He­le­ne Fi­scher Tour: Le­go für Er­wach­se­ne

Production Partner - - Frontend - Text: Ni­co­lay Ket­te­rer | Fotos: Ni­co­lay Ket­te­rer, Me­ga­force

Bei He­le­ne Fi­schers Sta­di­on-tour 2018 über­nahm Me­ga­force den Büh­nen­bau. Die Her­aus­for­de­rung: Ei­ne 27 Me­ter ho­he Cust­om-büh­ne, in die rund 1.000 Qua­drat­me­ter Led-screens ein­ge­ar­bei­tet sind, und die kom­plett bis Wind­stär­ke 12 ste­hen blei­ben muss. Da­für sor­gen mit­un­ter 200 Ton­nen zu­sätz­li­cher Bal­last.

Bei der He­le­ne Fi­schers Sta­di­on-tour 2018 über­nahm die Fir­ma Me­ga­force den Büh­nen­bau. Die Her­aus­for­de­rung: Ei­ne 27 Me­ter ho­he Cust­om-büh­ne, in die rund 1.000 Qua­drat­me­ter Led-screens ein­ge­ar­bei­tet sind, und die kom­plett bis Wind­stär­ke 12 ste­hen blei­ben muss. Da­für sor­gen mit­un­ter 200 Ton­nen zu­sätz­li­cher Bal­last. Da­zu der all­täg­li­che Wahn­sinn der Lo­gis­tik – die Fir­ma war mit „zwei­ein­halb Büh­nen“und 60 LKW un­ter­wegs. Ein Be­such zum Tour-fi­na­le in der Stutt­gar­ter Mer­ce­des-benz-are­na

Im Som­mer 2018 star­te­te He­le­ne Fi­scher ih­re Sta­di­on-tour: 13 Gigs durch Deutsch­land, da­zu ei­nen in Ös­ter­reich und der Schweiz. In der Mer­ce­des-benz-are­na, sonst Heimat des VFB Stutt­gart, steht das Tour-fi­na­le an, be­vor ih­re Hal­len­tour­nee im Sep­tem­ber wei­ter­geht. Zu­letzt wa­ren die Rol­ling Sto­nes hier, rund drei Wo­chen zu­vor – die He­le­ne-pro­duk­ti­on ver­spricht zu­min­dest ähn­lich dicht ge­staf­fel­tes En­ter­tain­ment.

Die Büh­nen­bau-fir­ma Me­ga­force aus Wein­gar­ten bei Karls­ru­he ist für die Büh­ne zu­stän­dig. 2018 zäh­len bei­spiels­wei­se auch Die To­ten Ho­sen oder Andre­as Ga­ba­lier zu ih­ren Openair-kun­den. Die Her­aus­for­de­rung: Ei­ne 27 Me­ter ho­he Cust­om-büh­ne, in die rie­si­ge Led-screens in­te­griert sind. Me­ga­force war mit drei Teams un­ter­wegs – zwei kom­plet­ten

Büh­nen und ei­nem drit­ten Büh­nen­un­ter­bau, mit 20 LKW pro Team. Ma­thi­as An­drä, Bau­lei­ter bei Me­ga­force, über­nimmt die Ko­or­di­na­ti­on der Teams.

Ein Don­ners­tag – sie sind am Vor­abend an­ge­kom­men, ge­ra­de fin­det der Ge­rüst­bau statt, das Kon­zert am Sonn­tag. Drei Schwer­last­krä­ne he­ben Bau­tei­le auf das Grund­ge­rüst. An der Vi­deo­lein­wand des Sta­di­ons wer­den par­al­lel Not­fal­le­va­ku­ie­rungs­an­zei­gen für das Pu­bli­kum er­probt. Ge­räu­sche ei­nes über­di­men­sio­na­len Vor­schlag­ham­mers, der auf Me­tall trifft, hal­len durch die Are­na. Er wirkt ähn­lich groß wie der Bau­ar­bei­ter, der ihn nach un­ten hält. Die Are­na ant­wor­tet mit ei­nem kur­zen Echo von rund 200 Mil­li­se­kun­den. Die Ar­bei­ter schrau­ben und häm­mern den Büh­nen­grund und Tra­ver­sen zu­sam­men, un­ter gel­ben und blau­en Hel­men. Nack­te Ober­kör­per trot­zen der im­mer noch hei­ßen Abend­son­ne an ei­nem der Hit­ze­re­kord-ver­däch­ti­gen Ta­ge 2018.

Ma­thi­as „Mat­ze“An­drä spricht ne­ben den Stahl­trä­gern mit sei­nen Kol­le­gen, eilt da­zwi­schen von ei­nem Te­le­fo­nat zum nächs­ten. Drau­ßen vor der Ein­fahrt durch die Ka­ta­kom­ben des Sta­di­ons ste­hen Stap­ler mit Ma­te­ri­al be­reit, die ko­or­di­niert wer­den. „Da­durch, dass wir al­le schon ein paar Jah­re da drau­ßen sind, ha­ben sich un­se­re Kör­per schon drauf ein­ge­stellt“, meint er schmun­zelnd. Es ist sei­ne „25. Sai­son“, er­zählt er, 1994 ha­be er sei­ne ers­te Büh­ne ge­baut, „da­mals noch als Sta­ge- oder Steel­hand.“In den Fol­ge­jah­ren ka­men die ers­ten Tour­ne­en. „Seit 1997 bin ich je­den Som­mer drau­ßen.“Er muss la­chen: „Wenn ich mei­nem Sohn den Beruf er­klä­re, be­schrei­be ich das als ‚Le­go für Er­wach­se­ne‘. Ei­gent­lich ist es nicht an­ders: Wir ste­cken Bau­tei­le zu­sam­men, die pas­sen und zu ei­nem Sys­tem ge­hö­ren. Kennt man das, ist es ähn­lich ein­fach wie Le­go – theo­re­tisch.“

Kno­chen­job Büh­nen­bau

Die Fas­zi­na­ti­on an dem Beruf sei schwer zu er­klä­ren, das Ter­min­ge­schäft ein Kno­chen­job: „Show ist um 8, egal, was bis da­hin pas­siert. Nur we­gen Re­gen oder Un­wet­ter kön­nen wir nicht auf­hö­ren zu ar­bei­ten.“Die Ab­läu­fe ei­ner Sta­di­on­tour­nee sind ge­nau fest­ge­legt. „Wir ar­bei­ten je­weils von 8 bis 8 in Zwölf-st­un­den-schich­ten – tags­über die Früh­schicht, nachts die Spät­schicht. Mit Pau­sen na­tür­lich, aber du bist trotz­dem den gan­zen Tag drau­ßen. Manch­mal ist al­les gut, aber an Ta­gen wie heu­te, wo es schei­ße­heiß ist, läuft die Ar­beit ein biss­chen lang­sa­mer, weil al­le öf­ter trin­ken ge­hen müs­sen, und auch die Son­nen­brand­ge­fahr in den letz­ten Jah­ren ge­stie­gen ist.“Schat­ten sei im Sta­di­on erst am spä­ten Nach­mit­tag vor­han­den.

Was ihn be­geis­tert? „Mir ge­fällt, dass wir et­was ab­ge­schot­tet in un­se­rer ei­ge­nen Welt le­ben, mit ei­ge­nen Re­geln. Die Jungs, die für und mit uns ar­bei­ten, und die sehr gu­te Freun­de von mir sind, hät­ten in der nor­ma­len Wirtschaft mit ih­rem ge­bro­che­nen Le­bens­lauf kei­ne Chan­ce! Die­se Wer­te sind bei uns nicht aus­schlag­ge­bend. Hier zählt, dass der Job ver­nünf­tig er­le­digt wird, dass der­je­ni­ge ein gu­ter Typ ist, mit dem man su­per ar­bei­ten kann, und er Spaß an der Sa­che

»Auf der Show-flä­che ragt das Vor­dach 12 Me­ter her­aus, es hat kei­ne Stüt­zen – da­zu hän­gen noch Licht und Ton dran. Da sind wir ei­gent­lich nicht mehr im Büh­nen-, son­dern schon im Kr­an­bau« Ma­thi­as „Mat­ze“An­drä | Bau­lei­ter bei Me­ga­force

hat. In mei­ner Po­si­ti­on kommt hin­zu, Leu­te füh­ren und an­wei­sen zu kön­nen. Da­durch, dass wir so­zu­sa­gen hin­ter ei­nem Zaun le­ben, sind wir vor der El­len­bo­gen­ge­sell­schaft drau­ßen et­was ge­schützt. Ich war auch nie im klas­si­schen Sys­tem ‚ein­ge­loggt’“, er­zählt er. Ge­re­gel­te Ar­beits­zei­ten ei­ner 40-St­un­den-wo­che ken­ne er nicht. „Brau­che ich auch nicht!“Er er­in­nert sich an ein Klas­sen­tref­fen: „Ich ha­be frü­her Schul­dis­kos or­ga­ni­siert, den DJ ge­macht, haupt­säch­lich als Ver­an­stal­ter Tech­nik hin­ge­stellt.“Ein ehe­ma­li­ger Mit­schü­ler mein­te an­er­ken­nend, An­drä sei mit sei­nem Beruf der Mu­sik treu ge­blie­ben.

Der an­de­re Grund, war­um er den Beruf schon so lan­ge macht: „Um mich nach schlech­ten Ta­gen wie­der zu mo­ti­vie­ren, reicht nach all den Jah­ren im­mer noch die po­si­ti­ve Ener­gie, die beim Kon­zert von der Büh­ne kommt. Egal, wel­cher Sän­ger oder wel­che Grup­pe oben steht – wenn die ei­nen gei­len Job ma­chen und es schaf­fen, die Leu­te zu be­geis­tern, so­dass die mit ei­nem Grin­sen im Ge­sicht nach Hau­se ge­hen, hat sich das al­les ge­lohnt, da be­kom­me auch ich im­mer noch Gän­se­haut. Dar­aus zie­he ich mei­ne Ener­gie.“

Sei­nen Beruf sieht er als Teil des­sen: „Wir ma­chen Men­schen glück­lich. Auch wenn das nur in­di­rekt mit un­se­rer Ar­beit ge­schieht – am En­de steht das Er­geb­nis.“Für die Kon­zert­be­su­cher blei­ben Ar­beit und Ar­bei­ter un­sicht­bar. Die di­rek­te An­er­ken­nung des Pu­bli­kums brau­che er nicht, meint An­drä. „Hät­te ich be­rühmt wer­den wol­len, dann hät­te ich mich als Künst­ler auf die Büh­ne ge­stellt.“Die Ener­gie des Pu­bli­kums sei mit der Grund, war­um er lie­ber Kon­zert­ver­an­stal­tun­gen als po­li­ti­sche Red­ner-events macht. „Dort ist die Mo­ti­va­ti­on ei­ne an­de­re. Mes­se­bau wä­re auch nichts für mich.“Je­ne Stim­mung sei sonst nur sel­ten zu fin­den. „Bei ei­nem Fuß­ball­spiel kom­men auch vie­le Leu­te ins Sta­di­on, die ju­beln, es herrscht viel po­si­ti­ve Ener­gie – aber meis­tens nur zu 50 Pro­zent. Die an­de­ren ha­ben schlech­te Lau­ne“, meint er schmun­zelnd.

„Stress­fak­tor“Cust­om-büh­ne

Der Stress­fak­tor im Beruf va­ri­ie­re je nach Event, meint An­drä. „Wir ar­bei­ten nor­ma­ler­wei­se mit Stan­dard­büh­nen – aus­ge­reif­ten Sys­te­me, wie wir sie zum Bei­spiel bei den To­ten Ho­sen ver­wen­den und die spe­zi­ell an­ge­passt wer­den: Durch Er­wei­te­run­gen, Ver­grö­ße­run­gen, Ex­tras. Im Gro­ßen und Gan­zen bleibt es ei­ne Stan­dard­büh­ne, die je­der von uns schon hun­dert­mal ge­baut hat, ein be­währ­tes Sys­tem. Wir

bau­en Die To­ten Ho­sen seit Jah­ren ei­gent­lich mit dem­sel­ben Sys­tem, nur je­des Mal et­was grö­ßer, hö­her, wei­ter.

Die He­le­ne-fi­scher-büh­ne ent­stand hin­ge­gen nach ei­ner De­si­gn­vor­la­ge. „Das Tour­nee-ma­nage­ment kam auf uns zu, sie er­klär­ten uns, was sie sich vor­ge­stellt hat­ten, und frag­ten, ob sich das rea­li­sie­ren lässt. Das ist ein ganz an­de­rer An­satz – wir konn­ten nicht auf ei­ne Re­tor­te, ein Kon­zept aus der Schub­la­de zu­rück­grei­fen, statt­des­sen wa­ren neue Fak­to­ren ein­ge­baut, bei de­nen theo­re­tisch viel schief­ge­hen kann. Die Steck­sys­te­me sind Stan­dard, aber hier sind spe­zi­el­le Qu­er­rah­men in der Büh­ne ver­baut.“

„Die Büh­ne setzt sich aus ei­nem gro­ßen drei­di­men­sio­na­len ‚H‘ in der Mit­te zu­sam­men, das als Büh­nen­flä­che dient, links und rechts da­ne­ben be­fin­den sich Led-screens auf der Büh­ne, ins­ge­samt über 1.000 m2“, so Phi­lip Bär von Bär Vi­deo­tech­nik. Der ge­sam­te Vi­de­obe­reich – Led-re­gie-, Ka­me­raund Ser­ver­tech­nik und das zu­ge­hö­ri­ge Per­so­nal – wur­den von der Fir­ma aus Och­sen­hau­sen ge­lie­fert. „Die ge­sam­te Büh­nen­brei­te war ei­ne Led-flä­che. Das ‚H‘ in der Mit­te hat ei­ne Hö­he von 22 Me­tern. Um die Band zu ver­de­cken wur­de ein Led-vor­hang, der sich seit­lich öff­net, in­stal­liert“, so Bär. „Ei­gent­lich stel­len wir ei­nen rie­sen­gro­ßen Fern­se­her hin“, er­klärt An­drä das Ge­samt­kon­zept. Auf der Show­flä­che ragt das Vor­dach 12 Me­ter her­aus, hat kei­ne Stüt­zen – da­zu hän­gen noch Licht und Ton dran. Das wird sta­tisch re­le­vant, und erst beim ge­nau­en Nach­rech­nen ha­ben wir fest­stellt, wel­che Las­ten die ein­zel­nen Tra­ver­sen teil­wei­se tra­gen müs­sen. Da sind wir ei­gent­lich nicht mehr im Büh­nen­bau, son­dern schon im Kr­an­bau.“Die To­wer- und Qu­er­tra­ver­sen wur­den ge­gen­über der letz­ten 2015er Sta­di­on-tour ge­tauscht. „Für die ge­rin­ge Stand­tie­fe, da­für die Hö­he und das Ge­wicht, das dran­hängt, brauch­ten wir noch stär­ker be­last­ba­re­re Tra­ver­sen.“Das Er­geb­nis der Kon­struk­ti­on? Die 27 Me­ter ho­he Büh­ne wiegt 156 Ton­nen net­to, bei 60 Me­tern Brei­te und 55 Me­tern Tie­fe (samt Lauf­steg), er­klärt Me­ga­force-pro­jekt­ma­na­ger Oliver Hei­din­ger. Im Lauf­steg ist ein Was­ser­be­cken ein­ge­las­sen, ne­ben den Auf­zü­gen sind He­be­büh­nen und Schlit­ten im Büh­nen­bo­den ver­baut. Da­zu sind zwei 22 Me­ter ho­he De­lay-/spot­to­wer mit Ton, Licht und Ver­fol­ger­plät­zen im Ein­satz, so­wie ein Cen­ter-de­lay-stack.

Pro­be­auf­bau für neu­es Show-pro­gramm

2015 ist die Pro­duk­ti­on so­zu­sa­gen als ‚Ver­län­ge­rung‘ von der Hal­len- in die Sta­di­on-tour­nee ge­gan­gen. „Die Show wur­de an­ge­passt, aber nicht kom­plett neu de­signt. Die­ses Mal ist

das Show-pro­gramm kom­plett neu ge­gen­über der Hal­len­tour“, so Ma­thi­as An­drä. Da­durch sei bei al­len Be­tei­lig­ten das Stress­le­vel hoch, weil nie­mand vor­her wuss­te, wie das Kon­zept am En­de funk­tio­niert. Da­zu fand ein Pro­be­auf­bau in der Karls­ru­her dm-are­na statt. „Wir ha­ben vie­le Tei­le neu an­fer­ti­gen las­sen – wenn wir erst auf der ers­ten Bau­stel­le her­aus­fin­den, dass et­was nicht passt, hät­ten wir ein Pro­blem ge­habt. Hier war klar: Wir ha­ben zwei­ein­halb Ta­ge Zeit zum Auf­bau. Es ging auch dar­um, ob das er­rech­ne­te Ti­ming in der Pra­xis mach­bar ist. Den Ar­beits­auf­wand hat­ten wir am An­fang et­was un­ter­schätzt – zum Bei­spiel die In­stal­la­tio­nen auf der spe­zi­el­len Büh­ne.“

Un­ter der Büh­ne be­fin­den sich die Um­klei­den und die Re­qui­si­ten. „Die Re­qui­si­ten sind sehr groß, da­her be­nö­ti­gen sie ei­ni­ge Lif­te, die groß und wahn­sin­nig schwer sind. Die pas­sen nicht zu un­se­rem nor­ma­len Sys­tem. Da muss­ten wir schau­en, wie wir die in­te­griert be­kom­men. Dann kommt das Sta­di­on da­zu: Sta­di­en ha­ben, im Ge­gen­satz zu ei­ner Hal­le, im­mer ein Ge­fäl­le, da­mit Was­ser ab­läuft. Passt das, sind die Lif­te dann noch hoch ge­nug?“Die vor­he­ri­gen Si­mu­la­tio­nen sei­en be­reits sehr pro­fes­sio­nell, er­klärt Bau­lei­ter Ma­thi­as An­drä. Gab es denn ty­pi­sche Pro­ble­me, die sie als Team erst beim Test­auf­bau ent­deckt ha­ben? „Von den Lif­ten exis­tiert ei­ne Zeich­nung und ein Foto, wir neh­men die Ma­ße und pas­sen das in un­se­re Fel­der ein. In der Rea­li­tät stel­len wir spä­ter fest, dass vi­el­leicht die Stan­gen am Lift nicht wie in der Zeich­nung glatt sind, son­dern Tel­ler oder Dreh­tei­le ha­ben. Al­le wuss­ten, dass der Platz knapp war, aber am En­de stört ein Ste­cker. Da­zu kom­men mög­li­che Fer­ti­gungs­feh­ler der neu­en Tei­le.“

Sturm und Bal­last

Für die Open-air-ver­an­stal­tung müs­sen zu­dem Wind und Sturm be­rück­sich­tigt wer­den. „Bei nor­ma­len Fes­ti­val­büh­nen wird mitt­ler­wei­le ein Be­trieb bis Wind­stär­ke 8 ga­ran­tiert. Ab

»Platz be­deu­tet bei uns Zei­ter­spar­nis« Ma­thi­as „Mat­ze“An­drä | Bau­lei­ter bei Me­ga­force

dann nimmt man die Sei­ten- und Rück­wand­ver­pla­nung her­aus, so kann der Wind durch­fah­ren und das Sys­tem ist ‚sa­fe‘. Die Vi­deo­wän­de wer­den ab­ge­fah­ren, ab­ge­setzt und ge­gen Wind ge­si­chert, so­dass sie nicht her­um­schla­gen oder aus­ein­an­der­bre­chen.“Die He­le­ne-büh­ne mit ih­ren in­te­grier­ten gro­ßen Led-schir­men sei­en aber ei­ne Her­aus­for­de­rung, die Wind­last schnell pro­ble­ma­tisch. „Wenn die an­fan­gen, in der Büh­ne zu schwin­gen, ge­ra­de in ei­ner Büh­ne mit 27 Me­tern Hö­he, tre­ten star­ke dy­na­mi­sche Las­ten auf. Da ist or­dent­lich Kraft drauf, al­lein durch die Grund­last der Büh­ne. Soll­te ein Sturm auf­kom­men, war je­dem klar: Bei der Grö­ßen­ord­nung kann man die Vi­deo­wän­de nicht mehr ab­bau­en. Da­her muss­te die Büh­ne als voll­ver­plant ge­rech­net wer­den – und durf­te auch im schlimms­ten Sturm­fall bei Wind­stär­ke 12 nicht um­fal­len.“Be­nö­tigt wur­de ent­spre­chen­der Zu­satz­bal­last, je nach Region. „In Deutsch­land wer­den ver­schie­de­ne Wind­zo­nen zu­grun­de ge­legt – an der Küs­te und in den Ber­gen ist et­was stür­mi­scher.“

Zu­sätz­lich zu den geo­gra­fisch vor­han­de­nen Wind­zo­nen ent­ste­hen durch die un­ter­schied­li­che Bau­wei­se der Sta­di­en in­di­vi­du­el­le Ri­si­ken: „Die ein­fachs­te Ka­te­go­rie sind ho­he, prak­tisch ge­schlos­se­ne Sta­di­en: Dort kann zwar nicht viel Wind rein, trotz­dem kön­nen Fall­win­de rein­fah­ren – wenn drau­ßen ein Or­kan tobt, fin­den in­nen Ver­wir­be­lun­gen statt. Des­halb ha­ben wir vor­her im Wind­ka­nal ge­tes­tet: Wir ha­ben ein Mo­dell von der Büh­ne und von den je­wei­li­gen Sta­di­en der Tour bau­en las­sen. Das Mün­che­ner Olym­pia­sta­di­on sei die un­güns­tigs­te Va­ri­an­te auf der Tour, „weil es ein sehr of­fe­nes Sta­di­on ist, wo von al­len Sei­ten Wind rein kann.“Für die ein­fachs­te Ka­te­go­rie ver­wen­den sie knapp 60 Ton­nen als zu­sätz­li­chen Bal­last un­ten in der Büh­ne, in der un­güns­tigs­ten Va­ri­an­te über 200 Ton­nen. Den Mi­ni­mal­bal­last ha­ben sie im Ge­päck. „Wei­te­ren Bal­last ha­ben wir in den je­wei­li­gen Städ­ten ge­mie­tet.“

Ma­te­ri­al-lo­gis­tik aus je 20 LKW pro Büh­ne

„Wir müs­sen 20 LKW be- und ent­la­den. Es ist aber nicht so, dass man am An­fang nur Ma­te­ri­al von den ers­ten bei­den LKW braucht, son­dern auch von an­de­ren.“In Sta­di­en sei­en Stell­plät­ze oft un­güns­tig, meint An­drä. „Ei­ni­ge Sta­di­en sind wirk­lich nur für Fuß­ball­spie­le kon­zi­piert – in Ham­burg be-

steht kei­ne Chan­ce, mit dem LKW rein­zu­fah­ren. Dort rollt prak­tisch je­des Ca­se auf Rol­len rein. Mün­chen war mal wun­der­bar – frü­her war der Ra­sen weg, und al­les war Be­ton­flä­che. Wir konn­ten mit al­len LKW rein, von bei­den Sei­ten ent­la­den, konn­ten das Ma­te­ri­al dort la­gern, vor­bau­en und vor­be­rei­ten. Platz be­deu­tet bei uns Zei­ter­spar­nis. Mitt­ler­wei­le ist der Ra­sen wie­der drin, da­durch ist das Olym­pia­sta­di­on auch sehr un­güns­tig ge­wor­den. Man­che Sta­di­en sind su­per – dort ha­ben wir drau­ßen viel Platz und müs­sen das Ma­te­ri­al nur reins­hut­tlen, in an­de­ren Sta­di­en herrscht we­der au­ßen noch in­nen Spiel­raum. Leicht­ath­le­tik­sta­di­en mit Tart­an­bahn bie­ten im Sta­di­on selbst noch mehr Platz, so­dass wir uns mehr aus­brei­ten kön­nen.“Als po­si­ti­ves Bei­spiel für gu­te „In­nen­or­ga­ni­sa­ti­on“nennt er das Ber­li­ner Olym­pia­sta­di­on, die Com­merz­band-are­na in Frank­furt und die Gel­sen­kir­che­ner Vel­tins-are­na. In der Stut­gar­ter Mer­ce­des-benz-are­na, ei­nem ‚rei­nen‘ Fuß­ball­sta­di­on, wird die Ra­sen­flä­che für die Zu­schau­er von ei­nem spe­zia­li­sier­ten Di­enst­leis­ter mit Alu-pa­nels ab­ge­deckt. Ab der Mit­tel­li­nie ist die Ver­an­stal­tung zu­dem be­stuhlt. Vor der Büh­ne nut­zen sie se­pa­ra­te Schwer­last-alu-pa­nels, die hö­he­re Punkt­las­ten aus­hal­ten, mit Stap­lern be­fahr­bar sind, und auch als „Ma­te­ri­al­la­ger“die­nen, er­klärt An­drä. „Wenn man uns nur ei­ne Rei­he von den Pa­nels vor­ne weg­neh­men wür­de, wirft uns das ge­ra­de beim Ab­bau zwei, drei St­un­den zu­rück. Je­de Pa­nel­rei­he bringt na­tür­lich Zei­ter­spar­nis – kos­tet al­ler­dings auch enorm viel Geld.“20 Lkw-la­dun­gen Ma­te­ri­al las­sen sich al­ler­dings nicht vor­ab be­her­ber­gen. „Wir ha­ben drau­ßen ei­nen Lo­gis­ti­ker, der das Ma­te­ri­al vor­be­rei­tet, und mit ei­nem zwei­ten Lo­gis­ti­ker drin­nen kom­mu­ni­ziert, was die Jungs in den nächs­ten zwei Schrit­ten an Ma­te­ri­al brau­chen. Die Lo­gis­tik ist die Her­aus­for­de­rung an den je­wei­li­gen Bau­lei­ter – wenn wir das Ma­te­ri­al nicht rein­be­kom­men, ist das Ti­ming da­hin.“Sie hat­ten von vorn­her­ein mit ei­ner Nacht­schicht kal­ku­liert. „Wir ha­ben spä­ter über­legt, sie ein­zu­spa­ren, wenn sich das Se­t­up ‚ein­ge­groovt‘ hat, al­ler­dings ist es ent­spann­ter für al­le, die Schicht zu nut­zen: Wir ha­ben kei­ne gro­ßen Ar­bei­ten mehr zu er­le­di­gen, wenn die Pro­duk­ti­on kommt. Die ha­ben schließ­lich die glei­chen Platz­pro­ble­me. Wenn dann noch un­se­re drei Krä­ne ste­hen, hilft das nicht.“

Per­so­nal in fes­ten Teams

Me­ga­force hat bei der He­le­ne Fi­scher-tour bei al­len drei Büh­nen je ei­ne Cr­ew aus sechs Leu­ten vor Ort: „Der Cr­ew­chef, der je­wei­li­gen Bau­lei­ter vor Ort, da­zu fünf ‚Mit­spie­ler‘, von de­nen je­der ein ei­ge­nes De­part­ment ab­deckt.“Zu­sätz­lich zum Me­ga­force-„kern-team“kom­men „Steel­hands“hin­zu – Ar­bei­ter, die die Platt­for­men auf­bau­en und den Büh­nen­bo­den ein­le­gen, da­zu Scaf­fol­der, wört­lich „Ge­rüst­bau­er“: „Die ma­chen die Hö­hen­ar­bei­ten und schla­gen die Tra­ver­sen

He­le­ne-fi­scher-büh­ne im „wind­güns­ti­gen“Mün­che­ner Olym­pia­sta­di­on (Foto: Me­ga­force)

Bau­lei­ter Ma­thi­as „Mat­ze“An­drä von Me­ga­force mit Ge­samt­ver­ant­wor­tung über die drei Büh­nen-teams der He­le­ne-fi­scher-sta­di­on­tour

Büh­nen­auf­bau in der Stutt­gar­ter Mer­ce­des-benz-are­na

Ma­te­ri­al-zwi­schen­la­ger im Sta­di­on, mehr Platz be­deu­tet schnel­le­rer Auf­bau

Te­am­work wird auf der Tour durch fes­te Cr­ews ge­för­dert (Foto: Me­ga­force)

Led-screens und Vor­dach im „H“(Foto: Me­ga­force)

Fer­ti­ges Ge­s­amt-se­t­up im Sta­di­on (Foto: Me­ga­force)

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