Tem­po­rä­re Bau­ten Teil 2: Un­ter­grund für Flie­gen­de Bau­ten

Beim Ein­satz tem­po­rä­rer Bau­ten müs­sen nicht nur die Be­stim­mun­gen für den Bau selbst, son­dern auch die Re­ge­lun­gen zur Be­schaf­fen­heit des Un­ter­grunds be­rück­sich­tigt wer­den. Wel­che Re­ge­lun­gen das sind und wel­che Mög­lich­kei­ten bie­ten sich dem Ver­ant­wort­li­chen

Production Partner - - Inhalt - Text: Ebi Ko­the | Fo­tos: Me­dia Spec­trum/dirk Schmidt-enz­mann, Nüss­li/mi­ke Au­er­bach, Me­ga­force, Sky­liner

Auch durch in den Bo­den ge­trie­be­ne Be­fes­ti­gungs­sys­te­me lässt sich ei­ne hö­he­re Stand­si­cher­heit für Flie­gen­de Bau­ten er­zie­len, wie wir schon in Teil I un­se­res Spe­cials „Tem­po­rä­re Bau­ten“ge­se­hen ha­ben. Dar­um be­zieht sich ein Teil der sta­ti­schen Nach­wei­se ei­nes Flie­gen­den Baus auch auf die Kräf­te, die durch den Bau in den Bo­den der Auf­stell­flä­che ein­ge­lei­tet wer­den. Die be­kann­tes­te Mög­lich­keit ist si­cher­lich die im Zelt­bau oft ein­ge­setz­te Ver­wen­dung von Erd­nä­geln. Bei hö­he­ren An­sprü­chen fin­den in Ein­zel­fäl­len Sys­te­me aus dem Bau­be­reich Ver­wen­dung, wie z. B. Schraub­fun­da­men­te, die durch Ver­drän­gung und Ver­dich­tung im Bo­den hal­ten, oder Erd­klap­pan­ker, bei de­nen das Sys­tem in den Bo­den ge­trie­ben wird und an­schlie­ßend durch Zug im Erd­reich ei­ne Flä­che (ähn­lich ei­nem Klapp­s­pa­ten) aus­klappt. Sol­che Sys­te­me er­mög­li­chen in Ab­hän­gig­keit der Bo­den­qua­li­tät die Auf­nah­me von meh­re­ren Ton­nen Zug­kraft, be­nö­ti­gen aber wie­der­rum ei­ne ent­spre­chen­de bau­auf­sicht­li­che Zu­las­sung.

Bo­den­ver­hält­nis­se

In den ein­schlä­gi­gen Re­gel­wer­ken wird ge­for­dert, dass die Trag­fä­hig­keit und Ober­flä­chen­be­schaf­fen­heit des Stand­plat­zes dem Ver­wen­dungs­zweck ent­spre­chend ge­eig­net sein muss. Die Stand­si­cher­heit des Flie­gen­den Baus im Hin­blick auf die ört­li­chen Bo­den­ver­hält­nis­se ist bei ei­ner Ge­brauchs­ab­nah­me durch die Bau­auf­sichts­be­hör­de vor Ort auch Ge­gen­stand der Prü­fung.

Ge­schäfts­füh­rer Micha­el Lück von Ex­po En­gi­nee­ring, ei­nem auf die Sta­tik und Kon­struk­ti­on in der Ver­an­stal­tungs­tech­nik spe­zia­li­sier­tem In­ge­nieur­bü­ro, gibt da­zu fol­gen­de Er­läu­te­run­gen: „In der DIN EN 13814 sind An­ga­ben zur Trag­fä­hig­keit (Bo­den­pres­sung) für be­fahr­ba­re Bö­den ge­ge­ben – die­se wer­den zur Er­mitt­lung der Un­ter­pal­lungs­flä­che an­ge­setzt.“Es emp­fiehlt sich da­her sehr, sich bei ei­ner sol­chen Pla­nung früh­zei­tig mit dem ge­wünsch­ten Ort zu be­schäf­ti­gen. Aus­sa­gen über die Bo­den­trag­fä­hig­keit in Hal­len sind üb­li­cher­wei­se ein­fach zu er­hal­ten und wer­den in kn/m2 (Ki­lo­new­ton pro Qua­drat­me­ter) an­ge­ge­ben. Auch wenn sich den Phy­si­kern auf­grund der Un­ge­nau­ig­keit da­bei die Na­cken­haa­re sträu­ben, kann man ver­ein­facht sa­gen, dass man bei ei­ner An­ga­be von 1 kn/m2 auf ei­nen Qua­drat­me­ter 100 Ki­lo­gramm stel­len darf. Die­ses Ge­wicht ist al­ler­dings gleich­mä­ßig auf den Qua­drat­me­ter zu ver­tei­len. Schwie­ri­ger sind Aus­sa­gen über die Trag­fä­hig­keit von Bö­den im Au­ßen­be­reich. Hat man ei­ne ge­schlos­se­ne Flä­che wie As­phalt oder Pflas­te­rung im öf­fent­li­chen Be­reich, be­ste­hen gu­te Chan­cen an die ent­spre­chen­den Be­las­tungs­wer­te zu kom­men. Be­son­de­rer Be­ach­tung be­dür­fen oft in In­nen­stadt­be­rei­chen an­zu­tref­fen­de Flä­chen über Tief­ga­ra­gen, de­ren Trag­fä­hig­keit im Ver­gleich zu um­ge­ben­den Be­rei­chen ein­ge­schränkt sein kann. Doch

was ist, wenn es sich nicht um ei­ne künst­lich ge­schlos­se­ne Flä­che, son­dern um mehr oder we­ni­ger na­tür­li­chen Bo­den wie ei­ner Wie­se oder ei­nen Acker han­delt?

Bei der Be­schäf­ti­gung mit die­ser Ma­te­rie gibt es zwei Her­an­ge­hens­wei­sen: han­delt es sich bei der auf­zu­stel­len­den Kon­struk­ti­on um ei­nen Stan­dard­bau – wie zum Bei­spiel ei­ne Stan­dard­büh­ne – sind in den da­zu­ge­hö­ri­gen sta­ti­schen Be­rech­nun­gen der Aus­füh­rungs­ge­neh­mi­gung auch die Be­las­tungs­wer­te aus­ge­wie­sen, die der Auf­stell­ort er­fül­len muss. Wer­den die­se nicht er­reicht, kann man die so­ge­nann­te Un­ter­pal­lung in Ma­ßen ver­grö­ßern. Bei der Un­ter­pal­lung han­delt es sich um Last­ver­tei­lungs­plat­ten, de­ren Aus­füh­run­gen als Teil der sta­ti­schen Be­rech­nung fest­ge­legt sind. Ei­ne Ver­grö­ße­rung ver­teilt das auf­zu­neh­men­de Ge­wicht auf ei­ne grö­ße­re Flä­che.

Ei­ne an­de­re Her­an­ge­hens­wei­se ist die Ori­en­tie­rung an der mög­li­chen Trag­fä­hig­keit des Un­ter­grun­des, um dann ei­ne ge­eig­ne­te Kon­struk­ti­on als Son­der­bau in­di­vi­du­ell da­für zu pla­nen. Auch für ei­nen in­di­vi­du­el­len Son­der­bau sind na­tür­lich bau­recht­li­che Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren durch­zu­füh­ren. Ei­ne in die­sem Fall nicht vor­lie­gen­de Aus­füh­rungs­ge­neh­mi­gung „für den Se­ri­en­fall“muss dann durch ei­nen Bau­an­trag mit den da­zu nö­ti­gen Un­ter­la­gen und Fris­ten er­setzt wer­den. Al­ler­dings gilt es bei der Be­wer­tung ei­nes Un­ter­grun­des im­mer zu be­rück­sich­ti­gen, dass sich die Bo­den­ver­hält­nis­se vom Zeit­punkt der ers­ten Über­le­gung bis zur Ver­an­stal­tung durch äu­ße­re Ein­flüs­se wie lang­an­hal­ten­den Re­gen, tau­en­dem Schnee, auf­stei­gen­des Grund­was­ser oder Über­flu­tung in Ge­wäs­ser­nä­he än­dern kön­nen.

Micha­el Kelm, Ar­chi­tekt und Nie­der­las­sungs­lei­ter Ber­lin von Nüss­li Deutsch­land, er­klärt: „Ein durch­schnitt­li­cher An­for­de­rungs­wert für die Traglast ei­nes Bo­dens sind 200 Ki­lo­new­ton pro Qua­drat­me­ter. Wenn der Un­ter­grund be­kannt ist und be­reits Er­fah­run­gen mit der Flä­che vor­lie­gen, ist das oft un­pro­ble­ma­tisch. Drei grund­sätz­li­che Fra­gen sind bei der Pla­nung re­le­vant: was möch­te ich mit der Kon­struk­ti­on ma­chen, wo soll sie ste­hen und wie be­kom­me ich das Ma­te­ri­al und die mög­li­cher­wei­se nö­ti­gen Hilfs­mit­tel dort hin? Be­züg­lich der Funk­tio­na­li­tät stellt sich die Fra­ge: muss das Bau­werk sich nur selbst tra­gen oder muss es auch zu­sätz­li­che Ver­kehrs­las­ten auf­neh­men? Wenn ja, wie hoch müs­sen die­se sein? Die Funk­ti­on des Bau­werks soll­te vom Kun­den ge­nau be­schrie­ben wer­den. Oft kommt es im Pla­nungs­ver­lauf vor, dass der Auf­trag­ge­ber die Auf­ga­ben­stel­lung er­wei­tern möch­te. Wenn sich da­durch Pa­ra­me­ter wie zum Bei­spiel die auf­zu­neh­men­den und ab­zu­lei­ten­den Kräf­te we­sent­lich än­dern, kann es nö­tig sein ei­nen kom­plett neu­en An­satz zu fin­den. Die An­for­de­rung an das Bau­werk, die Bo­den­be­schaf­fen­heit und die Mög­lich­kei­ten für Auf- und Ab­bau vor Ort sind aus­schlag­ge­bend für die Wahl der Kon­struk­ti­on. Bei Nut­zung ei­nes Ge­rüst­sys­tems ver­tei­len sich die Kräf­te auf­grund der Klein­tei­lig­keit auf die Men­ge der ver­wen­de­ten Spin­del­fü­ße. An­de­re Sys­te­me ba­sie­ren auf we­ni­gen Stahl­stüt­zen, für die Fun­da­men­te an den not­wen­di­gen Stel­len ge­gos­sen wer­den könn­ten. Auch ei­ne Kom­bi­na­ti­on der Sys­te­me ist mög­lich.

Be­rück­sich­tigt wer­den muss die Zu­gangs­mög­lich­keit zum Auf­stell­ort: Je grö­ßer die ein­zel­nen Bau­tei­le sind, des­to schwe­re­re Hilfs­mit­tel wer­de ich da­für be­nö­ti­gen. Be­nö­ti­ge ich für die Mon­ta­ge ei­nen Kran, muss der Un­ter­grund des­sen Ein­satz auch er­lau­ben. Ist es nicht mög­lich, grö­ße­re Ein­hei­ten zum Bau­platz zu schaf­fen, wä­re ein klein­tei­li­ge­res

Sys­tem wie ein aus ein­zel­nen Stan­gen zu­sam­men­ge­setz­tes Ge­rüst­sys­tem die bes­se­re Wahl, wel­ches mit klei­ne­ren Fahr­zeu­gen oder – wenn es gar nicht an­ders geht – so­gar hän­disch an­ge­lie­fert wer­den kann.“

Un­ter­grund­über­ra­schun­gen

Micha­el Kelm be­rich­tet von ei­nem Bei­spiel: Im Rah­men des Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­ums 2017 in Wit­ten­berg mit pro­jek­tier­ten 120.000 Be­su­chern soll­te ei­ne zen­tra­le Büh­ne nach dem Ent­wurf der Ar­chi­tek­tin Michae­la Boch­mann ent­ste­hen. Die Pla­nung sah ei­nen Dach­kreis mit ei­nem Durch­mes­ser von 35 Me­tern vor, der auf vier 12 Me­ter ho­hen Stüt­zen mit ei­ner Ge­samt­hö­he von cir­ca 17 Me­tern steht und an­sons­ten kei­ne fes­ten Wän­de auf­weist. Das Ver­an­stal­tungs­ge­län­de am Elb­ufer soll zu Vor­zei­ten als Flug­platz ge­nutzt wor­den sein, wo­durch die Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen der Ver­an­stal­tung da­von aus­gin­gen, dass die Flä­che über ei­ne hin­rei­chen­de Bo­den­fes­tig­keit ver­fügt. „Im Zu­ge der Auf­trags­be­ar­bei­tung ließ der Kun­de auf An­for­de­rung von Nüss­li ein Bo­den­grund­gut­ach­ten zur Be­wer­tung der für die Auf­bau­ten vor­ge­se­he­nen Flä­che an­fer­ti­gen. Da­bei stell­te sich her­aus, dass der Bo­den durch­feuch­tet war und nur über ei­ne für die ur­sprüng­li­che Pla­nung nicht ge­eig­ne­te Trag­fä­hig­keit von 60 bis 80 Ki­lo­new­ton pro Qua­drat­me­ter ver­füg­te. Ge­wach­se­ne Bö­den ha­ben üb­li­cher­wei­se ei­ne Trag­fä­hig­keit von et­wa 200 Ki­lo­new­ton und er­lau­ben Auf­bau­ten mit Stan­dard­un­ter­pal­lun­gen. Bei Trag­fä­hig­kei­ten von 100 bis 120 Ki­lo­new­ton sind bei ge­nau­er Be­trach­tung der ein­zu­brin­gen­den Ge­samt­las­ten mög­li­cher­wei­se auch noch Stan­dard­un­ter­pal­lun­gen mach­bar, doch bei die­sen Wer­ten war das nicht mehr mög­lich. Das Stüt­zen­ras­ter war aber nicht mehr än­der­bar, da es vom De­sign zwin­gend vor­ge­ge­ben war und die­ses auch be­reits öf­fent­lich kom­mu­ni­ziert wurde. Um kei­nen Bau­ver­zug zu er­hal­ten, war es da­her not­wen­dig, in­ner­halb von zehn Ta­gen ei­ne tech­ni­sche Lö­sung die­ser Pro­ble­ma­tik zu fin­den. Die­se be­stand dar­in, den Büh­nen­bo­den groß­flä­chig mit Schwer­last-pa­nels zu un­ter­bau­en und das Bo­den­ras­ter­sys­tem klein­tei­li­ger zu wäh­len, um ei­ne groß­flä­chi­ge­re Last­ver­tei­lung zu er­mög­li­chen. Zu­sätz­lich wur­den die Büh­nen­stüt­zen punk­tu­ell durch rück­bau­ba­re Stahl­be­ton­fun­da­men­te ver­stärkt, die so­wohl für ei­ne aus­rei­chen­de Last­aus­brei­tung für die Ein­hal­tung der ma­xi­mal zu­läs­si­gen Bo­den­pres­sun­gen aus­ge­legt wa­ren, als auch den not­wen­di­gen Bal­last ge­gen Kip­pen und Glei­ten der Ge­samt­kon­struk­ti­on dar­stell­ten. Da Er­dan­ker in dem Bo­den kei­ne aus­rei­chen­de Trag­fä­hig­keit er­reicht hät­ten, wur­den zur Bal­las­tie­rung Be­ton­ge­wich­te und Was­ser­tanks ein­ge­setzt.“

Dirk Schmidt-enz­mann, Ge­schäfts­füh­rer von Me­dia Spec­trum, er­läu­tert, war­um die aus­führ­li­che Be­schäf­ti­gung mit der Auf­stell­flä­che auch bei Kon­struk­tio­nen mit be­ste­hen­der Aus­füh­rungs­ge­neh­mi­gung wich­tig ist: „Oft sind Ge­fäl­le im Ge­län­de mit dem Au­ge nicht so gut wahr­nehm­bar. Ei­ne Ni­vel­lie­rung des Plat­zes kann je nach Ört­lich­keit ei­ne wirk­sa­me Maß­nah­me sein. Ein nicht au­gen­fäl­li­ger Hö­hen­un­ter­schied

über ei­ne ge­sam­te Büh­nen­brei­te kann durch­aus re­le­van­te Grö­ßen er­rei­chen und die An­pas­sung ist mit ei­ner im Prüf­buch be­schrie­be­nen Un­ter­kon­struk­ti­on auf­grund ma­xi­mal zu­läs­si­ger Spin­del­we­ge nur in Gren­zen mög­lich. Da­her ist es bes­ser, die Auf­stell­flä­che im Vor­feld ex­akt aus­zu­mes­sen. Ein Un­ter­bau kann durch Hö­hen­ver­sprün­ge der Un­ter­kon­struk­ti­on an­ge­passt wer­den, wenn man ei­ne an­stän­di­ge Vor­pla­nung hat. Da­bei muss ge­schaut wer­den, ob das be­ste­hen­de Prüf­buch ei­ne sol­che Va­ria­ti­on zu­lässt. Im Zwei­fel soll­te man die ab­neh­men­de Bau­be­hör­de be­reits im Vor­feld ein­bin­den und ge­mein­sam nach Lösungen su­chen. Ei­ne nicht fach­ge­rech­te Aus­füh­rung des Un­ter­baus wird bei ei­ner Ab­nah­me nicht durch­ge­hen. Selbst Ra­sen­flä­chen in Fuß­ball­sta­di­en kön­nen durch­aus ernst­zu­neh­men­de Hö­hen­un­ter­schie­de auf­wei­sen. Hier kom­men noch wei­te­re im Bo­den be­find­li­che und zu be­rück­sich­ti­gen­de Fak­to­ren wie Drai­na­gen, Sprink­ler­an­la­gen und Ra­sen­hei­zun­gen da­zu, die die Be­las­tungs­fä­hig­keit ei­nes Bo­dens ver­rin­gern.“

Las­ten ver­tei­len

Bei sol­chen zu schüt­zen­den Flä­chen kön­nen Bo­den­schut­zund Last­ver­tei­lungs­plat­ten ein­ge­setzt wer­den, wie sie von der Fir­ma eps ver­wen­det wer­den. Jens Hes­se, Se­ni­or Sa­les­ma­na­ger eps, be­schreibt die An­wen­dungs­fäl­le: „Bei nicht­aus­rei­chen­der Be­last­bar­keit des Bo­dens wer­den Last­ver­tei­lungs­plat­ten ein­ge­setzt, um die Kräf­te auf ei­ne grö­ße­re Flä­che zu ver­tei­len. Da­bei wird un­ter­schie­den, wel­che Auf­ga­be die Sys­te­me ha­ben. Leich­te­re Be­lä­ge, oft aus Kunst­stoff, kön­nen als Ra­sen­schutz­sys­te­me für Pu­bli­kums­flä­chen be­nutzt wer­den, um zum Bei­spiel den Sta­di­on­ra­sen im Pu­bli­kums­be­reich ei­nes Kon­zer­tes zu schüt­zen. Die­se dür­fen al­ler­dings nicht mit schwe­rem Ge­rät be­fah­ren wer­den. Da­bei ist ei­ne Ra­sen­ab­de­ckungs­dau­er von vier bis sieben Ta­gen (je nach Wit­te­rung) mög­lich, oh­ne den Ra­sen zu be­schä­di­gen. Grund­sätz­lich gilt aber: je kür­zer des­to bes­ser. Grö­ße­re Las­ten, zum Bei­spiel für den Büh­nen­stand­ort, be­nö­ti­gen kräf­ti­ge­re Last­ver­tei­lungs­plat­ten, die eher aus Me­tall ge­fer­tigt wer­den. Die­se kön­nen auch als Zu­we­gung für Zu- und Ab­fahrt von Ma­te­ri­al­trans­por­ten zur Ver­mei­dung von Fahr­spu­ren oder als Auf­stell­flä­che für ei­nen Kran ge­nutzt wer­den, wenn der Bo­den dies sonst nicht er­lau­ben wür­de. Üb­li­cher­wei­se wer­den die Flä­chen des Büh­nen­stand­or­tes als ers­tes vor Beginn al­ler wei­te­ren Auf­bau­ten be­legt und auch erst nach er­folg­tem Ab­bau als letz­tes wie­der auf­ge­deckt und lie­gen da­her im­mer ei­ni­ge Ta­ge. We­ni­ger sen­si­bler Ra­sen wie in ei­nem Park kann sich mög­li­cher­wei­se da­nach wie­der er­ho­len. Bei Sta­di­on­ra­sen soll­te man ein­kal­ku­lie­ren, dass der Ra­sen an­schlie­ßend er­neu­ert wer­den muss – bei Durch­füh­run­gen in Fuß­ball­sta­di­en ein üb­li­cher Vor­gang.“

Mark Lie­se, Ge­schäfts­füh­rer des An­bie­ters Ma­gic Sky, führt da­zu aus: „Bei Ra­sen­flä­chen, de­ren Trag­fä­hig­keit nicht be­kannt ist, kann man Plat­ten­druck­ver­su­che durch­füh­ren las­sen. Es han­delt sich da­bei um ein re­la­tiv ein­fa­ches Ver­fah­ren, des­sen Durch­füh­rung be­reits für ei­ni­ge hun­dert Eu­ro durch ei­ne oft orts­na­he Fach­fir­ma aus dem Bau­be­reich mög­lich ist. Da­bei wird die obe­re Gras­nar­be ent­fernt, ei­ne Druck­plat­te auf­ge­setzt und die er­reich­ten Wer­te ge­mes­sen. Oft wird man fest­stel­len, dass man sich be­reits in Grö­ßen­ord­nun­gen von 60 bis 80 kn/m2 be­wegt. Durch den Ein­satz von Aus­gleichs­maß­nah­men wie Last­ver­tei­lungs­plat­ten kommt man üb­li­cher­wei­se re­la­tiv schnell auf Wer­te für be­fahr­ba­re Bö­den. In den zu den Sys­te­men ge­hö­ri­gen Prüf­bü­chern sind na­tür­lich auch mög­li­che Wind­kräf­te be­rück­sich­tigt. Bei Schirm­sys­te­men kön­nen im Sturm­fall durch Last­ver­la­ge­rung auch mal fünf bis sechs Ton­nen zu­sätz­lich zum Ei­gen­ge­wicht auf­tre­ten. Schirm­sys­te­me sind je nach Aus­füh­rung auch als Zufluchts­stät­te zu­ge­las­sen – das be­deu­tet, Menschen kön­nen auch über Wind­stär­ke acht noch un­ter ei­nen Schirm, da kann man kein Ri­si­ko ein­ge­hen.“Bei ei­ner Stand­zeit län­ger als drei Wo­chen emp­fiehlt Mark Lie­se auch bei nicht pro­ble­ma­ti­schen Un­ter­grün­den im­mer die Ein­brin­gung ei­ner Schot­ter­ver­fül­lung un­ter ei­ner Last­ver­tei­lungs­plat­te für die Stüt­zen­po­si­tio­nen.

Da der Be­trei­ber ei­nes Flie­gen­den Baus für den si­che­ren Stand auch wäh­rend der Laufzeit ver­ant­wort­lich ist, er­klärt Fe­lix Lenz, Ge­schäfts­füh­rer von Sky­liner: „Man muss sich im­mer mit den Fra­gen be­schäf­ti­gen, wel­che Las­ten be­ste­hen und auf wel­che Flä­chen die­se ver­teilt wer­den kön­nen. Ei­ne fach­kun­di­ge Be­treu­ung auch wäh­rend der Stand­zeit ist not­wen­dig, da sich die Be­last­bar­keit des Bo­dens zum Bei­spiel durch Nie­der­schlag än­dern kann. Nicht al­les ist im­mer vor­her­seh­bar; da­her müs­sen Ent­schei­dungs­we­ge gut über­legt sein und man soll­te im­mer ei­nen Plan ha­ben, wenn doch et­was Un­vor­her­ge­se­he­nes pas­siert.“

Hart­mut Wel­zel, Ge­schäfts­füh­rer von Wel­zel An­la­gen, weist dar­auf hin, dass nicht nur un­ter ei­nem Sta­di­on­ra­sen un­sicht­ba­re Her­aus­for­de­run­gen ver­bor­gen sein kön­nen: „Wenn es nö­tig ist, Bo­den­an­ker zu set­zen, soll­te man sich bei man­chen Stand­or­ten auch für tem­po­rä­re Bau­ten, wie im sta­tio­nä­ren Bau­be­reich üb­lich, Ge­dan­ken über mög­li­cher­wei­se im Bo­den lie­gen­de Kampf­mit­tel ma­chen. Dar­über hin­aus kön­nen im Bo­den auch Gas-, Was­ser- und Strom­lei­tun­gen ver­bor­gen sein. Ei­ne Nach­fra­ge beim ört­li­chen Ver­sor­ger kann Auf­schluss über den be­tref­fen­den Ver­lauf ge­ben. Wenn man sich un­si­cher ist, hilft nur: gr­a­ben und nach­se­hen. Ein wei­te­rer Aspekt bei der Pla­nung ist die Fra­ge: Kann ich den Ort zer­stö­ren? Auch wenn die­se Fra­ge viel­leicht pro­vo­kant for­mu­liert ist: ein Auf­stell­ort ist im­mer ein ört­li­cher Ein­griff mit kurz-, mit­te­l­o­der auch lang­fris­ti­gen Fol­gen in Be­zug auf Bo­den­ver­än­de­rung und der Zer­stö­rung von Pflan­zen. Die­se Über­le­gung soll­te mit dem Auf­trag­ge­ber be­spro­chen und mög­li­cher­wei­se not­wen­di­ge Maß­nah­men im Vor­feld be­spro­chen wer­den.“ Letzt­lich ist nicht nur al­lein der Auf­stell­ort des Flie­gen­den Baus los­ge­löst von der Ge­samt­ver­an­stal­tung zu be­trach­ten, ins­be­son­de­re wenn ei­ne tem­po­rä­re Ver­samm­lungs­stät­te er­rich­tet wer­den soll, in wel­cher sich Pu­bli­kum auf­hält. Bernd Frenz, In­ha­ber des In­ge­nieur­bü­ros IFIS-FR, wel­ches sich mit dem The­ma Ver­an­stal­tungs­si­cher­heit be­schäf­tigt: „Auch die Si­cher­heit der Be­su­cher ist bei der Pla­nung der Auf­stel­lung zu be­rück­sich­ti­gen, denn not­wen­di­ge Flucht­we­ge und Sam­mel­plät­ze müs­sen durch die Be­su­cher trotz schwie­ri­ger Un­ter­grün­de si­cher er­reicht wer­den. Die­se We­ge und Flä­chen müs­sen eben­falls im Vor­feld ein­ge­plant wer­den. Da­bei ist die Über­wa­chung auch in der Auf­bau­pha­se wich­tig: Bei nicht ex­ak­ter Plat­zie­rung zum Bei­spiel ei­nes Zel­tes ent­spre­chend der vor­he­ri­gen Pla­nung kann ein ur­sprüng­lich vor­ge­se­he­ner Flucht­weg mög­li­cher­wei­se ver­sperrt oder nicht mehr aus­rei­chend sein und weit­rei­chen­de Aus­wir­kun­gen auf die Durch­führ­bar­keit der Ver­an­stal­tung ha­ben.“

»Wenn man sich un­si­cher ist, hilft nur: gr­a­ben und nach­se­hen.« Hart­mut Wel­zel | Ge­schäfts­füh­rer von Wel­zel An­la­gen

Fo­to: Nüss­li / Jan Po­neß

Büh­ne des Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­ums das Dach wird mit Krä­nen auf Po­si­ti­on ge­ho­ben

Fo­to: Me­ga­force

Last­ver­tei­lung Schwer­last­plat­ten ver­tei­len das Ge­wicht auf ei­ne grö­ße­re Flä­che

Fo­to: Nüss­li / Mi­ke Au­er­bach

Büh­ne des Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­ums auf­grund der Bo­den­be­schaf­fen­heit wa­ren zu­sätz­li­che Maß­nah­men not­wen­dig

Fo­to: Sky­liner

Ra­sen­schutz­sys­te­me die Ra­sen­flä­chen in Sta­di­en sind be­son­ders emp­find­lich und nur be­dingt trag­fä­hig

Fo­to: Me­dia­s­pec­trum / Dirk Schmidt-enz­mann

Wet­ter­ein­fluss star­ker Re­gen kann die Trag­fä­hig­keit des Bo­dens ver­schlech­tern

Fo­to: Me­dia­s­pec­trum / Dirk Schmidt-enz­mann

Büh­nen­un­ter­bau mit Ge­rüst­sys­te­men las­sen sich Bo­den­u­n­eben­hei­ten aus­glei­chen

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.