Bau­ten-bei­spie­le: He­le­ne Fi­scher und Air­beat One

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Zur Er­fül­lung ei­nes Kun­den­wun­sches kon­stru­ier­te der Büh­nen­an­bie­ter Me­ga­force ei­ne Son­der­an­fer­ti­gung – Micha­el Brom­ba­cher, In­ha­ber und Ge­schäfts­füh­rer von Me­ga­force, be­rich­tet von der Büh­nen­kon­struk­ti­on der letz­ten Sta­di­on­tour von He­le­ne Fi­scher: „Be­reits auf der Sta­di­on­tour 2015 wurde mit ei­ner mo­di­fi­zier­ten Büh­ne ge­ar­bei­tet, aber für Tour­nee­ver­an­stal­ter und Ma­nage­ment war klar: für die Sta­di­on­tour 2018 muss man noch et­was drauf­le­gen. Re­la­tiv früh ent­schied man sich für die Schaf­fung ei­ner spe­zi­ell für die­se Tour an­ge­fer­tig­te Büh­ne – ein au­ßer­ge­wöhn­li­ches Ob­jekt als Raum der Show, die sich ab­he­ben soll­te von al­len üb­li­chen Kon­struk­tio­nen und die zu 100 Pro­zent auf die Be­dürf­nis­se der Künst­le­rin zu­ge­schnit­ten ist. Das re­nom­mier­te Event-ar­chi­tek­tur­bü­ro Stu­fish aus Lon­don, wel­ches die Ar­beit ih­res ver­stor­be­nen Grün­ders Marc Fis­her wei­ter­führt, reich­te da­zu Vor­schlä­ge ein.“Stu­fish-grün­der Marc Fis­her de­sign­te die Büh­nen für Acts wie Pink Floyd, Rol­ling Sto­nes, Ge­ne­sis und vie­le an­de­re nam­haf­te Künst­ler und schuf ei­ni­ge der spek­ta­ku­lärs­ten Büh­nen­kon­struk­tio­nen der letz­ten Jahr­zehn­te wie „The Wall“für Ro­ger Wa­ters und die 360°-Tour­büh­ne für U2.

„Wir wur­den dann an­ge­fragt, ob wir die­sen Ar­chi­tek­tur­vor­schlag von Stu­fish für He­le­ne Fi­scher um­set­zen kön­nen“, so Micha­el Brom­ba­cher wei­ter. „Als ers­tes stell­te sich für uns die Auf­ga­be, die­sen Vor­schlag zu plau­si­bi­li­sie­ren. Das be­deu­tet, wir bre­chen die Vi­si­on für uns her­un­ter auf tech­ni­sche Pa­ra­me­ter in Be­zug auf Grö­ße und An­for­de­run­gen an Sta­bi­li­tät und Trag­fä­hig­keit der ge­wünsch­ten Kon­struk­ti­on so­wie die er­zeug­te Wind­an­griffs­flä­chen im Open-air­be­trieb. Durch das in un­se­rer Struk­tur ein­ge­glie­der­te In­ge­nieur­bü­ro für sta­ti­sche Be­rech­nun­gen von Uwe Run­tem­und und un­se­re drei­ßig­jäh­ri­ge Er­fah­rung wa­ren wir re­la­tiv schnell in der La­ge zu be­ur­tei­len, ob der Vor­schlag um­setz­bar ist. Nach­dem wir für den Pitch den Ent­wurf er­hiel­ten, ha­ben wir ei­ne ver­ein­fach­te Vor­be­trach­tung mit zwei par­al­le­len Lösungen auf Ba­sis von Tra­ver­sen- oder Ge­rüst­ma­te­ri­al er­stellt um die Mach­bar­keit zu über­prü­fen und ei­ne ers­te Grob­kal­ku­la­ti­on zu er­stel­len“, be­rich­tet Uwe Run­tem­und.

„Die Vor­prü­fung er­gab, dass die Auf­ga­be mit bei­den Ma­te­ri­al­va­ri­an­ten um­setz­bar wä­re. Bei­de Sys­te­me ha­ben Vor­und Nach­tei­le: Aus sta­ti­scher Sicht ist die Ge­rüst­bau­va­ri­an­te et­was fle­xi­bler, weil mit klei­ne­ren Ele­men­ten ge­ar­bei­tet wird. Bei ei­ner Tra­ver­sen­kon­struk­ti­on hat man hö­he­re Spann­wei­ten der ein­zel­nen Trä­ger, an de­nen die ein­zu­brin­gen­den Las­ten wie zum Bei­spiel ei­ne LED-WAND be­fes­tigt wer­den, wäh­rend bei ei­ner Ge­rüst­va­ri­an­te die Spann­wei­te zwi­schen zwei Stüt­zen üb­li­cher­wei­se zwei Me­ter be­trägt. Sind ein­zel­ne Ele­men­te wie bei ei­ner Tra­ver­sen­kon­struk­ti­on als grö­ße­re Ein­heit zu se­hen, kön­nen die­se mit Hil­fe ei­nes Krans mon­tiert wer­den, wäh­rend bei ei­nem Ge­rüst­sys­tem re­la­tiv klein­tei­lig zu ar­bei­ten ist. In Sta­di­en ist es ten­den­zi­ell güns­ti­ger ei­ne Ge­rüst­bau­kon­struk­ti­on zu ver­wen­den, weil sich die Las­ten durch die Men­ge der Stüt­zen auf dem Bo­den flä­chi­ger ver­tei­len, wäh­rend man bei ei­ner Tra­ver­sen­kon­struk­ti­on re­la­tiv ho­he Punkt­las­ten an den tra­gen­den To­wern er­hält, die in den Bo­den ein­ge­lei­tet wer­den müs­sen. Da kann es sein, dass in ein­zel­nen Sta­di­en zu­sätz­li­che Son­der­lö­sun­gen zur Last­ver­tei­lung zu schaf­fen sind, da­mit das funk­tio­niert. Letzt­lich han­delt es sich bei der Ent­schei­dung zwi­schen den bei­den Kon­struk­ti­ons­ar­ten aber auch um ei­ne Ge­schmacks­fra­ge. Bei He­le­ne Fi­scher wurde von Kun­den­sei­te aus äs­the­ti­schen Grün­den der Tra­ver­sen­va­ri­an­te den Vor­zug ge­ge­ben und die Ge­samt­kon­struk­ti­on be­stand dann aus ei­nem Ge­rüst­sys­tem für die Büh­nen­ba­sis, aus Stahl­bau für die Son­der­tei­le und aus Tra­ver­sen als Stre­cken­ma­te­ri­al.

Auch wenn es sich bei die­ser Büh­ne um ei­ne Spe­zi­al­an­fer­ti­gung für ei­ne be­stimm­te Pro­duk­ti­on han­del­te, ist sie „ge­eig­net und be­stimmt, wie­der­holt auf­ge­stellt und ab­ge­baut zu wer­den“und un­ter­liegt da­mit den ent­spre­chen­den An­for­de­run­gen für Flie­gen­de Bau­ten – un­ter an­de­rem der Über­prü­fung der vor­ge­leg­ten sta­ti­schen Be­rech­nun­gen. Uwe Run­tem­und: „Auch die­se Büh­ne durch­lief die nö­ti­gen

und recht­zei­tig durch­zu­füh­ren­den Ab­nah­men in­klu­si­ve Er­stel­lung ei­nes Prüf­bu­ches – in die­sem Fall durch den TÜV Süd, mit dem wir gut und eng zu­sam­men­ar­bei­ten. Nach er­folg­ter Ab­nah­me muss man dann se­hen, wel­che Funk­tio­nen in­ner­halb der ge­prüf­ten Re­ser­ven ab­ge­ru­fen wer­den kön­nen.“Da­zu er­läu­tert Micha­el Brom­ba­cher: „Auch hier ist Er­fah­rung mit der Be­rück­sich­ti­gung von Last­re­ser­ven bei der ers­ten Aus­füh­rungs­pla­nung und Di­men­sio­nie­rung ei­ner Büh­nen­kon­struk­ti­on ge­fragt, denn wäh­rend der frü­hen Pla­nungs­pha­se wa­ren die letzt­end­lich spä­ter auf­zu­neh­men­den Pro­duk­ti­ons­las­ten wie auch der ge­naue In­halt der He­le­ne-fi­scher-show noch nicht fi­nal be­kannt. Wäh­rend der Pla­nungs­fort­schrit­te ent­stan­den dann auch wei­te­re An­for­de­run­gen an uns wie die Be­rück­sich­ti­gung von Ar­beits­flä­chen un­ter der Büh­ne, Um­klei­de­räu­me, Schie­nen­sys­te­me, ein Was­ser­be­cken im Vor­bau so­wie meh­re­re im Büh­nen­bo­den in­te­grier­te Lif­te. Für ei­nen Pro­be­auf­bau und die Ab­nah­me hat­ten wir vier Wo­chen vor Tour­nee­start ein In­dus­trie­ge­län­de an­ge­mie­tet – was bei ei­ner sol­chen spe­zi­ell de­sign­ten Son­der­an­fer­ti­gung auch un­er­läss­lich ist, um si­cher­zu­stel­len, dass al­le Bau­tei­le und al­le Funk­tio­na­li­tä­ten den Er­war­tun­gen ent­spre­chen.“

„Wenn dann die grund­sätz­li­che Kon­struk­ti­on ver­ab­schie­det ist, muss auch si­cher­ge­stellt wer­den, dass die­se an den ver­schie­de­nen Spiel­or­ten ein­setz­bar ist“, er­gänzt Uwe Run­tem­und. „Na­tür­lich wird dies be­reits in der Pla­nung weit­ge­hend be­rück­sich­tigt, aber in Ein­zel­fäl­len kann es trotz­dem nö­tig sein, wei­ter­ge­hen­de Maß­nah­men zu er­grei­fen. In Ba­sel zum Bei­spiel gibt es ei­ne Tief­ga­ra­ge un­ter dem Sta­di­on, wo­durch es nicht mög­lich war, die ho­hen Punkt­las­ten der To­wer­kon­struk­tio­nen wie sonst in den Bo­den ab­zu­tra­gen. Da­her wurde hier zu­sätz­lich in Ab­spra­che mit den ört­lich zu­stän­di­gen Sta­ti­kern ei­ne re­la­tiv gro­ße Stahl­rah­men­kon­struk­ti­on un­ter die Büh­ne ge­stellt, um die Kräf­te an ge­eig­ne­ten Stel­len ein­zu­lei­ten.“

Auch zu den im­mer kür­zer wer­den­den Vor­lauf­zei­ten ge­ben die Pro­fis Hin­wei­se: „Bei Stan­dard­büh­nen soll­te ein Vor­lauf von min­des­tens vier Wo­chen be­ste­hen um Funk­tio­na­li­tä­ten wie Last­auf­nah­men zu prü­fen und die nö­ti­gen be­hörd­li­chen Ge­neh­mi­gun­gen zu er­hal­ten“, er­läu­tert Micha­el Brom­ba­cher und Uwe Run­tem­und fügt hin­zu: „Je mehr man vom Stan­dard ab­weicht, des­to mehr Zeit be­nö­tigt man. Bei He­le­ne Fi­scher hat­ten wir et­wa sechs Mo­na­te Vor­lauf, was für ei­ne so spe­zi­el­le Son­der­an­fer­ti­gung wirk­lich nicht groß­zü­gig ist, aber nicht zu­letzt des­we­gen ge­klappt hat, weil sich die Pro­duk­ti­ons­be­tei­lig­ten be­reits durch die vor­he­ri­gen Tour­ne­en kann­ten.“

Aber nicht nur die deut­sche Schla­ger­queen steht auf in­di­vi­du­el­le Son­der­bau­ten: be­reits zum 17. Mal fand im Ju­li 2018 das Fes­ti­val Air­beat One in Meck­len­burg-vor­pom­mern statt, wel­ches von 55.000 Be­su­chern pro Tag be­sucht wurde. Das Elec­tro­nic-dan­ce-mu­sic-fes­ti­val steht seit ei­ni­gen Jah­ren un­ter ei­nem jährlich wech­seln­den Mot­to – für 2018 war es „ei­ne Rei­se nach Groß­bri­tan­ni­en". Da sich die Show von DJS oft auf rhyth­mus­un­ter­stüt­zen­de Arm­be­we­gun­gen be­schränkt und ein gro­ßer Teil des Fes­ti­vals im Ta­ges­licht statt­fin­det, liegt es na­he, zur at­mo­sphä­ri­schen Un­ter­stüt­zung für die ver­schie­de­nen Büh­nen auf Ku­lis­sen im lar­ge-sca­le-for­mat zu set­zen. Die Ma­ins­ta­ge

Fo­to: Me­ga­force Micha­el Brom­ba­cher

Auf­bau der He­le­ne-fi­scher-büh­ne Tra­ver­sen­ma­te­ri­al für die Auf­bau­ten und Ge­rüst­sys­te­me als Ba­sis

Fo­to: Sta­ge­co Mi­ke Au­er­bach

Ma­ins­ta­ge der Air­beat One die Kon­struk­ti­on muss­te auf vol­len Wind ge­rech­net und aus­ge­führt wer­den da die Ver­klei­dun­gen sich nicht schnell ent­fer­nen las­sen

Fo­to: Sta­ge­co Ju­li­an Spann­hof

Ma­ins­ta­ge der Air­beat One auf­wän­dig ge­stal­te­te Fas­sa­den­de­ko­ra­ti­on

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