Mu­sik­thea­ter: Wir aus Glas

Production Partner - - Inhalt - Text: Mat­thi­as Fuchs | Fotos: Pe­ter Roth-lip­kow, Jo Schramm, Deut­sche Oper Ber­lin

Schon der Hand­lungs­ent­wurf von „Wir aus Glas“birgt Au­ßer­ge­wöhn­li­ches: Es soll ei­ne weit­ge­hend er­eig­nis­ar­me All­täg­lich­keit in­sze­niert wer­den, die vom Pu­bli­kum nur aus­schnitts­wei­se „wie durch es Fens­ter“be­trach­tet wer­den kann. Ort der Hand­lung ist ei­ne an­ge­deu­te­te Woh­nung, in der sich die elf Ak­teu­re – Schau­spie­ler wie Mu­si­ker – be­we­gen, ab­ge­schot­tet vom „Drau­ßen“ih­ren gleich­för­mi­gen Ta­ges­ab­lauf ze­le­brie­ren und da­bei schritt­wei­se ih­re Ängs­te und Nö­te of­fen­ba­ren.

Die Um­set­zung au­ßer­ge­wöhn­li­cher sze­ni­scher Ide­en muss nicht zwangs­läu­fig an li­mi­tier­ten Rah­men­be­din­gun­gen schei­tern. Die Ins­ze­nie­rung des Mu­sik­thea­ter­stü­ckes Wir aus Glas für die dies­jäh­ri­ge Münch­ner Bi­en­na­le zeigt die Mach­bar­keit von Be­son­de­rem in­ner­halb eng ge­steck­ter Gren­zen.

Re­gis­seur Da­vid Her­mann und Büh­nen-/licht-de­si­gner Jo Schramm ent­wi­ckel­ten schon im Fe­bru­ar 2017 ers­te Kon-

zep­te zur Rea­li­sie­rung des Stü­ckes in den Rä­um­lich­kei­ten der Münch­ner Muf­f­at­hal­le und der Tisch­le­rei der Deut­schen Oper Ber­lin – Sä­le von ca. 38 × 25 bzw. 31 × 23 Me­tern Grö­ße. Zen­tra­le Pro­blem­stel­lung: Wie er­zeugt man mit über­schau­ba­rem tech­ni­schen Auf­wand die ver­schie­de­nen Wahr­neh­mungs­op­tio­nen und Blick­win­kel zwi­schen „Drau­ßen“(dem Pu­bli­kum) und „Drin­nen“(der Büh­ne)? Da­zu muss­ten im Aus­tausch mit den tech­ni­schen Di­rek­tio­nen und Lei­tun­gen der Auf­füh­rungs­or­te Lö­sun­gen er­ar­bei­tet wer­den, in de­nen Bud­get und Rä­um­lich­kei­ten so­wie die Sicherheit für Zu­schau­er und Ak­teu­re be­rück­sich­tigt wer­den konn­ten. Die Idee, das Pu­bli­kum wäh­rend der Vor­stel­lung um­her lau­fen zu las­sen, wur­de vor al­lem aus akus­ti­schen Grün­den bald wie­der ver­wor­fen.

Die aus­schnitt­haf­te Wahr­neh­mung von par­al­lel ab­lau­fen­den Ge­scheh­nis­sen er­ziel­te man schließ­lich durch das Be­we­gen des Pu­bli­kums. Ers­te Ent­wür­fe für den Bau ei­ner be­weg­li­chen Zu­schau­er­tri­bü­ne wur­den aus Bud­get­grün­den zu­nächst je­doch wie­der ver­wor­fen.

Der ent­schei­den­de Schritt zur er­folg­rei­chen Rea­li­sie­rung voll­zog sich mit dem Zu­sam­men­tref­fen von Jo Schramm und Pe­ter Roth-lip­kow (Scho­ko Pro) auf der Sta­ge|set|sce­ne­ry in Ber­lin. Scho­ko Pro ist auf die Rea­li­sa­ti­on von ver­schie­dens­ten Events in na­he­zu al­len Grö­ßen­ord­nun­gen und Gen­res spe­zia­li­siert. Pe­ter Roth­lip­kow, Ent­wick­ler von Sys­tem­lö­sun­gen bei Scho­ko Pro, konn­te die Her­stel­lung ver­fahr­ba­rer Zu­schau­er­tri­bü­nen un­ter Ver­wen­dung von preis­güns­ti­gen, weil wie­der ver­wert­ba­ren Sys­tem-büh­nen­bau­ele­men­ten an­bie­ten. Da­mit lie­ßen sich sämt­li­che auf­ge­tre­te­nen Pro­ble­me auf ein trag­ba­res Maß brin­gen: Dank der Ver­wen­dung von vor­han­de­nen Sys­tem­kom­po­nen­ten wur­den die Kos­ten für zwei be­weg­li­che Zu­schau­er­tri­bü­nen so weit re­du­ziert, dass die Pro­duk­ti­on an­ge­gan­gen wer­den konn­te. Pe­ter Roth-lip­kow: „Wir nut­zen Sys­tem­lö­sun­gen und ver­mie­ten pro­fes­sio­nel­le Pro­duk­te für gan­ze Spiel­zei­ten. Da­durch kön­nen wir sehr ef­fi­zi­en­te und kos­ten­güns­ti­ge Lö­sun­gen an­bie­ten.“Auch Nach­hal­tig­keit ist für Pe­ter Roth-lip­kow ein wich­ti­ger Aspekt: „Die ein­ge­setz­ten Kom­po­nen­ten wer­den nach En­de der Spiel­zeit nicht weg­ge­wor­fen son­dern er­wei­tern den Ma­te­ri­al­be­stand und ste­hen so­mit für wei­te­re Ein­sät­ze zur Ver­fü­gung. Das re­du­ziert nicht

Ren­de­ring, er­stellt von Büh­nen/licht-de­si­gner Jo Schramm. Man er­kennt die mit­ti­ge Büh­ne und die bei­den, über ei­ne Stre­cke von 16 Me­tern längs­sei­tig ver­fahr­ba­ren Sitz­tri­bü­nen für je­weils 60 Per­so­nen. Das Pu­bli­kum sieht je nach Tri­bü­nen­po­si­ti­on nur ei­nen be­stimm­ten Büh­nen­aus­schnitt, der üb­ri­ge Teil der Büh­ne ist durch Vor­hän­ge nur be­grenzt ein­seh­bar.

Über der um­lau­fen­den Tra­ver­se er­kennt man die hal­len­ei­ge­nen Tra­ver­sen mit der Be­leuch­tung

Ei­ne der bei­den ver­fahr­ba­ren Sitz­tri­bü­nen Grund­ge­rüst (11 × 4m) und Tri­bü­ne be­ste­hen aus Stan­dard-zar­gen­ele­men­ten (Hoac Gm­bh Sys­tem 140), dar­über Ge­län­der (Hoac-tri­bü­nen­pro­gramm) und Tra­ver­sen­tisch mit trans­lu­zen­ter Stoff­ver­klei­dung. Das vier Ton­nen schwe­re Ge­fährt be­wegt sich mit ei­ner Ge­schwin­dig­keit von 0,1 m/sek auf 52 Bock­rol­len, drei An­triebs­rä­dern und sechs ge­führ­ten Dop­pel­spur­kranz­rä­dern. An der Stirn­sei­te er­kennt man links den Platz des Be­die­ners und rechts das Po­wer­pack/die Leis­tungs­elek­tro­nik.

Der Blick von oben zeigt den um­lau­fen­den Tra­ver­sen­rah­men mit dem Schie­nen­sys­tem (Ger­riets King) für den be­weg­li­chen Vor­hang

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