Isdv-in­ter­view: Mus­ter-werk­ver­trag

Production Partner - - Inhalt - Text: Le­na Voss | Fotos: ISDV

Die ISDV (In­ter­es­sens­ge­mein­schaft der selb­stän­di­gen Di­enst­leis­te­rin­nen in der Ver­an­stal­tungs­wirt­schaft e.v.) hat vor kur­zem in Zu­sam­men­ar­beit mit den Ver­bands­an­wäl­ten ei­nen Mus­ter-werk­ver­trag für die Ver­an­stal­tungs­bran­che ent­wi­ckelt. Aus wel­cher Not­wen­dig­keit her­aus dies ge­schah, wel­ches die we­sent­li­chen Punk­te sind und war­um man auch bei Be­kann­ten nicht auf ei­nen sol­chen Ver­trag ver­zich­ten soll­te, ha­ben wir uns von Su­san­ne Fritzsch (Vor­stands­mit­glied und Pres­se­re­fe­ren­tin der ISDV) er­klä­ren las­sen.

In un­se­rer doch recht klei­nen Bran­che „kennt man sich“un­ter­ein­an­der. Man trifft sich auf ei­ner der zahl­rei­chen Bran- chen­ver­an­stal­tun­gen, lernt sich bei ge­mein­sa­men Pro­jek­ten ken­nen oder ver­gibt/be­kommt Auf­trä­ge für ei­ne Pro­duk­ti­on. So baut man sich mit der Zeit ein brei­tes Netz auf, auf wel­ches man im Be­darfs­fall zu­rück­grei­fen kann. Da wird ein Auf­trag auch schon mal kurz­fris­tig ver­ge­ben, in­dem man schnell „den Jo­chen vom Po­dest­bau“oder den „Rig­ging-kai“an­funkt und das Pro­blem schil­dert. So ist die Bran­che, und ei­gent­lich ist das auch ganz nett … kann aber rich­tig bö­se en­den, wenn aus dem „Man kennt sich doch“ein „das hast du mir so aber nicht ge­sagt“wird.

Das Pro­blem liegt auf der Hand: Kurz­fris­ti­ge, münd­li­che Ab­spra­chen sind zwar un­kom­pli­ziert, tra­gen aber ein gro­ßes Po­ten­zi­al für Miss­ver­ständ­nis­se oder Un­klar­hei­ten in sich. Die Lö­sung liegt ge­nau so auf der Hand: ein Ver­trag muss her. Aber was ge­nau muss da drin ste­hen? Wel­che Punk­te müs­sen ge­re­gelt wer­den? Und was muss zum The­ma AGBS be­rück­sich­tigt wer­den? Und wel­che Ver­trags­form ist für die­se Zu­sam­men­ar­beit denn über­haupt der Rich­ti­ge?

Mit die­sen Fra­ge­stel­lun­gen hat sich nun die ISDV be­schäf­tigt und ei­nen Mus­ter-werk­ver­trag für die Ver­an­stal­tungs­bran­che ent­wi­ckelt, der sich durch klei­ne Än­de­run­gen schnell an­pas­sen lässt.

In­ter­view mit Su­san­ne Fritzsch

PP: Wie kam es zu der Idee, dass die ISDV ei­nen ei­ge­nen Mus­ter-werk­ver­trag ent­wi­ckelt?

SF: Un­se­re Mit­glie­der ba­ten uns ur­sprüng­lich, dass wir als Ver­band Mus­ter-agb ent­wi­ckeln, die man als Selb­stän­di­ger sei­nem Auf­trag­ge­ber vor­le­gen kann. Mit der Zeit er­kann­ten wir je­doch, dass dies we­nig prak­ti­ka­bel sein wür­de. All­ge­mei­ne Ge­schäfts­be­din­gun­gen kön­nen durch die der an­de­ren Sei­te „aus­ge­he­belt“wer­den. Ein im­mer wie­der­keh­ren­des An­pas­sen wä­re zeit­auf­wän­dig und nicht so ein­fach in der Um­set­zung, denn wel­cher Selb­stän­di­ge hat schon die Mög­lich­keit, sich im­mer wie­der recht­li­chen Bei­stand zu Ra­te zu zie­hen? Wir ha­ben uns des­halb für ei­nen Werk­ver­trag ent

»Im Ge­gen­satz zum Di­enst­ver­trag wird beim Werk­ver­trag kein klas­si­sches Ar­beits­ver­hält­nis mit Ar­beits­zei­ten ein­ge­gan­gen. Hier wird nur der Er­folg am En­de der Ar­beit – das Werk – ge­schul­det.« Su­san­ne Fritzsch | Vor­stands­mit­glied der ISDV

schie­den. Die­sen ha­ben wir mit un­se­ren Ver­bands­an­wäl­ten ge­mein­sam er­ar­bei­tet und für un­se­re Bran­che an­ge­passt. Der Ver­trag lässt sich viel schnel­ler um­ge­stal­ten, oh­ne dass das Grund­ge­rüst über­prüft wer­den muss. Er ist so­mit fle­xi­bel bei un­ter­schied­li­chen Auf­trä­gen ein­setz­bar.

PP: Was ge­nau ist ein Werk­ver­trag und für wen emp­fiehlt sich sei­ne Ver­wen­dung?

SF: Ein Werk­ver­trag emp­fiehlt sich für je­den Selb­stän­di­gen und de­ren Auf­trag­ge­ber. Er kann Werk­zeug sein, um ein schrift­li­ches Ver­trags­ver­hält­nis zwi­schen Auf­trag­ge­ber und Auf­trag­neh­mer nach BGB zu kon­kre­ti­sie­ren. Er er­mög­licht ei­ne kla­re Ein­gren­zung der selb­stän­di­gen Ar­beit – al­so dem ge­for­der­ten Werk. Hier sind die Rah­men­be­din­gun­gen wie Ar­beits­ein­satz, die ge­plan­te Ar­beits­zeit, der Ort, Kos­ten­über­nah­men etc. ge­re­gelt. Vor al­lem aber kann sich der Auf­trag­neh­mer da­durch ei­nen Schutz im Fal­le von Mehr­ar­beit, be­son­de­rer Ver­ant­wor­tung oder Job­ab­sa­gen schaf­fen und im Zwei­fels­fall auch ju­ris­tisch vor­ge­hen. Im Um­kehr­schluss dient der Werk­ver­trag dem Auf­trag­ge­ber na­tür­lich auch als Si­cher­heit und Kon­trol­le für sei­ne Pro­jekt­pla­nung. Wer über­nimmt wel­che kon­kre­te Ar­beit? Wie viel Zeit wird da­für be­nö­tigt? Sind al­le nö­ti­gen Hand­grif­fe und Auf­ga­ben ab­ge­deckt und sind die Auf­trag­neh­mer ver­si­chert, um im Scha­dens­fall die Haf­tung über­neh­men zu kön­nen? Bei Ab­schluss des Werk­ver­tra­ges be­deu­tet das zwar erst­mal Mehr­auf­wand, macht sich aber spä­ter be­zahlt, weil an an­de­ren Stel­len Zeit und Geld durch gu­te Pla­nung ge­spart wird.

PP: Was muss man zum The­ma Werk­ver­trag noch wis­sen?

SF: Es lohnt sich grund­le­gend die Un­ter­schei­dung von Di­enst­ver­trag (§ 611 ff.) und Werk­ver­trag (§ 631 ff.) im BGB nach­zu­le­sen. Wir se­hen im­mer wie­der in Ge­sprä­chen, dass die­se Un­ter­schei­dung bei­den Ver­trags­part­nern oft nicht ganz klar ist. Bei ei­nem Di­enst­ver­trag wird ge­gen Be­zah­lung ein Dienst, al­so der Ar­beits­ein­satz und das Be­mü­hen um Er­folg, nicht aber der Er­folg selbst ge­schul­det. In die­sem Fall han­delt es sich meist um ein klas­si­sches An­ge­stell­ten­ver­hält­nis. Bei ei­nem Werk­ver­trag schul­det der Auf­trag­neh­mer je­doch den Ar­beits­er­folg. Die­ser ist in ei­nem Werk­ver­trag klar auf­ge­führt und bie­tet bei­den Ver­trags­part­nern Si­cher­heit. Ein Werk muss üb­ri­gens – auch das ist Vie­len nicht klar – nicht nur et­was Ma­te­ri­el­les wie ein Haus oder ein zu fer­ti­gen­des Mö­bel­stück sein. Ein Werk ist in un­se­rer Bran­che oft auch ein durch ei­ne Di­enst­leis­tung er­reich­ter Er­folg. Wird die­se Un­ter­schei­dung ver­stan­den, kön­nen bei­de Ver­trags­part­ner be­reits vor Auf­trags­ver­ga­be wun­der­bar prü­fen, wel­che Ver­trags­form vor­lie­gen wür­de und in der Fol­ge auch, ob es sich eher um ei­ne An­stel­lung oder um Selb­stän­dig­keit han­delt.

Wem die For­mu­lie­rung sei­nes Wer­kes schwer fällt, ist manch­mal gut be­ra­ten, das Werk in Teil­schrit­te zu glie­dern. Wäh­rend der Vor­be­rei­tung und auf Pro­duk­ti­on kön­nen die­se Schrit­te mit­hil­fe von Check­lis­ten kon­trol­liert wer­den. Gleich­zei­tig ent­steht ei­ne Do­ku­men­ta­ti­on über die Ar­beit.

PP: War­um soll­te nicht auf ei­nen Werk­ver­trag ver­zich­tet wer­den, auch wenn „man sich doch kennt“?

SF: Auch ein münd­lich oder elek­tro­nisch ge­schlos­se­ner Ver­trag zwi­schen Auf­trag­ge­ber und -neh­mer ist ein rechts­wirk­sa­mer Ver­trag. Et­was Schrift­li­ches in der Hand zu ha­ben, ist je­doch im­mer die bes­se­re Wahl. Ein Werk­ver­trag hilft im Vor­feld bei der Kon­kre­ti­sie­rung. Soll­te es zum Auf­trags­aus­fall kom­men, sind Stor­no­zah­lun­gen be­reits ver­ein­bart. Ein Werk­ver­trag kann fi­nan­zi­el­le und recht­li­che, aber auch psy­chi­sche Si­cher­heit bie­ten. Der Selb­stän­di­ge weiß ge­nau, wie sei­ne Auf­ga­ben de­fi­niert sind und kann sich auf die­se be­ru­fen. Das kann im bes­ten Fall den Druck durch Un­ge­wiss­heit neh­men. Zu­dem ist ein Werk­ver­trag fle­xi­bel. Mit Fir­men, mit de­nen häu­fig zu­sam­men­ge­ar­bei­tet wird, kann ein Rah­men­werk­ver­trag dem je­wei­li­gen Auf­trag schnell an­ge­passt wer­den. Au­ßer­dem über­prüft man sich selbst in sei­nem Tun. Ist das, wo­für ich an­ge­fragt bin selb­stän­di­ge Ar­beit? Ein Werk­ver­trag kann so­mit Auf­trag­ge­ber und -neh­mer vor Schein­selb­stän­dig­keit schüt­zen. Ein In­diz für Selb­stän­dig­keit kann durch das An­fü­gen von An­la­gen, die für Auf­trag­ge­ber wich­tig sind, ver­stärkt wer­den. Nach­wei­se über Haft­pflicht-, Un­fal­lund Kran­ken­ver­si­che­rung so­wie Ge­wer­be­schein und Steu­er­be­schei­ni­gung sind Si­cher­heit für den Auf­trag­ge­ber, dass der Selb­stän­di­ge sich um sein Un­ter­neh­men küm­mert und im Scha­dens­fall auch haf­ten kann. Wie man sieht, ist ein Werk­ver­trag al­so nicht nur Schutz für den Auf­trag­neh­mer, son­dern auch für den Auf­trag­ge­ber. Am En­de funk­tio­nie­ren die­se Ab­ma­chun­gen al­ler­dings nur, wenn sie ge­lebt wer­den. Bei­de Ver­trags­teil­neh­mer müs­sen nach ih­ren Ab­spra­chen han­deln und die des je­weils an­de­ren ak­zep­tie­ren. Kommt es zu ei­ner Prü­fung durch die DRV, wird die­se in ers­ter Li­nie kon­trol­lie­ren, ob die Ver­ein­ba­run­gen des Werk­ver­tra­ges auch ein­ge­hal­ten wur­den. Der kon­kre­te Ar­beits­auf­trag und mög­li­che Än­de­run­gen soll­ten al­so be­reits im Vor­feld ge­plant oder op­tio­niert wer­den.

In ers­ter Li­nie soll­ten vor al­lem die Auf­trag­ge­ber nicht auf ei­nen Werk­ver­trag ver­zich­ten, denn die ha­ben das er­heb­lich grö­ße­re Ri­si­ko bei Fest­stel­lung ei­ner schein­selb­stän­di­gen Be­schäf­ti­gung durch die DRV. Bei­den Ver­trags­part­nern bie­tet ein Werk­ver­trag Kon­trol­le, Si­cher­heit und Schutz bei Ab­sa­ge und im Scha­dens­fall.

SF: Wir möch­ten zei­gen, wie ein­fach sich Pro­ble­me in­fol­ge ei­ner münd­li­chen Ver­ein­ba­rung ver­hin­dern las­sen, in­dem man die­se in ei­nem Werk­ver­trag ver­schrift­lich. Und dass das kla­re Ab­ste­cken des Wer­kes, die Ei­ni­gung über Ver­gü­tung und an­de­re Rah­men­be­din­gun­gen für Auf­trag­ge­ber und Auf­trag­neh­mer Si­cher­heit schaf­fen kön­nen. Es soll­te kei­nem der Ver­trags­part­ner zu viel Mü­he sein, im Vor­feld ei­nen Werk­ver­trag zu ver­han­deln und die­sen auch wäh­rend des Auf­tra­ges um­zu­set­zen. Zu­mal die­ser im Fal­le ei­ner Prü­fung durch die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung ein In­diz für die Selb­stän­dig­keit des Auf­trag­neh­mers sein kön­nen. Wir als Ver­band der Selb­stän­di­gen kön­nen den Ver­trag al­so dop­pelt emp­feh­len. Au­ßer­dem er­hofft sich die ISDV ei­ne Neu­struk­tu­rie­rung und Kon­kre­ti­sie­rung der Ar­beits­vor­gän­ge. Auf­ga­ben, die in den Be­reich Di­enst­leis­tun­gen fal­len, kön­nen über ei­nen Di­enst­ver­trag er­bracht wer­den. Spe­zi­al­an­for­de­run­gen er­fol­gen ge­zielt über Selb­stän­di­ge via Werk­ver­trag. Ziel ist es, so­mit die Ar­beits­zei­ten zu ver­kür­zen und or­ga­ni­sa­to­ri­sche Lü­cken zu schlie­ßen. Auf­trag­ge­ber und -neh­mer er­lan­gen Klar­heit über die Auf­ga­ben­fel­der und folg­lich mehr Si­cher­heit.

Su­san­ne Fritzsch Isdv-vor­stands­mit­glied und Pres­se­re­fe­ren­tin

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