Re­port: Kon­zert­saal-sound für Jo­nas Kauf­mann

Som­mer­nachts­mu­sik – Ya­ma­has Ri­va­ge-mix­tech­nik und Ti­max Im­mer­si­ve-sound-pro­ces­sing ver­hel­fen Star-te­nor Jo­nas Kauf­mann auf der Ber­li­ner Wald­büh­ne zu Kon­zert­saa­l­at­mo­sphä­re

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Ein klas­si­sches Kon­zert im gro­ßen Rah­men open-air auf­zu­füh­ren, stellt in­ter­es­san­te Her­aus­for­de­run­gen an Tech­nik und Cr­ew. Wir ha­ben zu die­sem The­ma den Hö­he­punkt der Zdf-rei­he „Som­mer­nachts­mu­sik“auf der Ber­li­ner Wald­büh­ne be­sucht. Un­ter dem Ti­tel „Dol­ce Vi­ta“er­freu­te das Event mit hoch­ka­rä­ti­gen Künst­lern: Zu hö­ren wa­ren Star-te­nor Jo­nas Kauf­mann und das Rund­funk-sin­fo­nie­or­ches­ter Ber­lin un­ter der Lei­tung von Jo­chen Rie­der.

Her­aus­for­de­rung Klas­sik-open-air

Mu­sik­ge­nuss ga­ran­tiert im Kon­zert­saal selbst­ver­ständ­lich die reins­te und di­rek­tes­te Form der Klang­wahr­neh­mung – oh­ne jeg­li­che Schall­wand­lung. Auch der größ­te Kon­zert­saal sorgt Dank ent­spre­chen­der Akus­tik in al­len Hör­po­si­tio­nen für ein op­ti­ma­les Hör­er­leb­nis. Stellt man je­doch ein Sin­fo­nie­or­ches­ter samt So­lis­ten auf ei­ne gro­ße Open-air-büh­ne, wird ei­ne PA un­er­läss­lich. Zu­dem ent­fällt na­tür­lich die Raum­akus­tik. Die Her­aus­for­de­rung liegt auf der Hand: Wie schafft man mit­tels PA ei­ne über­zeu­gen­de Kon­zert­saa­la­kus­tik mit be­frie­di­gen­der Tie­fen­staf­fe­lung? Und das für gut 20.000 Zu­hö­rer, ver­teilt auf vie­le tau­send Qua­drat­me­ter?

Bei der Ber­li­ner Wald­büh­ne han­delt es sich um ein 1932 er­rich­te­tes, im Halb­rund an­ge­ord­ne­tes Am­phi­thea­ter mit ei­ner Ge­samt­flä­che von et­wa 70.000 m2 und Platz für gut 22.000 Zu­schau­er. Über der 24 Me­ter brei­ten Büh­ne be­fin­det sich ei­ne Zelt­dach­kon­struk­ti­on. Der Foh-platz ist in den Rän­gen auf et­wa ei­nem Drit­tel der Hö­he an­ge­ord­net. Die Wald­büh­ne wird meist für Kon­zer­te ge­nutzt, haupt­säch­lich im Rock- und Pop­be­reich. Die akus­ti­sche Ge­samt­si­tua­ti­on ist recht dank­bar, vor al­lem durch die wei­test­ge­hend feh­len­den Re­fle­xio­nen sind ho­he Pe­gel ver­gleichs­wei­se ein­fach zu hand­ha­ben.

Die Som­mer­nachts­mu­sik wird all­jähr­lich vom ZDF pro­du­ziert und bil­det ei­nen der Hö­he­punk­te des Kon­zert­som­mers. Die Be­schal­lung des Events ob­lag den be­kann­ten Klas­sik-ton­ex­per­ten der Ne­u­mann&mül­ler Ver­an­stal­tungs­tech­nik und des­sen To­n­in­ge­nieur Omar Sam­houn. Er ver­fügt über ein um­fang­rei­ches Port­fo­lio im Klas­sik­be­reich (u. a. Jo­se Car­re­ras, An­na Netreb­ko, Pla­ci­do Do­m­in­go). Den Mo­ni­tor­mix über­nahm Alex Nickol, eben­falls von N&M. Ma­te­ri­al­dienst­leis­ter für die Ver­an­stal­tung war die in Ber­lin an­säs­si­ge Fir­ma Black Box Mu­sic. In­ter­es­sant: Be­schal­lungs­an­la­ge und Pul­te wur­den gleich am nächs­ten Tag na­he­zu un­ver­än­dert für den aus­ver­kauf­ten Nick-ca­ve-gig am sel­ben Ort ver­wen­det.

Im­mer­si­ve Au­dio

Um die ein­gangs er­wähn­ten klang­li­chen Her­aus­for­de­run­gen er­fül­len zu kön­nen, be­dien­te man sich ei­nes Ti­max-spa­ti­al-au­dio­pro­zes­sors des bri­ti­schen Im­mer­si­ve-au­dio-spe­zia­lis­ten Sound­hub, be­reit­ge­stellt von N&M. Dank gu­ter

Be­zie­hun­gen zwi­schen N&M / Omar Sam­houn und den Ent­wick­lern des Ti­max von Out Bo­ard, konn­te die brand­neue Fp­ga-ver­si­on die­ser De­lay-ma­trix mit 64-ka­na­li­gem Dan­teboard vor des­sen of­fi­zi­el­len Re­lease zum Ein­satz kom­men. Laut Her­stel­ler er­mög­licht die neue Platt­form dank ver­grö­ßer­ter De­lay-spei­cher und neu­er, dy­na­mi­scher De­lay-al­go­rith­men ei­ne bis da­to un­er­reich­te Trans­pa­renz bei der Re­pro­duk­ti­on be­weg­li­cher Klang­quel­len. Tat­säch­lich war das Sys­tem maß­geb­lich für das erst­klas­sig tie­fen­ge­staf­fel­te Klang­bild in der Wald­büh­ne ver­ant­wort­lich. Die Leis­tungs­fä­hig­keit konn­te auch bei der ver­suchs­wei­sen Ein­nah­me von un­güns­ti­gen Po­si­tio­nen im Zu­schau­er­halb­rund über­zeu­gen. Zu­sam­men mit der neu­en Hard­ware kam die eben­falls neue Steu­er-soft­ware Ti­max Sta­ges­pace zum Ein­satz. An­hand ei­nes maß­stabs­ge­rech­ten La­ge­plans für Mi­kro­fon- und Laut­spre­cher-po­si­tio­nen kom­pen­siert Sta­ges­pace au­to­ma­tisch ver­schie­de­ne Dis­tan­zen und Win­kel zwi­schen Klang­quel­len und Zu­hö­rer. So konn­te in der Wald­büh­ne nur mit­tels Mains­te­reo-ar­rays, Out­fills, Front­fill und De­lay-laut­spre­chern ein ab­so­lut über­zeu­gen­der Raum­klang er­zielt wer­den – welt­wei­te Pre­mie­re für die­ses Sys­tem in ei­ner Open-air-um­ge­bung .

Ya­ma­ha-misch­tech­nik

Vor­aus­set­zung für die Nut­zung ei­nes sol­chen Sys­tems ist ein Mix­sys­tem, wel­ches ge­nü­gend Aus­spiel­we­ge bie­tet – in die­sem Fall 70 bis 80 Bus­se. Bei Pul­ten die­ser Grö­ßen­ord­nung ist die Aus­wahl über­schau­bar. Ya­ma­ha-pro­dukt­spe­zia­list Ar­thur Koll be­merkt, dass bei der Wald­büh­nen-pro­duk­ti­on ein Ya­ma­ha Ri­va­ge PM10 zum Ein­satz kam, wel­ches 90 von 108 zur Ver­fü­gung ste­hen­den Aus­gangs­bus­sen nutzt. Zu­dem sind weit über 100 Mi­kro­fo­ne im Ein­satz. „Un­se­re Cl-pul­te sind für An­for­de­run­gen die­ser Art nicht mehr groß ge­nug, die Mix­we­ge wer­den knapp. Die Ver­net­zung von Pul­ten ist na­tür­lich mög­lich, aber hin­sicht­lich des Work­flows nicht un­be­dingt die op­ti­ma­le Lö­sung. Zu­dem bräuch­te man ei­nen zu-

sätz­li­chen Mann für den Sub­mix“, er­klärt Ar­thur. „So­mit hat sich Foh-mi­xer Omar Sam­houn für un­se­re neu­en Pul­te Ri­va­ge PM-10 in­ter­es­siert, die sämt­li­chen An­for­de­run­gen die­ses Events ge­recht wer­den.“

Da N&M zwar zahl­rei­che CL-, je­doch noch kei­ne Pm-pul­te be­sitzt, kam Black Box Mu­sic mit sei­nen zwei Pm-10-kon­so­len als Aus­stat­ter ins Spiel. Ar­thur Koll be­tont die Vor­tei­le ei­ner gro­ßen Kon­so­le: „Frü­her ha­ben wir bei Klas­sik­kon­zer­ten bis zu drei oder vier un­se­rer Cl-pul­te in ei­nem Dan­tenetz­werk kas­ka­diert. Im Ge­gen­satz zu sol­chen dis­tri­bu­tier­ten Sys­te­men kann am PM-10 je­der En­gi­neer in je­den Ka­nal hin­ein­hö­ren, wo­durch sich der Mix we­sent­lich un­kom­pli­zier­ter ge­stal­tet.“

Ana­logsound vom DSP

In­ter­es­san­ter­wei­se fin­det auch im Klas­sik­be­reich die Ana­logsound-emu­la­ti­on des Ri­va­ge-sys­tems wach­sen­den Zu­spruch. Auch Omar Sam­houn schätzt die in en­ger Zu­sam-

men­ar­beit mit Ne­ve ent­stan­de­nen Emu­la­ti­ons-al­go­rith­men. Er hat­te bei die­ser Pro­duk­ti­on für im­mer­hin 70 Pro­zent al­ler ge­nutz­ten Ka­nä­le die Ne­ve-emu­la­ti­on zu­ge­schal­tet. „So kann ich sehr ein­fach und wir­kungs­voll be­stimm­te In­stru­men­te et­was her­vor­he­ben. Le­ge ich die Emu­la­ti­on bei­spiels­wei­se auf die ers­te Pult­rei­he (Gei­ge, Flö­te, Kla­ri­net­te), setzt sie sich hör­bar vom Rest ab.“Ar­thur Knoll er­gänzt: „Auch um­ge­kehrt funk­tio­niert es gut. Ich ken­ne To­n­in­ge­nieu­re, die die Emu­la­tio­nen be­vor­zugt auf die zwei­te Rei­he le­gen, um dort ein we­nig mehr Prä­senz zu schaf­fen.“

Vir­tu­al Sound­check

Mitt­ler­wei­le ein Stan­dard-fea­tu­re und na­tür­lich auch bei Ya­ma­has Ri­va­ge-pul­ten mit an Bord ist die Vir­tu­al-sound­check­funk­ti­on. Omar be­rich­tet: „Auf­grund der An­woh­ner­si­tua­ti­on

durf­ten wir bis jetzt (Vor­mit­tag der Auf­füh­rung, Anm. d. Red.) noch kei­nen Sound­check über die PA ma­chen. So­mit ha­be ich ges­tern ei­ne hei­ße Pro­be auf­ge­zeich­net und sie spä­ter zum Vir­tu­al Sound­check ge­nutzt. Wir ha­ben da­bei ein Paar d&b Y10-laut­spre­cher di­rekt vor dem Foh-platz po­si­tio­niert, um Pa-fee­ling zu be­kom­men – laut am FOH, lei­se für die An­woh­ner ... Heu­te folgt kurz vor der Ver­an­stal­tung ei­ne Zwei­stun­den-pro­be, bei der ich dann rich­tig laut ma­chen kann.“

Auf die Mög­lich­keit, die nicht un­be­trächt­li­chen Lüf­ter­ge­räu­sche der Schein­wer­fer im Büh­nen­be­reich mit­tels Ce­dar-sys­tem aus den Strei­cher­mi­kros zu fil­tern, hat Omar nach reif­li­cher Über­le­gung ver­zich­tet. „Der Ge­s­amt-sound ist sehr gut. Um den Ce­dar ein­zu­set­zen, müss­te ich auf die Schnelle ei­ni­ges um­stri­cken, und das ist zu ri­si­ko­be­haf­tet.“

Mo­ni­to­ring

Auch beim Mo­ni­to­ring wird auf ei­ne Ya­ma­ha Ri­va­ge PM-10 ge­setzt. Hier ist eben­falls die ho­he An­zahl der Ka­nä­le ei­ner der ent­schei­den­den Fak­to­ren. Mo­ni­tor-mi­xer Alex Nickol: „Ich ha­be hier 80 bis 90 Ka­nä­le auf­lie­gen. Die müs­sen sinn­voll ge­hand­habt wer­de, um bei Künst­ler­wün­schen schnelle Ein­grif­fe zu er­mög­li­chen. Da­bei ist die ho­he Fle­xi­bi­li­tät im

Si­gnal­fluss und bei der Be­di­en­ober­flä­che des PM-10 sehr hilf­reich. An­statt das Mo­ni­to­ring über Mix­bus­se an­zu­fah­ren, ha­be ich die Mix­bus­se als Stimm­grup­pen be­legt und fah­re das kom­plet­te Mo­ni­to­ring über die Ma­trix. Soll dann et­wa das Orches­ter mal eben auf den Mo­ni­tor, brau­che ich nur zehn vor­her zu­recht­ge­scho­be­ne Mix­bus­se auf den Mo­ni­tor zu schie­ben. Schön sind auch die bei­den Cu­es, mit de­nen ich über Wedge und Kopf­hö­rer ab­hö­ren kann.“Alex lie­fert den Mu­si­kern ei­nen leich­ten Cross­mix, denn ins­be­son­de­re von der ers­ten und zwei­ten Vio­li­ne wur­de ei­ne leich­te An­he­bung des Orches­ters ge­wünscht.

Auf­grund der rund­um of­fe­nen Büh­ne er­gab sich für die Künst­ler ei­ne et­was un­ge­wohn­te Akus­tik­si­tua­ti­on, die Alex mit Hil­fe von drei ins Pult in­te­grier­ten VSS4HD Hall-en­gi­nes mit T.c.6000-sys­te­men kor­ri­gie­ren konn­te. Die drei En­gi­nes ver­sor­gen je­weils die bei­den So­lis­ten und das Orches­ter mit ei­ner Raum­si­mu­la­ti­on. Alex: „Es soll ja schließ­lich schön klin­gen ...“

Foh-platz der Ber­li­ner Wald­büh­ne

Auf ei­nem Glas­fa­ser-ring be­fan­den sich – via Dan­te ver­netzt – zwei Ya­ma­ha-pul­te Ri­va­ge PM-10 für FOH und Mo­ni­to­ring

Ti­max Two Pro­zes­sor lie­fert mit sei­ner dy­na­misch ar­bei­ten­den De­lay-ma­trix ei­ne her­vor­ra­gen­de Tie­fen­staf­fe­lung – auch bei un­güns­ti­ger Zu­hö­rer­po­si­ti­on

Foh-mi­scher Omar Sam­houn Die Ri­va­ge-pul­te las­sen sich bei Be­darf in zwei ge­trenn­te Be­di­en­ober­flä­chen mit se­pa­ra­ten Fa­der-bän­ken und Kopf­hö­rer­we­gen split­ten

Ar­te­fakt­frei Omar Sam­houn schätzt die ho­he Klang­qua­li­tät des Ti­max-sys­tems

Sound­check mit Omar Sam­houn am Vor­tag der Ver­an­stal­tung

Lin­ke Büh­nen­sei­te mit L-acoustics K1 und K2, sie wur­den am fol­gen­den Tag für Nick Ca­ve am sel­ben Ort ge­nutzt

Sta­ges­pace Die Steu­er-soft­ware zeigt die Po­si­tio­nen der Mi­kro­fo­ne auf der Büh­ne

Scho­eps- und Dpa-mi­kro­fo­ne (4099) mit Sai­ten­in­stru­ment-hal­te­run­gen, feuch­tig­keits­dicht ver­packt

Die So­lis­ten-mi­kro­fo­ne wa­ren je­weils dop­pelt mit Nie­ren- und Ku­gel-cha­rak­te­ris­tik an­ge­legt

Kon­tra­bäs­se wur­den mit Ne­u­mann-mi­kro­fo­nen (links un­ten) ab­ge­nom­men plus am In­stru­ment be­fes­tig­tem DPA

Mo­ni­tor­platz mit Ya­ma­ha Ri­va­ge PM-10 am rech­ten Büh­nen­rand

Drei Tc6000-en­gi­nes wa­ren im Ya­ma­ha-mo­ni­tor­pult ak­tiv, das PM-10 er­laubt die gleich­zei­ti­ge Ver­wen­dung von bis zu 24 En­gi­nes

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