von Ne­bel­ma­schi­nen ist der im­mer wie­der auf­flam­men­de Ex­per­ten­streit über mög­li- che Ge­sund­heits­ge­fah­ren. Die Be­stre­bun­gen, den In­halts­stoff Pro­py­lengly­col als ge­sund­heits­ge­fähr­lich kenn­zeich­nungs­pflich­tig zu ma­chen, sind von der da­für zu­stän­di­gen Eu­ro­päi­schen Che­mi­ka­li­en­agen­tur En­de 2016 als nicht aus­rei­chend nach­ge­wie­sen ab­ge­lehnt wor­den. Safex-chef Gün­ter Schaidt, der in den 70ern das Ne­bel­sys­tem mit Pro­py­lengly­col-flu­id ent­wi­ckel­te (bis da­hin wa­ren nach­weis­lich schäd­li­che Oilcra­cker-ma­schi­nen im Ge­brauch) und da­für 1985 ei­nen Os­car „for the de­ve­lop­ment of an im­pro­ved, non-to­xic flu­id for crea­ting fog and smo­ke for mo­ti­on pic­tu­re pro­duc­tion“er­hielt, hat da­zu ei­ne ein­deu­ti­ge Mei­nung: „Mitt­ler­wei­le sind 45 Jah­re ver­gan­gen, in de­nen Thea­ter­ne­bel welt­weit ein­ge­setzt wird. Man kann be­reits aus prak­ti­schen Über­le­gun­gen, ähn­lich ei­ner epi­de­mio­lo­gi­schen Be­trach­tung zu dem Er­geb­nis kom­men, dass ein che­mi­sches Sys­tem, das so lan­ge welt­weit be­steht und nicht zu Auf­fäl­lig­kei­ten führt, prak­tisch un­ge­fähr­lich sein muss.“

Ne­bel­ma­schi­nen­her­stel­ler for­dern oft, dass in ih­ren Ma­schi­nen nur das da­zu pas­sen­de Her­stel­ler­flu­id ver­wen­det wird. Ob dies da­mit zu­sam­men­hängt, dass die­se Flui­de op­ti­mal auf die Ge­rä­te des je­wei­li­gen Her­stel­lers ab­ge­stimmt sind oder ob die­se Aus­sa­ge eher mar­ke­ting­ge­trie­ben ist, wer­den nur die Che­mi­ker un­ter uns fest­stel­len kön­nen. Hilf­reich bei ei­ner Dis­kus­si­on über ei­ne mög­li­che Ge­sund­heits­schä­di­gung bei der An­wen­dung vor Ort ist aber si­cher­lich die ab­ge­stimm­te Ver­wen­dung und ei­ne Un­be­denk­lich­keits­er­klä­rung des Fluid­her­stel­lers, die beim Kauf an­ge­for­dert wer­den soll­te. Al­ler­dings soll­te man sich zu­vor auch an­se­hen, ob es sich da­bei um ei­nen se­riö­sen Zer­ti­fi­kat­aus­stel­ler han­delt.

Markus Kat­ter­le vom Sfx-pio­nier Flash Art weist auf ei­nen Um­stand hin: „Da der er­zeug­te Ne­bel hy­gro­sko­pisch ist und der Raum­luft bei Bil­dung Feuch­tig­keit ent­zieht, kann es sein, dass ei­ne gut funk­tio­nie­ren­de Ab­luft­an­la­ge die­se ge­bun­de­ne Feuch­tig­keit aus dem Raum be­för­dert und die Raum­luft da­durch tro­cke­ner wird. Auch dies könn­te da­zu bei­tra­gen, dass sich Sän­ger manch­mal un­wohl füh­len.“

Im Zwei­fel hilft hier den­noch der ge­sun­de Men­schen­ver­stand mit der Re­gel: all­zu viel ist un­ge­sund – oder könn­te es zu­min­dest sein. Ei­ne zu ho­he Ne­bel­kon­zen­tra­ti­on im Pu­bli­kum

Bei Kauf ei­nes Ne­bel­fluids kann ei­ne Un­be­denk­lich­keits­er­klä­rung von dem Her­stel­ler an­ge­for­dert wer­den

führt mög­li­cher­wei­se zu Sicht­be­hin­de­rung und Des­ori­en­tie­rung – ein Zu­stand, der zum Bei­spiel bei Men­schen­mas­sen in ei­nem ge­schlos­se­nen Raum zu ver­mei­den ist. In den For­mu­la­ren zur Ge­fähr­dungs­be­ur­tei­lung bei Ver­an­stal­tun­gen ist da­her auch die Fra­ge nach Ein­satz von Ne­bel­ma­schi­nen Teil der Stan­dard­ab­fra­gen.

Vie­le Ver­samm­lungs­stät­ten ver­fü­gen über Brand­mel­de­an­la­gen (BMA) mit op­ti­schen Mel­dern. Die­se über­prü­fen die Vi­si­bi­li­tät und re­agie­ren auf ei­ne Ver­schlech­te­rung, da die­se als Qualm ei­nes Feu­ers in­ter­pre­tiert wird. Lei­der kön­nen sie nicht zwi­schen letz­te­rem und künst­li­chem Büh­nen­ne­bel dif­fe­ren­zie­ren, wo­durch es im­mer wie­der vor­kommt, dass die BMA durch Ne­be­l­ein­satz aus­ge­löst wird. Häu­fig sind die­se An­la­gen auf­grund der hö­he­ren Ge­fähr­dung vie­ler Men­schen in ei­ner Hal­le mit ei­ner di­rek­ten Lei­tung zur ört­li­chen Feu­er­wehr ver­bun­den, die un­mit­tel­bar durch die Aus­lö­sung alar­miert wird und aus­rückt. Löst man ei­nen un­be­grün­de­ten Ein­satz der Feu­er­wehr aus, hat man für die ent­ste­hen­den Kos- ten ein­zu­ste­hen. Da­her soll­te je­der Ne­be­l­ein­satz, auch ei­ne Er­pro­bung, nur nach Rück­spra­che mit dem Hal­len­be­trei­ber er­fol­gen. Oft be­steht bei recht­zei­ti­ger Klä­rung im Vor­feld die Mög­lich­keit, die Brand­mel­de­an­la­ge für die Ver­an­stal­tung ab­zu­schal­ten, wenn die zu­stän­di­gen Stel­len Kom­pen­sa­ti­ons­maß­nah­men wie zum Bei­spiel der An­we­sen­heit ei­ner Brand­wa­che (ei­nem Feu­er­wehr­mann) bei der Ver­an­stal­tung zu­ge­stimmt ha­ben. Manch­mal be­fin­den sich die­se Mel­der auch in der Ab­luft­an­la­ge und kön­nen aus­lö­sen, ob­wohl die Mel­der in den ei­gent­li­chen Räu­men ab­ge­schal­tet sind.

Wie je­des an­de­re tech­ni­sche Ge­rät soll­ten auch Ne­bel­ma­schi­nen re­gel­mä­ßig ge­rei­nigt und ge­war­tet wer­den. Ein schad­haf­tes Ther­mo­stat könn­te zur Über­hit­zung füh­ren und so mög­li­cher­wei­se ei­nen Brand aus­lö­sen. Zu ge­rin­ge Heiz­leis­tung des Ge­rä­tes ver­ur­sacht ei­ne un­zu­rei­chen­de Ver­damp­fung und lässt hei­ße Flüs­sig­keit aus­tre­ten, die zu Rutsch- oder Ver­bren­nungs­ge­fähr­dung führt. Ei­ne Ver­bren­nungs­ge­fahr be-

steht al­ler­dings auch bei ord­nungs­ge­mäß funk­tio­nie­ren­den Ma­schi­nen im­mer di­rekt am Ne­be­laus­tritt. Ne­bel­ma­schi­nen müs­sen in ih­rer Aus­füh­rung der DIN VDE 0 700 Teil 245 ent­spre­chen. Die Ver­wen­dung von Qua­li­täts­ge­rä­ten emp­fiehlt sich auf­grund zu­ver­läs­si­ger Kon­struk­ti­on, die bei güns­ti­gen Ge­rä­ten aus Fer­n­ost nicht im­mer ge­ge­ben ist.

Die­se Ge­rä­te schon als Special Ef­fects zu be­zeich­nen, wä­re in der Bran­che eher un­üb­lich. Aber ei­gent­lich müs­sen auch sie da­zu­ge­rech­net wer­den – spä­tes­tens, wenn der Ne­bel in be­son­de­rer Au­s­prä­gun­gen er­zeugt wird.

Spe­zi­el­le Ne­bel­ma­schi­nen

Auf dem Markt wer­den auch Ver­damp­fer­ma­schi­nen an­ge­bo­ten, die den Ne­bel­stoß senk­recht ab­ge­ben – ger­ne ver­bun­den mit im Ge­rät ein­ge­bau­ten far­bi­gen LEDS, die den Ne­bel­stoß an­strah­len. Hier steht nicht die Ne­be­l­er­zeu­gung, son­dern der op­ti­sche Ef­fekt des senk­rech­ten Sto­ßes im Vor­der­grund. Da die­se Ma­schi­nen häu­fig an der vor­de­ren Büh­nen­kan­te po­si­tio­niert wer­den, ist dar­auf zu ach­ten, dass sich we­der Pu­bli­kum noch Mit­wir­ken­de in der Nä­he der Aus­stoß­dü­se be­fin­den, da auch hier ei­ne Ver­bren­nungs­ge­fahr be­steht.

Auch zur Er­zeu­gung von Bo­den­ne­bel kön­nen Ver­damp­fer­ma­schi­nen ver­wen­det wer­den. Die­se küh­len mit ei­nem vor­ge­setz­ten, meist durch CO2 be­trie­be­nen Küh­lele­ment den aus­tre­ten­den Ne­bel­dampf. Da war­me Luft auf­steigt und kal­te nach un­ten strebt, ge­lingt es, den Ne­bel durch die Ab­küh­lung am Bo­den zu hal­ten. Joe Be­cker von SFX Be­cker, des­sen Fir­ma sich auf Special Ef­fects haupt­säch­lich für Fern­seh­shows spe­zia­li­siert hat, ver­rät: „Um ei­nen schö­nen, dich­ten Bo­den­ne­bel zu er­zeu­gen, be­nut­ze ich mög­lichst vie­le Ma­schi­nen, die auf nied­ri­ger Aus­stoß­stu­fe per­ma­nent lie­fern und ver­wen­de schnell auf­lö­sen­des Flu­id, da­mit der „al­te“Ne­bel sich auf­löst be­vor er durch Schein­wer­fer er­wärmt auf­steigt. So be­kom­me ich ei­nen Bo­den­ne­bel, der selbst bei Ver­wir­be­lung durch Tän­zer auf dem Bo­den bleibt.“

Bo­den­ne­bel lässt sich auch mit der klas­si­schen Tro­cken­eis-me­tho­de her­stel­len: In ei­nem ge­schlos­se­nen Ge­fäß wird Was­ser er­hitzt. Das Tro­cken­eis be­fin­det sich in ei­nem Korb ober­halb des Was­sers und wird bei Er­rei­chen der Was­ser­tem­pe­ra­tur in das hei­ße Was­ser ab­ge­senkt. Das Tro­cken­eis (ge­fro­re­nes CO2) än­dert sei­nen Ag­gre­gats­zu­stand, wird zu Dampf und der ent­ste­hen­de Druck trans­por­tiert den Ne­bel über ei­ne Aus­tritts­öff­nung, an die auch ein Schlauch

Bei der Ver­wen­dung von Tro­cken­eis ist auf­grund der ex­tre­men Käl­te Vorsicht ge­bo­ten: Bei di­rek­tem Kon­takt dro­hen Käl­te­ver­bren­nun­gen

an­ge­schlos­sen sein kann, auf die ge­wünsch­te Flä­che. Wird die­ser Schlauch zu lang ge­wählt, könn­te der Dampf al­ler­dings im Schlauch be­reits wie­der kon­den­sie­ren. Ein Nach­teil der Tro­cken­eis-tech­nik ist, dass sich auf der be­ne­bel­ten Flä­che rut­schi­ge Was­ser­nie­der­schlä­ge bil­den kön­nen. Ge­ra­de bei Fern­seh­shows, wo ger­ne Hoch­glanz­bö­den ein­ge­setzt wer­den, kann das für Mit­wir­ken­de – ins­be­son­de­re Tän­zer und Ka­me­ra­leu­te – kri­tisch wer­den. Auch der Um­gang mit Tro­cken­eis birgt Ri­si­ken: auf­grund der ex­trem nied­ri­gen Tem­pe­ra­tur dro­hen bei di­rek­tem Kon­takt Käl­te­ver­bren­nun­gen.

Ne­bel durch CO2

Nach­teil al­ler mit tech­ni­schen Ga­sen be­trie­be­nen Sys­te­me ist der Ein­satz der Gas­fla­schen, die auf­grund des be­ste­hen­den Drucks mit Vorsicht zu be­han­deln sind. Ab­ge­se­hen von not­wen­di­ger Be­rück­sich­ti­gung von Auf­la­gen be­züg­lich Trans­port und La­ge­rung müs­sen sie auch wäh­rend des Be­triebs ge­gen Um­fal­len ge­si­chert wer­den. Ei­ne ent­spre­chen­de Ein­wei­sung der Be­tei­lig­ten über die Ge­fah­ren ist not­wen­dig. Bei un­sach­ge­mä­ßer Ver­wen­dung dro­hen auch hier Käl­te­ver­bren­nun­gen – soll­te ei­ne Fla­sche durch Um­fal­len ins­be­son­de­re am Ven­til­be­reich be­schä­digt wer­den, ver­wan­delt sich die­se in ein Ge­schoss.

Ge­or­ge Kloodt vom Sfx-ver­triebs­spe­zia­lis­ten LMP Py­ro­tech­nik: „Auch bei Co2-an­la­gen lohnt es sich, auf Qua­li­täts­pro­duk­te zu set­zen. We­sent­li­ches Merk­mal sind da­bei die Ven­ti­le, die durch die ex­tre­men Tem­pe­ra­tur­un­ter­schie­de sonst kor­ro­die­ren und dann fest­sit­zen. Wich­tig ist es auch, vor dem Ab­bau der An­la­ge den Druck kon­trol­liert aus den Ver­bin­dun­gen ab­zu­las­sen, da sonst ei­ne Ver­let­zungs­ge­fahr zum Bei­spiel durch um­her­schla­gen­de Schläu­che droht.“

Ei­ne wei­te­re Pro­ble­ma­tik bei der Ver­wen­dung von CO2 – so­wohl in Gas­form als auch als Tro­cken­eis – be­steht in der mög­li­chen Ge­sund­heits­ge­fähr­dung. Co2/koh­len­di­oxid ist schwe­rer als die nor­ma­le Atem­luft und kann sich da­her in tie­fer­lie­gen­den Be­rei­chen wie zum Bei­spiel ei­ner Un­ter­ma­schi­ne­rie ei­ner Büh­ne an­sam­meln. Ne­ben der ei­gent­li­chen Ver­wen­dung sind be­son­ders Le­cka­gen in den Sys­te­men ge­fähr­lich, bei de­nen das Gas lang­sam, ste­tig und un­be­merkt aus­strömt. So­wohl durch die Ver­drän­gung der Atem­luft als auch die ei­ge­ne to­xi­sche Wir­kung ist da­her be­son­de­re Vorsicht ge­bo­ten. Auch bei dem be­lieb­ten Ef­fekt, Per­so­nen im Bo­den­ne­bel lie­gend zu ver­ste­cken, um sie spä­ter dar­aus er­schei­nen zu las­sen, soll­te dies be­rück­sich­tigt wer­den.

Patrick Ken­ne­dy vom Sfx-spe­zia­lis­ten Lu­n­a­tx: „Bei Co2-an­wen­dun­gen wird von uns das Raum­vo­lu­men der Ver­an­stal­tungs­hal­le be­rech­net und in Be­zug zum ge­plan­ten Aus­stoß ge­setzt. Zu­sätz­lich ver­wen­den wir zur Über­wa­chung der Kon­zen­tra­ti­on ent­spre­chen­de Mess­ge­rä­te, die uns ein Über­schrei­ten der zu­läs­si­gen Kon­zen­tra­ti­on recht­zei­tig an­zei­gen.“In man­chen Hal­len exis­tie­ren Co2-mel­de­an­la­gen in den Hal­len­ab­luft­sys­te­men, die ei­ne kri­ti­sche Über­schrei­tung des Koh­len­di­oxid­wer­tes fest­stel­len und mit de­nen mög­li­cher­wei­se au­to­ma­ti­sche Si­cher­heits­funk­tio­nen ver­bun­den sein kön­nen. Schießt man CO2 di­rekt in Rich­tung der Ab­luft­an­sau­gung, könn­te das zur un­er­wünsch­ten Aus­lö­sung füh­ren. Ei­ne vor­he­ri­ge Ab­spra­che mit dem Hal­len­be­trei­ber kann das ver­hin­dern.

Ein wei­te­res Prin­zip zur Bo­den­ne­be­l­er­zeu­gung ver­mei­det tech­ni­sche Ga­se und nutzt Ul­tra­schall zur Zer­stäu­bung von de­stil­lier­tem, „ge­crack­tem“Was­ser. Da­bei wird es dem zu­vor nach Ver­damp­f­er­prin­zip er­zeug­ten Ne­bel zu­ge­mischt, wo­durch die ein­zel­nen Ne­bel­trop­fen schwe­rer wer­den und in Bo­den­nä­he ver­blei­ben.

Ne­ben den be­reits be­schrie­be­nen Ne­bel­ma­schi­nen wer­den auch Co2-jets mit Koh­len­di­oxid be­trie­ben, die senk­rech­te

Co2-säu­len als Ef­fekt pro­du­ziert. Op­tisch ha­ben sie ge­gen­über den senk­recht ab­strah­len­den Ver­damp­fer-ne­bel­ma­schi­nen den Vor­teil, dass sich der senk­rech­te Stream er­heb­lich schnel­ler auf­löst. Joe Be­cker ist den­noch Freund der Ver­damp­fer-al­ter­na­ti­ve: „Ab­ge­se­hen da­von, dass sich die­se Ge­rä­te im Stu­dio er­heb­lich leich­ter in­stal­lie­ren las­sen und im Be­trieb nicht so ho­he Ge­räu­sche pro­du­zie­ren, muss es in Be­zug auf Treib­haus­ef­fekt und Er­der­wär­mung als kri­tisch be­trach­tet wer­den, noch zu­sätz­lich CO2 in die At­mo­sphä­re zu pum­pen.“ CO2 fin­det auch An­wen­dung bei Kon­fet­ti-shoo­tern und Strea­mern (Luft­schlan­gen), um die­se aus ei­ner Ab­schuss­ein­rich­tung zum Bei­spiel über dem Pu­bli­kum zu ver­tei­len. Hier gel­ten die Vor­be­mer­kun­gen glei­cher­ma­ßen. Öko­lo­gisch un­be­denk­li­cher sind da­ge­gen Sys­te­me, die mit Druck­luft be­trie­ben wer­den.

Klei­ne­re Ef­fek­te Kon­fet­ti

Zum ein­fa­chen Ein­satz von Kon­fet­ti wer­den Kon­fet­ti-shoo­ter an­ge­bo­ten, die sich aus der Hand me­cha­nisch oder auch auf Ab­schuss­ein­rich­tun­gen mon­tiert elek­trisch aus­lö­sen las­sen. Kon­fet­ti oder Kunst­schnee kann auch mit me­cha­ni­schen Ver­rie­se­lungs­ge­rä­ten über der Flä­che ver­teilt wer­den. In Be­zug auf das zu ver­tei­len­de Ma­te­ri­al sind ver­schie­de­ne Ma­te­ria­len wie Pa­pier, Kunst­stoff und Stär­ke er­hält­lich. Da­bei ist auf ei­ne Schwer-ent­flamm­bar­keit ge­mäß DIN 4102 B1 zu ach­ten, die nicht je­des Ma­te­ri­al auf­weist. Der An­wen­der muss je­doch si­cher­stel­len, dass sei­ne Durch­füh­run­gen den Vor­schrif­ten ent­spre­chen. Ein Hin­weis auf ei­ne ent­spre­chen­de Ei­gen­schaft auf der Ver­pa­ckung des Ebay-ver­käu­fers aus Chi­na reicht da nicht aus. Markus Kat­ter­le: „Ob­wohl wir gro­ße Men­gen mit ent­spre­chen­der Zer­ti­fi­zie­rung im pro­fes­sio­nel­len Fach­han­del kau­fen, ma­chen wir zu­sätz­lich stich­pro­ben­haft ei­ge­ne Flamm­pro­ben. Kon­fet­ti kann auch auf hei­ße Schein­wer­fer in der De­cke oder auf dem Bo­den fal­len und darf sich da­bei nicht ent­zün­den.“ Be­liebt ist auch me­tall­be­dampf­tes Kon­fet­ti­ma­te­ri­al, da es bei der An­wen­dung das Licht im Raum re­flek­tiert. Hier ver­steckt sich je­doch ei­ne be­son­de­re Pro­ble­ma­tik. Ge­or­ge Kloodt: „Durch die Be­damp­fung wird das Ma­te­ri­al elek­trisch leit­fä­hig. Ge­langt es dann durch Lüf­tungs­schlit­ze in elek­tri- sche Ge­rä­te wie Mo­ving­lights oder gar in die LED- Ele­men­te des in der Hal­len­mit­te oft hän­gen­den Vi­deo­wür­fels, muss mit Kurz­schlüs­sen ge­rech­net wer­den.“ Auch die nach ei­nem Kon­fet­ti-ein­satz not­wen­di­ge Rei­ni­gung der Flä­che ist un­be­dingt im Vor­feld mit dem Lo­ca­ti­on­be­trei­ber zu ver­ein­ba­ren. Das Auf­sam­meln oder bes­ser Auf­sau­gen von Kon­fet­ti auf dem Ra­sen ei­nes Fuß­ball­sta­di­ons nach ei­ner Ver­an­stal­tung kann durch­aus ei­ne fi­nan­zi­el­le Be­las­tung wer­den. Teu­er wird auch ei­ne Rei­ni­gung der Dach­kon­struk­ti­on, wenn Kon­fet­ti in ei­ner Hal­le zu hoch ver­schos­sen wur­de und es sich auf den Dach­trä­gern ab­legt, um dann mög­li­cher­wei­se ir­gend­wann in Zukunft bei un­pas­sen­den Ge­le­gen­hei­ten her­ab zu rie­seln. Bes­ser sind da­her so­ge­nann­te Strea­mer – Luft­schlan­gen, die als Rol­len ver­schos­sen wer­den und sich in der Hö­he ab­rol­len, um dann ab­zu­sin­ken. Die­se sind zwar leich­ter wie­der ein­zu­sam­meln, sol­len je­doch mas­sig Strea­mer wäh­rend der Show ins Pu­bli­kum ver­schos­sen wer­den, muss man sich (ab­hän­gig vom ver­wen­de­ten Ma­te­ri­al) Ge­dan­ken über ei­ne mög­li­che Ge­fähr­dung durch Stol­per­fal­len im Pu­bli­kums­be­reich ma­chen. Ne­ben der Schwer­ent­flamm­bar­keit wird dar­um auch die Ei­gen­schaft „bio­de­gra­da­ble/bio­lo­gisch ab­bau­bar“ins­be­son­de­re im Au­ßen­ein­satz im­mer wich­ti­ger, da es ab­hän­gig vom Ein­satz­ort manch­mal nicht mög­lich ist, das ver­schos­se­ne Ma­te­ri­al an­schlie­ßend wie­der kom­plett auf­zu­neh­men. Me­tall-

be­dampf­tes Ma­te­ri­al ver­bie­tet sich bei sol­chen Ein­sät­zen, da es nicht ver­rot­ten kann.

Sei­fen­bla­sen und Duft

Auch Sei­fen­bla­sen­ma­schi­nen in un­ter­schied­li­chen Au­s­prä­gun­gen fin­den An­wen­dung bei Events. Bei Nie­der­schlag er­zeu­gen sie je­doch sys­tem­be­dingt und je nach Ver­wen­dungs­ort rut­schi­ge Un­ter­grün­de und soll­ten da­her mit ent­spre­chen­der Um­sicht ein­ge­setzt wer­den. Duft­de­sign ist bei Ver­an­stal­tung ein bis­her noch weit­ge­hend un­ter­schätz­tes Feld. Markus Kat­ter­le: „Da­bei re­den wir nicht über Duft­zu­sät­ze in Ver­damp­fer­ma­schi­nen, die durch die Er­hit­zung kei­ne ex­ak­te Duft­be­stim­mung er­lau­ben. Hier kann man nur mit Crack-sys­te­men gu­te Er­geb­nis­se er­rei­chen. In Su­per­märk­ten, Well­ness­be­rei­chen, Shop­ping­malls und Ho­tels wer­den sol­che An­la­gen be­reits oft in den Lüf­tungs­an­la­gen ver­baut und ein­ge­setzt.“

Special Ef­fects mit na­tür­li­chen Ele­men­ten Was­ser

Als na­tür­li­ches Ele­ment kann rei­nes Was­ser eben­falls als Ef­fekt ein­ge­setzt wer­den: Wäh­rend pum­pen­ge­steu­er­te Was­ser­spie­le ei­ne ei­ge­ne Kunst­form dar­stel­len, lässt es sich auch als Pro­jek­ti­ons­me­di­um nut­zen. Markus Kat­ter­le: „Wir un­ter­schei­den zwi­schen Was­ser­schirm und Was­ser­vor­hang. Bei ei­nem Was­ser­schirm wird das Was­ser von un­ten mit ei­ner Dü­se hoch­ge­drückt. Vor­teil ist hier, dass wir kei­ne auf­wän­di­ge Kon­struk­ti­on in der Hö­he brau­chen und sich die­se Tech­nik da­her be­son­ders für den Out­door­be­reich an­bie­tet. Un­se­re gro­ßen Sys­te­me er­rei­chen mit ei­ner Dü­se Hö­hen von 20 Me­tern und Brei­ten von 45 Me­tern am Fuß, bei ei­ner Pum­pen­leis­tung von 90 kw. Der Nach­teil be­steht dar­in, dass das Was­ser na­tür­lich nach Er­rei­chen des obe­ren Punk­tes wie­der her­un­ter­fällt und wir da­her kei­ne in der Tie­fe ein­deu­tig de­fi­nier­te Pro­jek­ti­ons­flä­che er­hal­ten. Da­durch ist der op­ti­ma­le Be­trach­tungs­win­kel ei­nes dar­auf dar­ge­stell­ten Bil­des ein­ge­schränkt. Gleich­zei­tig sind sol­che In­stal­la­tio­nen na­tür­lich wind­an­fäl­lig, da das Was­ser bei Er­rei­chen des obers­ten Punk­tes kei­ne ki­ne­ti­sche Ener­gie mehr hat und leicht vom Wind ver­trie­ben wer­den kann. Die­ses Pro­blem ist bei Was­ser­vor­hän­gen er­heb­lich klei­ner: hier wer­den Rohr­sys­te­me in Hö­he mon­tiert, aus de­nen das Was­ser durch das Ei­gen­ge­wicht nach un­ten fällt. In der Tie­fe sind die­se Flä­chen bes­ser de­fi­niert und er­lau­ben da­durch hö­her auf­lö­sen­de Bil­der, die durch Vi­deo­pro­jek­to­ren oder La­ser dar­auf dar­ge­stellt wer­den kön­nen. Bei ei­nem nor­ma­len Was­ser­vor­hang ar­bei­ten wir mit cir­ca 1.000 Dü­sen pro Me­ter, die in fünf Rei­hen hin­ter­ein­an­der ver­setzt an­ge­ord­net sind, da­mit wir ei­ne ge­nü­gend dich­te Re­fle­xi­ons­flä­che er­hal­ten.“Das Was­ser wird auf dem Bo­den auf­ge­fan­gen und wie­der über Pum­pen in den Kreis­lauf zu­rück­ge­führt. Ei­ne Fil­te­rung ist da­bei

»Me­tall­be­dampf­tes Kon­fet­ti­ma­te­ri­al ist durch die Licht­re­fle­xio­nen zwar be­son­ders hübsch an­zu­se­hen, birgt aber auch be­son­de­re Ri­si­ken im Ein­satz.« Ge­or­ge Kloodt | LMP Py­ro­tech­nik

ab­so­lut not­wen­dig, um ein Ver­stop­fen der Dü­sen zu ver­hin­dern. „Die zu er­rei­chen­de Hö­he ist von der je­wei­li­gen Tech­nik ab­hän­gig. Ein­fa­che Mes­se­sys­te­me kön­nen zwei bis drei Me­ter er­rei­chen – un­se­re gro­ßen Sys­te­me er­lau­ben ei­nen Ein­satz von et­wa 20 Me­tern Hö­he. Durch Shut­ter (Ven­ti­le in den ein­zel­nen Aus­läs­sen) kann man den Was­ser­aus­lass ex­akt steu­ern und so auch fal­len­de Schrif­ten oder Grafiken dar­stel­len. Auch hier gibt es ver­schie­de­ne Auf­lö­sun­gen, die sich durch die An­zahl der Dü­sen, zwi­schen 50 und 100 pro Me­ter, un­ter­schei­den. Nicht zu un­ter­schät­zen sind al­ler­dings die Ge­wich­te der zu in­stal­lie­ren­den Tech­nik und des Me­di­ums Was­ser selbst, die al­le von der tra­gen­den Kon­struk­ti­on auf­ge­fan­gen wer­den müs­sen. Da­bei sind 70 kg pro Brei­ten­me­ter bei ei­nem nicht schrei­ben­den Was­ser­vor­hang nicht un­ge­wöhn­lich.“

Feu­er

Ein an­de­res der na­tür­li­chen Grund­ele­men­te ist in der mensch­li­chen Wahr­neh­mung tief mit Ge­fahr ver­an­kert: Das Feu­er. Dass dies nicht nur mit ei­ner ar­chai­schen Wahr­neh­mung zu tun hat, son­dern ei­ne rea­le Ge­fähr­dung ist, zei­gen lei­der im­mer wie­der ver­hee­ren­de Brän­de. Da­her ist die Ver­wen­dung von of­fe­nem Feu­er, brenn­ba­ren Flüs­sig­kei­ten so­wie von Ga­sen und py­ro­tech­ni­schen Ge­gen­stän­den im Gel­tungs­be­reich der Ver­samm­lungs­stät­ten­ver­ord­nun­gen und der Un­fall­ver­hü­tungs­vor­schrift „Ver­an­stal­tungs- und Pro­duk­ti­ons­stät­ten für sze­ni­sche Darstel­lun­gen“grund­sätz­lich ver­bo­ten. Aus­nah­men sind nur zu­läs­sig, wenn Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen der zu­stän­di­gen Be­hör­den vor­lie­gen und auch der Lo­ca­ti­on­be­trei­ber zu­stimmt. Dies gilt so­wohl für das An­zün­den und Rau­chen ei­ner Zi­ga­ret­te auf der Büh­ne als Teil ei­nes Thea­ter­stü­ckes als auch für ei­ne Show der Band Rammstein. Es wird da­bei zwi­schen feu­er­ge­fähr­li­chen und py­ro­tech­ni­schen Vor­gän­gen un­ter­schie­den. Letz­te­re un­ter­lie­gen noch wei­ter­ge­hen­den An­for­de­run­gen des Spreng­stoff­ge­set­zes, die spä­ter be­schrie­ben wer­den. Ver­stö­ße ge­gen die zu­grun­de lie­gen­den Nor­men kön­nen als Ord­nungs­wid­rig­keit oder auch als Straf­tat ge­ahn­det wer­den.

Feu­er­ge­fähr­li­che Ak­tio­nen

Ver­ein­facht kann man sa­gen, dass al­le Ak­tio­nen, die als Teil ei­ner Show ei­nen Brand aus­lö­sen kön­nen und da­bei zur Aus­lö­sung der ge­plan­ten Funk­ti­on kei­ner Ex­plo­si­on be­dür­fen, als feu­er­ge­fähr­li­che Vor­gän­ge an­zu­se­hen sind. Da­zu ge­hö­ren ne­ben der er­wähn­ten Zi­ga­ret­te auch Ker­zen, Feu­er­scha­len, Brand­pas­ten, Fa­ckeln, Fahr­zeu­ge mit Ver­bren­nungs­mo­to­ren, Feu­er­spu­cker, Flamm­an­la­gen und der Um­gang mit Ni­tro­cel­lu­lo­se und Ly­co­po­di­um.

Ni­tro­cel­lu­lo­se ist in ver­schie­de­nen Aus­füh­run­gen als Py­ro­wat­te, Py­ro­schnü­re oder Py­ro­pa­pier er­hält­lich. Da das Ma­te­ri­al hoch­ent­zünd­lich ist, darf es nur in feuch­tem Zu­stand mit Warn­hin­wei­sen ver­se­hen trans­por­tiert wer­den, wird erst vor Ort ver­ar­bei­tet und zum Ein­satz ge­trock­net. Da­bei kann es schon durch un­be­ab­sich­tig­ten Fun­ken­schlag ei­nes Werk­zeugs ent­zün­det wer­den. Ent­spre­chen­de An­for­de­run­gen an die Aus­füh­ren­den und die vor­ge­se­he­ne Ört­lich­keit müs­sen da­her für den Um­gang be­rück­sich­tigt wer­den. Bei Ly­co­po­di­um han­delt es sich um ei­nen Na­tur­stoff, den Spo­ren des Bär­lapp. Ei­ne ver­wir­bel­te Spo­ren­wol­ke kann durch ei­ne Zün­dung ei­ne Stich­flam­me pro­du­zie­ren. Flamm­an­la­gen wer­den im­mer be­lieb­ter, da sie in klei­ne­ren Aus­füh­run­gen mitt­ler­wei­le für den ver­an­stal­tungs­tech­ni­schen Mas­sen­markt in Se­rie pro­du­ziert wer­den und sich ein­fach in be­ste­hen­de Dmx-steue­rungs­sys­te­me ein­bin­den las­sen. Grö­ße­re An­la­gen wer­den von Spe­zi­al­an­bie­tern pro­jek­tiert und aus­ge­führt. Be­trie­ben wer­den Flamm­an­la­gen mit Ga­sen oder Flüs­sig­kei­ten, die ent­we­der di­rekt aus ei­nem Tank oder ei­ner Kar­tu­sche am Ge­rät zu­ge­führt oder bei ent­spre­chen­der Grö­ße der An­la­ge über Schlauch- oder Rohr­lei­tun­gen von ei­nem oder meh­re­ren ab­ge­setz­ten Tanks ein­ge­speist wer­den. Die Flamm­rich­tung kann bei man­chen Sys­te­men auch fern­ge­steu­ert be­we­gen wer­den.

Recht­li­che Vor­ga­ben

Möch­te man ei­ne feu­er­ge­fähr­li­che Hand­lung als Teil ei­ner Büh­nen­in­sze­nie­rung durch­füh­ren, be­nö­tigt man zu­nächst die Ge­neh­mi­gung des Lo­ca­ti­on­be­trei­bers (üb­li­cher­wei­se Ei­gen­tü­mer oder Päch­ter der Ört­lich­keit), der nach den lan­des­recht­li­chen Ver­samm­lungs­stät­ten­ver­ord­nun­gen für die Si­cher­heit in sei­ner Ver­samm­lungs­stät­te ver­ant­wort­lich ist. Zu­sätz­lich ist ei­ne zeit­lich und räum­lich be­stimm­te Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung der ört­li­chen Ord­nungs­be­hör­de nö­tig. Lei­der sind da­bei die re­gio­na­len Zu­stän­dig­kei­ten in Deutsch­land nicht ein­heit­lich ge­re­gelt. Als ers­ter An­lauf­punkt wä­re das je­wei­li­ge Ord­nungs­amt der Kom­mu­ne zu se­hen, in de­ren Zu­stän­dig­keits­be­reich die Auf­füh­rung statt­fin­den soll. Ein­zu­rei­chen sind ne­ben der ge­nau­en Be­schrei­bung von Ort und Zeit auch die Art des ge­plan­ten Ef­fekts so­wie die be­rück­sich­tig­ten Si­cher­heits­vor­keh­run­gen. Wei­ter­hin muss be­grün­det wer­den, war­um die­se Hand­lung sze­nisch not­wen­dig ist und der ge­wünsch­te Ef­fekt nicht durch ge­fahr­lo­se­re Mit­tel er­reicht wer­den kann. Im Re­gel­fall wird das Ord­nungs­amt dann nach Voll­stän­dig­keits­prü­fung des An­trags wei­te­re zu­stän­di­ge Stel­len wie den vor­beu­gen­den Brand­schutz in das Ver­fah­ren ein­bin­den um ei­ne Ent­schei­dung dar­über zu tref­fen, ob der An­trag ge­neh­migt wer­den kann. Ins­be­son­de­re bei Erst­kon­takt mit der Be­hör­de – sei es, weil man in die­sem Ort noch nicht tä­tig war oder weil man noch neu in der Bran­che ist – emp­fiehlt es sich aus­rei­chend Zeit für die­ses Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren ein­zu­pla­nen. Denn man darf nicht er­war­ten, dass ei­nem ein sol­ches Be­geh­ren „ein­fach mal so“er­laubt

wird. Ei­ne Ge­neh­mi­gung durch die Be­hör­de kann mit Auf­la­gen ver­bun­den sein. Bei dem Ein­satz von Flamm­an­la­gen be­ste­hen, ab­ge­se­hen von der vor­zu­se­hen­den Aus­tritts­über­wa­chungs­ein­rich­tung, kei­ne ge­nau­en recht­li­chen Vor­ga­ben. Um­sturz­si­che­rung und red­un­dan­te Steu­er­ven­ti­le sind sinn­vol­le zu­sätz­li­che Si­cher­heits­ein­rich­tun­gen. Der durch­füh­ren­de Un­ter­neh­mer – das kann auch die Ein­mann-tech­nik­fir­ma sein, die die­se Ge­rä­te bei ei­ner Show be­trei­ben möch­te – hat ei­ne Ge­fähr­dungs­ana­ly­se für den kon­kre­ten Ein­satz vor­zu­neh­men. Dar­aus müs­sen die not­wen­di­gen Schutz­maß­nah­men ab­ge­lei­tet wer­den, wel­che das Sys­tem ent­we­der be­reits auf­wei­sen muss oder wel­che her­zu­stel­len sind. Da­zu ge­hört zum Bei­spiel auch die Fra­ge, wie die An­steue­rung sei­nes Flamm­sys­tems mit ei­nem Dmx-si­gnal bei der kon­kre­ten An­wen­dung zu be­ur­tei­len ist. Die Tat­sa­che, dass dies tech­nisch geht und vom Her­stel­ler so ge­baut wur­de heißt nicht au­to­ma­tisch, dass es in die­ser kon­kre­ten An­wen­dungs­si­tua­ti­on auch aus­rei­chend si­cher ist. Ei­ne zer­ti­fi­zier­te Qua­li­fi­ka­ti­on des aus­füh­ren­den Per­so­nals ist nicht vor­ge­schrie­ben; im Rah­men ei­ner Ge­fähr­dungs­be­ur­tei­lung wird je­doch si­cher­lich er­kannt wer­den, dass das Per­so­nal ge­eig­net sein muss ei­ne solch ver­ant­wor­tungs­vol­le Auf­ga­be aus­füh­ren zu kön­nen. Der Voll­stän­dig­keit hal­ber sei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ein Un­ter­neh­mer für al­le sei­ne Vor­gän­ge – nicht nur für die feu­er­ge­fähr­li­chen – aus den Vor­schrif­ten des Ar­beits­schut­zes ver­pflich­tet ist, ei­ne Ge­fähr­dungs­ana­ly­se durch­zu­füh­ren und die dar­aus er­wach­sen­den Ver­pflich­tun­gen zu er­fül­len. Auf­grund der be­ste­hen­den Ri­si­ken wird hier noch­mals aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen. Frank Loh­se von Lu­n­a­tx: „Wich­tig ist, dass man ein für den An­wen­dungs­zweck ge­eig­ne­tes Sys­tem aus­wählt. Da­bei muss die Si­cher­heit an obers­ter Stel­le ste­hen. 2005 hat­ten wir die Auf­ga­be, für ei­nen Kun­den ei­ne Flamm­an­la­ge un­ter Atex-be­trach­tung (Richt­li­ni­en aus dem Be­reich des Ex­plo­si­ons­schut­zes) aus­zu­füh­ren. Da wir fest­stell­ten, dass die auf dem Markt er­hält­li­chen Sys­te­me den An­sprü­chen nicht ge­nüg­ten, ent­schlos­sen wir uns, ei­ge­ne Sys­te­me zu ent­wi­ckeln, die die ent­spre­chen­den For­de­run­gen er­füll­ten. Dar­über hin­aus ar­bei­tet un­ser ei­ge­nes Sys­tem mit Druck an 100 Bar, wäh­rend han­dels­üb­li­che Pro­duk­te mit 10 Bar be­trie­ben wer­den. Da­für ha­ben wir auch Wär­me­ver­frach­tungs- und ther­mi­sche Be­trach­tun­gen an­ge­stellt und das Sys­tem vom TÜV ab­neh­men las­sen. Die­ses Flamm­sys­tem wird von uns für die Kun­den tem­po­rär be­trie­ben oder im Rah­men von Fes­t­in­stal­la­tio­nen auch ver­kauft.“ Zu den Un­ter­neh­mer­pflich­ten ge­hört auch ei­ne Un­ter­wei­sung al­ler be­trof­fe­nen Mit­wir­ken­den. Das sind ne­ben den tech­ni­schen Kol­le­gen na­tür­lich auch die Darstel­ler auf ei­ner Büh­ne und al­le an­de­ren Per­so­nen, die sich im Wir­kungs­be­reich auf­hal­ten könn­ten. Ge­fähr­dungs­ana­ly­se, er­grif­fe­ne Schutz­maß­nah­men und Un­ter­wei­sun­gen sind schrift­lich zu do­ku­men­tie­ren, wo­bei die Un­ter­wei­sungs­durch­füh­run­gen von den un­ter­wie­se­nen Per­so­nen auch an­schlie­ßend zu un­ter­schrei­ben sind.

Kal­tes Feu­er

Re­la­tiv neu auf dem Markt sind Ge­rä­te, bei de­nen durch un­ter­schied­li­che Ar­beits­wei­sen ein Gra­nu­lat zum Glü­hen an­ge­regt und meh­re­re Me­ter senk­recht nach oben aus­ge­wor­fen wird. Be­wor­ben wer­den sie mit der Be­zeich­nung „kal­tes Feu­er“und mit dem Hin­weis, dass es sich hier um ge­gen­über brenn­ba­ren Ma­te­ria­li­en un­ge­fähr­li­che Sys­te­me han­de­le. Dies wird al­ler­dings von Fach­leu­ten als kri­tisch be­wer­tet und ist mit Vorsicht zu be­trach­ten. Auch wenn die aus­ge­sto­ße­nen glü­hen­den Par­ti­kel sehr klein sind und da­her die trans­por-

tier­te Ener­gie ge­ring ist, kann man nach Mei­nung ei­ni­ger Ex­per­ten nicht da­von aus­ge­hen, dass es un­mög­lich ist, da­mit ei­nen Brand zu ver­ur­sa­chen. Um auf der si­che­ren Sei­te zu sein, ist die Emp­feh­lung da­her, auch bei Ein­satz sol­cher Ge­rä­te vor­sichts­hal­ber von ei­ner feu­er­ge­fähr­li­chen Hand­lung aus­zu­ge­hen und die da­für not­wen­di­gen Ge­neh­mi­gun­gen von Lo­ca­ti­on­be­trei­ber und Ord­nungs­be­hör­de ein­zu­ho­len. Bit­tet man die Ge­neh­mi­gungs­be­hör­de im Vor­feld um Beur­tei­lung und be­zeich­net die­se den Ein­satz dann nicht als feu­er­ge­fähr­li­che Hand­lung, kann man die Ge­rä­te gu­ten Ge­wis­sens ein­set­zen. Wenn doch, wird man – so­fern ver­tret­bar – ei­ne mög­li­cher­wei­se mit Auf­la­gen ver­bun­de­ne Ge­neh­mi­gung er­hal­ten. Der Weg oh­ne Ab­stim­mung ist da­bei si­cher­lich der mit dem größ­ten Ri­si­ko.

Py­ro­tech­nik

Ein­deu­ti­ger ge­re­gelt ist der Be­reich der Py­ro­tech­nik, der in Deutsch­land dem Spreng­stoff­ge­setz und sei­nen Aus­füh­rungs­ver­ord­nun­gen un­ter­liegt. Her­stel­ler müs­sen sich von den zu­stän­di­gen eu­ro­päi­schen Prüf­stel­len zer­ti­fi­zie­ren las­sen, be­vor sie die Ge­neh­mi­gung zur Pro­duk­ti­on er­hal­ten. An­schlie­ßend ist je­der Ar­ti­kel von ei­ner Prüf­stel­le, in Deutsch­land vom BAM Bun­des­amt für Ma­te­ri­al­for­schung und -prü­fung, auf Kon­for­mi­tät mit den eu­ro­päi­schen Nor­men zu un­ter­su­chen. Bei Frei­ga­be wird ei­ne Ce-num­mer zur Kenn­zeich­nung er­teilt. Nur die­se mit Ce-kenn­zeich­nung ver­se­he­nen Ge­gen­stän­de dür­fen be­nutzt wer­den. Alt­be­stän­de, die zwar über ei­ne Bam-num­mer, aber kei­ne Ce-kenn­zeich­nung ver­fü­gen, dür­fen nicht mehr ver­wen­det und müs­sen fach­ge­recht ent­sorgt wer­den. Auch in­ter­na­tio­na­le Tour­ne­en dür­fen in Eu­ro­pa nur Ef­fek­te mit Ce-kenn­zeich­nung be­nut­zen und müs­sen sich zu­ge­las­se­ner Py­ro­tech­ni­ker be­die­nen, die die Aus­füh­rung über­wa­chen. Um­ge­kehrt be­auf­tra­gen deut­sche Fir­men im Aus­land eben­falls na­tio­na­le Li­zenz­trä­ger zur Auf­trags­be­glei­tung. Patrick Ken­ne­dy: „Die Ein­hal­tung deut­scher Stan­dards wird im Aus­land ger­ne ge­se­hen, da hier mit dem Spreng­stoff­ge­setz ei­ne spe­zi­fi­sche Re­ge­lung be­steht. In vie­len an­de­ren Län­dern fal­len Feu­er­wer­ke eher un­ter mi­li­tä­ri­sche Re­ge­lun­gen und Ge­neh­mi­gun­gen müs­sen mit Ein­zel­fall­ent­schei­dun­gen her­bei­ge­führt wer­den.“

Ka­te­go­ri­en

Py­ro­tech­ni­sche Ge­gen­stän­de wer­den nach dem Grad der von ih­nen aus­ge­hen­den Ge­fähr­dung und ih­rem Ver­wen­dungs­zweck in ver­schie­de­ne Ka­te­go­ri­en un­ter­teilt. Re­le­vant für den Event­be­reich dürf­ten da­bei die Ka­te­go­ri­en F und T mit ih­ren Un­ter­tei­lun­gen sein. Als F1 wird zum Bei­spiel ei­ne klei­ne Fun­keng­ar­be klas­si­fi­ziert, die man auf ei­ne Tor­te ste­cken kann, wäh­rend Be­stand­tei­le ei­nes pro­fes­sio­nel­len Hö­hen­feu­er­werks sich üb­li­cher­wei­se in der Ka­te­go­rie F4 be­fin­den. Die Ka­te­go­rie T be­zeich­net py­ro­tech­ni­sche Ge­gen­stän­de für Büh­ne und Thea­ter und wird in T1 und T2 un­ter­teilt. Da die­se ge­eig­net sein müs­sen, um durch ei­ne Büh­nen­si­tua­ti­on be­dingt mit re­la­tiv ge­rin­gen Si­cher­heits­ab­stän­den zu Ak­teu­ren und Pu­bli­kum ein­ge­setzt zu wer­den, müs­sen sie prä­zi­ser ge­fer­tigt wer­den. Es be­steht ei­ne gro­ße Viel­falt an ver­schie­de­nen Ef­fek­ten: Rauch, Knall, Blitz, Fun­ken, Flam­men oder auch Kom­bi­na­tio­nen dar­aus. Üb­li­cher­wei­se wer­den die ein­satz­fer­ti­gen Sät­ze in Ab­schuss­ein­rich­tun­gen mon­tiert und elek­trisch mit spe­zi­el­len Kon­troll­pul­ten fern­ge­zün­det, oft­mals auch funk­ge­steu­ert. Auch hier gel­ten die vor­he­ri­gen Be­mer­kun­gen zum The­ma Be­triebs­si­cher­heit: Ei­ne Funk­fern­zün­dung aus Fer­n­ost, die auf der glei­chen Fre­quenz wie der Ga­ra­gen­tor­öff­ner ar­bei­tet, kann nicht si­cher sein. Die An­for­de­run­gen, die durch das Spreng­stoff­ge­setz an den Um­gang ge­stellt wer­den, sind ab­hän­gig von der Ka­te­go-

ri­sie­rung. Py­ro­tech­ni­sche Ef­fek­te der Klas­se T1 dür­fen von Per­so­nen ab 18 Jah­ren er­wor­ben und ver­wen­det wer­den. Ein spä­ter noch be­schrie­be­ner Be­fä­hi­gungs­nach­weis ist nicht not­wen­dig; al­ler­dings be­ste­hen an­de­re Ein­schrän­kun­gen. So ist der Ver­käu­fer ver­pflich­tet ei­nen Ver­wen­dungs­nach­weis ein­zu­for­dern, in wel­chem der Käu­fer ei­ne Er­klä­rung ab­gibt, wo­für er die­se Ar­ti­kel be­nut­zen will. Die­se dür­fen nur im Rah­men der be­stim­mungs­ge­mä­ßen Ver­wen­dung – im Fall der Klas­se T zum Ein­satz für Büh­nen und Thea­ter – ein­ge­setzt wer­den. Das Ab­bren­nen auf der Sil­ves­ter­fei­er oder dem nächs­ten Heim­spiel vom FC St. Pau­li ist nicht zu­läs­sig. T2-ef­fek­te sind zwar eben­falls für den Ein­satz auf Büh­nen ge­eig­net, dür­fen aber we­gen der von ih­nen aus­ge­hen­den hö­he­ren Ge­fähr­dung nur an Er­laub­nisschein­in­ha­ber ab­ge­ge­ben und von Per­so­nen mit Be­fä­hi­gungs­schein ver­wen­det wer­den. Der ge­plan­te Ein­satz von py­ro­tech­ni­schen Ge­gen­stän­den muss im Vor­feld bei den für die öf­fent­li­che Si­cher­heit und Ord­nung und dem Brand­schutz zu­stän­di­gen Stel­len des Ein­satz­or­tes an­ge­mel­det und ge­neh­migt wer­den. Für ei­ne vor­he­ri­ge Er­pro­bung oh­ne Pu­bli­kum reicht ei­ne Ge­neh­mi­gung des Brand­schut­zes, die üb­li­cher­wei­se mit ei­ner An­we­sen­heits­auf­la­ge der Feu­er­wehr ver­bun­den ist. In je­dem Fall ist aber auch hier die Zu­stim­mung des Lo­ca­ti­on­be­trei­bers er­for­der­lich. Ne­ben den auch hier gel­ten­den An­for­de­run­gen an Ge­fähr­dungs­ana­ly­se und Co sind die Si­cher­heits­ab­stän­de und Ver­wen­dungs­ein­schrän­kun­gen zu be­ach­ten. So gibt es auch T1-efek­te, die nur zur Ver­wen­dung im Frei­en zu­läs­sig sind.

Hö­hen­feu­er­wer­ke

Wäh­rend Büh­nen-py­ro­ef­fek­te üb­li­cher­wei­se die Show ei­nes Künst­lers un­ter­stüt­zen, stel­len Hö­hen­feu­er­wer­ke ei­ne ei­ge­ne und auch für sich al­lei­ne ste­hen­de Kunst­form dar: Syn­chron zu ei­ner Mu­sik ab­ge­feu­ert, kommt es auf die Bil­der und ein gu­tes Ti­ming an. Wie bei je­der künst­le­ri­schen Leis­tung ist ei­ne Be­wer­tung un­ter kauf­män­ni­schen Aspek­ten nicht ein­fach. Frank Loh­se: „Zum De­sign ei­nes Feu­er­werks muss man sich mit ver­schie­de­nen Fra­gen be­schäf­ti­gen: Was ist das Ziel der Ver­an­stal­tung? Was sind die In­hal­te? Wel­che Mu­sik passt da­zu? Es ist ein Krea­tiv­pro­zess. Die Vor­ga­ben „mög­lichst lang und mög­lichst güns­tig“sind da nicht ziel­füh­rend. Emo­tio­nen las­sen sich nun mal nicht in Ex­cel-ta­bel­len be­rech­nen. Um die an­ge­bo­te­ne Leis­tung im Vor­feld zu ver­deut­li­chen, kann man aber mit spe­zi­el­len Pro­gram­men ei­ne Vi­sua­li­sie­rung der ge­plan­ten Show er­stel­len.“ Bei Hö­hen­feu­er­wer­ken wer­den üb­li­cher­wei­se spe­zi­el­le Ab­schuss­mör­ser-an­la­gen ver­wen­det, bei de­nen für je­den Satz ein Rohr zur Ver­fü­gung steht. Als Ku­gel- oder Zy­lin­der­bom­be

be­ste­hen die Ef­fek­te aus Treib­la­dung, Zer­le­ge­la­dung und dem ei­gent­li­chen Ef­fekt. Die Treib­la­dung sorgt da­für, dass der Kör­per auf die ge­wünsch­te Hö­he ge­schos­sen wird, wäh­rend die Zer­le­ge­la­dung die Bom­be dort zur Ex­plo­si­on bringt und den ei­gent­li­chen Ef­fekt ent­zün­det und aus­wirft. Auch hier er­folgt ei­ne Zün­dung der ein­zel­nen Rohr­la­dun­gen elek­trisch: ei­ne Ver­bin­dung meh­re­rer La­dun­gen mit­tels Zünd­schnü­re ist mög­lich und be­nö­tigt dann nur ei­ne Zün­dung. Durch die ex­ak­te Län­gen­be­stim­mung der Zünd­schnü­re sorgt der Feu­er­wer­ker für die von ihm vor­ge­se­he­ne Zeit­ver­zö­ge­rung der Ab­schüs­se. Feu­er­wer­ke dür­fen ganz­jäh­rig un­ter zeit­li­chen und ört­li­chen Ein­schrän­kun­gen ab­ge­brannt wer­den und be­dür­fen ei­ner An­mel­dung und ei­ner An­zei­ge­be­stä­ti­gung durch die Be­hör­de. Je nach Ört­lich­keit kön­nen wei­te­re Ein­schrän­kun­gen oder Auf­la­gen ge­macht wer­de, wenn zum Bei­spiel Be­lan­ge aus dem Land­schafts­schutz, dem Um­welt­schutz, Flug­ver­kehr, Bun­des­was­ser­stra­ßen oder pro­ble­ma­ti­sche Wald­brand­stu­fen zu be­rück­sich­ti­gen sind. Vor Ort ob­liegt es dem Feu­er­wer­ker, die tat­säch­li­chen Be­din­gun­gen zu be­wer­ten. Soll­ten sich die Be­din­gun­gen vor Ort ver­än­dern, ist Re­ak­ti­on ge­fragt. Patrick Ken­ne­dy: „Wind­ein­fluss kann pro­ble­ma­tisch sein. Et­was Wind ist im­mer schön, weil er den Rauch ver­weht und den Blick frei­gibt. Ab Wind­ge­schwin­dig­kei­ten von mehr als neun Me­tern pro Se­kun­de müs­sen aber die Si­cher­heits­ab­stän­de ver­grö­ßert wer­den. Es kann im Ex­trem­fall so­gar vor­kom­men, dass wir nicht schie­ßen kön­nen, wenn die Wind­kräf­te zu hef­tig wer­den.“

Qua­li­fi­zie­rung

Hö­her als bei T1-ef­fek­ten ist die An­for­de­rung bei dem Ein­satz von T2 und Hö­hen­feu­er­wer­ken: ne­ben wei­te­ren zu be­rück­sich­ti­gen­den Maß­nah­men ist hier ei­ne Qua­li­fi­ka­ti­on so­wohl für die aus­füh­ren­de Fir­ma – durch ei­nen Er­laub­nisschein nach §7 – als auch für die je­wei­li­ge aus­füh­ren­de Per­son vor Ort mit ei­nem Min­dest­al­ter von 21 Jah­ren durch ei­nen Be­fä­hi­gungs­schein nach §20 Spreng­stoff­ge­setz not­wen­dig. Be­zug und Ver­wen­dung sind nur für ent­spre­chend qua­li­fi­zier­te Fir­men mög­lich. Christian Hau­sen von der Be­zirks­re­gie­rung Köln, Be­reich Tech­ni­scher Ar­beits­schutz und zu­stän­dig für Ge­wer­be­auf-

sichts-auf­ga­ben für ex­plo­si­ons­ge­fähr­li­che Stof­fe, ist selbst aus­ge­bil­de­ter Feu­er­wer­ker: „Um ei­nen Be­fä­hi­gungs­schein als Py­ro­tech­ni­ker zu er­hal­ten, muss man bei ei­ner ge­wis­sen An­zahl von Feu­er­wer­ken un­ter Aufsicht als Hel­fer mit­ar­bei­ten und sich dies vom Auf­trag­ge­ber be­schei­ni­gen las­sen. An­schlie­ßend kann man bei der zu­stän­di­gen Be­hör­de ei­nen An­trag stel­len um ei­nen Be­fä­hi­gungs­schein zu er­hal­ten. Da es hier um den Um­gang mit ex­plo­si­ons­ge­fähr­li­chen Stof­fen geht, er­folgt dann ei­ne Ab­fra­ge über die Per­son bei Staats­schutz, Ver­fas­sungs­schutz, Po­li­zei, Ge­wer­be­zen­tral­re­gis­ter, Aus­län­der­amt und an­de­ren Re­gis­tern. Wenn die Ab­fra­ge kei­ne Ein­wän­de er­ge­ben hat, wird ei­ne Un­be­denk­lich­keits­be­schei­ni­gung aus­ge­stellt, mit der die Per­son an ei­nem Lehr­gang teil­neh­men darf. Die­ser Lehr­gang hat je nach Auf­ga­ben­be­reich un­ter­schied­li­che Dau­er. In­hal­te sind un­ter an­de­rem Um­gang, Ver­kehr, Rech­te und Pflich­ten im Um­gang mit ex­plo­si­ons­ge­fähr­li­chen Stof­fen. Die er­lang­te Fach­kun­de wird zum Ab­schluss durch ei­ne Prü­fung durch die zu­stän­di­ge Be­hör­de fest­ge­stellt, bei der auch auf die kör­per­li­che und geis­ti­ge Eig­nung ge­ach­tet wird. Bei Be­ste­hen er­hält man ein durch den Lehr­gangs­trä­ger und die Be­hör­de zer­ti­fi­zier­tes Zeug­nis, mit dem man an sei­nem Wohn­sitz ei­nen Be­fä­hi­gungs­schein be­an­tra­gen kann. Die­ser gilt fünf Jah­re, wenn man nach­wei­sen kann, dass die Tä­tig­keit in­ner­halb ei­nes Jah­res seit Er­halt ge­werb­lich aus­ge­führt wur­de.“

La­ge­rung, Trans­port und Ver­si­che­rung

Die An­for­de­run­gen an die La­ge­rung der Ef­fek­te rich­ten sich nach Men­ge und Klas­si­fi­zie­rung. Für grö­ße­re Men­gen sind ge­eig­ne­te La­ger zu er­rich­ten, für die auch Ge­neh­mi­gun­gen ein­zu­ho­len sind. Ei­ne La­ge­rung und Vor­be­rei­tung fin­det na­tür­lich auch am je­wei­li­gen Ein­satz­ort statt – die da­für not­wen­di­gen Be­rei­che müs­sen ge­kenn­zeich­net und ge­si­chert wer­den und es müs­sen Ers­te-hil­fe-ein­rich­tun­gen vor­han­den sein, die auf die spe­zi­fi­sche Ver­bren­nungs­ge­fähr­dung ab­ge­stimmt sind. In Be­zug auf den Trans­port sind die Adr-ge­fahr­gut­klas­sen zu be­rück­sich­ti­gen, die in dem eu­ro­päi­schen Über­ein­kom­men über die in­ter­na­tio­na­le Be­för­de­rung ge­fähr­li­cher Gü­ter auf der Stra­ße fest­ge­legt wur­den. In der Adr-klas­se 1 sind Stof­fe mit ex­plo­si­ven Ei­gen­schaf­ten so­wie auch Ge­gen­stän­de, die ex­plo­si­ve Stof­fe ent­hal­ten, zu­sam­men­ge­fasst. Ab­hän­gig von die­ser Ein­tei­lung ist ei­ne

Ver­sen­dung mit Kenn­zeich­nung der Ver­pa­ckung oder auch der Trans­port nur als Ge­fahr­gut­trans­port mit spe­zi­ell mo­di­fi­zier­ten Fahr­zeu­gen und qua­li­fi­zier­tem Fah­rer zu­läs­sig. Ei­ne wei­te­re wich­ti­ge Fra­ge ist die nach ei­ner Ri­si­ko­ab­de­ckung durch ei­ne ent­spre­chen­de Haft­pflicht­ver­si­che­rung. Wäh­rend die­se Ver­si­che­rung für Fir­men zur Er­lan­gung ei­nes Er­laub­nisschei­nes ver­pflich­tend ist, soll­ten An­wen­der ins­be­son­de­re bei Ein­satz von feu­er­ge­fähr­li­chen Hand­lun­gen und T1-ef­fek­ten prü­fen, ob ei­ne hof­fent­lich be­ste­hen­de Haft­pflicht­ver­si­che­rung auch die dar­aus re­sul­tie­ren­den zu­sätz­li­chen Ri­si­ken über­nimmt.

Ver­ant­wort­lich­keit

Ab­läu­fe wer­den nicht sel­ten für ei­nen punkt­ge­nau­en Ein­satz in ei­ner Show oder zur ge­sam­ten Syn­chro­ni­sa­ti­on ei­nes Mu­sik­feu­er­werks über Ti­me­co­de ge­steu­ert. Der ver­ant­wort­li­che Feu­er­wer­ker muss da­bei den­noch freie Sicht ha­ben und auch bei au­to­ma­ti­schen Se­quen­zen je­der­zeit die Kon­trol­le be­hal­ten. In kri­ti­schen Si­tua­tio­nen muss es ihm mög­lich sein die Ab­läu­fe zu un­ter­bre­chen. Ist die freie Sicht be­schränkt oder in der Ge­samt­heit nicht mög­lich, kann man sich so ge­nann­ter Spot­ter (wei­te­re Be­ob­ach­tungs­per­so­nen) be­die­nen, wel­che die Si­tua­tio­nen be­wer­ten und mel­den kön­nen. Der ver­ant­wort­li­che Feu­er­wer­ker hat in Be­zug auf die Aus­lö­sung und Un­ter­bre­chung das letz­te Wort, selbst wenn Auf­trag­ge­ber oder Regisseur an­de­rer Mei­nung sind. Auch wenn es an­de­re Bei­spie­le aus jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit gibt: Ja­mes Het­field von Me­tal­li­ca wur­de auf der Tour 1992 in Mon­tre­al durch ei­nen Py­roun­fall schwer ver­letzt und die Tour­nee muss­te ab­ge­bro­chen wer­den. Grund soll ge­we­sen sein, dass Het­field sich nicht si­cher war, wo er zu dem Zeit­punkt ste­hen soll­te und der Py­ro­tech­ni­ker mit schlech­ter Sicht auf die Büh­ne trotz­dem ge­zün­det hat­te. In der Bran­che wur­de von ei­nem durch die Py­ro­fir­ma zu leis­ten­den Scha­den­er­satz in Mil­lio­nen­hö­he ge­spro­chen. Im üb­li­chen Ge­schäft geht es nicht oft um sol­che Sum­men, aber es gibt kei­nen Grund, der kör­per­li­chen Un­ver­sehrt­heit des Sän­gers ei­ner Top40-band auf ei­nem Schüt­zen­fest we­ni­ger Auf­merk­sam­keit zu schen­ken als der des Me­tal­li­ca-front­manns.

Auch wenn der Be­reich T1 nicht so ho­he An­for­de­run­gen hat, kann von der Ver­wen­dung trotz­dem ei­ne er­heb­li­che Ge­fahr aus­ge­hen. Christian Hau­sen: „Das Ziel von uns als Aufsicht und den Aus­füh­ren­den ist das Glei­che: Ent­schei­dend ist, dass al­le ei­ne schö­ne Show ge­se­hen ha­ben und nie­mand ver­letzt ist. Wir ge­hen hier nicht mit Gum­mi­bär­chen um, son­dern mit ex­plo­si­ons­ge­fähr­li­chen Stof­fen. Es ist je­dem zu ra­ten, sich der Ge­fahr be­wusst zu sein und sich zu fra­gen, ob ei­ne aus­rei­chen­de Sen­si­bi­li­sie­rung vor­han­den ist. Zu­sätz­lich emp­feh­le ich fach­kun­di­gen Rat durch Büh­nen­meis­ter, Fach­kräf­te für Ar­beits­si­cher­heit, durch den ört­li­chen Brand­schutz oder auch die ört­li­che Be­hör­de ein­zu­ho­len, um sich selbst auf die­sem Feld wei­ter­zu­ent­wi­ckeln.“ Ge­or­ge Kloodt: „Als ich vor vie­len Jah­ren in der Bran­che be­gann, hat mir mei­ne da­ma­li­ge Che­fin ei­nen Merk­satz mit­ge­ge­ben, der auch heu­te noch gilt: If in doubt, let it out! – Im Zwei­fel nicht zün­den!“

Co2-tank­an­la­ge zum Be­trieb von Fla­me­jets auf ei­ner Open-air-büh­ne Foto: Chris­ti­na-kloodt

Co2-jets die Streams lö­sen sich schnell auf Foto: Chris­ti­na-kloodt

Mit Druck­luft be­trie­be­ne Ab­schuss­ein­hei­ten für Kon­fet­ti und Strea­mer – in die­ser Grö­ße sind die Ge­rä­te auch für Ein­sät­ze in Sta­di­en ge­eig­net Foto: Joe Be­cker

Schrei­ben­der Was­ser­vor­hang die Was­ser­zu­lei­tung er­folgt über ent­spre­chend di­men­sio­nier­te Schläu­che: je­der blaue Schlauch ver­sorgt ei­ne Aus­tritts­dü­se, die über Ven­ti­le ge­öff­net und ge­schlos­sen wer­den kann Foto: Urs Lan­ge

Die Schrift­dar­stel­lung er­folgt über prä­zi­se ge­steu­er­te Ven­ti­le Foto: Aman­da Hol­mes

Pro­jek­ti­on auf ei­nen Was­ser­schirm die Dü­se be­fin­det sich in der Mit­te kurz über der Was­ser­li­nie Foto: Markus Kat­ter­le

Feu­er­ge­fähr­li­che Hand­lung zwi­schen Mu­si­kern Foto: Lu­n­a­tx

Gas­an­la­ge zur Flam­men­er­zeu­gung im Fern­seh­stu­dio – die Gas­fla­schen wer­den mit Heiz­de­cken ge­wärmt, da­mit das Gas nicht bei der Ent­nah­me ge­friert Foto: Joe Be­cker

Funk­emp­fän­ger mit An­schluss­ver­tei­lung zur Zün­dung py­ro­tech­ni­scher Ef­fek­te Foto: Chris­ti­na Kloodt

Funk­zün­der für py­ro­tech­ni­sche Ef­fek­te Foto: Chris­ti­na Kloodt

Py­ro­tech­ni­scher Ef­fekt die Ein­heit wird in ei­ner Ab­schuss­ein­rich­tung fi­xiert und mit dem Ka­bel an ei­ne elek­tri­sche Zünd­an­la­ge an­ge­schlos­sen Foto: Chris­ti­na Kloodt

Hö­hen­feu­er­wer­ke dür­fen zwar ganz­jäh­rig ab­ge­brannt wer­den, sind je­doch an­mel­de­pflich­tig und müs­sen durch die ört­li­che Be­hör­de be­stä­tigt wer­den

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