Re­port: Frei­licht­spie­le Schwä­bisch Hall

Production Partner - - Inhalt - Text: Ni­co­lay Ket­te­rer | Fo­tos: Ni­co­lay Ket­te­rer

Seit 1925 fin­den in Schwä­bisch Hall Frei­licht­spie­le statt. Zur Be­schal­lung des fla­chen, brei­ten Plat­zes setzt Ti­tus Hä­rich mit sei­ner You­revent-group – um das Büh­nen­bild nicht zu stö­ren – auf Kling & Frei­tag Vi­da-li­ni­en­strah­ler mit Beams­tee­ring. Ei­ne wei­te­re Her­aus­for­de­rung für die ge­sam­te Büh­nen­tech­nik stellt der drei­mo­na­ti­ge Out­door-ein­satz dar

Zum Er­folg gä­be es kei­nen Lift, man müs­se die Trep­pe be­nut­zen – je­ne Weis­heit des Schwei­zer Schrift­stel­lers und Ver­le­gers Emil Oesch gilt im Ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Schwä­bisch Hall wört­lich: Seit 1925 fin­det auf den 54 Stu­fen der Frei­trep­pe der Stadt­kir­che St. Micha­el –„Gro­ße Trep­pe“ge­nannt – ei­nes der äl­tes­ten Frei­licht­spie­le Deutsch­lands statt. Der Ort lässt Ge­mein­de wie Be­woh­ner sol­vent er­schei­nen – gro­ße, ge­pfleg­te Bau­ten säu­men die Stra­ßen, be­hut­sam re­no­vier­tes Fach­werk bil­det ein idea­les Tou­ris­ten-pan­ora­ma auf dem Markt­platz, da­zu blitz­sau­be­re We­ge. Die gleich­na­mi­ge Bau­spar­kas­se ist ein gro­ßer Spon­sor der Frei­licht­spie­le. Die Sai­son läuft Mit­te Mai bis Au­gust, mit un­ter­schied­li­chen Stü­cken – die­ses Jahr et­wa dem Mu­si­cal „Sa­tur­day Night Fe­ver“, dem Schau­spiel „Wil­helm Tell“oder der ak­tu­el­len Mu­si­cal-pro­duk­ti­on „In der Bar zum Kro­ko­dil“– ei­ner Lie­der-re­vue, die in den 1920er und 30er Jah­ren an­ge­sie­delt ist. An­fang 2019 wird zu­dem der Neu­bau des Glo­be-thea­ters ein­ge­weiht. Am Vor­tag war die Pre­mie­re, mit Li­ve-band aus sieben Mu­si­kern so­wie acht Ge­s­angs­stim­men auf der Büh­ne. „Wir spie­len teil­wei­se Stü­cke im Wech­sel, meist in Blö­cken“, er­klärt Ti­tus Hä­rich, der mit sei­ner You­revent-group aus Marl (am nörd­li­chen Rand des Ruhr­ge­biets) Ton­tech­nik und Be­schal­lungs­kon­zept der Trep­pe über­nimmt. „Zu Spit­zen­zei­ten wa­ren wir zu sechst vor Ort, nor­ma­ler­wei­se sind wir im Show­be­trieb zu zweit.“Hä­rich, selbst Meister für Ver­an­stal­tungs­tech­nik, über­nimmt FOH und Sound­de­sign, sein Kol­le­ge küm­mert sich um Büh­ne und Mo­ni­to­ring. Ne­ben der „Gro­ßen Trep­pe“exis­tie­ren zu­sätz­li­che Spiel­stät­ten in der Stadt. Ins­ge­samt sind über 300 Leu­te bei den Frei­licht­spie­len be­schäf­tigt, so Hä­rich.

„Bei sai­son­be­ding­ten Frei­licht­thea­tern be­steht oft die Pro­ble­ma­tik wech­seln­der Di­enst­leis­ter. Frü­her hat­te ein Ton­tech­ni­ker in ei­ner Sai­son ei­nen An­satz, im nächs­ten Jahr fa­vo­ri­sier­te ein an­de­rer ge­nau das Ge­gen­teil.“Da­durch sei tech­nisch kei­ne sinn­vol­le Kon­stanz mög­lich, er­klärt Hä­rich. Er über­nimmt mit sei­ner Fir­ma die Be­schal­lung seit 2015. „Be­schal­lungs­an­la­gen wur­den schon En­de der 1980er Jah­re ein­ge­setzt, al­ler­dings eher für Zu­spie­ler.“Als er an­fing, sei das Se­t­up aus ver­schie­de­nen Ge­ge­ben­hei­ten zu­sam­men­ge­wür­felt ge­we­sen. „Es ist über die Jah­re ge­wach­sen, aber man ist teil­wei­se nicht mit der Zeit ge­gan­gen. Das Pu­bli­kum hat mitt­ler­wei­le sehr ho­he An­sprü­che an Mu­si­cals auf­grund der ei­ge­nen Hör­ge­wohn­hei­ten. Selbst bei Han­dy­kopf­hö­rern gibt es Ge­hör­gang­an­pas­sung. Die Leu­te er­war­ten Cd-sound – zu­recht!“

Er hat den Schritt zur Di­gi­tal­tech­nik voll­zo­gen, ein Dan­te-sys­tem ein­ge­führt. „Vor­her war al­les ana­log, mit teil­wei­se sehr in­di­vi­du­el­ler Ver­ka­be­lung.“Ei­ne wei­te­re Hür­de stellt die Be­schal­lung dar: „Letz­tes Jahr wa­ren die Laut­spre­cher oben ne­ben der Kir­che links und rechts auf­ge­stellt. Das war da­mals ein Po­li­ti­kum, weil kein Equip­ment auf den Trep­pen­stu­fen – der Büh­ne selbst – ste­hen soll­te und gleich­zei­tig ei­ne Ste­reo­ab­de­ckung ge­wünscht war. Das Er­geb­nis kam un­ten bei den Zu­schau­ern lei­der mit deut­li­chen Lauf­zei­ten an.“Die­ses Jahr setzt er erst­mals Kling & Frei­tag Vi­da-li­ni­en­strah­ler mit Beam-stee­ring ein, die er im Sei­ten­be­reich auf der Trep­pe plat­zie­ren konn­te. „Wir kön­nen auf­grund der Sicht­ver­bin­dungs­li­ni­en nicht wei­ter in die Mit­te rü­cken, was ich ger­ne wür­de. Bei dem ak­tu­el­len Sys­tem ha­be ich ein Vi­da-l-ele­ment, das pas­si­ve Vi­da-c-bass­re­flex-sys­tem und ein kar­dioi­des Mo­dul No­mos Xlc-sub­woo­fer pro Sei­te.“Der Be­reich vor der Trep­pe um­fasst rund 1.500 Sitz­plät­ze. Am Pre­mie­ren­wo­chen­en­de sind 1.000 Sit­ze auf­ge­baut, rechts bleibt ei­ne Teil­flä­che frei. „Der Platz ist eher breit als tief, die Stüh­le wer­den weit raus­ge­zo­gen. Nach ei­nem Ver­gleich mit ei­nem L-acoustics Ka­ra als kon­ven­tio­nel­lem Li­ne-ar­ray ge­fiel mir die Schall­ab­de­ckung durch das Vi­da-sys­tem bes­ser. Mit den Vi­das kom­men wir recht weich an die Sei­ten raus, und er­rei­chen die Plät­ze am Rand noch sehr gut – für das Ein­satz­ge­biet wun­der­bar. Da­zu ge­fällt mir die Mu­si­ka­li­tät: Äl­te­re Beam-stee­ring-sys­te­me wa­ren für Sprach­ver­ständ­lich­keit ein­wand­frei, die Mu­si­ka­li­tät war al­ler­dings noch nicht auf dem glei­chen Ni­veau.“

Er er­wähnt die gro­ßen Re­fle­xi­ons­flä­chen durch das ge­gen­über­lie­gen­de Rat­haus und wei­te­re Ge­bäu­de, so­wie die Rück­sei­te der Trep­pe. „Ich selbst war hin und weg, wie gut das mit Beam-stee­ring ge­löst wer­den konn­te.“Da­zu ge­fällt ihm die Mög­lich­keit, das Laut­spre­cher­sys­tem na­he­zu in Echt­zeit steu­ern zu kön­nen. „Über das Steu­er­pro­to­koll, das über die Dan­te-lei­tun­gen läuft, kann ich den Beam ein­stel­len.“Sie ver­wen­den auf dem Platz die nor­ma­le statt der Su­per­nie­re, weil das Er­geb­nis akus­tisch bes­ser für sie funk­tio­niert, auch mit den Re­fle­xio­nen. Er führt die An­la­ge vor, spielt ein ori­en­ta­li­sches Stück. Der Bass ist prä­sent, „schiebt“aber nicht künst­lich wie bei man­chem Sub­woo­fer. „Das In­stru­ment muss na­tür­lich klin­gen. Die Tö­ne lau­fen gleich­mä­ßig durch, kei­ne Bass­no­te fällt stark her­aus. Mir hat ein Gast mal ge­sagt, dass die Be­schal­lung so schön klin­ge wie auf sei­ner Hi-fi-an­la­ge. Das se­he ich auch so! Du kannst entspannt zu­hö­ren, dich nervt nichts.“Auf der Sum­me setzt er le­dig­lich ei­ne leich­te Hö­hen­an­he­bung ein.

Wet­ter auf der Trep­pe

Auf der Trep­pe sind vier klei­ne Büh­nen­flä­chen in­stal­liert. „Die Büh­nen­ele­men­te sol­len den In­dus­trie­look der 1920er­und 30er-jah­re ver­deut­li­chen. Auf der Trep­pe selbst wird ge­tanzt, die Frau­en agie­ren auch mit High Heels, das ist wirk­lich ir­re!“, er­klärt Hä­rich. „Die Schau­spie­ler ken­nen die Büh­ne so­zu­sa­gen ‚blind‘. Seit ich hier ar­bei­te, ist zum Glück noch nichts ernst­haft pas­siert. Die­ses Jahr hat sich ei­ne Schau­spie­le­rin den Fuß um­ge­knickt und ge­bro­chen – das pas­sier­te al­ler­dings auf dem Heim­weg.“Es han­delt sich

durch­weg um pro­fes­sio­nel­le Darstel­ler, Dop­pel­be­set­zung gibt es al­ler­dings kei­ne. „Das ist ein Lu­xus, den sich ein gro­ßes Haus leis­ten kann.“

Sie hat­ten be­reits im Vor­jahr auf dem Platz mit Hit­ze zu kämp­fen, er­in­nert er sich. „Mein Haupt­pult stand un­ter ei­nem Son­nen­schirm und hat selt­sa­me Ef­fek­te pro­du­ziert, eben­so der Plu­gin-rech­ner. Nach ei­nem Neu­start ging al­les wie­der.“Ge­rä­te be­kä­me man im­mer er­setzt, im Ge­gen­satz zum Per­so­nal, gibt er zu be­den­ken. „Be­son­ders bei geis­ti­ger Ar­beit musst du in der Hit­ze auf dei­ne Leu­te und dich auf­pas­sen! Das wird oft un­ter­schätzt.“Sonst pro­du­zie­re man Feh­ler. Die Frei­licht­spie­le sei­en „ab­ge­här­tet“, er­klärt er. „Wir spie­len auch, wenn es reg­net. Das kann rich­ti­ger Stark­re­gen sein! Die Zu­schau­er kön­nen Re­gen­capes kau­fen und blei­ben recht lan­ge. Die Darstel­ler spie­len auch ger­ne trotz Re­gen. Es wird nur ge­fähr­lich bei Ge­wit­ter – dann wird der Platz ge­räumt und die Leu­te kön­nen sich in den um­lie­gen­den Ge­bäu­den un­ter­stel­len.“

Die Sub­woo­fer sei­en für den Out­door-ein­satz kon­zi­piert, die Mem­bra­nen im­prä­gniert. Die Spea­kon-an­schlüs­se wur­den mit Stop­fen ab­ge­dich­tet, da­mit kein Was­ser ein­drin­gen kann. Die ak­ti­ven Li­ni­en­strah­ler müss­ten hin­ge­gen ent­spre­chend ge­schützt wer­den. „Wenn ich die Laut­spre­cher mit ei­nem Kas­ten oder ei­ner Über­da­chung zu­baue, bü­ße ich klang­lich ei­ne Men­ge ein.“Er ent­schied sich für ei­ne Stoff­abde­ckung, ließ zu­sam­men mit der Schles­wig-hol­stei­ner Fir­ma Ex­pand Co­ver pass­ge­naue Hül­len ent­wer­fen. „Da­zu ha­be ich lan­ge nach Stoff ge­sucht, der akus­tisch mög­lichst trans­pa­rent, so­wie hit­ze­durch­läs­sig und was­ser­dicht ist. Das Ma­te­ri­al stammt aus der Au­to­mo­bil­in­dus­trie und hat sich für Ca­bri­os be­währt.“Hä­rich ließ die Ab­de­ckung im La­bor bei Kling & Frei­tag mes­sen, um die akus­ti­schen Ei­gen­schaf­ten zu über­prü­fen. „Im Hoch­ton­be­reich fin­det ein leich­ter Ab­fall statt, aber der ist für mich ver­nach­läs­sig­bar.“Die Was­ser­dich­te? Er schüt­tet zur De­mons­tra­ti­on kur­zer­hand ei­nen Ei­mer Was­ser über dem ab­ge­deck­ten Laut­spre­cher aus. Das Was­ser perlt ab, ein­zel­ne La­chen blei­ben auf der Ober­sei­te ste­hen. An seit­li­chen Ver­läu­fen hat er Ab­schrä­gun­gen ein­bau­en las­sen, da­mit in Über­gän­gen kein Was­ser ste­hen­bleibt. Das ge­sam­te Ton- und Licht-se­t­up bleibt drei Mo­na­te ste­hen, le­dig­lich ein­zel­ne Ele­men­te wie die Near­fills bau­en sie täg­lich auf und ab. „Die Hit­ze be­rei­te­te mir bei den Hül­len Kopf­zer­bre­chen: Die schwar­zen Laut­spre­cher ste­hen die gan­ze Zeit in der Son­ne, als ak­ti­ves Sys­tem sind sie auf gu­te Be­lüf­tung an­ge­wie­sen. Aber sie sind den gan­zen Tag an und lau­fen durch – durch die Hül­len sind kei­ne Pro­ble­me ent­stan­den.“

„Als Near­fills wa­ren ur­sprüng­lich Kling & Frei­tag Gra­vis 12"-Laut­spre­cher mit ei­nem Wi­de­s­pre­ad von 110° ge­plant. Ein zen­tra­ler Auf­bau wurde al­ler­dings ab­ge­lehnt, da die Box op­tisch zu stark im Büh­nen­bild auf­fiel. Statt­des­sen ver­wen­den wir drei Kling & Frei­tag CA106, die sich be­reits im Be­stand der Frei­licht­spie­le be­fan­den. Die Laut­spre­cher wa­ren noch auf 100-Volt-ela-tech­nik auf­ge­baut, da­her ha­ben wir die Trans­for­ma­to­ren ent­fernt. Wir ha­ben sie auch mit ei­nem neu­en Front­git­ter ‚auf­ge­hüb­scht‘ und die Ge­häu­se­far­be an die Trep­pe an­ge­passt.“Sie sind deut­lich über Ohr­hö­he po­si­tio­niert auf den Stu­fen. „Wir kom­men da­mit grob bis in die fünf­te Rei­he, aber wei­ter brau­chen wir auch nicht zu schie­ßen.“

Weih­nachts­markt-hüt­te als FOH

Der FOH ist die­ses Jahr in ei­ner klei­nen Holz­hüt­te vom Weih­nachts­markt der Stadt un­ter­ge­bracht – die Op­tik stand für die Or­ga­ni­sa­to­ren im Vor­der­grund. Ti­tus Hä­rich schließt den Foh-stand auf, in­nen mel­den sich beim Spre­chen die ty­pi­schen Ers­t­re­fle­xio­nen ei­nes klei­nen Raums. Er öff­net die bei­den Fens­ter­lä­den. „Du hast ein klei­nes Guck­loch und siehst, was auf der Büh­ne pas­siert.“Hä­rich hat als Mo­ni­to­re Ne­u­mann K120A in­stal­liert. „Auf dem Platz klingt es na­tür­lich an­ders, aber ich ha­be ei­ne re­la­tiv gu­te Ori­en­tie­rung, was Kom­pres­si­on und Re­fe­renz­punk­te an­geht.“Als FOH-PULT dient ein Ya­ma­ha QL5. „Al­le Si­gna­le der Band ge­hen aus dem Dan­tenetz­werk di­rekt in ei­nen Plu­gin-pc, auf dem Wa­ves Mul­ti­rack

»Mir sind Re­pro­du­zier­bar­keit und Aus­fall­si­cher­heit wich­tig, des­halb pro­gram­mie­re ich vie­le Sze­nen. So könn­te je­mand an­hand der No­ta­ti­on oh­ne Ah­nung von Tech­nik die Show im Not­fall durch­krie­gen.« Ti­tus Hä­rich | Sound­de­sign und FOH

läuft, so­wie Smaart EQ. „Ein­zel­ne Si­gna­le kom­men teil­wei­se vom Pult ins Mul­ti­rack zu­rück, für Sum­men­kom­pri­mie­rung, EQ und Hall.“

Zu­dem nutzt er Cu­ba­se auf ei­nem Macbook Pro, macht Mit­schnit­te, kann sich Ma­te­ri­al zu­rück­spie­len. „Ich möch­te dem Schlag­zeu­ger nicht zu­mu­ten müs­sen, 30.000 Mal die Bass­drum in der­sel­ben Laut­stär­ke zu tre­ten, oder ei­nem Sän­ger, den Über­gang vier­mal für mei­ne Pro­gram­mie­rung sin­gen zu las­sen. Ich muss auch prio­ri­sie­ren: Wenn die Vio­li­ne noch nicht op­ti­mal klingt, spie­le ich sie spä­ter zu­rück. Da­mit kann ich re­la­tiv gut ar­bei­ten.“

Das Dan­te-sys­tem? „Wir ha­ben ein Pri­ma­ryund Se­con­da­ry-netz­werk so­wie ei­ne Ka­bel­red­un­danz. Zu­sätz­lich sind ana­lo­ge In­puts ge­schal­tet: Falls bei der Dan­te­lei­tung Pro­ble­me auf­kom­men soll­ten, wird au­to­ma­tisch um­ge­schal­tet. Die Re­ser­ve ha­ben wir zum Glück noch nicht ge­braucht.“Sie ha­ben meh­re­re Sommer Mul­ti­co­re-ka­bel ver­legt, „über das zwei Mal CAT7, da­zu zwei ana­lo­ge Strip­pen und Strom läuft.“Da­zu kom­men se­pa­ra­te Sub­woo­fer-ka­bel. Ein Vor­teil des Se­tups: „Je­de Box hat ei­nen ei­ge­nen RCD [Feh­ler­strom-schutz­ein­rich­tung, d. Red.]. Im Feh­ler­fall fällt nur ei­ne Box aus. Das schö­ne: Wenn du ei­ne Box ver­lierst, macht die an­de­re au­to­ma­tisch ih­ren Spre­ad auf und deckt den Be­reich mit ab. Du kannst zwar nicht mehr Voll­gas fah­ren, aber die Show geht wei­ter. Wenn bei ei­nem kon­ven­tio­nel­len Li­ne-ar­ray ein Ele­ment oder Ver­stär­ker­ka­nal aus­fällt, ist die Show ge­ges­sen.“

Die Soft­ware Wa­ve­tool be­geis­tert ihn zur Feh­ler­kon­trol­le der Mi­kro­fon­signa­le: „Das Pro­gramm ana­ly­siert das Au­dio­ma­te­ri­al und zeigt Warn­mel­dun­gen an.“Ne­ben dem Misch­pult hängt ein ipad, auf dem ein Cli­ent für Wa­ve­tool läuft. Dort sind die Mi­kro­fon­signa­le im Dan­te-sys­tem mit Pe­gel­aus­schlä­gen sicht­bar. „Du siehst bei­spiels­wei­se, ob Knackser statt­fin­den. Das wird au­to­ma­tisch ana­ly­siert und ei­ne Warn­mel­dung an­ge­zeigt. Du kannst in die Si­gna­le rein­hö­ren. In der Gar­de­ro­be bei der Kir­che steht das Wa­ve­tool-mas­ter-macbook, an dem ein Kol­le­ge mit In-ears die Si­gna­le kon­trol­liert. Wenn et­was knackt, wech­selt er die Mi­kros, und ich be­kom­me am FOH le­dig­lich ei­ne Mel­dung über den ein­ge­bau­ten Chat.“

Als Au­dio­zu­spie­ler ver­wen­det er ei­nen Win­dows-rech­ner mit Scs-soft­ware. „Über MIDI trig­gern wir ein­zel­ne Zu­spie­ler ein. Am An­fang läuft ei­ne Bahn­hofs­at­mo­sphä­re, mit vie­len Dampf­loks­ounds und Pfer­de­kut­schen, die auf die Laut­spre­cher ver­teilt sind – 78 Ein­zel-events, die ge­trig­gert wer­den. Par­al­lel läuft ei­ne Zeit­spur, die den Darstel­lern mit­teilt, dass die At­mo star­tet, und das in ei­ner Mi­nu­te der ers­te Auf­tritt ist.“MIDI läuft eben­falls über Wlan, über ei­nen Bome­box-midi-rou­ter. „Wir ha­ben meh­re­re W-lan-net­ze, die al­le mit­ein­an­der ver­bun­den sind – ein Sta­ge-rou­ter am FOH und am Büh­nen­ar­beits­platz. Über die Bome­box trig­ge­re ich auch ein­zel­ne Licht­stim­mun­gen im Rat­haus oder Ne­bel auf der Büh­ne. Wir ver­wen­den 5- und 2,4-Gh­z­an­ten­nen. Über 2,4 läuft nur die Bome­box. Der Markt­platz ist oh­ne­hin ‚voll‘ mit 2,4 GHZ – in der Stadt exis­tiert ein frei­es W-lan, was rich­tig stark ist, auch Kas­sen­sys­te­me lau­fen auf der Fre­quenz.

Sound­de­sign: Zu­schauer­emp­fin­dun­gen

„Bei dem ak­tu­el­len Stück fällt mei­ne Pro­gram­mie­rung im Pult mit 97 Sze­nen über­schau­bar aus. Bei kom­ple­xe­ren Stü­cken kom­me ich schnell auf 250. Die Pro­gram­mie­rung ist sehr ge­nau, auch mit Fa­de-zei­ten. Mir ist gu­te Re­pro­du­zier­bar­keit wich­tig – dass der

»Psy­cho­lo­gisch neh­men Menschen ih­re Mut­ter­spra­che rund 3 db lau­ter wahr. Bei ei­nem eng­li­schen Mu­si­cal im deutsch­spra­chi­gen Raum mi­sche ich Spra­che da­her lau­ter.« Ti­tus Hä­rich | Sound­de­sign und FOH

Mix kein Zu­fall­s­er­geb­nis ist – und grund­le­gen­de Aus­fall­si­cher­heit. Je­mand könn­te an­hand der No­ta­ti­on oh­ne Ah­nung von Tech­nik die Show im Not­fall si­cher durch­krie­gen. Na­tür­lich wird nicht je­de Fein­heit per­fekt sein, aber es wür­de lau­fen. Man­che Mi­scher ver­ste­hen sich als Künst­ler, ich se­he mich eher als Di­enst­leis­ter – ein Um­wand­ler, der da­für sorgt, dass die Spra­che gut zu ver­ste­hen ist, und die Stim­mung des Stücks gut trans­por­tiert wird. Hier schaue ich, dass das Stück zwar ei­nen Vin­ta­ge-cha­rak­ter trans­por­tiert, aber gleich­zei­tig mo­dern klingt: Ich ver­wen­de am Schlag­zeug nur zwei Mi­kro­fo­ne – ei­nes vor der Bass­drum und ein Mo­no-over­head – ar­bei­te aber trotz­dem mit deut­li­cher Kom­pri­mie­rung.“Er wol­le den Cha­rak­ter frü­her Auf­nah­men ver­mit­teln, wo In­stru­men­te ent­spre­chend im Raum ver­teilt wa­ren. „Den An­satz ha­be ich dem Re­gis­seur vor­ge­schla­gen: Das lau­tes­te In­stru­ment – Schlag­zeug – soll­te akus­tisch am wei­tes­ten weg wir­ken. Das Schlag­zeug be­fin­det sich im Mix re­la­tiv weit hin­ten, mit viel Ef­fekt-raum­an­teil, wäh­rend der Ge­sang fast tro­cken er­scheint. Da­durch ent­steht der Ein­druck ei­nes räum­lich ge­staf­fel­ten Mi­xes. Ich bin kla­rer Ver­fech­ter ei­ner Mo­no-mi­schung. Ste­reo funk­tio­niert le­dig­lich kurz­zei­tig als Ef­fekt: In ei­nem Über­gang be­ginnt im Stück the­ma­tisch die Na­zi-zeit. Wir ha­ben zu­sätz­lich zwei Jbl-laut­spre­cher MS112 im Rat­haus ge­gen­über der Trep­pe, ei­ne KME VL210D in ei­nem na­he­lie­gen­den Ge­bäu­de, so­wie ei­ne JBL MS112 im Tor­bo­gen der Kir­che po­si­tio­niert, die sich im Be­stand der Frei­licht­spie­le be­fan­den und als Be­zugs­punk­te ge­nutzt wer­den. Bei ei­ner A-cap­pel­la­num­mer auf der nor­ma­len An­la­ge ge­hen die Ge­sän­ge in sehr star­ken Hall über, und aus dem Rat­haus er­klingt ein Prä­lu­di­um, das von den Na­zis in der Wo­chen­schau be­nutzt wurde. Das tönt über den ge­sam­ten Markt­platz. An­schlie­ßend kommt die Band in sphä­ri­schen Hall­räu­men, die teil­wei­se im­mer grö­ßer wer­den. Im Mix herrscht gro­be Links-rechts-an­ord­nung, das Schlag­zeug kommt nur aus dem Tor­bo­gen. Al­les wird in ei­ne ab­sur­de Klang­welt ge­taucht.“

Ti­tus Hä­rich wirkt be­geis­te­rungs­fä­hig, an Mu­si­cals schätzt er be­son­ders die in­halt­li­che Viel­sei­tig­keit und die Er­zäh­lung ei­ner Ge­schich­te. Er setzt im Mix auf aus­ge­präg­te Dy­na­mik, er­zählt er: „Ein gu­tes Bei­spiel ist ‚Je­sus Christ Su­per­star‘: Ein Stück mit ei­ner Ge­schich­te, die je­der kennt. Das muss dich er­grei­fen und mit­neh­men. An ei­ner Stel­le be­greift Ju­das, was er ge­tan hat – dass er Je­sus ver­ra­ten hat – und bringt sich um. Die Stel­le kann nicht so da­hin­flie­ßen,

son­dern muss sich bis zur Un­er­träg­lich­keit stei­gern, so­dass es fast akus­tisch weh­tut, um die Trag­wei­te zu ver­mit­teln. Das ist für mich sehr wich­tig – zu schau­en, was der mu­si­ka­li­sche Lei­ter und der Re­gis­seur wol­len, und wie ich das hin­be­kom­me.“Es ge­be nur we­ni­ge Mu­si­cal-sound­de­si­gner, die mo­dern mi­schen und Re­pro­du­zier­bar­keit ge­währ­leis­ten. Ge­ra­de fin­de ein Ge­ne­ra­ti­ons­wech­sel in der Thea­ter­welt statt. „Da­zu soll­te auch der Tech­no­lo­gie­sprung statt­fin­den. Ich bin sehr froh, dass die Frei­licht­spie­le das Ver­trau­en auf­ge­bracht ha­ben.“

Ein Miss­ver­ständ­nis laut Hä­rich: „Das Pu­bli­kum hört den In­halt zum ers­ten Mal. Als Sound­de­si­gner und Mi­scher hat man den Text vor sich, hat das Stück 30 Mal ge­hört und weiß, was pas­siert. Da kann es pas­sie­ren, dass man die Spra­che zu lei­se mischt. Ge­ra­de im Mu­si­cal ist es we­ni­ger wich­tig, ob je­de Nuan­ce der Band rü­ber­kommt, aber wenn Spra­che nicht mehr ver­stan­den wird, ist das dra­ma­tisch.“In­ter­es­sant sei auch das Phä­no­men fremd­sprach­li­cher Mu­si­cals: „Psy­cho­lo­gisch neh­men Menschen ih­re Mut­ter­spra­che um rund drei De­zi­bel lau­ter wahr als ei­ne Fremd­spra­che, auch wenn sie die­se per­fekt be­herr­schen. Bei ei­nem eng­li­schen Mu­si­cal in Deutsch­land mi­sche ich die Spra­che da­her drei De­zi­bel lau­ter.“

Wenn vie­le Mi­kro­fo­ne of­fen sind, ver­wen­det er ger­ne den im Pult in­te­grier­ten Du­gan-au­to­mi­xer. „Dort ha­be ich ei­ne ein­stell­ba­re Prio­ri­täts­hier­ar­chie: Bei ei­ner Talk­show zum Bei­spiel hät­te der Mo­de­ra­tor ei­ne stär­ke­re Ge­wich­tung, so­bald er spricht. Der Al­go­rith­mus hilft mir, die Sprach­ver­ständ­lich­keit zu er­hö­hen, wenn Schau­spie­ler eng bei­ein­an­der­ste­hen. Bei nur zwei Ak­teu­ren mit gro­ßem Ab­stand nut­ze ich es we­ni­ger, weil man den Al­go­rith­mus ar­bei­ten hört. Was beim Sound­de­sign wich­tig ist: Du hilfst, ei­ne Ge­schich­te zu er­zäh­len. Das kommt teil­wei­se von der Re­gie, aber du musst ge­wich­ten, wel­cher In­halt ge­ra­de Prio­ri­tät hat. Da sind wir wie­der beim ers­ten Hör­ein­druck: Ich set­ze vie­le Ele­men­te pla­ka­tiv ein, ge­ra­de Hall­räu­me. Beim zwei­ten, drit­ten Mal hö­ren den­ke ich, viel­leicht über­trei­be ich, aber das ist ge­ra­de bei Sze­nen­wech­seln wich­tig.“Er kommt auf das er­wähn­te „Je­sus Christ Su­per­star“zu­rück, das er frü­her ge­mischt hat: „Ei­ne Sze­ne spielt im Pa­last. Drau­ßen de­mons­triert das Volk. Das schal­tet akus­tisch recht schnell hin und her. Da nutzt es mir nichts, wenn der Raum­hall al­les ein­bet­tet, aber als sol­cher nicht wahr­ge­nom­men wird. In ei­nem Pa­last hat je­der ei­ne Vor­stel­lung vom Klang­bild. Dann nut­ze ich viel Hall, um dem Zu­schau­er zu zei­gen, wo wir ge­ra­de sind. Wenn’s mir zu viel scheint – im­mer noch mal nach­füh­len: Was hört der Zu­hö­rer beim ers­ten Mal?“

Büh­nen-ar­beits­platz

Der Büh­nen-ar­beits­platz be­fin­det sich oben ne­ben der Kir­che, hin­ter dem „Band­po­dest“. Über dem Ar­beits­platz ist ei­ne ru­di­men­tä­re Be­lüf­tungs­kon­struk­ti­on durch ein Bau­rohr mit Lö­chern in­stal­liert, sie kann im Win­kel ver­stellt wer­den. „Die Hüt­te müs­sen wir auf­grund der Op­tik nut­zen. Sie lässt sich nicht kli­ma­ti­sie­ren, weil sie un­ver­fugt ist. Wir über­le­gen,

ei­nen Con­tai­ner im nächs­ten Jahr zu ver­wen­den, der kli­ma­ti­siert ist und au­ßen ei­nen Holz-look be­kommt.“

Bei der Strom­ver­sor­gung ver­wen­det man ei­nen Drei-säu­len-tro­cken­trans­for­ma­tor, der al­le Strom­an­schlüs­se pha­sen­gleich ver­sorgt. „Das kommt aus dem Film­be­reich, wo man frü­her si­cher­stel­len woll­te, dass al­les gleich pulst. Da­durch ent­ste­hen kei­ne Brumm­schlei­fen. Wir sind zwar viel di­gi­tal un­ter­wegs, ha­ben aber na­tür­lich noch ana­lo­ge Kom­po­nen­ten – et­wa die End­stu­fen für die Near­fills.“Hier ist ein wei­te­res Ya­ma­ha QL5 auf­ge­baut, für die Darstel­ler­mi­kro­fo­ne und In-ear-mi­xe, die die Mu­si­cal-darstel­ler al­le­samt ver­wen­den. Die In-ear-sen­der wer­den über zwei He­lix-an­ten­nen ver­sorgt: „Ei­ne ist auf die Trep­pe aus­ge­rich­tet, ei­ne Back­s­tage. Über ein T-stück wer­den bei­de gleich­zei­tig ver­sorgt. Der Back­s­tage-be­reich be­fin­det sich in ei­ner ver­schal­ten Ge­rüst­bau­kon­struk­ti­on. Sonst wä­ren Dro­pouts un­ver­meid­lich.“Frü­her wurde kon­ven­tio­nel­les Mo­ni­to­ring auf der Büh­ne ein­ge­setzt. „Da­bei ent­stan­den teil­wei­se enor­me Lauf­zei­ten für die Darstel­ler, je nach­dem, wo sie stan­den.“Die Schau­spie­ler hät­ten noch nie mit In-ear ge­ar­bei­tet, fühl­ten sich da­mit aber wohl, meint er. Man­chen mar­kie­ren sie die Laut­stär­ke­ein­stel­lung, da­mit gleich­blei­ben­de Ein­stel­lun­gen ge­währ­leis­tet sind. „Egal, ob bei uns die Hüt­te brennt und wir den Feh­ler nicht ken­nen: Ich sa­ge mei­nen Leu­ten, wir sol­len nach au­ßen Ru­he aus­strah­len und den Schau­spie­lern das Ge­fühl ver­mit­teln, dass wir die Si­tua­ti­on im Griff ha­ben.“Sonst wür­den sie in ih­rer Per­for­mance ver­un­si­chert. Ver­wen­det wer­den je zwei La­va­lier-mi­kro­fo­ne AKG LC82 für die Darstel­ler, als A/b-mi­kro­fo­nie­rung. „Bei Pro­ble­men schal­te ich um.“Er freut sich, dass er Wind­schüt­ze ver­wen­den kann. „Man­che Frei­licht­thea­ter ver­zich­ten er­staun­li­cher­wei­se dar­auf. Op­tisch ist das na­tür­lich schön, aber bei dem kleins­ten Lüft­chen ent­ste­hen Wind­ge­räu­sche.“

Das Schlag­zeug be­fin­det sich auf dem Band­po­dest in ei­ner ab­ge­trenn­ten „Schall­ka­bi­ne“mit Ab­sor­bern, „oh­ne den Raum tot zu ma­chen.“Die Si­gna­le – Schlag­zeug, Kon­tra­bass, Akus­tik­gi­tar­re/ban­jo, Kla­ri­net­te/sa­xo­fon/flö­te, Sta­ge-pia­no, Po­sau­ne und Vio­li­ne – lau­fen über ein Mi­das M32R. „Das Pult hat ei­ne Dan­te-kar­te und über­mit­telt al­le Band­si­gna­le ins Dan­te-netz­werk, par­al­lel wer­den die Si­gna­le auf die Mo­ni­tor-mi­xer der Mu­si­ker ge­schickt.“Für Bass­drum und Blä­ser­sek­ti­on nutzt er je ein Groß­mem­bran-kon­den­sa­tor­mi­kro­fon von As­ton Ori­gin. Die Bass­drum mi­kro­fo­niert er mit rund 30 cm Ab­stand, „so­dass ich kei­nen Wind mehr be­kom­me, nur noch Ton.“Die Kom­bi­na­ti­on mit Mo­no-over­head – ei­nem As­ton Star­light – funk­tio­nie­re gut für die Sti­lis­tik.

Die Ab­nah­me der Blas­in­stru­men­te über ein „Ge­samt­mi­kro­fon“? „Vie­le neh­men die Kla­ri­net­te fälsch­li­cher­wei­se von un­ten ab – nur wenn al­le Klap­pen ge­schlos­sen sind, ent­steht

»Der Län­ge nach hät­ten wir letz­tes Jahr für ei­ne Pro­duk­ti­on 104 Me­ter Bat­te­ri­en ver­braucht!« Ti­tus Hä­rich | setzt auf Ak­ku-tech­nik

dort Klang, an­sons­ten kom­men vie­le An­tei­le über die Klap­pen.“Qu­er­flö­te und Sa­xo­fon wer­den fürs Mo­ni­to­ring se­pa­rat über Shu­re Be­ta 98S ab­ge­nom­men. Die Vio­li­ne hat er mit ei­nem dpa d:vo­te 4061 samt Ku­gel­kap­sel ab­ge­nom­men, „um den Ge­samt­klang bes­ser ein­zu­fan­gen. Beim Kon­tra­bass nut­zen wir ein Be­ta 98S mit ei­ner „ge­tun­ten“dpa-klem­me mit Ka­bel­bin­dern. Di­rekt ge­clipt hat die Klem­me Schwin­gungs­ge­räu­sche pro­du­ziert.“Ein High­light für ihn: „An der Akus­tik­gi­tar­re ver­wen­den wir als DI-BOX ei­ne Ru­pert Ne­ve De­signs RNDI, die run­den Sound lie­fert, oh­ne dass ich viel im Pult ma­chen muss.“

Mu­si­ker-mo­ni­to­ring, Ak­kus statt Bat­te­ri­en

Statt „Mar­ken-voo­doo“schätzt er tat­säch­li­chen Nut­zen, er­klärt Hä­rich. „Das Mi­das-pult am obe­ren Ar­beits­platz ist für mei­ne An­wen­dung per­fekt, aber es be­fin­den sich bei­spiels­wei­se auch Beh­rin­ger Po­wer­play P16M Per­so­nal Mi­xer im Se­t­up, die ein­wand­frei funk­tio­nie­ren. Die Mu­si­ker kön­nen ih­ren Mix selbst ein­stel­len, Hö­hen und Bäs­se jus­tie­ren.“Die Band sei mit dem Sys­tem sehr zu­frie­den. „Wir hat­ten letz­tes Jahr die Ver­tei­ler zur P16-si­gnal­ver­sor­gung drau­ßen auf­ge­baut, die sind bei der Hit­ze im­mer mal wie­der aus­ge­stie­gen. Jetzt sind die Ver­tei­ler und die Mi­das-sta­ge­box im be­lüf­te­ten Schlag­zeu­ger-raum un­ter­ge­bracht.“Zur Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen FOH, Cast so­wie in­ner­halb der Band dient ei­ne Talk­back-lei­tung. „So­wohl beim Schlag­zeug als auch beim mu­si­ka­li­schen Lei­ter ver­wen­de ich ein Op­to­ga­te PB05 an den Mi­kro­fo­nen. Die re­agie­ren auf Dis­tanz. Ein klas­si­sches Ga­te wür­de zu sehr auf über­spre­chen­de ‚Stör­pe­gel‘ re­agie­ren.“

„Was mir per­sön­lich am Her­zen liegt: Wir nut­zen nur Ak­kus, von Fis­her Amps. Bat­te­ri­en fin­de ich öko­lo­gisch ei­ne Ka­ta­stro­phe. Die sind im­mer noch halb voll, und wer­den weg­ge­wor­fen! Letz­tes Jahr wä­re al­lein bei dem Mu­si­cal ‚Ma­ria, ihm schmeckt’s nicht‘ ein 104 Me­ter ho­her ‚Bat­te­rie-turm‘ ent­stan­den, hät­ten wir die Aa-bat­te­ri­en der Län­ge nach ge­sta­pelt!“Die­ses Jahr ver­wen­den sie zu­sätz­li­che In-ears und Sen­der. „Ne­ben Um­welt­schutz auch ein fi­nan­zi­el­ler Aspekt – die Ak­kus ha­ben sich sehr schnell amor­ti­siert, und lau­fen feh­ler­frei.“Dem Ge­rücht, Bat­te­ri­en hiel­ten bes­ser, ging er auf den Grund: „Wir ha­ben Ver­gleichs­tests ge­macht, und die Bat­te­ri­en gin­gen schneller in die Knie. Je­der Ak­ku läuft de­fi­ni­tiv ei­ne Show durch.“

Auch beim ei­ge­nen Per­so­nal setzt er auf Nach­hal­tig­keit: „Ge­ra­de in un­se­rem Bu­si­ness ver­kau­fen sich vie­le un­ter Wert und beu­ten sich selbst aus, mit dem Ar­gu­ment, dass das The­ma Mu­sik Spaß macht. Da­von kann ich mei­ne Mie­te nicht

zah­len, und das schafft auch kei­ne Zu­ver­läs­sig­keit: Wenn ich je­man­dem 100 Eu­ro für ei­nen Li­ve-mix bie­te, und der sagt kurz­fris­tig ab, weil ihm ein Job für 500 Eu­ro an­ge­bo­ten wurde, ha­be ich nie­man­den. Mit Ver­trag wür­de er sich im Zwei­fel krank­mel­den. Ich bin der Mei­nung – und das zie­he ich auch durch – dass Per­so­nal gut be­zahlt wer­den muss.“

Auf­füh­rung

Die Lüf­ter zur Kli­mare­gu­lie­rung am FOH hat Hä­rich bei der Auf­füh­rung in die­sem Super-sommer aus­ge­schal­tet, sonst wür­de er bei lei­sen Stel­len nicht mehr viel hö­ren. Die Tem­pe­ra­tur steigt im Weih­nachts­markt-häu­schen abends auf 28 Grad. Wäh­rend der Ver­an­stal­tung sind die Kir­chen­glo­cken, der um­lie­gen­de Markt­brun­nen und her­kömm­li­ches Ar­chi­tek­tur­licht auf dem Markt­platz aus­ge­schal­tet. Das Stück be­ginnt zu­nächst noch bei Ta­ges­licht. Die Schau­spie­ler tan­zen wie an­ge­kün­digt schein­bar un­be­darft über die Trep­pen­stu­fen, ge­le­gent­lich ge­mein­sam auf den Büh­nen­ele­men­ten. Das Mu­si­cal wird in an­ge­nehm zu­rück­hal­ten­der Ge­samt­laut­stär­ke trans­por­tiert, Hä­rich ge­währ­leis­tet gu­te Sprach­ver­ständ­lich­keit, die An­la­ge klingt im besten Sin­ne un­auf­fäl­lig. Die Mu­sik der Band er­scheint aus ei­nem Guss, ähn­lich wie ein gut vor­pro­du­zier­tes Play­back. In ei­nem A-ca­pel­la-teil ver­zich­tet er auf Kom­pres­si­on, wie er spä­ter er­zählt, „weil zu viel Di­rekt­schall­an­tei­le hör­bar sind und Pum­peffek­te wahr­nehm­bar wä­ren.“In ei­ner Sze­ne, die in ei­nem Opern­haus spielt, ver­wen­det er deut­li­chen Ge­s­angs­hall. Stich­wort un­er­war­te­te Ef­fek­te: Für ei­nen Pis­to­len­schuss auf der Büh­ne wird in ei­ner Ecke ober­halb der Trep­pe ei­ne Schreck­schuss­pis­to­le ab­ge­feu­ert. Da­durch ent­steht ein un­er­war­te­ter wie lau­ter 3D-ef­fekt. Am En­de steht ein klang­lich an­ge­nehm um­ge­setz­tes Er­leb­nis.

Was bleibt? Den Kon­takt zum Pu­bli­kum, si­cher­zu­stel­len, da­mit sie das Stück mit­be­kom­men, sei das wich­tigs­te. „Ges­tern nach der Pre­mie­re ka­men Leu­te aus dem Pu­bli­kum zu mir und ha­ben sich für den tol­len Sound be­dankt. Wenn mir je­mand sagt, er hat al­les ver­stan­den, oder der Klang war schön und er konn­te al­les raus­hö­ren, ist das für mich die größ­te Eh­re!“

„Gro­ße Trep­pe“in Schwä­bisch Hall „In der Bar zum Kro­ko­dil“ist Markt­platz mit Be­stuh­lung als Lie­der-re­vue in den 1920er und 30er Jah­ren an­ge­sie­del, die Büh­nen­ele­men­te sol­len den In­dus­trie-look ver­deut­li­chen

Ti­tus Hä­rich am FOH mit Ya­ma­ha QL5: ließ sich frü­her in Clubs Knif­fe zei­gen, heu­te hält er Work­shops über Mu­si­cal-pro­gram­mie­rung Foh-hüt­te vor dem Rat­haus ge­gen­über der Trep­pe, sie ent­stammt dem städ­ti­schen Weih­nachts­markt

Kling & Frei­tag Vi­da L/c-li­ni­en­strah­ler mit Beam-stee­ring plus kar­dioi­der Sub­woo­fer No­mos XLC für den breit und flach aus­fal­len­den Zu­schau­er­be­reich vor ei­ner re­flek­tie­ren­den Häu­ser­wand

Sta­tisch be­rech­net Li­ni­en­strah­ler und Sub­woo­fer sind ver­schraubt und ste­hen auf ei­ner ge­mein­sa­men Bo­den­plat­te, zu­sätz­lich mit ei­nem Spann­gurt ge­si­chert

Cust­om-ab­de­ckung Hä­rich ließ von Ex­pand Co­vers ei­ne Stoff­abde­ckung für die Li­ni­en­strah­ler fer­ti­gen, um das Sys­tem auch bei Stark­re­gen si­cher ein­set­zen zu kön­nen – sie soll was­ser­dicht, hit­ze­durch­läs­sig und akus­tisch weit­ge­hend trans­pa­rent sein

Drei Near­fills Kling & Frei­tag CA106 die sich im Be­stand der Frei­licht­spie­le be­fan­den, „wir ha­ben die Ge­häu­se­far­be an die Trep­pe an­ge­passt“

Wa­ve­tool zur Sta­tus-kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen den Kol­le­gen, Mi­kro­fon­signa­le las­sen sich vor­hö­ren, Feh­ler wer­den an­ge­zeigt

Band­po­dest ne­ben der Kir­che

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