Ver­si­cher­ten-ent­las­tungs­ge­setz: Än­de­run­gen ab 2019

Production Partner - - Inhalt - Text: Le­na Voss | Fo­to: Die­ter Stork

Fast je­der pri­vat ver­si­cher­te Frei­schaf­fen­de aus un­se­rer Bran­che kennt das Pro­blem: Die Min­dest­be­mes­sungs­gren­ze (al­so das Min­dest­ein­kom­men, auf des­sen Grund­la­ge die Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge be­rech­net wer­den), liegt in ei­nem für un­se­re Bran­che völ­lig uto­pi­schen Be­reich. Das wird sich dank des neu­en Ver­si­cher­ten-ent­las­tungs­ge­set­zes ab 2019 nun end­lich än­dern. Was ge­nau ver­birgt sich hin­ter die­sem sper­ri­gen Be­griff, und über wel­che Ent­las­tun­gen kön­nen wir uns dem­nächst freu­en?

Der Ge­set­zes­ent­wurf des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ge­sund­heit zum neu­en Ver­si­cher­ten­ent­las­tungs­ge­setz wurde be­reits am 5. Ju­ni 2018 be­ra­ten und be­schlos­sen. Nach der Über­ga­be an den Bun­des­tag zur Be­schluss­fas­sung und ei­ner öf­fent­li­chen An­hö­rung im Ge­sund­heits­aus­schuss wurde das Ge­setz am 17. Ok­to­ber 2018 ab­schlie­ßend durch den Ge­sund­heits­aus­schuss be­ra­ten. Da ei­ne Zu­stim­mung des Bun­des­ra­tes nicht er­for­der­lich ist, wur­den mit die­sem Ta­ge die neu­en ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen be­schlos­sen und wer­den zum Jah­res­wech­sel 2018/2019 wirk­sam.

Aber wel­che kon­kre­ten Än­de­run­gen wer­den denn nun ab dem 1. Ja­nu­ar 2019 auf uns zu­kom­men? Und was be­deu­tet das für uns?

Für Selbst­stän­di­ge

Von dem neu­en Ver­si­cher­ten­ent­las­tungs­ge­setz pro­fi­tie­ren vor al­lem die Selbst­stän­di­gen: Für un­se­re Frei­schaf­fen­den, die für ei­ne Ver­si­che­rung über die Künst­ler­so­zi­al­kas­se nicht

in Fra­ge kom­men und nur ein ge­rin­ge­res Ein­kom­men ha­ben, be­deu­tet das ein gro­ßes Er­spar­nis – denn der Min­dest­bei­trag wird ab 2019 mehr als hal­biert! Zur Be­grün­dung heißt es im Ge­set­zes­ent­wurf :„ Durch die Ve­rän­de­rung en­des Ar­beits­mark­tes in den letz­ten Jah­ren hat sich auch die selbst­stän­di­ge Tä­tig­keit ver­än­dert. Vie­le Klein un­ter­neh­me­rin­nen und Klein un­ter­neh­mers ind­dah er mit dem der­zei­ti­gen Min­dest­bei­trag über­for­dert. Um die bis­he­ri­ge jähr­li­che An­pas­sung der Min­dest­bei­trags be­mes­sungs grund­la­ge an­hand der Be­zugs­grö­ße wei­ter­hin zu ge­währ­leis­ten wird in § 240 Ab­satz 4 des Fünf­ten Bu­ches So­zi­al­ge­setz­buch (SGB V) der maß­geb­li­che An­teil zur Be­rech­nung der Min­dest­bei­trags be­mes­sungs grund­la­ge vom 40. Teil auf den 80. Teil der mo­nat­li­chen Be­zugs grö­ße ab­ge­senkt .“

In Zah­len heißt das: Ak­tu­ell liegt die Min­dest­be­mes­sungs­gren­ze, al­so das Min­dest­ein­kom­men, auf des­sen Grund­la­ge die Bei­trä­ge be­rech­net wer­den, bei 2.283,75 Eu­ro. Das be­deu­tet, auch wenn man we­ni­ger ver­dient (was in un­se­rer Bran­che ja durch­aus die Re­gel ist), wer­den trotz­dem min­des­tens 2.283,75 Eu­ro zur Be­mes­sung des Bei­tra­ges zu Grun­de ge­legt. Der der­zei­ti­ge Kran­ken­kas­sen-bei­trags­satz liegt bei 14,6%. Bei ei­nem Zu­satz­bei­trag von 1,0% (Durch­schnitt aus 2018) be­deu­te­te das ei­nen Min­dest­bei­trag für die Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung von 356,27 Eu­ro im Mo­nat.

Ab 2019 liegt die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze nur noch bei 1.038,33 Eu­ro. Le­gen wir hier auch wie­der den durch­schnitt­li­chen Zu­satz­bei­trag von 0,9% für 2019 zu Grun­de, er­gibt sich ein Min­dest­bei­trag von 160,94 Eu­ro im Mo­nat. Soll­te man 1.038,33 Eu­ro oder we­ni­ger ver­die­nen, spart man ab 2019 al­so sat­te 195,33 Eu­ro mo­nat­lich! Von der Neue­rung pro­fi­tie­ren al­so vor al­lem die, die mit wirk­lich we­nig Ein­kom­men im Mo­nat aus­kom­men müs­sen.

Das Ge­s­amt-er­spar­nis wä­re noch grö­ßer, wür­de nicht der der­zei­ti­ge Pfle­ge­bei­trag von 2,8% zum Jah­res­wech­sel auf 3,3% an­ge­ho­ben wer­den …

Für Ar­beit­neh­mer

Aber auch die (zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen eher der Min­der­heit an­ge­hö­ren­den) fest­an­ge­stell­ten Ver­an­stal­tungs­tech­ni­ker ha­ben Grund, sich über das neue Ge­setz zu freu­en. Denn ab 2019 tei­len sich Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer nicht mehr nur den Grund­bei­trag zur ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung, auch der Zu­satz­bei­trag wird ab dem neu­en Jahr pa­ri­tä­tisch (al­so von bei­den Sei­ten zu glei­chen Tei­len) über­nom­men. De fac­to be­deu­tet das für den fest an­ge­stell­ten Ver­an­stal­tungs­tech­ni­ker ein hö­he­res Net­to­ein­kom­men.

Und da­mit noch nicht ge­nug, denn das Ver­si­cher­ten­ent­las­tungs­ge­setz hat sich auch mit den Fi­nanz­re­ser­ven der Kran­ken­kas­sen aus­ein­an­der­ge­setzt. Im Ent­wurf heißt es da­zu: „An­ge­sichts der Ent­wick­lung der Über­schüs­se und Fi­nanz­re­ser­ven der Kran­ken­kas­sen […], sind ge­setz­li­che Maß­nah­men nö­tig, die die Kran­ken­kas­sen stär­ker als bis­her ver­an­las­sen sol­len, ih­re Fi­nanz­re­ser­ven ab­zu­bau­en und die Mit­glie­der über die Ab­sen­kung der Zu­satz­bei­trä­ge zu ent­las­ten.“In Zu­kunft darf sich der Ar­beit­neh­mer al­so zu­min­dest über sta­bi­le, wenn nicht so­gar ge­senk­te Zu­satz­bei­trä­ge freu­en, die uns wei­te­re Ent­las­tun­gen be­sche­ren wer­den. Ja ist denn heut schon Weihnachten?

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