Re­port: Licht­de­sign bei der Rea Gar­vey Ne­on-tour 2018

Wenn Chris „Ro­cket­chris“Glatt­hor ein Licht­de­sign ent­wirft, dann packt er nicht ein­fach ei­ne Men­ge Lam­pen und „Ef­fekt-din­ger“auf die Büh­ne. Viel­mehr er­schafft er mit ver­schie­dens­ten Ele­men­ten viel­schich­ti­ge Räu­me auf der Büh­ne, in de­nen sich die Künst­ler w

Production Partner - - Inhalt - Text: Le­na Voss | Fo­tos: Le­na Voss, Chris­ti­an Glatt­hor Ro­cket­chris Pho­to­gra­phy (1)

Das ak­tu­el­le Al­bum „Ne­on“von Rea Gar­vey dreht sich the­ma­tisch um das ei­ge­ne Zu­hau­se. Dar­um, dass man manch­mal erst frem­de Län­der und Or­te be­su­chen muss, um das ei­ge­ne Zu­hau­se fin­den zu kön­nen. Und dass man manch­mal auch gar nicht weit weg muss, um weit zu kom­men. Das Al­bum spielt al­so ganz bei sich selbst, fo­kus­siert sich auf die wich­ti­gen Din­ge im Le­ben, die oft ganz nah sind. Die­ser ei­ner­seits viel­schich­ti­ge und an­de­rer­seits doch fo­kus­sier­te und fast schon in­ti­me Cha­rak­ter fin­det sich auch im Licht­de­sign der Ne­on-tour wie­der, für das ein­mal mehr der Licht­de­si­gner Chris „Ro­cket­chris“Glatt­hor ver­ant­wort­lich war. Was sich als be­ein­dru­cken­des Ge­samt­kon­zept zeig­te, ent­stand in der Pra­xis mit deut­lich re­du­zier­ten Mit­teln, viel Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen den Mu­si­kern und der Tech­nik-crew so­wie viel Lie­be zum De­tail und Mut zur Krea­ti­vi­tät. Ei­ne ge­lun­ge­ne Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen dem Künst­ler Rea Gar­vey, sei­nem Licht­de­si­gner Chris Glatt­hor so­wie dem zu­sätz­lich ins „Wohn­zim­mer“ge­hol­te Vi­deo­de­si­gner Matt Fin­ke.

Zu­sam­men­ar­beit und Pla­nung

Chris Glatt­hor kennt Rea Gar­vey schon seit 2000 – die Kon­stel­la­ti­on war aber noch ei­ne ganz an­de­re. Rea Gar­vey war da­mals als Front­mann der Band Re­a­m­onn un­ter­wegs. Chris Glatt­hor be­glei­te­te noch als Azu­bi von TDA Ren­tal ei­ne Hi­m­eu­ro­pa­tour, bei der Re­a­m­onn als Sup­port auf­trat. In der Fol­ge über­nahm er im­mer wie­der (da­mals noch als Ver­tre­tung für den Licht­de­si­gner) Kon­zer­te von Re­a­m­onn. Auch als sich Rea Gar­vey so­lo auf den Weg mach­te, war er ab und zu als Ver­tre­tung da­bei, und be­glei­te­te den iri­schen Sän­ger als Kon­zert­fo­to­graf ein paar Jah­re. „Ir­gend­wann ging dann das Te­le­fon und Rea frag­te mich: ‚Hast du Bock?‘ und so kam vor ein paar Jah­ren mei­ne ers­te Tour mit ihm zu­stan­de.“

Nach den bei­den Tou­ren zu den Al­ben „Pri­de“und „Pris­ma“war Chris Glatt­hor im Som­mer 2018 nun zum drit­ten Mal mit Rea Gar­vey auf der „Ne­on“-tour un­ter­wegs. „Ich ver­su­che im­mer, das The­ma vom Al­bum mög­lichst ge­nau auf­zu­grei­fen und aus dem Künst­ler raus­zu­kit­zeln, was für ihn das Al­bum und die prä­gnan­ten Songs be­deu­ten. Ich set­ze mich da­mit wirk­lich aus­ein­an­der – mit dem Künst­ler, der Mu­sik und der Aus­sa­ge des Al­bums“, fass­te Chris Glatt­hor sei­ne In­tui­ti­on zu­sam­men. „Das letz­te Al­bum, das „Pris­ma“, war sehr ge­sell­schafts­kri­tisch und in der Aus­sa­ge auch eher ag­gres­siv“, er­in­ner­te sich Glatt­hor. Im Licht­de­sign fan­den sich dar­um vor al­lem grel­le Far­ben mit vie­len Ne­on­schnü­ren. „Das ak­tu­el­le Al­bum da­ge­gen ist ein biss­chen fröh­li­cher und of­fe­ner – nach der Aus­sa­ge: ‚Guck doch mal auf dich selbst. Ei­gent­lich ist doch al­les su­per. Guck nach vor­ne, nimm al­le Men­schen mit und hab Freu­de am Le­ben.‘ Es spricht die gan­zen po­si­ti­ven Ein­flüs­se und Wel­ten an, die di­rekt um uns her­um sind“, be­schrieb Glatt­hor die Kern­aus­sa­ge des Al­bums, die sich im Licht­de­sign wi­der­spie­geln soll­te.

Ein ers­tes Tref­fen fand im Ok­to­ber 2017 statt, als die meis­ten Songs des neu­en Al­bums fer­tig wa­ren: „Die Tref­fen mit Rea sind im­mer sehr krea­tiv. Wir tau­schen un­se­re Ide­en und Ge­dan­ken aus und Rea sagt na­tür­lich, was ihm da­bei wich­tig ist. Dar­aus ent­wi­ckeln wir dann Ide­en wei­ter und prü­fen die Rea­li­sier­bar­keit. Manch­mal ver­wirft man an­fäng­li­che Ide­en aber auch wie­der. Die­ses Mal woll­te ich z. B. auf Mo­ving­lights ver­zich­ten und nur Par-kan­nen mit­neh­men. Da­für ha­be ich sel­ber ei­nen Farb­wechs­ler ge­baut – dann hat sich aber spä­ter her­aus­ge­stellt, dass die Idee in ei­ni­gen Hal­len nicht hand­hab­bar ge­we­sen wä­re. Und dann ver­wirft man ei­ne Idee auch wie­der, in die man vor­her knapp ein hal­bes Jahr in­ves­tiert hat“, lach­te Chris Glatt­hor. „Dann kam uns die Idee mit den Lein­wän­den, mit de­nen wir Räu­me bau­en wol­len. Das gibt ganz viel Tie­fe.“Bei die­ser Idee fühl­ten sich al­le Be­tei­lig­ten im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes an­ge­kom­men: „Man muss das so se­hen: Für die Mu­si­ker ist die Büh­ne wie ihr Wohn­zim­mer. Die müs­sen sich da ein­fach wohl­füh­len. Dar­um ist mir auch so wich­tig, dass man das Büh­nen­bild ge­mein­sam kre­iert.“

Ein wei­te­rer Punkt, der für die Kon­zep­ti­on ei­ne nicht un­wich­ti­ge Rol­le spiel­te, liegt Rea Gar­vey bei je­der Tour be­son­ders am Her­zen: „Bei ihm steht die Band ganz weit oben, dar­um ist je­des Mal ganz klar: die Band soll eben­falls ei­ne deut­li­che Prä­senz ha­ben. Klar, er ist der Künst­ler, aber er sagt selbst: Was ist ein Mu­si­ker oh­ne sei­ne Band?“, er­klär­te Glatt­hor. Doch auch hier­für hat der Licht­de­si­gner ei­ne Lö­sung ge­fun­den, die sich naht­los in das Kon­zept ein­fügt.

Ge­samt­kon­zept: fle­xi­bles Büh­nen­de­sign mit Ne­on-fa­cet­ten

Was den auf­merk­sa­men Le­ser kaum ver­wun­dern wird: Das Licht­de­sign der Show war sehr Ne­on-las­tig. Zum Ein­satz

ka­men u. a. 72 Leucht­stoff(-ne­on-)röh­ren, 60 Fu­si­on2-led­sticks mit Tu­be Dif­fu­sor („Was ja auch Ne­on-style hat“, er­klärt Chris Glatt­hor), fünf cust­om-ma­de Ne­on-rin­ge für die Band­mu­si­ker und ei­ne Ne­on-leucht­stoff-röh­re als Mi­kro­fon­stän­der für Rea Gar­vey. Die an­ge­spro­che­ne Raum­wir­kung er­schuf Ro­cket­chris durch ver­schie­de­ne Ebe­nen auf der Büh­ne: an der Büh­nen­hin­ter­kan­te hin­gen acht Ne­on-leis­ten aus Fu­si­on 2-Sticks inkl. Dif­fu­sor, da­zwi­schen sie­ben Lei­tern mit Leucht­stoff­röh­ren, die von sie­ben Bah­nen schwar­zer Pro­jek­ti­ons­fo­lie ver­deckt wer­den konn­ten. In der Büh­nen­mit­te wur­den (ne­ben di­ver­sen „Stan­dard“-leuch­ten) für je­den Band­mu­si­ker je­weils ein cust­om-ma­de Ne­on-ring auf­ge­baut und die Zwi­schen­räu­me durch wei­te­re Fu­si­on 2-Sticks ge­füllt. Die Büh­nen­vor­der­kan­te zier­ten 16 Me­ter Slim­pi­xx-led, eben­falls inkl. Tu­be-dif­fu­sor so­wie sie­ben Bah­nen hoch­trans­pa­ren­ter La­ser-scrim. Der Auf­bau die­ser drei Ebe­nen mit je­weils pro­ji­zier­ba­ren Flä­chen schuf vie­le Mög­lich­kei­ten für ein va­ria­bles Büh­nen­de­sign. Durch die An­ord­nung hin­ter­ein­an­der ent­stand ei­ne enor­me op­ti­sche Büh­nen­tie­fe: „In der Null-ach­se, auf der das FOH steht, ist das gar nicht so deut­lich. Aber da, wo die Mehr­heit der Kon­zert­be­su­cher steht, näm­lich links oder rechts seit­lich ver­setzt zur Büh­ne, da wird das rich­tig schön deut­lich.“

Durch die Wan­del­bar­keit des Büh­nen­de­signs konn­ten auch die be­reits an­ge­spro­che­nen Wel­ten und po­si­ti­ven Ein­flüs­se des Um­felds vi­sua­li­siert wer­den: Häu­fig ver­än­der­te sich von ei­nem Song zum an­de­ren die ge­sam­te At­mo­sphä­re, oh­ne dass man wirk­lich be­grei­fen konn­te, was ge­ra­de vor sich geht oder was sich ver­än­dert hat. So kam es auch vor, dass man vom Licht­de­sign der Büh­ne noch so ge­fan­gen war, dass man gar nicht be­merkt hat, wie Rea Gar­vey zwi­schen­zeit­lich zur B-sta­ge wech­sel­te. Die durch den Orts­wech­sel ent­stan­de­ne Nä­he zu den Kon­zert­be­su­chern spie­gel­te sich wie­der­rum im deut­lich re­du­zier­ten Licht­de­sign wie­der, wo­durch ei­ne fast greif­bar in­ti­me At­mo­sphä­re ent­stand. Rea Gar­vey ver­stärk­te die­sen Ein­druck noch, in­dem er an die­ser Stel­le per­sön­li­che Ge­schich­ten von sei­ner Fa­mi­lie und vor al­lem sei­ner Mut­ter er­zähl­te. „Wich­tig für die Um­set­zung war, dass wir die Büh­ne kom­plett schwarz ge­hal­ten ha­ben – selbst die Pro­jek­ti­ons­fo­lie war schwarz. Nur so konn­ten wir die Über­gän­ge so un­auf­fäl­lig ge­stal­ten, dass der Kon­zert­be­su­cher nichts mit­be­kommt – und so ent­ste­hen dann auch erst die Aha-ef­fek­te“, er­klär­te Chris Glatt­hor.

Um­set­zung des Licht­de­signs

Für die Leucht­stoff­röh­ren-kon­struk­ti­on an der Büh­nen­hin­ter­kan­te wur­den 72 nor­ma­le Leucht­stoff­röh­ren mit­ein­an­der als „Lei­tern“ver­bun­den. So konn­ten die ein­zel­nen Lei­tern als Ge­samt­kon­strukt ein­fach ins Rig­ging ge­hängt und nach der Show ge­nau­so wie­der in pas­sen­de Trans­port­bo­xen ver­staut wer­den. Et­was we­ni­ger ein­fach war die Lö­sung für die Hel­lig­keit der Röh­ren: „Hier muss­ten wir schon das ers­te Mal

zau­bern, denn die Röh­ren sind ja nicht dimm­bar. Die ken­nen nur an oder aus. Dar­um ha­ben wir hin­ter der Büh­ne ei­ne Blind­last, die gleich­zei­tig mit auf dem Dim­mer liegt. Da­mit kön­nen wir die Leucht­stoff­röh­ren ver­äp­peln. Wenn ich den Dim­mer auf 100 % dre­he, geht die Leucht­stoff-röh­re nor­mal auf 100 % an. Wenn ich jetzt aber nur auf vier oder fünf Pro­zent dre­he, dann ver­sucht die Röh­re im­mer zu zün­den – so kann ich das ty­pi­sche Zu­cken der Leucht­stoff­röh­re imi­tie­ren. Das gibt ei­nen ganz spe­zi­el­len Cha­rak­ter, der su­per ins Büh­nen­de­sign passt. Wenn ich dann noch­mal ein paar Pro­zent mehr ge­be, dann ist die Röh­re tat­säch­lich auch ‚ge­dimmt an‘. So er­ge­ben sich ein paar Be­rei­che, in de­nen ich mit den Röh­ren spie­len kann. Das ist al­les nur durch den Ein­satz der Blind­last mög­lich“, er­klär­te Chris Glatt­hor.

„Ge­rahmt“wur­den die Röh­ren-lei­tern von acht ver­ti­kal ge­häng­ten „Rie­sen­leucht­stoff­röh­ren“, die aus meh­re­ren Fu­si­on 2 Led-sticks von Ehr­geiz zu­sam­men­ge­setzt wa­ren. „Noch be­vor die Fu­si­on 2 auf der Pro­light+sound 2018 vor­ge­stellt wur­den, hat­te ich schon über­legt: ich hät­te ger­ne ei­nen Led-stick (DMX oder Art­net-steu­er­bar) mit ei­nem Tu­be ver­se­hen, der auch deut­li­ches Raum­licht macht. Die klei­nen Sticks ha­ben al­le nur 1,5- oder 3-Watt-chips drin, da­mit kann man den Raum nicht be­leuch­ten. Hier ha­be ich jetzt die Fu­si­on-sticks mit ei­ner Fo­lie und dem schwar­zen Tu­be Dif­fu­sor ver­packt. So kann ich die ein­mal als Ob­jekt sel­ber be­nut­zen aber auch den Raum er­hel­len, wenn ich wirk­lich Voll­gas ge­be. Durch den Dif­fu­sor kann ich z. B. auch schö­ne Pa­s­tell­tö­ne zau­bern, das kommt in ei­ni­gen Songs zum Ein­satz.“Zur Kon­struk­ti­on er­klär­te Chris Glatt­hor: „Theo­re­tisch kann man die ein­fach un­ter­ein­an­der hän­gen, das ist uns aber vor kur­zem um die Oh­ren ge­flo­gen. (lacht) Dar­um ha­ben wir zur Si­cher­heit noch­mal ei­ne Pi­pe da­hin­ter ge­baut, da­mit da wirk­lich nichts pas­sie­ren kann.“Si­cher­heit geht schließ­lich vor.

Vor den Leucht­stoff­röh­ren konn­ten sie­ben Bah­nen ei­ner schwar­zen Pro­jek­ti­ons­fo­lie von Ger­riets her­un­ter­ge­fah­ren wer­den. Mon­tiert wa­ren die­se an ei­nem Roll­down-sys­tem des dä­ni­schen Her­stel­lers Wahl­berg, wel­ches Chris Glatt­hor erst­ma­lig im Ein­satz hat­te. Er be­grün­det die­se Ent­schei­dung durch das spe­zi­el­le Sys­tem: „Wir konn­ten für die Tour kein Sys­tem mit Lauf­zeit­pro­gram­mie­rung ein­set­zen, denn die Hal­len ha­ben ja ver­schie­de­ne lich­te Hö­hen. Dann hät­te je­des Mal die Pro­gram­mie­rung an die je­wei­li­ge Hö­he der Hal­le an­ge­passt wer­den müs­sen. Bei dem Sys­tem von Wahl­berg ha­be ich ei­nen 16-Bit-ka­nal. Hier wird von der obers­ten Po­si­ti­on zur un­ters­ten Po­si­ti­on ein­fach in 65.536 Schrit­te auf-

»Die Ein­rich­tung ist wirk­lich ein­fach: Ka­me­ra auf­hän­gen, Dmx-mer­ge ma­chen und schon ist das The­ma ge­ges­sen« Chris Glatt­hor | über das neue Fol­low-spot Sys­tem von Fol­low­me

ge­teilt – al­so 256 mal 256. Ich spei­che­re dann kei­ne Lauf­zeit son­dern ei­ne kon­kre­te Po­si­ti­on in die­sem Ras­ter ab, auf wel­che die Lein­wand in ei­ner be­stimm­ten Zeit ge­fah­ren wer­den soll. Ich de­fi­nie­re al­so: Fahr bit­te in 15 Se­kun­den auf die Po­si­ti­on × im Ras­ter. Ich könn­te jetzt auch noch De­lay-zei­ten für die ver­schie­de­nen Bah­nen ein­bau­en – al­so das die äu­ße­ren Bah­nen mit ei­nem be­stimm­ten De­lay zur mitt­le­ren Bahn star­ten. Das kann ich al­les vom Licht­pult aus steu­ern. Ich ge­be am An­fang die obers­te und die un­ters­te Po­si­ti­on der je­wei­li­gen Hal­le ein und muss dann nur die Po­si­ti­ons­pre­sets, wie bei ei­nem Mo­ving­light, pro­gram­mie­ren. Auf ei­ner Tour ist es ei­ne gro­ße Er­leich­te­rung, wenn man sich nicht in je­der Hal­le neu da­mit be­schäf­ti­gen muss.“

Um ei­nen wei­te­ren Tie­fen­ef­fekt auf der Büh­ne zu schaf­fen, wur­den ca. ei­nen Me­ter vor den Roll­lein­wän­den wei­te­re Bah­nen der La­ser-scrim an­ge­bracht. Die­se Ebe­ne (7 × 2 Me­ter brei­te und acht Me­ter ho­he Bah­nen) wur­de an ei­ner King­schie­ne von Ger­riets auf die Büh­ne ge­zo­gen – da die Ver­wand­lung im­mer im Black pas­sier­te, wur­de das je­doch hän­disch ge­fah­ren. Durch die Po­si­tio­nie­rung der Ga­ze un­mit­tel­bar vor der Haupt­pro­jek­ti­ons­flä­che konn­te ein 3D-ef­fekt er­zeugt wer­den, der im Lau­fe der Show deut­lich sicht­bar wur­de.

Led-rin­ge im Ne­on-look für die Mu­si­ker

Den Wunsch von Rea Gar­vey, auch den Band-mu­si­kern ei­ne ei­ge­ne Prä­senz zu ver­lei­hen, er­füll­te Chris Glatt­hor durch fünf cust­om-ma­de Holz­rin­ge mit ein­ge­las­se­ner Ne­on-flex, die je­weils hin­ter den Mu­si­kern po­si­tio­niert wa­ren – Schlag­zeu­ger, Key­boar­der und Bas­sist wur­den zu­dem auf Po­des­ten plat­ziert, um noch mehr Raum rund um Rea Gar­vey zu schaf­fen. Die Led-rin­ge wa­ren in­nen eben­falls mit der La­ser-scrim be­spannt, so­dass auch in­ner­halb der Krei­se ei­ne von vor­ne pro­ji­zier­ba­re Flä­che ent­stand. „Die Scrim in den Rin­gen hat­te aber nicht nur den Vor­teil, dass ich hier­durch auch die ein­zel­nen Mu­si­ker in Sze­ne set­zen konn­te – auch das Ge­gen­teil ver­schaff­te mir wei­te­ren Spiel­raum. Denn wenn ich von hin­ten mit ei­ner Lam­pe auf die Scrim leuch­te, wirkt der Ring von vor­ne wie ei­ne Wand“, er­klär­te Glatt­hor. Für die­sen Ef­fekt wa­ren ei­ni­ge Mo­ving­lights hin­ter den Rin­gen ver­baut, die Steue­rung er­folg­te über ei­ne Hog4-kon­so­le vom FOH aus.

Das Ne­on-the­ma fand sich auch an der Büh­nen­vor­der­kan­te wie­der. Hier wa­ren ins­ge­samt 16 Me­ter der re­la­tiv neu­en Slim­pi­xx von Licht­lo­gis­tik ver­baut. „Das sind klei­ne fi­li­gra­ne

Art­net-led-sticks, die wir wie­der­um mit ei­nem Tu­be ver­packt ha­ben, da­mit auch hier der Ne­on-röh­ren-look ent­steht. Die Slim­pi­xx sind vor al­lem für die ers­ten Rei­hen schön und schaf­fen durch die Pi­xel­map­ping-mög­lich­kei­ten auch wie­der neue Räu­me“, führ­te der Licht­de­si­gner aus. Die Krei­se und die Slim­pi­xx wer­den über Ma­d­rix ge­steu­ert: „Die ha­ben für das Pi­xel­map­ping schon ein um­fang­rei­ches Port­fo­lio an Ef­fek­ten mit drin. Da­durch muss man sel­ber nicht viel Con­tent ha­ben, son­dern kann mit den vor­han­de­nen Mög­lich­kei­ten ein­fach ein biss­chen rum­spie­len und aus­pro­bie­ren. Ich steue­re von der Kon­so­le dann nur noch die In­ten­si­tä­ten der ein­zel­nen Lay­er und was über­haupt ab­ge­spielt wer­den soll – al­so wel­cher Fil­me, wel­che Far­ben usw. Das ha­be ich al­les mit Ma­d­rix ge­macht, weil das ein­fach schnel­ler geht.“

Ein wich­ti­ger Be­stand­teil des Büh­nen­de­signs be­fand sich di­rekt zwi­schen Mu­si­kern und Kon­zert­be­su­chern: sie­ben Bah­nen La­ser­scrim von West­holt wur­den wäh­rend der Show ge­fah­ren, an­ge­bracht eben­falls an ei­nem Roll­down-sys­tem von Wahl­berg. Durch sei­ne hoch­trans­pa­ren­te Ei­gen­schaft konn­te das Büh­nen­ge­sche­hen trotz her­un­ter­ge­las­se­nem „Vor­hang“ver­folgt wer­den – ein we­nig wirk­te es, als stün­den die Mu­si­ker in ei­nem Re­gen­schau­er. Da­durch, dass die Ga­ze au­ßer­dem be­spiel­bar ist, dien­te sie dem Vi­deo­de­si­gner als wei­te­re Pro­jek­ti­ons­flä­che. Durch die Kom­bi­na­ti­on aus ho­her Trans­pa­renz und Be­spiel­bar­keit wirk­te es fast, als spiel­ten die Mu­si­ker in ei­nem Film aus dem Vi­deo­con­tent von Matt Fin­ke.

Steue­rung: Fol­low­me und Hog 4

Ein Neu­ling im Glatt­hor‘schen Se­t­up ist Fol­low­me – ein Fol­low-spot Sys­tem aus den Nie­der­lan­den. „Ich ha­be das bei ei­ner Vol­beat-re­por­ta­ge ge­se­hen und fand su­per, dass es so smart ist! Das Pro­blem bei ei­nem nor­ma­len Fol­low-spot ist, dass der Künst­ler da­von schnell ge­blen­det wird. Und da Rea gern das Pu­bli­kum sieht, war re­la­tiv schnell klar, dass wir das nur mit ei­nem Truss-fol­lows ma­chen kön­nen. De­fi­niert war au­ßer­dem, dass wir fünf Lam­pen un­ter­schied­lich steu­ern wol­len. Und dann fiel mir die Re­por­ta­ge wie­der ein. Ich ha­be das Sys­tem dann im Som­mer aus­pro­biert, da­für hat Fol­low­me mir ein De­mo­fi­le zu­ge­schickt und ich ha­be das mit Cap­tu­re ge­tes­tet. Da­für brauch­te ich nur ei­ne 3D-maus und ein Mi­di-fa­derwing um die In­ten­si­tä­ten ma­chen zu kön­nen. In der Pro­ben­hal­le von TDA ha­be ich dann ei­nen hal­ben Tag da­mit rum­pro­biert und mein Fa­zit da­nach war: Su­per­gei­les Tool!“Ein wei­te­rer Vor­teil

die­ses Vor­ge­hens: „Das Büh­nen­bild wird nicht durch ei­nen wei­ßen Fleck vom Fol­low-spot ge­stört, denn ich muss kei­nen Spot hin­hän­gen – ich kann auch ei­nen Wash neh­men, wenn mir das bes­ser ge­fällt. Und vor al­lem: Ich bin un­ab­hän­gig von den Her­stel­lern. Bei Fes­ti­vals kann ich auch ein­fach den ört­li­chen Pro­vi­der sup­por­ten und neh­me ei­nen Schein­wer­fer von dem“, be­geis­ter­te sich Chris Glatt­hor.

Au­to­ma­ti­sier­tes Fol­low-sys­tem

Für die Steue­rung des Fol­low­me wäh­rend der Tour war der Tech­ni­ker Chris­toph „Chick“Kapsch zu­stän­dig. Auch sein Fa­zit ist durch­weg po­si­tiv: „Das Sys­tem ist su­per. Ich kann al­lei­ne al­le fünf Schein­wer­fer steu­ern. Bei an­de­ren Sys­te­men braucht man da­für viel mehr Leu­te. Und au­ßer­dem ist es echt ein­fach zu be­die­nen: Ich ha­be mich da vor der Tour mit der Un­ter­stüt­zung aus dem Sup­port rein­ge­fuchst und jetzt läuft das su­per in­tui­tiv. Au­ßer­dem ha­be ich noch nichts Schlech­tes von Rea ge­hört – das ist doch ein gu­tes Zei­chen“, lach­te Chick.

Das ers­te Se­t­up hat Fol­low­me zur Ver­fü­gung ge­stellt und an­hand der An­ga­ben von Chris Glatt­hor ein­ge­rich­tet. Was dann folgt, scheint eben­falls un­kom­pli­ziert: „Ka­me­ra vor­ne rein

»Durch die Tech­nik der 3D-ka­me­ras hat Rea di­rek­ten Ein­fluss auf das De­sign. So ist je­des Kon­zert in­di­vi­du­ell« Matt Fin­ke (Lo­op Light) | über die Vor­tei­le von Tie­fen­ka­me­ras

hän­gen, Dmx-mer­ge ma­chen – was aber bei der gro­ßen Ver­si­on in der Soft­ware sel­ber pas­siert; bei der Klei­nen muss man das ex­tern in ei­nem Art­net-kno­ten ma­chen, aber auch das ist ja kein He­xen­werk. Und dann ist das The­ma ge­ges­sen“, fass­te Glatt­hor zu­sam­men.

Auch die Ein­rich­tung in den Hal­len selbst geht laut Chick schnell über die Büh­ne: „Das Ein­rich­ten dau­ert un­ge­fähr 10 bis 15 Mi­nu­ten. Da­für ge­be ich die Ma­ße der be­tref­fen­den Büh­nen­flä­che in die Fol­low­me-ober­flä­che ein, ka­li­brie­re die Mess­punk­te, tes­te das Gan­ze mit ei­nem Sta­ge­hand und fer­tig ist das Ding.“Wäh­rend der Show steu­ert er das Sys­tem von der Büh­nen­sei­te aus. Zu sei­nem Se­t­up ge­hö­ren zwei Mo­ni­to­re, ein Macbook-pro, ein Fa­derwing und ei­ne dy­na­mi­sche 3D-maus. Der rech­te Mo­ni­tor zeigt den Blick von oben auf die Büh­ne, mit der Maus steu­ert er in Echt­zeit die Spots, die er auf dem Mac ein­zeln aus­wäh­len kann. Mit dem Fa­derwing steu­ert er die In­ten­si­tä­ten. Der zwei­te Mo­ni­tor links von Chick ge­hört ei­gent­lich gar nicht zu sei­nem Se­t­up: „Auf den zu­sätz­li­chen Mo­ni­tor ha­be ich mir das Ka­me­ra­bild le­gen las­sen. So se­he ich aus der Per­spek­ti­ve der Kon­zert­be­su­cher und des Fohs und kann die Wir­kung im Büh­nen­bild di­rekt über­prü­fen und ggf. nach­re­gu­lie­ren.“Nur die Far­ben und ggf. Go­bos steu­ert er nicht selbst, das über­nimmt Chris Glatt­hor vom FOH aus.

Für die Steue­rung der Show nutzt der Licht­de­si­gner ei­ne Hog4-kon­so­le, das Pc-se­t­up drum her­um hat er sich selbst zu­sam­men­ge­baut: „Ich ha­be ei­ne Na­no von der Hog4 und zwei klei­ne Mi­ni-play­backwings von der Hog3 – das kann man al­les ganz ein­fach mit­ein­an­der kom­bi­nie­ren. Aus ei­nem al­ten Pult­ca­se ha­be ich mir dann noch ei­ne Kon­struk­ti­on ge­baut, wo das al­les drin ist. Ich muss nur die Mo­ni­to­re ab­neh­men und kann dann ein­fach den De­ckel drauf ma­chen. Dann ist al­les kom­pakt und vor al­lem schnell weg­ge­packt.“Die ge­sam­te Show ist oh­ne Ti­me­co­de, wird al­so von Chris Glatt­hor und Matt Fin­ke live und un­ab­hän­gig von­ein­an­der ge­schal­tet. Es gab zwar die Über­le­gung ei­ner Ses­si­on, da­mit Glatt­hor ein paar Ef­fek­te vom Vi­deo­de­sign trig­gern kann, aber im End­ef­fekt ent­schied man sich doch für die un­ab­hän­gi­ge­re Va­ri­an­te: „Wenn es Sinn macht, ha­be ich kein Pro­blem da­mit. Aber war­um soll­te man et­was mit­ein­an­der ver­bin­den, wenn es un­ab­hän­gig für sich gut funk­tio­niert?“

Vi­deo­kon­zept: Chris­tie Pan­do­ras Box und Pro­jek­to­ren

Als der krea­ti­ve Part für Matt Fin­ke be­gann, stand das Grund­ge­rüst für die ein­zel­nen Songs be­reits fest. Sei­ne Ide­en, wie die ein­zel­nen Songs vi­sua­li­siert wer­den könn­ten, fan­den schnell Zu­spruch. An­hand der be­reits aus­ge­klü­gel­ten tech­ni­schen Ar­chi­tek­tur des Büh­nen­de­signs konn­te er die­se schnell ad­ap­tie­ren. „Für mich war vor al­lem wich­tig zu wis­sen: was wird wo ste­hen, wel­che Pro­jek­ti­ons­flä­chen soll es ge­ben usw. Erst dann konn­te ich mit der Rea­li­sie­rung der Ide­en be­gin­nen.“

Ca. ei­nen Mo­nat lang wur­de mit drei Leu­ten Tag für Tag im Stu­dio ge­ar­bei­tet. Es wur­den klei­ne Gra­fi­ken aber zeit­gleich auch die rei­ne Hard­ware ge­baut und das Gan­ze in den ver­schie­de­nen Soft­wares, z. B. dem Ma­na­ger­sys­tem von Pan­do­ras Box, zu­sam­men­ge­führt. „Um die Ab­läu­fe auf der Tour zu ver­ein­fa­chen, hat mei­ne Sys­tem­tech­ni­ke­rin Bi­an­ca Mi­schin­ger die kom­plet­te Hard­ware in zwei Racks ge­baut – eins für die Büh­ne und eins für mich am FOH. Das hat zwar echt Zeit in An­spruch ge­nom­men, bis das wirk­lich fer­tig war … aber es zahlt sich jetzt voll aus!“, re­sü­mier­te Matt Fin­ke und Bi­an­ca Mi­schin­ger er­gänz­te: „Wir muss­ten echt vie­le Ma­schi­nen in die Racks be­kom­men: Hms-ser­ver, ei­ne Notch­play­back-ma­schi­ne, ei­nen Ma­na­ger-rech­ner in Matts FOH-

Rack, Netz­werk-swit­che, Hms-back­up … und dann al­les voll durch­ver­ka­beln. Das war platz­mä­ßig echt schwie­rig. Die größ­te Her­aus­for­de­rung ist aber im­mer, al­le Sys­te­me mit­ein­an­der ans Lau­fen zu krie­gen und dar­aus Din­ge zu er­schaf­fen, die un­se­ren Vor­stel­lun­gen ent­spre­chen. Mit Up­dates und al­le Ser­ver auf den glei­chen Stand brin­gen hat das ca. ein­ein­halb Wo­chen ge­dau­ert. Vor der Show wer­den dann nur noch die Bea­mer und Ka­me­ras an­ge­schlos­sen. Wir che­cken das je­den Tag noch­mal durch, um si­cher zu ge­hen, dass für die Show al­les läuft. Aber nach dem Kon­zert pa­cken wir dann nur noch den De­ckel drauf und gut ist. Das ist echt ef­fek­tiv!“

Chris­tie-pro­jek­to­ren im Ein­satz

Für die Me­di­en­zu­spie­lung ka­men zwei Me­dien­ser­ver Pan­do­ras Box von Chris­tie zum Ein­satz, ei­ne wei­te­re dien­te als Back­up falls die Main­ser­ver aus­fal­len. Die Aus­spie­lung des Con­tents auf die Pro­jek­ti­ons­flä­chen wur­de über zwei Chris­tie­pro­jek­to­ren rea­li­siert: ein Crim­son war an der Truss für die Aus­spie­lun­gen auf die hin­te­re Pro­jek­ti­ons­fo­lie mon­tiert, ein Chris­tie Bo­xer hing ober­halb des Fohs und be­spiel­te von dort aus die La­ser-scrim an der Büh­nen­vor­der­kan­te. Bei­de Bea­mer wur­den über Netz­werk fern­ge­steu­ert.

Das gan­ze Se­t­up muss­te dann si­gnal­weg­tech­nisch noch mit der Live-re­gie ver­bun­den wer­den: Um die Bil­der aus der Live-re­gie an­neh­men zu kön­nen, wur­de ei­ne Hd-sdi-kreuz­schie­ne ver­baut. Hier kom­men die Pro­gramm- und Ein­zel­si­gna­le aus der Re­gie an. „Wir ha­ben das Sys­tem so fle­xi­bel wie mög­lich ge­hal­ten, da wir das Live-bild mit dem Vi­deo­con­tent kom­bi­nie­ren woll­ten“, er­klär­te Matt Fin­ke. Er ent­schei­det al­so am FOH, ob er die Live-bil­der un­be­ar­bei­tet raus­gibt, oder ob er die­se zu­nächst ver­än­dern möch­te. Zu­sätz­lich zu den „nor­ma­len“Ka­me­ras ka­men dar­um auch ei­ni­ge 3D-tie­fen­ka­me­ras zum Ein­satz, die Tie­fen­ab­bil­der er­zeu­gen, die wie­der­rum ver­än­der­bar sind. Das nächs­te Pro­blem: Die Über­tra­gungs­we­ge der 3D-ka­me­ras wa­ren nicht lang ge­nug. Ein pas­sen­des Ka­bel muss­te al­so her. Das Team um Matt Fin­ke such­te ta­ge­lang nach ei­nem Usb-3-ka­bel, wel­ches die Dis­tanz zur Schnitt­stel­le über­brü­cken konn­te. „Du kriegst USB-3 nicht ein­fach so über 30 Me­ter ge­zo­gen. Dann fin­dest du ein Pro­dukt, wo drauf­steht, dass es das kann – pro­bierst es aus und es geht nicht. Da ge­hen schon mal zwei oder drei Ar­beits­ta­ge ei­nes Mit­ar­bei­ters drauf, der nichts an­de­res macht, als die­se Din­ge zu tes­ten“, är­ger­te sich Fin­ke, er­gänzt je­doch di­rekt: „Aber der Auf­wand hat sich ge­lohnt. Die 3D-ka­me­ras ma­chen aus dem Ab­bild von Rea ei­ne Art Ob­jekt, das ich auf künst­le­ri­sche Wei­se ver­frem­den kann. Das gibt su­per Ef­fek­te!“

3D-ka­me­ras für kunst­vol­le Bil­der

Die 3D-ka­me­ras er­tas­ten ei­nen be­stimm­ten Be­reich und er­stel­len drei­di­men­sio­na­le For­men (Vek­to­ren). Im Ge­gen­satz zu nor­ma­len Ka­me­ras sieht man bei die­ser Tech­nik nach­her nicht, was hin­ter dem Be­reich liegt. Durch meh­re­re Lin­sen er­zeu­gen sie ein Tie­fen­ab­bild des de­fi­nier­ten Be­reichs. „Aus die­sem Ma­te­ri­al er­zeu­ge ich dann For­men oder fü­ge Ef­fek­te

hin­zu. Bei ei­nem Song ord­ne ich ent­lang der Kon­tu­ren ei­nen Glit­zer­schim­mer an. So­bald der de­fi­nier­te Be­reich weg ist (al­so wenn Rea sich aus dem Ka­me­ra­be­reich ent­fernt), ist auch das Glit­zern weg.“Die­se Tech­nik kommt aus dem Spie­le­be­reich, be­kannt ist es z. B. durch die Hard­ware Mi­cro­soft Kinect, die zur Steue­rung der Spie­le­kon­so­le Xbox One ver­wen­det wird.

Ca. 40 % des ge­sam­ten Vi­deo-in­puts wa­ren Echt­zeit­gra­fi­ken. Matt Fin­ke steu­er­te all die­se Gra­fi­ken kon­stant und be­ein­fluss­te z. B. ganz be­wusst die Art und Wei­se, wie ein „Par­ti­kel­sturm“ent­stand oder wie vie­le Flam­men den Feu­er­mensch um­ga­ben. „Vie­les da­von ist sehr sub­til. Das muss man auch nicht er­ken­nen oder ver­ste­hen. Es soll ein­fach auf die Kon­zert­be­su­cher wir­ken und viel­leicht Emo­tio­nen her­vor­ru­fen. Das ist wie im Film, da fragst du ja auch nicht, war­um ist das jetzt grün oder war­um lau­fen die Li­ni­en jetzt so?“, er­klär­te Matt Fin­ke. Der be­ste­hen­de Look des Licht­de­signs von Chris Glatt­hor be­kam da­durch je­doch ei­nen zu­sätz­li­chen, dy­na­mi­schen

Aspekt, der di­rekt be­ein­flusst wer­den konn­te. Ent­we­der durch das, was Matt Fin­ke am Pult schal­te­te oder was Rea Gar­vey auf der Büh­ne mach­te. „Das ist eben das Be­son­de­re dar­an: Rea trägt auf die­se Wei­se ak­tiv da­zu bei, wie der Ge­samt­look am En­de des Abends aus­sieht. So ist je­des Kon­zert in­di­vi­du­ell. Au­ßer­dem fo­kus­siert es noch mehr auf den Künst­ler, da sich die Show der Dy­na­mik von Rea un­ter­ord­net.“Trotz der um­fang­rei­chen Mög­lich­kei­ten, die die­se Tech­nik mit sich bringt, ver­wen­de­te Matt Fin­ke es doch ganz ge­zielt. „Wenn man so­was be­nutzt, muss man das nicht in je­dem Song tot­rei­ten. Manch­mal ist es auch ein­fach in Far­ben oder For­men ver­steckt.“

In man­chen Si­tua­tio­nen woll­te Matt Fin­ke je­doch nicht vom Ge­sche­hen auf der Büh­ne ab­len­ken, so dass er die Vi­deo­ef­fek­te vom FOH schnell ab­schal­ten konn­te. „Hier­für ist im Foh-rack noch ein Wid­get-de­si­gner ver­baut, der auf dem Touch­screen liegt. Das ist mei­ne Steu­er­zen­tra­le, über die z. B. ent­schei­de, wel­che Ka­me­ra ge­ra­de raus­geht.“Von dem ge­sam­ten Vi­deo-in­put soll­te mög­lichst viel auf den Si­de­screens ge­zeigt wer­den kön­nen – so­wohl die Bil­der aus der Live-re­gie von Phil­ipp Len­ner, als auch der Con­tent, den Matt live ge­ne­rier­te. „Durch die Be­rech­nung ent­steht zwar ein biss­chen mehr La­tenz, aber das De­lay ist durch­aus ver­tret­bar“, er­klär­te Matt Fin­ke. Wich­tig für all das war laut Matt Fin­ke vor al­lem eins: „Ich muss wis­sen ob al­les läuft – und zwar noch be­vor der Song an­fängt! Da­für müss­te ich hier ei­gent­lich noch mehr Glas­fa­ser lie­gen ha­ben um die Bil­der trans­por­tie­ren zu kön­nen. Aus Kos­ten­und Auf­wand­grün­den ha­ben wir uns aber da­ge­gen ent­schie­den und da­für aber ei­ne wirk­lich ein­fa­che Lö­sung ge­fun­den: Da wir ja schon ein be­ste­hen­des Netz­werk ha­ben, nut­zen wir ein­fach ei­ne Netz­werk­ka­me­ra, die hin­ten im Rack hängt. Die­se lie­fert mir das Bild auf den Mo­ni­tor, der hier hin­ten im FOH ver­baut ist. So kann ich di­rekt se­hen, ob al­les läuft.“

Den Ein­druck, dass al­les läuft, hat auch das Kon­zert in der Ober­hau­se­ner Kö­nig-pil­se­ner-are­na hin­ter­las­sen. Den Kon­zert­be­su­chern prä­sen­tier­te sich ein er­staun­lich viel­fäl­ti­ges Büh­nen­de­sign mit viel Tie­fe, das den Cha­rak­ter des neu­en Rea Gar­vey-al­bums zu 100% ge­trof­fen hat und für so man­chen Wow-mo­ment sorg­te. Hier wur­de mit­ein­an­der ver­bun­den, was sehr gut mit­ein­an­der funk­tio­niert – aber was er­war­tet man auch an­de­res, wenn zwei Opus-preis­trä­ger ge­mein­sam an ei­ner Show fei­len? Die Zu­sam­men­ar­beit von Licht­de­si­gner Chris Glatt­hor und Vi­deo­de­si­gner Matt Fin­ke, die bei der Ne­on-tour zum ers­ten Mal zu­stan­de kam, hat auf je­den Fall ein wirk­lich über­zeu­gen­des Er­geb­nis hin­ter­las­sen. To be con­ti­nued!

Chris „Ro­cket­chris“Glatt­hor ist be­reits zum drit­ten Mal ver­ant­wort­li­cher Licht­de­si­gner auf den Rea Gar­vey Tou­ren

Blind­last sorgt da­für, dass die Leucht­stoff­röh­ren ge­dimmt wer­den kön­nen

Hin­te­res Büh­nen­set­up cust­om-ma­de Led-krei­se, da­zwi­schen Fu­si­on 2 Led-sticks von Ehr­geiz. Im Hin­ter­grund an der Büh­nen­rück­kan­te: Leucht­stoff­röh­ren-lei­tern und da­zwi­schen „Rie­sen-leucht­stoff­röh­ren“, die aus meh­re­ren Fu­si­on2 zu­sam­men­ge­setzt sind. Da­vor kann ei­ne schwar­ze Pro­jek­ti­ons­fo­lie von Ger­riets durch ein Mi­ni­roll­down-sys­tem von Wahl­berg her­un­ter­ge­fah­ren wer­den

Matt Fin­ke von Lo­op Light wäh­rend des Rea-gar­vey-kon­zerts in Oberhausen. Vi­deound Licht­de­sign wur­den live und un­ab­hän­gig von­ein­an­der je­weils an ei­ner Ho­g4kon­so­le ge­steu­ert

Neu­es Fol­low­s­pot-sys­tem erst­ma­lig kam das Fol­low­s­pot-sys­tem „Fol­low­me“aus den Nie­der­lan­den zum Ein­satz. Ein­fach am Lap­top die ge­wünsch­te Leuch­te aus­wäh­len und am rech­ten Mo­ni­tor mit ei­ner 3D-maus steu­ern. In­ten­si­tä­ten kön­nen über ein Mi­di-fa­derwing ge­steu­ert wer­den. Der lin­ke Mo­ni­tor wur­de nach­träg­lich an­ge­baut – er zeigt den Blick auf die Büh­ne und dient so­mit der Kon­trol­le

Kla­re An­sa­ge Auch dem Mi­kro­fon­stän­der von Rea Gar­vey (hier im Vor­der­grund) wur­de ein Leucht­stoff­röh­ren-look ver­passt. Soll­te die­ser vor der Show nicht ge­la­den sein, möch­te man nach der An­sa­ge lie­ber nicht in der Haut des Ver­ant­wort­li­chen ste­cken

Fu­si­on 2 um den „Rie­sen-leucht­stoff­röh­ren“-look zu er­zeu­gen, wur­den die Led-sticks von Ehr­geiz hier an ei­ner Pi­pe un­ter­ein­an­der mon­tiert.

Star­ker Bea­mer wäh­rend der Per­for­mance von Rea Gar­vey auf der B-sta­ge war das Büh­nen­de­sign sehr re­du­ziert. Für die Pro­jek­tio­nen auf die vor­de­re La­ser­scrim sorg­te ein Chris­tie Bo­xer 4K30 mit sei­nen 30.000 Lu­men Licht­leis­tung, der ober­halb des FOHS an­ge­bracht war

Crew v.l.n.r. Top­se (Sys­tem­tech), Chris­toph „Chick“Kapsch (Light­ing­tech/fol­low­me-op), Tho­mas „Thom­my“Hei­ne (Set), Chris­ti­an „Ro­cket­chris“Glatt­hor (Light­ing-set-vi­deo-de­si­gner), Jan Ber­ger (Light­ing­tech), Matt Fin­ke (Vi­deo­de­si­gner), Bi­an­ca Mi­schin­ger (Vi­deo-me­di­en­tech), Flo­ri­an Bees (Light­ing Crew Chief), Phil­ipp Len­ner (Li­ve­r­egie). Nicht im Bild: die bei­den He­ad­rig­ger Chris­ti­an „Bötsch“Bött­ger und Ralph „Til­ly“Cas­pa­ry (Fo­to: Chris­ti­an Glatt­hor Ro­cket­chris Pho­to­gra­phy)

B-sta­ge die Nä­he zu den Kon­zert­be­su­chern und das re­du­zier­te Licht- und Vi­deo­de­sign sorg­ten für ei­ne be­son­de­re At­mo­sphä­re.

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