Be­su­cher­si­cher­heit: Bar­rie­ren und Ter­ror

Neue Her­aus­for­de­run­gen an die Be­su­cher­si­cher­heit durch abs­trak­te Be­dro­hun­gen von au­ßen

Production Partner - - Inhalt - Text: Ha­rald Scherer | Fo­tos: Ha­rald Scherer, An­ge­lo Pla­te (1), Ju­dith Men­gel (1)

Die­se Bil­der ha­ben sich ins Ge­dächt­nis ein­ge­brannt: das stark be­schä­dig­te Füh­rer­haus ei­nes Trai­lers, zer­stör­te Weih­nachts­markt­bu­den, Blau­licht und her­um­lie­gen­de Trüm­mer. Und spä­ter Ker­zen und trau­ern­de Ver­wand­te und Freun­de. Und das im Her­zen Deutsch­lands, in Ber­lin, in der Ad­vents­zeit. Ein hal­bes Jahr spä­ter dann ver­letz­te Men­schen vor der Manchester Are­na beim Kon­zert von Aria­na Gran­de, des­ori­en­tier­te und auf­ge­reg­te An­ge­hö­ri­ge, nie­der­ge­leg­te Blu­men für die Op­fer. Nicht erst seit 2015 ist der Ter­ror beim An­schlag auf den Bat­a­clan-club in Paris, den vie­le von uns be­ruf­lich ken­nen, am F.O.H. an­ge­kom­men. In­zwi­schen ist die­se neue Si­cher­heits­la­ge weit­hin ak­zep­tiert: Ver­an­stal­tun­gen wer­den zu Zie­len von Be­dro­hun­gen von au­ßen, auch mit­ten in Deutsch­land. Ob Über­fahr­tat oder Spreng­stoff­an­schlag – die An­for­de­run­gen an den Schutz von Events ha­ben sich mas­siv ver­schärft.

Gera­de auf Ver­an­stal­tungs­men­schen wir­ken die­se Ein­drü­cke ver­stö­rend, er­war­ten wir doch im Nor­mal­fall Lo­bes­hym­nen auf rei­bungs­los ver­lau­fe­ne Ver­an­stal­tun­gen und Fo­tos von gut ge­laun­ten, tan­zen­den und fei­ern­den Men­schen. Die Ev­ent­welt ist von dem Kon­sens ge­prägt, dass hier (fast) nichts pas­siert. Der Be­such ei­ner Ver­an­stal­tung hat ge­fäl­ligst un­ge­fähr­lich und ri­si­ko­los zu sein, ge­nau wie das Be­tre­ten

ei­nes Bau­werks. Un­ser Er­fah­rungs- und Er­war­tungs­ho­ri­zont sagt uns, dass es da­zu Ge­neh­mi­gun­gen gibt durch ei­nen für­sorg­li­chen Staat, der uns Är­ger vom Hals hält und der ein­schrei­tet, so­bald sich Ge­fah­ren er­ge­ben. Spä­tes­tens seit dem Groß­scha­dens­er­eig­nis bei der Lo­ve­pa­ra­de in Duis­burg (sie­he Sei­te 48) ah­nen wir je­doch, dass Be­hör­den und Ver­an­stal­ter nicht al­les vor­her­seh­ba­re voll­um­fäng­lich be­herr­schen - auch nicht, wenn es um bau­recht­lich gut ge­re­gel­te The­men, wie Flucht- und Ret­tungs­weg­brei­ten und -län­gen geht. Und nun kom­men die be­schrie­be­nen Ge­fähr­dun­gen da­zu, so dass sich ei­ne ver­än­der­te Aus­gangs­la­ge er­gibt.

In­stru­men­ta­ri­um der Be­dro­hun­gen

Wie sol­len wir uns vor Ter­ror bzw. vor abs­trak­ten (weil un­be­kann­ten) Be­dro­hun­gen von au­ßen schüt­zen? Da­zu müs­sen wir zu­erst ein­mal ver­ste­hen, was „Ter­ror“über­haupt ist. Wenn wir von Ter­ror hö­ren, den­ken wir re­flex­ar­tig an is­la­mis­tisch ge­präg­te Ta­ten. Dass Ter­ror weit­aus viel­schich­ti­ger und all­ge­mein ver­brei­tet ist, ver­ken­nen wir oft auf­grund der Nach­rich­ten­la­ge. Für HOFF­MAN bei­spiels­wei­se war Ter­ror be­reits 2006 „be­wuss­te Er­zeu­gung und Aus­beu­tung von Angst durch Ge­walt oder die An­dro­hung von Ge­walt zum Zweck der Er­rei­chung po­li­ti­scher Ve­rän­de­rung.“„… po­li­ti­sche oder so­zia­le Zie­le (sol­len) durch die Ein­schüch­te­rung ei­nes grö­ße­ren Pu­bli­kums jen­seits der ei­gent­li­chen Op­fer“er­zeugt wer­den, wie EN­DERS und SANDLER 2011 fest­stell­ten. Geht man noch wei­ter zu­rück, so fin­det man 1974 bei JENKINS ei­ne Aus­sa­ge, die ir­ri­tiert, die aber an Klar­heit kaum zu über­bie­ten ist:

Ter­ro­ris­mus sei vor al­lem „Thea­ter“und „zielt auf die Men­schen, die zu­schau­en, nicht auf die ei­gent­li­chen Op­fer“. Ter­ro­ris­mus setzt spek­ta­ku­lä­re und scho­ckie­ren­de Ak­tio­nen ein, um be­stimm­te Re­ak­tio­nen bei ei­nem Ziel­pu­bli­kum aus­zu­lö­sen.

So­mit kann Ter­ror aus sämt­li­chen denk­ba­ren Rich­tun­gen kom­men, gleich ob von In­di­vi­du­en oder sub­staat­li­chen Grup­pen, mit so­zia­len oder po­li­ti­schen Stoß­rich­tun­gen, mit dem Ziel, Un­si­cher­heit und Angst bei den Zu­schau­ern zu ver­brei­ten.

Per­fi­der­wei­se be­dient sich Ter­ror dem grund­ei­ge­nen In­stru­men­ta­ri­um un­se­rer Bran­che: über­ra­schend und spek­ta­ku­lär mit prä­zi­ser Vor­pla­nung zu in­sze­nie­ren und da­mit Im­pul­se beim Pu­bli­kum zu set­zen bzw. ei­ne kom­mu­ni­ka­ti­ve Bot­schaft zu trans­por­tie­ren, die Zie­le er­rei­chen soll. Al­ler­dings ist das ei­ne Art von Ins­ze­nie­rung, die wort­wört­lich über Lei­chen geht. Hier ist de­fi­ni­tiv ei­ne ro­te Li­nie weit über­schrit­ten und dem muss un­be­dingt Ein­halt ge­bo­ten wer­den. Nur wie lau­tet

der Lö­sungs­an­satz? Wer ist ge­for­dert bei der Ab­wehr von Ter­ro­ris­ten? Wel­che Mög­lich­kei­ten gibt es über­haupt? Und wer be­zahlt die Pla­nung und letzt­lich Um­set­zung von An­ti­ter­ror­maß­nah­men?

In Deutsch­land ist die Po­li­zei die zu­stän­di­ge In­sti­tu­ti­on zur Auf­recht­er­hal­tung der öf­fent­li­chen Si­cher­heit und Ord­nung. Der Staat be­sitzt das Ge­walt­mo­no­pol. Ab­ge­se­hen von Je­der­manns­rech­ten, wie et­wa der Not­wehr, ver­zich­ten die sons­ti­gen An­ge­hö­ri­gen des Ge­mein­we­sens auf die Aus­übung von Ge­walt zur Durch­set­zung ih­rer In­ter­es­sen. D. h. wenn ein Ex­per­te für spon­ta­ne Ei­gen­tums­über­tra­gung ei­nem Ver­an­stal­tungs­be­su­cher die Geld­bör­se ent­wen­det, dann darf je­der­mann, der das be­ob­ach­tet, den Tä­ter fest­set­zen, so lan­ge, bis die Po­li­zei ein­trifft und über­nimmt. Mehr aber auch nicht, d. h. Selbst­jus­tiz oder an­de­re Ge­walt­an­wen­dung, et­wa das Er­zwin­gen der Her­aus­ga­be des Die­bes­guts, lie­gen au­ßer­halb des Er­laub­ten.

Die Bom­be plat­zen las­sen

Ter­ror­ta­ten wer­den al­ler­dings sel­ten be­ob­ach­tet, noch kün­di­gen sie sich vor­her an. Falls doch, et­wa durch te­le­fo­ni­sche Bom­ben­dro­hung, dann ist die ver­blei­ben­de Zeit bis­wei­len sehr kurz, bis sich aus dem Ri­si­ko ei­ne Kri­se ma­ni­fes­tiert. Ein an­ony­mer An­ruf ist schnell ge­tä­tigt, sei es aus Spaß als Dum­mer­jun­gen­streich oder als ernst­ge­mein­te War­nung vor ei­ner rea­len USBV (un­kon­ven­tio­nel­le Spreng- und Brand­vor­rich­tung, um­gangs­sprach­lich „Bom­be“). Weiß je­de(r) Be­tei­lig­te ei­ner Ver­an­stal­tung über das kor­rek­te Vor­ge­hen bei ei­nem sol­chen An­ruf Be­scheid? Wie wird mit dem her­ren­lo­sen Ge­päck­stück ver­fah­ren, was ein­sam in der Gar­de­ro­be steht? In­ner­halb der Band­brei­te zwi­schen Spaß­an­ruf und rea­ler Be­dro­hung ent­schei­det die Po­li­zei und nie­mand sonst über die Ernst­haf­tig­keit der Dro­hung bzw. Ge­fahr des Fund­stücks und wei­te­re Maß­nah­men. Da­zu ist sie im Fal­le des An­rufs auf je­de In­for­ma­ti­on an­ge­wie­sen, sei es An­ga­ben zur Sprach­me­lo­die, ei­nem viel­leicht vor­ge­täusch­ten Ak­zent oder zu Orts­kennt­nis­sen, die der An­ru­fer hat. In ei­nem sol­chen Fall die Ge­sprächs­füh­rung zu be­hal­ten, die rich­ti­gen Fra­gen zu stel­len und gleich­zei­tig auf­merk­sam zu­zu­hö­ren und al­les spä­ter aus dem Ge­dächt­nis ab­ru­fen zu kön­nen, ist ei­ne ex­tre­me Her­aus­for­de­rung, ins­be­son­de­re wenn der Be­ginn der Live­sen­dung oder der Pro­gramm­start auf der Büh­ne kurz be­vor­ste­hen. Die Be­wer­tung ei­ner ein­sa­men Ta­sche oder ei­nes selt­sa­men Pa­kets ist de­fi­ni­tiv auch ei­ne po­li­zei­li­che La­ge, denn ei­ne USBV sieht sel­ten so aus, wie wir es aus Spiel­fil­men ken­nen („der ro­te oder doch erst der blaue Draht?“). Zu­dem muss vor dem ei­gen­mäch­ti­gen Öff­nen oder Be­we­gen sol­cher Ta­schen, Kof­fer, Ruck­sä­cke oder Pa­ke­te aus­drück­lich ge­warnt wer­den: es kön­nen Spreng­fal­len ein­ge­baut sein, die bei solch ei­ner Ak­ti­on ge­zün­det wer­den. Bei­spiel­fun­de aus Kriegs- und Kri­sen­re­gio­nen zei­gen dies im­mer wie­der. Der Im­port sol­cher Tech­no­lo­gie ist denk­bar bzw. es fin­den sich an ge­eig­ne­ter Stel­le Bau­an­lei­tun­gen im In­ter­net. Ei­ne ho­he Hür­de liegt (gera­de in Deutsch­land) zwar bei der Be­schaf­fung von Ex­plo­siv­stof­fen, das kann aber nicht zu­ver­läs­sig aus­ge­schlos­sen wer­den. Statt­des­sen könn­ten auch ei­ge­ne Mi­schun­gen zum Ein­satz kom­men, die mit ein­fa­chen Aus­gangs­pro­duk­ten pro­du­ziert wer­den kön­nen. Auch hier­für hal­ten dunk­le Qu­el­len Re­zep­te be­reit.

In­so­fern kann die Schluss­fol­ge­rung nur dar­in be­ste­hen, sol­che Ge­gen­stän­de von der Ver­an­stal­tung fern­zu­hal­ten. Das Ein­brin­gen ei­ner USBV zu ver­hin­dern, ist je­doch nicht ganz tri­vi­al. Na­tür­lich kön­nen wir Ta­schen kom­plett ver­bie­ten oder sog. Clear­bags for­dern (wie in­zwi­schen Aria­na Gran­de) bzw. Ge­päck­prüf­an­la­gen ein­set­zen, die ne­ben den Mehr­kos­ten für Ma­te­ri­al, Auf­bau- und na­tür­lich ge­schul­tes Be­die­nungs­per­so­nal so­wie Lo­gis­tik noch wei­te­re Stol­per­stei­ne mit sich brin­gen: die Ein­lass­zeit ver­län­gert sich über­pro­por­tio­nal bis hin zum ge­fühl­ten, fast völ­li­gen Still­stand. Durch Ge­päck­prüf­an­la­gen bzw. Tor­son­den wer­den u. U. Flucht- und Ret­tungs­we­ge blo­ckiert. Ein grö­ße­rer Flä­chen­ver­brauch wird durch sol­che Be­rei­che her­vor­ge­ru­fen, was wie­der­um mit Zel­ten oder an­de­rer tem­po­rä­rer Ar­chi­tek­tur kom­pen­siert wer­den muss, so­fern das Bau­werk nicht über ge­nü­gend frei­en Raum ver­fügt. Im zi­tier­ten Fall des Aria­na-gran­de-kon­zerts wur­de der Spreng­satz au

ßer­halb des Ge­päck­prü­fungs­be­reichs ge­zün­det, so­dass als Re­ak­ti­on dar­auf künf­tig die Schutz­zo­nen grö­ßer wer­den müs­sen (be­deu­tet grö­ße­ren Flä­chen­ver­brauch) bzw. für die Si­cher­heit auch der da­vor war­ten­den oder nach dem Kon­zert her­aus­strö­men­den Be­su­cher ge­sorgt wer­den muss. In Manchester de­to­nier­te der Spreng­satz üb­ri­gens, nach­dem die Künst­le­rin die Büh­ne ver­las­sen und das Kon­zert zu En­de war, d. h. der Fo­kus muss sich vom rei­nen Ein­lass auf die ge­sam­te Ver­an­stal­tungs­dau­er aus­deh­nen.

Fahr­zeu­ge als In­stru­ment des Ter­rors

Im Fal­le der abs­trak­ten Be­dro­hung durch Fahr­zeu­ge, die als Waf­fen ge­nutzt wer­den kön­nen, hat sich in­zwi­schen viel be­wegt. An­fäng­lich re­agier­ten die kom­mu­na­len Ver­wal­tun­gen mit über­stürz­ten Maß­nah­men, wie et­wa quer­ge­stell­ten Fahr­zeu­gen oder den be­kann­ten Niz­za-st­ei­nen, d. h. mit gro­ßen Be­ton­blö­cken, die an über­di­men­sio­na­le Spie­leste­i­ne er­in­nern. Erst der rech­ne­ri­sche Nach­weis mit In­ge­nieur­me­tho­den und spä­te­re Crash­ver­su­che ha­ben ge­zeigt, dass die­se Maß­nah­men – bis auf die Ver­mitt­lung sub­jek­ti­ver Si­cher­heit – weit­ge­hend oh­ne Wir­kung blei­ben oder gar mehr Scha­den an­rich­ten kön­nen, als die ei­gent­li­che Ter­ror­waf­fe. Im Zu­ge der dar­auf­hin fol­gen­den Ent­wick­lun­gen von ef­fek­ti­ven Fahr­zeugsper­ren wur­de ei­ne Men­ge Lehr­geld be­zahlt, u. a. durch den pri­va­ten und il­le­ga­len Crah­test ei­nes Her­stel­lers sol­cher Sper­ren in Nie­der­sach­sen, bei dem der Test­fah­rer des LKW schwer ver­letzt wur­de. Wie ein Wun­der

wur­den die Zu­schau­er, dar­un­ter Kin­der, nicht ver­letzt, das total zer­stör­te Fahr­zeug be­ein­träch­tig­te aber die Um­welt durch aus­lau­fen­des Öl. Das Gan­ze er­eig­ne­te sich 2017 un­ter den Au­gen der ein­ge­la­de­nen und in Lösch­zug­s­tär­ke an­we­sen­den ört­li­chen Feu­er­wehr, die es dann zu­min­dest nicht weit zur Ein­satz­stel­le hat­te. Auch die Er­kennt­nis, dass Sper­ren ei­nen gro­ßen Ab­stand zu Be­su­chern be­nö­ti­gen, ist erst ge­reift, als man bei Crash­ver­su­chen den Streu­ra­di­us der Trüm­mer ver­mes­sen und in­ter­po­liert hat. In die­sen Ver­su­chen auf be­son­de­ren An­la­gen wer­den Fahr­zeu­ge ei­gen­an­triebs­los von ei­ner Seil­win­de oder ei­nem Zug­fahr­zeug be­schleu­nigt, sämt­li­che Be­triebs­stof­fe sind ent­fernt – die Men­ge an grö­ße­ren weit flie­gen­den Trüm­mer­tei­len aus hei­ßen Mo­to­ren oder der vol­le Ben­zin­tank ei­nes re­al cras­hen­den Fahr­zeugs sind aber nicht zu un­ter­schät­zen, da­her sind selbst bei sol­chen pro­fes­sio­nel­len Tests un­ter La­bor­be­din­gun­gen Be­ob­ach­ter nur hin­ter ei­ner Schutz­schei­be in re­spekt­vol­lem Ab­stand zu­ge­las­sen.

Nach­dem der bri­ti­sche Stan­dard IWA 14-1 (ve­hi­cle se­cu­ri­ty bar­ri­ers) 2013 fest­ge­schrie­ben wur­de, hat die Deut­sche Hoch­schu­le der Po­li­zei in Müns­ter kürz­lich ei­ne bun­des­weit von den Län­der­po­li­zei­en ak­zep­tier­te tech­ni­sche Richt­li­nie für die Zer­ti­fi­zie­rung von Fahr­zeugsper­ren vor­ge­legt. Hier wer­den nach er­war­te­tem Fahr­zeug­ge­wicht bzw. Fahr­zeug­typ und Ge­schwin­dig­keit ver­schie­de­ne Schutz­klas­sen fest­ge­legt. Al­ler­dings geht die Richt­li­nie da­von aus, dass jeg­li­ches auf­fah­ren­des Fahr­zeug nach spä­tes­tens 50 m zum Ste­hen kommt. Hier­zu kann man nur wie­der­ho­len, dass der Flä­chen­ver­brauch durch die­sen Ak­ti­ons­ra­di­us wie­der­um grö­ßer wird und dass sich in die­sen Knautsch­zo­nen hin­ter den Sper­ren nie­mand auf­hal­ten darf. Al­ter­na­tiv wä­re ei­ne zwei­te Sper­ren­rei­he denk­bar, wie beim dies­jäh­ri­gen Ber­li­ner Weih­nachts­markt an der Ge­dächt­nis­kir­che zu se­hen. Der fei­er­li­chen At­mo­sphä­re die­nen dop­pel­rei­hi­ge Sper­ren (Be­ton plus Stahl) nicht zwin­gend, auch wenn sie in Ber­lin mit Leuchts­ter­nen ver­ziert wur­den. Wie schon bei den Ge­päck­prüf­an­la­gen an­ge­merkt, zie­hen auch Fahr­zeugsper­ren er­höh­te Kos­ten nach sich, nicht nur durch Lo­gis­tik, Kos­ten für den Auf­bau (Fach­per­so­nal und schwe­res Ge­rät), son­dern auch durch die ver­län­ger­ten Bau­zei­ten und die aus­ge­wei­te­te Nacht­be­wa­chung (Sa­bo­ta­ge­schutz) bzw. die ggf. nö­ti­ge Bo­den­auf­be­rei­tung bzw. Be­ein­träch­ti­gung des In­di­vi­du­al­ver­kehrs durch Stra­ßen­sper­run­gen. Mein per­sön­li­ches Fa­zit ist, dass es ein­fa­cher wä­re, den rol­len­den und auch den ru­hen­den Ver­kehr ein­fach von der Ver­an­stal­tung fern­zu­hal­ten bzw. über Zu­fahrts­kon­trol­len zu re­gle­men­tie­ren. Die Kom­mu­nen soll­ten mit ent­spre­chend un­auf­fäl­li­gem Stadt­mo­bi­li­ar er­tüch­tigt wer­den, z. B. durch mas­si­ve Blu­men­kü­bel, ver­an­ker­te Sitz­bän­ke etc. oder eben durch ver­senk­ba­re Pol­ler­lö­sun­gen, die sich je­doch oft­mals als an­fäl­lig ge­gen Um­welt­be­las­tun­gen her­aus­stel­len (Dreck, Glas­bruch, Streu­salz) und die über­dies ver­hält­nis­mä­ßig teu­er sind.

Auf der Ver­an­stal­ter­sei­te se­he ich die Kos­ten für die Fahr­zeug­ab­wehr de­fi­ni­tiv nicht. Kom­mu­nen, de­ren Event­flä­chen er­tüch­tig sind, ha­ben künf­tig ein in­ter­kom­mu­na­len Wett­be­werbs­vor­teil ge­gen­über den­je­ni­gen Städ­ten und Ge­mein­den, die nur per Auf­la­ge Fahr­zeugsper­ren for­dern und da­zu selbst kei­ne Lö­sun­gen an­bie­ten.

Was be­deu­tet die La­ge für die Ver­an­stal­tungs­tech­nik?

Ne­ben den Schutz­maß­nah­men ge­gen Über­fahr­taten und Spreng­stoff­an­grif­fe greift die neue Si­cher­heits­la­ge na­tür­lich auch in un­ser Spiel­feld ein: auf der tech­ni­schen Sei­te kann man heu­te fest­stel­len, dass die Zei­ten ein­fa­cher elek­tro­akus­ti­scher Not­fall­warn­sys­te­me (ENS, „Si­re­ne“), wie sie frü­her bei Brand­mel­de­an­la­gen Stan­dard wa­ren, vor­bei sind. Abs­trak­te Be­dro­hun­gen und chao­ti­sche La­gen ma­chen es un­ab­ding­bar, die Be­su­cher di­rekt und an das Be­su­cher­pro­fil an­ge­passt an­spre­chen zu kön­nen. Si­re­nen­si­gna­le sind nicht all­ge­mein ver­ständ­lich, das ha­ben um­fang­rei­che psy­cho­lo

Lkw-sper­re in vol­ler Stra­ßen­brei­te auf dem Weih­nachts­markt Ber­lin Breit­scheid­platz 2018

Be­ton­sper­re „Niz­za­s­tein“mit Sperr­ket­te auf dem Weih­nachts­markt Köln 2017

Aus­ran­gier­te Po­li­zei­bus­se vor dem Kon­zert­zu­gang (Wald­büh­ne Ber­lin, 2018)

Sper­ren in dop­pel­ter An­ord­nung mit ho­hem Flä­chen­ver­brauch, hin­ten Schramm­bord aus Be­ton, vor­ne mit Was­ser ge­füll­te Con­tai­ner (Weih­nachts­markt Ber­lin, Breit­scheid­platz 2018, Foto: An­ge­lo Pla­te)

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