Re­port: Mu­si­cal „Fack Ju Göh­te“in München

Production Partner - - Inhalt - Text: Ni­co­lay Ket­te­rer | Fotos: Ju­li­an Reischl, Sta­ge En­ter­tain­ment

Mu­si­cal-ad­ap­tio­nen von Fil­men zäh­len zum Ta­ges­ge­schäft der Pro­duk­ti­ons­fir­ma Sta­ge En­ter­tain­ment. Die Um­set­zung mit neu­em Pro­duk­ti­ons-stand­ort in München und be­grenz­tem Bud­get schaff­te hin­ge­gen un­ge­ahn­te Hür­den: Ein al­ter Kar­tof­fel­spei­cher der Fir­ma Pfan­ni dien­te als Aus­gangs­la­ge, mit of­fe­nen Struk­tu­ren: Pu­bli­kums- und Pro­duk­ti­ons­be­rei­che über­schnei­den sich, statt ei­ner ab­ge­trenn­ten Büh­ne fin­det die Show fast „eben­er­dig“vor den Fü­ßen der Zu­schau­er auf ei­nem Show­deck statt – samt ein­ge­bau­tem „Front­fill-er­satz“ In Mün­chens Werks­vier­tel – dem ehe­ma­li­gen Kunst­park Ost – na­he dem Ost­bahn­hof ent­stand ein denk­bar un­ge­wöhn­li­ches Mu­si­cal-thea­ter, das 20. Thea­ter der Sta­ge En­ter­tain­ment und zu­gleich das zwölf­te in Deutsch­land. „Das war frü­her ein Pro­duk­ti­ons­ge­län­de der Fir­ma Pfan­ni“, er­klärt Mi­chel We­ber, der als Thea­tri­cal Sound Co­or­di­na­tor bei Sta­ge En­ter­tain­ment Pro­duk­tio­nen be­treut. „Die Hal­le war ein Kar­tof­fel­spei­cher, vor rund 40 Jah­ren zur La­ge­rung meh­re­rer tau­send Ton­nen Kar­tof­feln ge­baut. Die Kar­tof­feln wur­den un­ten raus­ge­spült über Qu­er­gän­ge, die mit Was­ser ge­flu­tet wur­den. Au­ßer Strom und Be­ton gab es prak­tisch nichts.“Beim ers­ten Be­such im April 2017 wa­ren sie auf­grund der Rand­be­din­gun­gen zu­nächst er­schro­cken, er­zählt er. Sie lie­ßen ei­ne Zeich­nung an­fer­ti­gen, wie das Thea­ter am En­de ausse-

hen könn­te. „Da­nach hiel­ten wir den Stand­ort pas­send für ein Stück, das kei­ne ‚Full­si­ze-pro­duk­ti­ons­stät­te‘ braucht.“In das Thea­ter pas­sen knapp 700 Zu­schau­er, ei­ne Full­si­ze-pro­duk­ti­on be­ginnt laut We­ber bei 1.600 Plät­zen. In München fan­den bis­lang le­dig­lich ein­zel­ne Ko­ope­ra­tio­nen mit dem Deut­schen Thea­ter so­wie Pro­duk­tio­nen am Gärt­ner­platz­thea­ter statt – nun soll­te al­so ein ei­ge­nes Haus her. Die nie­der­län­di­sche Pro­duk­ti­ons­fir­ma Sta­ge En­ter­tain­ment be­treibt bis­lang 19 Mu­si­cal-thea­ter in Eu­ro­pa, dar­un­ter meh­re­re in Ham­burg und Berlin. Deutsch­land ist die größ­te Toch­ter der Fir­ma, in Ham­burg sitzt die Zen­tra­le. Zu den bis­he­ri­gen gro­ßen Pro­duk­tio­nen zäh­len et­wa „Tanz der Vam­pi­re“so­wie die Dis­ney-ad­ap­tio­nen „Der Kö­nig der Lö­wen“und „Al­ad­din“. Fack Ju Göh­te Als pas­sen­des Stück er­wies sich ‚Fack Ju Göh­te‘, ei­ne Ei­gen­pro­duk­ti­on, zu­sam­men mit Con­stan­tin Film. Es ad­ap­tiert den ers­ten Film der mitt­ler­wei­le drei­tei­li­gen Rei­he: Der Klein­kri­mi­nel­le Ze­ki Müller (im Mu­si­cal ge­spielt von Max Hem­mers­dor­fer) will nach ver­büß­ter Haft gestoh­le­nes Geld aus­gra­ben, über je­ner Stel­le be­fin­det sich al­ler­dings mitt­ler­wei­le ei­ne Turn­hal­le. Für ent­spre­chen­den Zu­gang gibt sich Müller als Ver­tre­tungs­leh­rer der Ge­samt­schu­le aus – was mit sei­ner Klas­se ei­nen chao­ti­schen Ver­lauf nimmt. Das Au­to­ren-team Ke­vin Schrö­der, Ni­co­las Rebs­cher und Si­mon Trie­bel (Gi­tar­rist bei „Ju­li“) ha­ben Ge­schich­te und Mu­sik für die Pro­duk­ti­on ent­wi­ckelt. „Das Kon­zept ist völ­lig an­ders als un­se­re sons­ti­gen Pro­duk­tio­nen“, er­klärt Mi­chel We­ber. „Die Ver­hält­nis­se sind recht be­engt, es gibt kei­nen Hin­ter­büh­nen-be­reich. Die Zu­schau­er lau­fen über das Büh­nen­bild, um an ih­re Plät­ze zu ge­lan­gen.“Das ha­be neue Ar­beits­wei­sen und Im­pro­vi­sa­ti­ons­fä­hig­keit ge­for­dert: „Wir ver­wen­den erst­mals ei­ne 180-Grad-büh­ne. Dem­ent­spre­chend müs­sen Be­schal­lung, Licht und Be­spie­lung völ­lig an­ders sein als ge­wohnt.“Der Um­bau der Hal­le be­gann im Sep­tem­ber letz­ten Jah­res. „Die De­cke, die 200 Ton­nen wiegt, wur­de ge­gos­sen. Sie trennt die obe­re Hälf­te der Hin­ter­büh­ne ab – sonst hät­ten wir kei­ne Gar­de­ro­ben oder Bü­ros un­ter­brin­gen kön­nen. Der Hin­ter­büh­nen-be­reich ist gleich­zei­tig das Foy­er, die an­de­re Hälf­te der Hal­le ist Spiel­flä­che und Zu­schau­er­raum. Zu­schau­er se­hen die Darstel­ler und Tech­ni­ker rum­lau­fen.“Der pro­vi­so­ri­sche Ein­druck sei we­gen der an­de­ren Her­an­ge­hens­wei­se ei­gent­lich ge­wollt, „und auch die Kos­ten muss­ten in ex­tre­mem Ma­ße be­rück­sich­tigt wer­den.“Ab En­de No­vem­ber 2017 wur­den Ton, Licht- und Büh­nen­tech­nik ein­ge­baut, im De­zem­ber be­gan­nen die Pro­ben. Raum-be­schal­lung „Die größ­te Her­aus­for­de­rung bei der Be­schal­lung be­stand dar­in, dass wir kei­ne fron­ta­le Be­schal­lung ha­ben, sprich: kein ‚Kuck-kas­ten-prin­zip‘ wie in ei­nem klas­si­schen Mu­si­cal-thea­ter, wo die Zu­schau­er fron­tal auf die Büh­ne schau­en und die

„Schwimm­bad­sze­ne“des Fack Ju Göh­te-mu­si­cals (Foto: Sta­ge En­ter­tain­ment)

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