Rechts- und Ver­si­che­rungs­fra­gen zur Aus­bil­dung

4 grund­sätz­li­che Punk­te zur Aus­bil­dung

Production Partner - - Inhalt - Text: Tho­mas Waet­ke | Bil­der: Pixabay, Pri­vat

Wäh­rend Aus­zu­bil­den­de auf die Füh­rung und die Wis­sens­ver­mitt­lung ih­res Un­ter­neh­mens und ih­rer dor­ti­gen Men­to­ren an­ge­wie­sen sind, wer­den sie gleich­zei­tig zu oft als voll­wer­ti­ge Ar­beits­kraft miss­braucht. Doch Azu­bis ha­ben Rech­te und müs­sen sich nicht al­les ge­fal­len las­sen. Rechts­an­walt Tho­mas Waet­ke klärt über die Rech­te und auch Pflich­ten der Aus­zu­bil­den­den auf.

Aus­zu­bil­den­de sind für vie­le Be­trie­be ei­ne „will­kom­me­ne“Ar­beits­kraft: Bil­lig und beug­sam. Lei­der macht sich nicht je­der Be­trieb die Mü­he, sei­nen Azu­bi auch wirk­lich aus­zu­bil­den. All­zu­oft ar­bei­tet der Azu­bi qua­si „ganz nor­mal“mit und er­setzt teu­re Voll­zeit­kräf­te. Scha­de ei­gent­lich, kann der Ar­beit­ge­ber in Zei­ten des Fach­kräf­te­man­gels doch auch ver­su­chen, die Zeit der Aus­bil­dung zu nut­zen, den künf­ti­gen Mit­ar­bei­ter stark zu ma­chen. Hier ein paar recht­li­che Ein­bli­cke in ein Azu­bi­le­ben:

1. Für­sor­ge­pflicht be­ach­ten

Den Ar­beit­ge­ber bzw. Aus­bil­der tref­fen er­höh­te Für­sor­ge­pflich­ten ge­gen­über ih­rem Aus­zu­bil­den­den. Je jün­ger er ist und je un­er­fah­re­ner, des­to mehr muss sich der Ar­beit­ge­ber um ihn küm­mern. Genau­so an­ders ge­se­hen: Je ris­kan­ter die Tä­tig­keit, des­to mehr muss der Ar­beit­ge­ber zu­vor prü­fen, ob er sei­nem Aus­zu­bil­den­den die Ar­beit über­haupt über­tra­gen darf. Der Ar­beit­ge­ber darf nur Auf­ga­ben über­tra­gen, die ge­mes­sen am Al­ter, ggf. auch der geis­ti­gen Ent­wick­lung und Aus­bil­dungs­stand ge­eig­net sind für den Aus­zu­bil­den­den. Und na­tür­lich: Es müs­sen mehr­heit­lich Auf­ga­ben sein, die zum Bild des Aus­bil­dungs­be­rufs pas­sen.

Der Ar­beit­ge­ber, der Auf­ga­ben auf sei­nen Aus­zu­bil­den­den über­trägt, kann sich (noch) we­ni­ger dar­auf be­ru­fen, er ha­be die Ar­beit doch auf ei­nen Mit­ar­bei­ter de­le­giert – und wür­de aus die­sem Grund nicht mit­haf­ten wol­len. Der Ar­beit­ge­ber müss­te dann nach­wei­sen kön­nen, dass sein Azu­bi aus­rei­chend ge­fes­tigt und ge­eig­net war für die­se Auf­ga­be; das ist im Re­gel­fall schwie­ri­ger als bei ei­nem lang­jäh­ri­gen, er­fah­re­nen Mit­ar­bei­ter.

2. Pflich­ten der Aus­zu­bil­den­den

Was ein Aus­zu­bil­den­der er­fah­rungs­ge­mäß ver­drängt: Auch er kann ver­ant­wort­lich ge­macht wer­den für sein Tun oder Un­ter­las­sen. Nur, weil er noch in der Aus­bil­dung ist, hat er kei­nen Per­sil­schein. Die Ge­rich­te mö­gen vi­el­leicht mehr Rück­sicht neh­men, wenn sie er­ken­nen, dass der Aus­zu­bil­den­de für sich ge­se­hen das Bes­te ge­ge­ben hat – aber er kann genau­so in An­spruch ge­nom­men wer­den wie ein nor­ma­ler An­ge­stell­ter.

Um­so wich­ti­ger ist, dass Aus­bil­der und Aus­zu­bil­den­der prü­fen, ob der Azu­bi geis­tig und kör­per­lich in der La­ge ist, die Auf­ga­be zu über­neh­men und ord­nungs­ge­mäß aus­zu­füh­ren. Üb­ri­gens kann (und darf) ein Azu­bi auch mal „nein“sa­gen, wenn ihm ei­ne Auf­ga­be über­tra­gen wer­den soll – ganz im Ge­gen­teil: Die Ar­beits­schutz­vor­schrif­ten se­hen ja vor, dass der Mit­ar­bei­ter sei­nen Ar­beit­ge­ber dar­auf hin­wei­sen darf/muss, wenn er sich über­for­dert fühlt.

3. Aus­bil­dungs­ge­rech­te Auf­ga­ben

„Ger­ne“wer­den Aus­zu­bil­den­de als bil­li­ge Ar­beits­kraft miss­braucht: Der Ein­mann-be­trieb be­schäf­tigt ei­nen Aus­zu­bil­den-

den. Das ist so­lan­ge kein Pro­blem, wie der Be­trieb den Aus­zu­bil­den­den trotz­dem aus­bil­dungs­ge­recht ar­bei­ten lässt. Muss aber der Azu­bi letzt­lich ge­nau das ma­chen, was ei­ne nor­ma­le Voll­zeit­kraft auch ma­chen wür­de, dann wird es be­denk­lich – vor al­lem dann, wenn der Be­trieb die­se Ar­beits­kraft des Azu­bis ge­gen­über sei­nem Kun­den „voll“ab­rech­net, so, als ob ein Voll­zeit-an­ge­stell­ter nach der Aus­bil­dung bzw. dem Stu­di­um die Leis­tun­gen er­bracht hat. Dann kann das je nach Ein­zel­fall schnell auch straf­recht­lich re­le­vant wer­den.

So hat­te der Bun­des­ge­richts­hof 2014 ent­schie­den: "Vor die­sem Hin­ter­grund stell­ten die tat­säch­lich er­brach­ten Leis­tun­gen der An­ge­klag­ten nicht nur ei­ne Schlecht­leis­tung dar, son­dern ste­hen ei­ner Nich­ter­brin­gung der ver­trag­lich ge­schul­de­ten Leis­tung gleich“. In die­sem Fall wur­den Mit­ar­bei­ter ein­ge­setzt, die zwar die Sa­che selbst or­dent­lich er­le­digt hat­ten (die Min­der­qua­li­fi­ka­ti­on war al­so gar nicht auf­ge­fal­len), aber sie hät­ten in ei­nem Not­fall man­gels Aus­bil­dung und Er­fah­rung nicht rich­tig re­agie­ren kön­nen. Das gilt um­so mehr, wenn dem Kun­den ent­spre­chend qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal ver­trag­lich ver­spro­chen ist.

4. Leis­tungs­ge­rech­tes Ge­halt

Der aus­bil­den­de Ar­beit­ge­ber muss aber auch noch an­der­wei­tig auf­pas­sen: Ein Aus­zu­bil­den­der, der nicht aus­bil­dungs­ty­pisch in die ver­schie­de­nen Be­rei­che ei­nes Un­ter­neh­mens schau­en darf und des­sen Aus­bil­dung sich über­haupt nicht am Aus­bil­dungs­plan ori­en­tiert, kann so­gar An­spruch auf ein „nor­ma­les“Ge­halt be­kom­men: Er­bringt er näm­lich Leis­tun­gen bspw. ei­nes aus­ge­bil­de­ten Ver­an­stal­tungs­kauf­manns, so kann er auch Be­zah­lung wie ein aus­ge­bil­de­ter Ver­an­stal­tungs­kauf­mann ver­lan­gen. Na­tür­lich trau­en sich die we­nigs­ten Azu­bis, hier ih­re Rech­te auch tat­säch­lich gel­tend zu ma­chen.

Da­bei muss auch in zeit­li­cher Hin­sicht auf den Schul­all­tag Rück­sicht ge­nom­men wer­den: Die Un­ter­richts­zeit zählt in­so­weit wie Ar­beits­zeit, d.h. auch hier muss es aus­rei­chen­de Ru­he­zei­ten da­vor (und da­nach) ge­ben.

Ich hat­te es schon in ei­nem Prü­fungs­aus­schuss für Ver­an­stal­tungs­kauf­leu­te er­lebt, dass ein Prüf­ling völ­lig über­mü­det, ver­schwitzt und mit Ar­beits­kla­mot­ten in der münd­li­chen Prü­fung er­schien und uns er­klär­te, dass er di­rekt vom Ab­bau ei­ner Ver­an­stal­tung kom­men wür­de – in der Prü­fung ist er fast ein­ge­schla­fen und hat si­cher­lich auch stress­be­dingt al­les an­de­re als gut ab­ge­schnit­ten.

Dem Aus­zu­bil­den­den fehlt ei­ne Lob­by, die sich für sei­ne Rech­te stark macht. Ich er­le­be es lei­der sehr, sehr oft, dass Aus­zu­bil­den­de re­gel­recht aus­ge­beu­tet wer­den, ein Mi­ni­mum an Ge­halt be­kom­men nach der Be­rufs­schu­le und am Wo­che­n­en­de wie selbst­ver­ständ­lich im Be­trieb er­schei­nen müs­sen – und der ge­mei­ne Azu­bi sich dann nicht traut, et­was da­ge­gen zu sa­gen. Da heißt es dann vom Aus­bil­der: Wenn du ein gu­tes Zeug­nis be­kom­men möch­test …

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