Re­port: Jazz Open Stuttgart

Production Partner - - Inhalt - Text: Ni­co­lay Ket­te­rer | Fo­tos: Rei­ner Pfis­te­rer, Ni­co­lay Ket­te­rer

Die Haupt­büh­ne am Neu­en Schloss wird von Mau­er­fas­sa­den um­rahmt, der Büh­ne steht ei­ne gro­ße Tri­bü­ne ge­gen­über – ei­ne denk­bar kniff­li­ge Grund­la­ge des Jaz­zo­pen 2018, was Akus­tik und Lo­gis­tik in Stuttgart an­geht. Sound­de­si­gner Bo­do Berg­mann setzt auf ei­ne gleich­mä­ßi­ge Be­schal­lung des brei­ten, fla­chen Plat­zes, so­wie Ab­sor­ber­flä­chen, um stö­ren­de Re­fle­xio­nen zu mi­ni­mie­ren. Ei­ne wei­te­re Büh­ne steht im In­nen­hof des Al­ten Schlos­ses, der von ho­hen Mau­ern um­ge­ben ist. Bal­ko­ne auf meh­re­ren Ebe­nen wol­len eben­falls sinn­voll be­schallt wer­den. Über das Fes­ti­val, die tech­ni­sche Um­set­zung und ei­nen spek­ta­ku­lä­ren Über­ra­schungs­auf­tritt bei Kraft­werk, der es in sich hat­te.

Über den lee­ren Schloss­platz in Stuttgart hal­len Tom-kas­ka­den beim Schlag­zeug-sound­check von Sin­ger-song­wri­ter Ja­mie Cul­lum. Das zehn­tä­gi­ge Fes­ti­val „Jaz­zo­pen“läuft be­reits seit ei­ner Wo­che. Die Ver­an­stal­tung jährt sich zum 25. Mal, 2018 tre­ten un­ter an­de­rem auch Kraft­werk, Len­ny Kra­vitz, Ja­mi­ro­quai, Gre­go­ry Por­ter, St­an­ley Clar­ke, Joss Sto­ne, Pat Me­the­ny, Die Fan­tas­ti­schen Vier, Till Brön­ner und Mar­cus Mil­ler auf – mit Vor­grup­pen ins­ge­samt 60 Bands. „Das Open in Jaz­zo­pen steht auch für sti­lis­ti­sche Of­fen­heit“, er­klärt Pro­duk­ti­ons­lei­ter Mat­thi­as Kr­ei­ner, der das Fes­ti­val seit zehn Jah­ren mit sei­ner Fir­ma Werk­plan be­treut. „Man fin­det nicht vie­le Jaz­zer, die 7.000 Leu­te be­spie­len kön­nen.“Es sol­le kein rei­nes Ni­schen-fes­ti­val sein. „Wir in­te­grie­ren oft Pro­jek­te, die hier ein­ma­lig statt­fin­den – letz­tes Jahr trat z. B. ein Stutt­gar­ter Or­ches­ter zu­sam­men mit Quin­cy Jo­nes als ‚Quin­cy Jo­nes and Fri­ends‘ auf.“

Das 1994 ge­star­te­te Fes­ti­val ist über die Jah­re ge­wach­sen, 2018 ka­men rund 45.000 Be­su­cher. Seit 2012 be­fin­det sich die Haupt­büh­ne am Neu­en Schloss, weil das in der Stutt­gar­ter In­nen­stadt der schöns­te Platz sei, und das Fes­ti­val der Stadt auch Pres­ti­ge brin­ge, er­klärt Mat­thi­as Kr­ei­ner. Zu den sieben Büh­nen zäh­len auch der na­he­ge­le­ge­ne In­nen­hof des Al­ten Schlos­ses, das Event­cen­ter Spar­da­welt, der Bix Jazz­club, die Dom­kir­che, das Stadt­pa­lais und die Sca­la im be­nach­bar­ten Lud­wigs­burg. „Ir­gend­wann ha­be ich an­ge­fan­gen, mir ei­ne rie­si­ge Ex­cel-über­sicht über die gro­ßen Büh­nen zu bas­teln: Wer spielt wann wo, und muss ich ei­nen Flü­gel be­stel­len? Am En­de war auch die Ab­stim­mung mit dem

Kla­vier­stim­mer ei­ne Her­aus­for­de­rung, da er recht­zei­tig von ei­nem zum an­de­ren Ort kom­men muss!“Ne­ben den „nor­ma­len“Büh­nen sind auch noch klei­ne Pro­mo-büh­nen vor­han­den: Ei­ne X-klas­se des hei­mi­schen Spon­sors Mer­ce­des steht auf ei­nem Po­dest, „an dem Au­to spielt jetzt um fünf ei­ne Band“.am Vor­tag fand ein Ar­te-li­vestream statt, der SWR filmt ei­ne Do­ku­men­ta­ti­on des Fes­ti­vals. Da­zu wird am Fol­ge­tag bei Kraft­werk ei­ne Li­ve-schal­tung statt­fin­den, die es wirk­lich in sich hat. Ge­naue­res er­zählt Kr­ei­ner zu dem Zeit­punkt al­ler­dings noch nicht – der Plan ist ge­heim.

Ka­pa­zi­täts­gren­ze

Lo­gis­tisch wie akus­tisch stellt die Haupt­büh­ne ei­ne Her­aus­for­de­rung dar: Ei­ne über­dach­te Zu­schau­er­tri­bü­ne wird vom Schloss „ein­ge­rahmt“, in zwei Schloss­ge­bäu­den ist das Fi­nanz- und Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um des Lan­des Ba­den-würt­tem­berg un­ter­ge­bracht. Wäh­rend des Fes­ti­vals und des Auf- und Ab­baus wird dort ge­ar­bei­tet, was zu­sätz­li­che Hür­den mit sich bringt. Seit 2012 ist das Fes­ti­val von 4.000 auf über 7.000 Zu­schau­er ge­wach­sen. „Am An­fang stand die Tri­bü­ne nä­her an der Büh­ne, da wir ins­ge­samt klei­ner wa­ren“, er­läu­tert Kr­ei­ner die Ent­wick­lung. „Ei­ner­seits wer­den die op­ti­schen An­for­de­run­gen grö­ßer, an­de­rer­seits auch die Bands, die der Pro­mo­ter Jür­gen Schlen­sog [Opus Fes­ti­val Ver­an­stal­tungs- und Ma­nage­ment Gm­bh, Anm. d. Red.] bucht. Da­mit stei­gen so­wohl die An­sprü­che der Zu­schau­er als auch die der Künst­ler. In­zwi­schen ist die Ka­pa­zi­täts­gren­ze er­reicht, um die At­mo­sphä­re noch er­hal­ten zu kön­nen. Vor zwei Jah­ren hat­ten wir Pink-floyd-gi­tar­rist Da­vid Gil­mour hier, mehr be­kom­men wir wirk­lich nicht un­ter.“Bei Gil­mour wa­ren rund 7.000 Zu­schau­er vor Ort. „Die Sto­nes oder U2 wür­den hier na­tür­lich nicht rein­pas­sen“, meint er schmun­zelnd. „Wür­de ich die Tri­bü­ne wei­ter nach hin­ten schie­ben, wä­re kei­ne Feu­er­wehr­durch­fahrt mehr vor­han­den. Bei ei­ner an­de­ren Ver­an­stal­tung wurde die Tri­bü­ne raus auf den Platz ge­stellt – dann fehlt al­ler­dings die ‚Fas­sung’, die Leu­te sit­zen 60 Me­ter von der Büh­ne weg.“Da­hin­ter be­fin­det sich ein Park, auf der sich Zaun­gäs­te „be­rie­seln“las­sen, die Sicht ist durch die Tri­bü­ne ver­sperrt. „Für das Pu­bli­kum ist die At­mo­sphä­re span­nend, hier Ja­mi­ro­quai oder Len­ny Kra­vitz zu se­hen.“

Wo­hin mit den Night­li­nern?

Der en­ge Platz mit­ten in der Stadt sei eben­falls her­aus­for­dernd. „Für die Tri­bü­ne be­nö­tigt Sta­ge­co 20 Sat­tel­schlep­per, Me­ga­force kommt mit 18 Sat­tel­schlep­pern für die Büh­ne. Die Trai­ler müs­sen ent­spre­chend ge­tak­tet sein. Hier kön­nen nur zwei bis vier LKW gleich­zei­tig ent­la­den wer­den. Wir be­kom­men auf­grund des be­eng­ten Plat­zes nur ei­nen Trai­ler an das Loa­ding Dock. Da wir gleich­zei­tig den Back­s­tage-be­reich mit Con­tai­nern und Gar­de­ro­ben auf­bau­en, muss das Ma­te­ri­al prak­tisch di­rekt nach dem Ab­la­den ver­schafft wer­den. Tri­bü­ne und Büh­ne brau­chen ei­nen Kran zum Auf­bau, da­durch bau­en wir tem­po­rär die Zu­fahrt zu. Wir ha­ben zu­erst die Tri­bü­ne auf­ge­baut, und da­nach die Büh­ne hin­ein geshif­tet.“Hin­zu kommt die Lo­gis­tik der Bands: „Bei Len­ny Kra­vitz dürf­te am meis­ten los sein, da kom­men fünf Night­li­ner, da­zu das Equip­ment mit vier Trucks. Hin­ter dem Schloss ha­be ich auf der an­de­ren Sei­te ge­ra­de so fünf Night­li­ner-park­plät­ze. Die Trucks fah­ren auf die Mes­se und par­ken dort.“Man­che

Künst­ler wol­len ei­nen Tag frü­her kom­men, er­zählt er, „aber dort ste­hen be­reits Night­li­ner“.

Der Schloss­platz steht zu­dem nur für be­grenz­te Zei­t­räu­me zur Ver­fü­gung: „In den Mi­nis­te­ri­en wird bis rund 16 Uhr ge­ar­bei­tet, des­we­gen dür­fen wir im­mer erst ab 15:30 Uhr mit dem Sound­check be­gin­nen. Das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um hat noch ei­nen Hin­ter­ein­gang, das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um al­ler­dings nur ei­nen Ein­gang auf un­se­rer Bau­stel­le. Den Mit­ar­bei­tern ha­ben wir ei­nen Zu­gang aus Zäu­nen ge­baut, so­dass sie wäh­rend des Auf­baus si­cher am Haus ent­lang kön­nen, oh­ne in den Stap­ler­ver­kehr rein­lau­fen zu müs­sen. Al­ler­dings ent­steht spä­ter das Pro­blem, dass wir in dem Be­reich un­se­re Fol­low-tower auf­bau­en müs­sen. Dann wird der Weg wie­der auf­ge­löst, und wir bau­en ei­nen Zu­gang, der die Mit­ar­bei­ter da­vor ent­lang­führt.“Die Pla­nung und Ab­stim­mung ha­be viel Auf­wand er­for­dert. Im mitt­le­ren Schloss­flü­gel steht zu­dem ei­ne gro­ße Gar­de­ro­be zur Ver­fü­gung: „Die be­kommt der Star­gast des Abends.“

Tri­bü­ne und die VIP-ZO­NE: Hört doch mal zu

„Die Tri­bü­ne wurde über die Jah­re von 2.000 auf 3.800 Sitz­plät­ze ver­grö­ßert und von 20 Me­ter auf 30 Me­ter von der Büh­ne ent­fernt ver­scho­ben.“Der ge­sam­te Auf­bau ist nun 65 Me­ter breit und 30 Me­ter hoch. „Die Dach­last stellt das Ma­xi­mum dar – sta­tisch kön­nen wir bei der Kon­struk­ti­on nicht bis ganz vor­ne bau­en.“Da­her wer­den die nicht über­dach­ten Plät­ze an­ders be­preist. Un­ter dem Dach be­fin­det sich hin­ter den Sitz­rei­hen ei­ne brei­te Vip­steh­flä­che mit Ge­trän­ke­aus­schank. „Wir ha­ben den FOH mit­tig un­ten in der Tri­bü­ne in­te­griert – das er­for­der­te et­was grö­ße­re Pla­nung, um nie­man­dem die Sicht zu neh­men. Nor­ma­ler­wei­se wä­ren dort noch Sitz­plät­ze.“Ein her­kömm­li­cher FOH auf dem Platz wür­de je­doch das Sicht­feld der Tri­bü­ne mas­siv ein­schrän­ken. „Um­ge­kehrt wür­de sich aber je­der To­n­in­ge­nieur be­schwe­ren, wenn er auf der Tri­bü­ne un­ter­ge­bracht wä­re.“

Die un­te­ren zwei Drit­tel der Tri­bü­ne wer­den mit der Main-pa be­schallt. Sound­de­si­gner Bo­do Berg­mann spricht die Pro­ble­ma­tik an, beim Sound­check die lee­ren Rän­ge zu be­schal­len: „Die Tri­bü­ne hat lei­der har­te Plas­tik­flä­chen – im Ge­gen­satz zum Thea­ter, wo die Sit­ze hoch­ge­klappt oft­mals akus­tisch be­ar­bei­tet sind. Wir ver­su­chen bei Sound­checks, ein-

zel­ne ‚Sys­tem-zo­nen‘ – ver­sorgt durch L-acoustics Ka­ra und 5XT, die über die ge­sam­te Tri­bü­nen­hö­he schalt­bar sind – im Pe­gel zu re­du­zie­ren, um we­ni­ger stö­ren­de Re­fle­xio­nen an­zu­re­gen, da­mit es für die Künst­ler auf der Büh­ne nicht un­an­ge­nehm zu­rück­schallt. Am liebs­ten hät­te ich ei­ne Sound­check­wal­ze, die Ab­sor­ber­flä­chen vor die Stüh­le run­ter­fährt“, meint er la­chend. „Dann wür­de ich akus­tisch Hur­ra schrei­en, müss­te al­ler­dings pri­vat für die ent­spre­chen­de Fi­nan­zie­rung sor­gen!“

Ein wei­te­res The­ma ist die VIP-ZO­NE: „Dort herrscht im­mer ein starkes Grund­rau­schen der vie­len Vip-gäs­te – es wird ge­re­det, mit Glä­sern an­ge­sto­ßen usw. Zur Pro­blem­be­he­bung nut­zen wir da­zu die ein­zeln an­fahr­ba­ren De­lay-sys­te­me, die ver­teilt im Tri­bü­nen­dach hän­gen, so­wie meh­re­re hun­dert Qua­drat­me­ter an not­wen­di­gen Ab­sor­ber­flä­chen, um den Be­reich ru­hi­ger zu be­kom­men und den Leu­ten klar zu ma­chen: ‚Ach­tung, hier fin­det ne­ben eu­rem Small­talk auch noch ein Kon­zert statt. Hört doch bit­te auch mal zu!‘ Das ist ein wich­ti­ger Aspekt und es funk­tio­niert seit Jah­ren im­mer bes­ser.“Der noch lee­re Platz ant­wor­tet beim Sound­check zwar mit Nach­hall, aber „Flat­te­recho-arm“. Berg­mann mache sich un­glaub­lich vie­le Ge­dan­ken – „ich wer­de von ihm sehr oft nach Stoff ge­fragt, um auch klei­ne Be­rei­che mit har­ten Re­fle­xi­ons­flä­chen ab­zu­hän­gen“, er­klärt Kr­ei­ner.

Be­schal­lung der Haupt­büh­ne: Kampf den Re­fle­xio­nen!

Bo­do Berg­mann deu­tet auf ei­nen Con­tai­ner an der rech­ten Sei­te, auf dem ei­ne klei­ne Pres­se­tri­bü­ne un­ter­ge­bracht ist. „Wir ha­ben die Front­sei­ten der Con­tai­ner mit 300-Gramm-

Mol­ton ab­hän­gen las­sen“, er­klärt Berg­mann. „Be­fin­den sich je nach Be­stuh­lungs­si­tua­ti­on nur we­ni­ge Leu­te in den äu­ßers­ten Rand­be­rei­chen, kön­nen über das ge­flo­ge­ne Main-out­fill stö­ren­de Hf-re­fle­xio­nen ent­ste­hen, die zeit­ver­zö­gert zur Tri­bü­ne re­flek­tie­ren. Die ha­ben wir die­ses Jahr auch zum Groß­teil eli­mi­nie­ren kön­nen, wer­den aber an den letz­ten ‚Ar­te­fak­ten‘ für die kom­men­den Fes­ti­vals ar­bei­ten: Auf der Rück­sei­te der Ver­fol­ger-tower sind Wer­be-ban­ner an­ge­bracht. De­ren Stoff­ma­te­ri­al ist aus glat­tem, har­tem Kunst­stoff – statt­des­sen möch­ten wir künf­tig ein Ge­we­be­ma­te­ri­al mit Ab­sor­ber­flä­che nut­zen, das zu­min­dest deut­lich we­ni­ger re­flek­tiert. Das sind klei­ne Nuan­cen, macht aber in Sum­me re­la­tiv viel aus. Wenn al­les gut be­setzt ist – wir sind aus­ver­kauft und ha­ben da­mit spä­ter 7.300 zu­sätz­li­che ‚Ab­sor­ber ‘ auf dem Ge­län­de – ist das Er­geb­nis mitt­ler­wei­le schon sehr ho­mo­gen. Wich­tig ist für uns we­ni­ger die ab­so­lu­te Leis­tung, da­zu ha­ben wir bis­her ge­nü­gend He­adroom, son­dern vor al­lem die ho­mo­ge­ne Schall­ver­tei­lung über den ge­sam­ten Fre­quenz­be­reich und die ge­sam­te Zu­hörer­brei­te, ge­ra­de im Tief­ton­be­reich. Bei Be­schal­lungs­si­tua­tio­nen aus zwei Punk­ten kön­nen für die Zu­schau­er je nach Sys­te­man­ord­nung, Pha­sen­gang, Wind, Luft­druck, Luft­feuch­tig­keit, so­wie Tem­pe­ra­tur – um nur die wich­tigs­ten Pa­ra­me­ter zu nen­nen – Über­hö­hung oder Aus­lö­schung in be­stimm­ten Fre­quenz­be­rei­chen ent­ste­hen. Da­her prä­fe­riert mein Team bei­spiels­wei­se im Tief­ton­be­reich ei­ne mög­lichst ho­mo­ge­ne Durch­lauf­be­schal­lung, statt nur ein Sub­bass-sys­tem als Links/rechts-an­ord­nung: Wir nut­zen ak­tu­ell elf Po­si­tio­nen mit je drei L-acoustics-subs KS28, die wir in­ner­halb ei­ner ge­stell­ten Po­si­ti­on leicht auf­ges­play­ed ha­ben, so­dass sie in sich noch ho­mo­ge­ner wir­ken kön­nen. Wir ha­ben auch die Ab­stän­de zu­ein­an­der aus­ge­mes­sen, da­mit über die ge­sam­te Flä­che mög­lichst kei­ne ‚akus­ti­schen Lö­cher‘ ent­ste­hen. Wir ha­ben ja auch Steh­pu­bli­kum auf dem Platz. Sys­tem-en­gi­neer Micha­el Häck, der die Be­schal­lung sehr akri­bisch mess­tech­nisch mit mir seit meh­re­ren Jah­ren be­treut, misst das ge­sam­te Sys­tem haar­klein ein, so­dass es to­nal und vom Pha­sen­gang ho­mo­gen ist – das ist ei­ner der wich­tigs­ten Punk­te für uns über­haupt. Letzt­end­lich soll es über­all gut klin­gen, egal wo der Zu­hö­rer steht.“Sein Kol­le­ge Mat­thi­as Kr­ei­ner er­gänzt: „Bo­do ar­bei­tet eher so, dass er al­le Sys­te­me ‚sanft‘ an­fah­ren kann, so­dass ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Wel­le über den Platz ent­steht, be­son­ders im Tief­ton­be­reich.“

Kar­dioid oder lieber nicht?

Das kar­dioi­de Sys­tem im Bass sei un­ter an­de­rem da­zu da, dass „die Leu­te auf der Büh­ne laut­stär­ke­tech­nisch nicht ster­ben, und auf dem Platz un­ter Um­stän­den we­nig Bass an­kommt“, so Bo­do Berg­mann. „Wir fol­gen im­mer Emp­feh­lun­gen und sind of­fen für Hin­wei­se. Wir hat­ten es auch ein­mal nicht kar­dioid auf­ge­stellt, weil die Im­pul­streue laut Aus­sa­ge von L-acoustics bes­ser sei. Das Si­gnal durch­läuft dann kei­ne so­ge­nann­ten All-pass-fil­ter. Trotz­dem leben wir am En­de lieber mit dem ge­rin­gen Ver­lust an Im­pul­streue im Tief­ton­be­reich, als bei ei­nem gro­ßen Or­ches­ter – wie bei Quin­cy Jo­nes letz­tes Jahr mit 125 Mi­kro­fo­nen, Li­ne-ka­nä­len und vie­len Kon­den­sa­tor­mi­kro­fo­nen – den Mu­si­kern auf der Büh­ne durch den rück­wär­ti­gen Schall im Sub­be­reich das Leben schwer zu ma­chen. Zu­dem fand ein Fern­seh­mit­schnitt statt, die Mi­kro­fon­signa­le hät­ten den Jungs im Ü-wa­gen kei­nen Spaß ge­macht. Wir hat­ten das Sys­tem bei ei­ner Rock-num­mer nach Emp­feh­lung auf­ge­baut, und ich ha­be abends zu­sam­men mit mei­nem Team ent­schie­den, wie­der auf ei­ne kar­dioi­de An­ord­nung um­zu­bau­en, wie es un­se­rer­seits ur­sprüng­lich ge­plant war.“Wenn er ei­nen Wunsch frei hät­te? „Ich wür­de mir wün­schen, dass L-acoustics ein Sys­tem baut, das

»Die Lo­gis­tik ist auf­grund des en­gen Plat­zes im­mer sehr schwie­rig – Sta­ge­co kommt mit 20, Me­ga­force mit wei­te­ren 18 Sat­tel­schlep­pern. Es kön­nen aber nur zwei bis vier LKW gleich­zei­tig ent­la­den wer­den. Das ist pla­ne­risch ei­ne ech­te Her­aus­for­de­rung. Und dann kommt Len­ny Kra­witz mit fünf Night­li­nern und vier wei­te­ren Equip­ment-trucks … « Mat­thi­as Kr­ei­ner | Pro­duk­ti­ons­lei­tung

in sich be­reits kar­dioid ist. So­mit könn­ten wir die An­zahl der Sys­te­me re­du­zie­ren, klei­ner und op­tisch un­auf­fäl­li­ger bau­en und trotz­dem mit aus­rei­chen­dem Schall­druck nach vor­ne pro­ji­zie­ren.“Er spricht den er­wähn­ten Um­bau an, dass drei Sub­woo­fer ge­braucht wer­den, um die kar­dioi­de Richt­cha­rak­te­ris­tik her­zu­stel­len. „Das macht sich na­tür­lich auch im Bud­get be­merk­bar. An­dern­falls wür­de auf die­ser Büh­ne aber ein Groß­teil der Mu­si­ker sa­gen: ‚So kann ich nicht spie­len!‘“

Je­des Jahr wer­den Ein­zel­hei­ten im Se­t­up op­ti­miert: „Manch­mal ge­stal­tet sich das schwie­rig, auf­grund von Ge­wichts­re­strik­tio­nen. Wir sind im­mer am Ko­or­di­nie­ren von De­cken­las­ten und Licht­tra­ver­sen. Für nächs­tes Jahr steht das The­ma Cen­ter-bass an: Wir stre­ben ei­ne Cen­ter-lö­sung oben im Büh­nen­dach an, so­dass wir den Bass als mög­li­che Mo­no-cen­ter­quel­le an­fah­ren, was über den Platz ver­teilt noch ho­mo­ge­ner wahr­nehm­bar wä­re. Da­bei wol­len wir die Leis­tung der kar­dioi­den Subs, die sich links und rechts hin­ter den Li­ne­ar­rays be­fin­den, in das Cen­ter pa­cken. Das ist da­von ab­hän­gig, ob wir den Büh­nen­typ um et­wa 1,50 Me­ter an­ge­ho­ben be­kom­men. Wir müss­ten uns da­zu na­tür­lich auch an das ge­plan­te Licht­de­sign an­pas­sen und schau­en, dass wir op­tisch und tech­nisch nicht kol­li­die­ren. Wir prü­fen ge­ra­de auch, ob die Bass-sys­te­me, die in­ner­halb der Main-out­fills ge­flo­gen sind, künf­tig weg ge­las­sen wer­den kön­nen. Die klang­li­che Wär­me könn­ten wir auch über ei­ne ge­stell­te Va­ri­an­te im un­te­ren Be­reich er­zie­len.“Es sei im­mer ein biss­chen wie Te­tris spie­len, lacht Berg­mann.

Sys­tem-ab­stim­mung

Für die Ab­stim­mung der Sub­woo­fer „hat Micha­el Häck das neue Out­li­ne New­ton 16+8 vor­ge­schla­gen, das sehr sau­ber ar­bei­tet, wo­durch er viel we­ni­ger Fil­ter­be­ar­bei­tung vor­neh­men muss. [aus­führ­li­cher Test un­ter https://www.pro­duc­tion­part­ner.de/test/out­li­ne-new­ton-au­dio-dsp-pro­zes­sor] Zu­sätz­lich ha­ben wir die Auf­stel­lung in ei­nem leich­ten Arc vor­ge­nom­men, was wir vor­her in der Sound­vi­si­on-soft­ware si­mu­liert ha­ben, da auch im­mer Zu­hö­rer seit­lich ste­hen. Über die elek­tro­nisch ge­kipp­te Arc-an­ord­nung kom­men wir et­was bes­ser und ho­mo­ge­ner in die Au­ßen­be­rei­che. Wir ha­ben die Ks28-sys­te­me, die hin­ter den K1-sub/k2-main-sys­te­men hän­gen, von vorn­her­ein et­was nach in­nen ge­zo­gen: Sie hän­gen nicht ge­nau da­hin­ter, son­dern nach in­nen ein­ge­rückt, um die ‚Bass­keu­le‘ schon me­cha­nisch leicht nach au­ßen zu len­ken und ei­ner zu gro­ßen Über­hö­hung in der Mit­te vor­zu­beu­gen. Den Rest ma­chen wir un­ter an­de­rem vor­ne am FOH mit dem Out­li­ne New­ton 18+8 LM. Die Künst­ler sind bis da­to zu­frie­den – zu­min­dest gibt es kei­ne Be­schwer­den, dass sie auf der Büh­ne nicht ar­bei­ten kön­nen, weil sie zu ‚boo­my‘ oder ins­ge­samt zu laut sei. Wir hö­ren bei An­mer­kun­gen in­ner­halb der un­ter­schied­li­chen Cr­ews ge­nau zu, sind für je­de Kri­tik of­fen, prü­fen Hin­wei­se so­fort. Letzt­end­lich se­hen wir un­se­re Auf­ga­be dar­in, Künst­ler und Pu­bli­kum klang­lich so gut es geht zu­frie­den­zu­stel­len – das Pu­bli­kum soll mit dem Ein­druck nach Hau­se ge­hen: das war ein coo­les Kon­zert – und die Künst­ler oben mit dem Ge­dan­ken: Das war ei­ne coo­le Cr­ew, die ha­ben sich um jeg­li­che Pro­blem­lö­sung ge­küm­mert. Letzt­end­lich ist dann der Ap­plaus des Pu­bli­kums für den Künst­ler auch ei­ne Wert­schät­zung für un­se­re Ar­beit. Wir ha­ben uns über die letz­ten Jah­re ein groß­ar­ti­ges Team

auf­bau­en kön­nen, dar­un­ter auch die Jungs von Ses­si­on Pro, die her­vor­ra­gen­de Ar­beit leis­ten – wie ei­ne klei­ne Fa­mi­ly. Ich bin me­ga-zu­frie­den, hap­py und hof­fe, dass die Zu­sam­men­ar­beit noch ei­ni­ge Jah­re wei­ter­geht“, meint er stolz.

Pro­ble­ma­ti­scher Wech­sel: Be­schal­lung für Steh- und Sitz­plät­ze

„Letz­tes Jahr hat­ten wir von den fünf Kon­zert­ta­gen am Schloss drei Steh- und zwei Sitz­platz­ta­ge, die­ses Jahr al­ler­dings nur Steh­plät­ze“, er­klärt Mat­thi­as Kr­ei­ner, das sei vom Pro­gramm ab­hän­gig. Der Auf­bau der Sub­woo­fer sei ein Kom­pro­miss, um bei­de Si­tua­tio­nen ab­de­cken zu kön­nen. „Da­durch, dass wir die Sub­bäs­se für das Steh­pu­bli­kum hoch­kant stel­len muss­ten, wurde die Büh­nen­ober­kan­te die­ses Jahr auf 1,60 Me­ter er­höht“, er­gänzt Bo­do Berg­mann. „Für Sitz­pu­bli­kum müss­ten wir wahr­schein­lich wie­der run­ter. Auch für kar­dioi­de An­wen­dun­gen, die wir ma­chen wol­len, müs­sen wir uns et­was Neu­es ein­fal­len las­sen, denn der Platz fällt leicht ab. Wenn die Leu­te sit­zen, kön­nen wir kei­ne Büh­nen­rand­sys­te­me drauf­le­gen – ge­ra­de in der Mit­te, wo ein Lead­sän­ger steht, aber auch auf­grund der Richt­li­ni­en für die Flucht­we­ge. Man muss da­vor bau­en, viel­leicht so­gar un­ter die Kan­te noch ein­bau­en, et­was hoch­kip­pen – was auch ein Kom­pro­miss ist, wenn die Si­tua­ti­on auf Steh­pu­bli­kum aus­ge­rich­tet wer­den muss. Du kannst nicht mal eben für ei­nen Tag al­les wie­der auf die Büh­ne zu­rück­bau­en. Wir könn­ten höchs­tens über­le­gen, im nächs­ten Jahr die Büh­nen­si­tua­ti­on zu dop­peln – der Ein­bau bleibt als sol­cher be­ste­hen, wird ab­ge­schal­tet, und wir le­gen zu­sätz­lich drei Sys­te­me für die Stand­pu­bli­kum-si­tua­ti­on oben drauf.“Das sei dann al­ler­dings wie­der ei­ne Fra­ge des Bud­gets.

Wie prak­ti­ka­bel wä­re Im­mer­si­ve Sound?

Über die letz­ten zehn Jah­re sei­en die An­sprü­che der Zu­schau­er ge­stie­gen, auch durch die Qua­li­tät der Sys­te­me, er­klärt Kr­ei­ner und Berg­mann er­gänzt: „Vi­deo kam vor zwei Jah­ren da­zu und auch ein Links/rechts-live­bild. Klang­lich wol­len die Leu­te ih­re CD li­ve hö­ren. Für uns gab es dies­be­züg­lich auch Gespräche zum The­ma Büh­nen­or­tung, so wie sie L-acoustics mit dem L-ISA oder d&b über das ak­tu­el­le So­und­scape an­bie­ten.“Auf­wand und Ak­zep­tanz sei­en al­ler­dings pro­ble­ma­tisch: „Nicht je­de Band und de­ren Foh-leu­te ak­zep­tiert die An­ord­nung der Mehr­ka­na­lig­keit. Mit dem FOHMANN von Len­ny Kra­vitz wä­re das bei­spiels­wei­se äu­ßerst schwie­rig ge­wor­den. Der möch­te am En­de schlicht seine ge­wohn­te Leis­tung. Wir schaf­fen es auch aus fi­nan­zi­el­len Grün­den noch nicht, ein mehr­ka­na­li­ges L-ISA- oder ein So­und­scape-sys­tem am nächs­ten Tag auf Links/rechts zu­rück­zu­bau­en. Wir hat­ten ein Ge­spräch mit Kraft­werk, die an­reg­ten, über Mehr­ka­na­lig­keit nach­zu­den­ken. Da­bei stell­ten wir fest, dass uns mit Nacht­ein­bau und den Sound­check-ge­ge­ben­hei­ten auf dem Platz tags­über ge­ra­de mal 45 Mi­nu­ten blei­ben wür­den, um un­se­re Ar­beit und die der Gast­mi­scher auf den Punkt zu brin­gen. Wenn pro Abend drei Ka­pel­len spie­len, von de­nen je­de ei­ne an­de­re Vor­stel­lung von Sound und Sys­tem hat, ist das bis­her nicht sinn­voll um­setz­bar. Da­her

brau­chen wir im Mo­ment ei­ne Lö­sung, mit der wir al­le Künst­ler und das Pu­bli­kum be­zahl­bar zu­frie­den­stel­len kön­nen.“Auch Beam-stee­ring-sys­te­me kä­men bis­lang nicht oh­ne ei­nen ent­spre­chen­den „Li­ve-test“auf dem Schloss­platz in Fra­ge: „Auch hier gilt: Wenn wir es selbst gut fän­den – hat die­se Tech­no­lo­gie denn auch die Ak­zep­tanz der ein­zel­nen Front­leu­te?“

Büh­ne im Al­ten Schloss

Im Al­ten Schloss wird ein In­nen­hof mit ho­hen Mau­ern be­spielt, in den 1.000 Zu­schau­er pas­sen. Dort wird „rei­nes“Jazz-pro­gramm ge­bo­ten, in die­sem Jahr wa­ren Pat Me­the­ny, Gre­go­ry Por­ter, St­an­ley Clar­ke und Till Brön­ner zu Gast. Die Be­schal­lung „des lan­gen Schlauchs“mit elf bis 15 Me­ter ho­hem Mau­er­werk ge­stal­tet sich eben­falls als schwie­rig. Um Re­fle­xio­nen der har­ten Ober­flä­chen zu mi­ni­mie­ren, wur­den die Bal­ko­ne mit Mol­ton­bah­nen ab­ge­hängt. „Die­ses Jahr ha­ben wir Re­fle­xio­nen von klei­nen Glas­schei­ben ge­hört und ge­mes­sen: In der ers­ten Eta­ge exis­tie­ren Bul­l­au­gen, die wir künf­tig mit Stoff ab­hän­gen wol­len. In der zwei­ten Eta­ge ist es nicht mehr so kri­tisch, da ver­hält es sich wie beim Bil­lard­tisch – Ein­falls­win­kel gleich Aus­falls­win­kel. Die ers­te Eta­ge wird ge­ra­de be­schallt, wenn die Sys­te­me al­so nicht ge­nau jus­tiert sind, kommt das ent­spre­chend zu­rück.“Zur Ein­däm­mung die­ses Pro­blems wur­den ei­ni­ge Maß­nah­men er­grif­fen: „Wir ver­wen­den an je­der Bal­kon­säu­le klei­ne L-acoustics 5XT. Da­durch schie­ßen wir nicht nur von ei­nem Punkt der Büh­ne über ei­ne wei­te Dis­tanz, son­dern ver­sor­gen mehr über De­lay- und de­zen­tra­le Sys­te­me al­le Ecken und Ni­schen. Ge­ra­de aus den Kon­zer­ten im Al­ten Schloss ha­ben wir die­ses Jahr er­neut da­zu­ge­lernt. Im Ide­al­fall wür­den wir dort ger­ne ein in­di­vi­du­el­les Sys­tem ein­set­zen, das nicht „de­si­gned ab La­ger“ist, son­dern von der Elek­tro­akus­tik, Bau­phy­sik, Grö­ße, Ab­strahl­ver­hal­ten und der To­na­li­tät noch op­ti­ma­ler passt. Dort soll­ten wir künf­tig mit ei­nem Sys­tem ar­bei­ten, das noch ge­bäu­de­spe­zi­fi­scher passt und ei­nen en­ge­ren Ab­strahl­be­reich hat, um den Mi­schern über die Tie­fe ein op­ti­mier­tes Links-rechts-si­gnal an­bie­ten zu kön­nen.“Er ar­bei­tet in der Mit­te mit ei­nem Mo­no-clus­ter, über die Stre­cke mit zwei De­lays: „Wir hat­ten das Haupt-cen­ter mo­no­fi­ziert, weil wir an­sons­ten mit den rei­nen Links/rechts-100-grad-li­ne-ar­rays stän­dig ge­gen die sehr har­ten Sei­ten­be­rei­che des In­nen­hofs be­schallt hät­ten.“

Kraft­werk-gig mit 5 Se­kun­den La­tenz ins All

Beim spek­ta­ku­lä­ren Über­ra­schungs­auf­tritt im Kraft­werk-kon­zert han­del­te es sich nicht um ei­nen phy­sisch an­we­sen­den zu­sätz­li­chen Star­gast, son­dern ei­ne Li­ve-schal­tung ins All – zu­ge­schal­tet wurde der Iss-as­tro­naut Alex­an­der Gerst, der ge­mein­sam mit Kraft­werk ei­nen Song spiel­te. Die lan­ge Ge­heim­hal­tung sei ei­ne Be­din­gung der Eu­ro­päi­schen Welt­raum­or­ga­ni­sa­ti­on ESA ge­we­sen, um Ha­ckern nicht die Mög­lich­keit zu ge­ben, die Ver­bin­dung stö­ren zu kön­nen, hät­ten

sie den ge­nau­en Zeit­punkt ge­kannt, so die Stutt­gar­ter Zei­tung. Dem­nach hat­te der Iss-as­tro­naut, sei­nes Zei­chens gro­ßer Kraft­werk-fan, selbst die Idee des Gast­auf­tritts bei den Jaz­zo­pen. Die­ser sei be­reits lan­ge vor sei­nem Ab­flug An­fang Ju­ni or­ga­ni­siert wor­den – zu sei­nem Rei­se­ge­päck zähl­te al­so ein Ta­blet mit Soft­ware-syn­the­si­zern, mit wel­chen er ge­mein­sam mit der Band den Kraft­werk-song „Space­lab“spiel­te. Wäh­rend des Auf­tritts galt es, die La­tenz der Li­ve-schal­tung von fünf Se­kun­den zu be­rück­sich­ti­gen: „Die Kraft­werk-pro­duk­ti­on hat den ‚De­al‘ mit der ESA ge­macht und die ers­ten Ab­spra­chen ge­trof­fen.“Das Sng-über­tra­gungs­fahr­zeug (Sa­tel­li­te News Ga­the­ring) für das Li­ve-bild stamm­te von der Lon­do­ner „Haus­fir­ma“der NA­SA, World Wi­de Pic­tu­res. „Die be­ka­men ei­nen spe­zi­el­len Platz auf un­se­rem Fes­ti­val­ge­län­de, um den Sa­tel­li­ten zu er­rei­chen. Da­zu ha­ben wir die Lei­tun­gen nach Hous­ton und zur ISS ko­or­di­niert“, er­klärt Mat­thi­as Kr­ei­ner nach dem Auf­tritt. „Die Ame­ri­ka­ner be­nö­tig­ten ana­lo­ge Te­le­fon­lei­tun­gen, die wir über die Te­le­kom be­stellt hat­ten – in­zwi­schen wird ja im Netz mög­lichst al­les mit VOIP ge­macht. Ei­ne Lei­tung dien­te da­zu, mit Hous­ton zu te­le­fo­nie­ren, ei­ne zwei­te lie­fer­te den Ori­gi­nal­ton aus der ISS. Auf­grund ver­schie­de­ner Ter­mi­ni war die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ar­beit über die Lan­des­gren­zen hin­weg doch et­was auf­wän­di­ger“, re­sü­miert er.

Mat­thi­as Kr­ei­ner greift das von Bo­do Berg­mann er­wähn­te The­ma der Pro­blem­lö­sung noch­mal auf: „Wir ver­su­chen es den Künst­lern mög­lichst recht zu ma­chen. Und wir be­ka­men auch ent­spre­chen­des Feed­back: St­an­ley Clar­kes Ma­na­ger schrieb mir am Tag nach dem Fes­ti­val, dass sie es super fan­den und wir un­se­rem Ruf ge­recht ge­wor­den sei­en. Auch von Ja­mi­ro­quai kam ei­ne ähn­lich be­geis­ter­te Rück­mel­dung.“Das spre­che sich her­um, wenn Bands auf an­de­ren Fes­ti­vals auf­ein­an­der­tref­fen – den Jaz­zo­pen-be­su­cher dürf­te es ähn­lich ge­gan­gen sein.

»Wenn pro Abend drei Ka­pel­len spie­len, von de­nen je­de ei­ne an­de­re Vor­stel­lung von Sound und Sys­tem hat, ist das bis­her nicht sinn­voll um­setz­bar. Da­her brau­chen wir im Mo­ment ei­ne Lö­sung, mit der wir al­le Künst­ler und das Pu­bli­kum be­zahl­bar zu­frie­den­stel­len kön­nen. « Bo­do Berg­mann | Sound­de­sign

Zu­schau­er­tri­bü­ne samt in­te­grier­tem Foh-be­reich, die VIP-ZO­NE be­fin­det sich (et­was pro­ble­ma­tisch) hin­ter den Sitz­plät­zen

Jazz Open-haupt­büh­ne auf dem Schloss­platz in Stuttgart, hier beim Auf­tritt vom Ja­mie Cul­lum

Gu­tes Team Pro­jekt­lei­ter Mat­thi­as Kr­ei­ner (links) und Sound-de­si­gner Bo­do Berg­mann

3D-pro­jek­tio­nen Wäh­rend des Auf­tritts von Kraft­werk wur­den den Zu­schau­ern 3D-pro­jek­tio­nen zu­ge­spielt (die als Smart­pho­ne-auf­nah­me wohl nur we­nig spek­ta­ku­lär aus­fal­len dürf­ten)

Be­schal­lungs­maß­nah­me der Con­tai­ner un­ter­halb der Pres­se­tri­bü­ne wurde mit Mol­ton be­klebt, um Re­fle­xio­nen des Out­fills zur Tri­bü­ne zu ver­mei­den

Hö­he­punkt Über­ra­schen­de Li­ve-schal­tung ins All zum Iss-as­tro­naut Alex­an­der Gerst, der an sei­nem Ta­blet-syn­the­si­zer ei­nen Song ge­mein­sam mit Kraft­werk per­form­te. Gro­ße Her­aus­for­de­rung: ei­ne La­tenz von 5 Se­kun­den muss­te aus­ge­gli­chen wer­den

Len­ny Kra­vitz sein Auf­tritt sorg­te für viel lo­gis­ti­schen Auf­wand: er reis­te mit fünf Night­li­nern und vier Equip­ment-sat­tel­schlep­pern an

Her­aus­for­de­rung die Be­schal­lung des schma­len In­nen­hofs mit ho­hem Mau­er­werk

Auch die Bal­ko­ne wur­den mit Mol­ton­bah­nen ab­ge­hängt

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