Tipps für sta­bi­le Funk­stre­cken

Ne­ben der ver­wen­de­ten Funk­tech­nik hel­fen auch ei­ni­ge prak­ti­sche Fak­to­ren, ei­ne sta­bi­le Stre­cke auf­zu­bau­en. Tipps vom Fre­quenz-scan bis zur Ver­ka­be­lung

Production Partner - - Inhalt - Text: Wolf-chris­toph Mül­ler | Fo­tos: Wolf-chris­toph Mül­ler, Det­lef Ho­e­pfner (1)

Pro­fes­sio­nel­le Funk­stre­cken bie­ten den An­wen­dern die Mög­lich­keit an, ei­nen Emp­fangs­test über al­le ein­stell­ba­ren Fre­quen­zen hin­weg durch­zu­füh­ren. Die­ser pro Ge­rät un­ter­schied­lich brei­te Fre­quenz­be­reich wird „Schalt­band­brei­te“ge­nannt. So kann er­mit­telt wer­den, ob ein­zel­ne Fre­quen­zen be­reits durch an­de­re An­wen­der in Be­nut­zung sind. Von ei­ner ei­ge­nen Be­nut­zung die­ser Fre­quen­zen ist dann un­be­dingt ab­zu­ra­ten, weil kein stö­rungs­frei­er Emp­fang mehr ge­ge­ben ist. Der Emp­fän­ger pro­gram­miert sich im Scan-mo­dus selbst Schritt für Schritt kurz auf je­de der mög­li­chen Be­triebs­fre­quen­zen, geht auf Emp­fang und merkt sich emp­fang­ba­re Fremd­si­gna­le für den ab­schlie­ßen­den Re­port.

In­ter­mo­du­la­tio­nen

Da der gleich­zei­ti­ge Be­trieb meh­re­rer Funk­fre­quen­zen neue even­tu­ell stö­ren­de Fre­quenz-misch­pro­duk­te (In­ter­mo­du­la­tio­nen) er­zeugt und de­ren Be­rech­nung sehr auf­wän­dig ist, ha­ben die Her­stel­ler die­se Be­rech­nun­gen für die An­wen­der im Vor­hin­ein er­le­digt und bie­ten Auf­lis­tun­gen von in­ter­mo­du­la­ti­ons­frei zu­sam­men­spie­len­den Be­triebs­fre­quen­zen in den Sen­dern und Emp­fän­gern an. Bei Senn­hei­ser wer­den die­se in ver­schie­de­nen Bän­ken („Banks“) an­ge­bo­ten, bei Shu­re in ver­schie­de­nen Grup­pen („Groups“). Die ein­zel­nen Fre­quen­zen sind in dar­in ent­hal­te­nen Ka­nä­len („Chan­nels“) ab­ge­legt. So sind bei Senn­hei­ser z. B. in „B.1“die dar­in auf­ge­lis­te­ten „CH1“, „CH2“, „CH3“und fort­lau­fend zu wäh­len, bei Shu­re z. B. in „Grp 1“die dar­in auf­ge­lis­te­ten „CH1“, „CH2“, „CH3“und fort­lau­fend zu wäh­len. Noch In­ter­mo­du­la­ti­ons-si­che­rer ist, nicht fort­lau­fen­de Chan­nels zu wäh­len, son­dern un­glei­che Ab­stän­de zu rea­li­sie­ren (CH1 – CH2 – CH4 – CH7 – CH12 – CH13 – CH 19 – CH25).

Nur bei den High-end-ver­sio­nen di­gi­tal mo­du­lie­ren­der Funk­stre­cken (wie Senn­hei­ser 9000 und 6000) ist die In­ter­mo­du­la­ti­on auf Grund ex­trem li­nea­rer Ver­stär­ker, die kei­ne In­ter­mo­du­la­ti­ons-misch­pro­duk­te mehr „da­zu sin­gen“, kein The­ma mehr (es geht jetzt z. B.: 500.100 – 500.200 – 500.300 – 500.400). Die ers­te Mög­lich­keit für ei­nen Scan ist der ma­nu­el­le Scan über das Me­nü des Emp­fän­gers. Im Re­port wer­den für ei­ne aus­ge­wähl­te Grup­pe oder Bank die mit frem­den Ener­gi­en („Trä­gern“) be­las­te­ten Fre­quen­zen an­ge­zeigt und wie vie­le Fre­quen­zen in­ner­halb der Bank oder Grup­pe zum Be­trieb noch zur Ver­fü­gung ste­hen. Oder es wird für die Fre­quenz­ver­ga­be für die nächs­te Funk­stre­cke im Grup­pen- oder Bank-ver­bund die nächs­te un­be­las­te­te Fre­quenz aus­ge­lis­tet („Group-„ oder „Chan­nel“-scan bei Shu­re). Die zwei­te Mög­lich­keit für ei­nen Scan ist über ei­ne zen­tra­le Steu­er­soft­ware auf ei­nem Rech­ner, der über ei­nen zen­tra­len Netz­werk-switch mit al­len Emp­fän­gern via Cat-ka­beln ver­bun­den ist (Senn­hei­ser: „Wi­re­less Sys­tems Ma­na­ger“, Shu­re: „Wi­re­less Work­bench“).

Fre­quenz-scan: vor­her se­hen, was ON AIR los ist

Auf ei­nem der Emp­fän­ger im Emp­fän­ger-ver­bund löst der Rech­ner den Scan-vor­gang aus und ein gra­fisch un­ter­stütz­ter Re­port gibt Aus­kunft über die Si­tua­ti­on. Ist be­kannt, dass sich im Ein­satz­ge­biet der Funk­an­la­ge be­reits ein mit DVBT2 (via Sen­de­mas­ten ter­res­trisch aus­ge­strahl­te­di­gi­ta­le Fern­seh­pro­gram­me) be­leg­ter Fre­quenz­be­reich be­fin­det, lässt sich das ein­ge­ben und der Scan spart die­sen Be­reich von vor­ne­her­ein aus.

Da die Funk­stre­cken-tech­no­lo­gie ih­ren An­fang in der ter­res­tri­schen Fern­seh­über­tra­gung nahm, ori­en­tiert sie sich an der Fre­quenz­ein­tei­lung, die sich die Fern­seh­leu­te da­mals aus­dach­ten. Sie un­ter­teil­ten die Sen­de­fre­quen­zen in 7 MHZ brei­te Fens­ter im Be­reich nied­ri­ger Fre­quen­zen von 174-230 MHZ („VHF“: Very High Fre­quen­cy) und 8 MHZ brei­te Fens­ter im Be­reich hö­he­rer Fre­quen­zen von 470-958 Mhz („UHF“: Ul­tra High Fre­quen­cy).

Die­se Fens­ter wer­den „Fern­seh-ka­nä­le“ge­nannt. Pro­fes­sio­nel­le Funk­stre­cken ope­rie­ren heu­te (2019) na­he­zu aus­schließ­lich im Be­reich der UHF-TV-KA­NÄ­LE. Des­halb er­folgt die Ein­ga­be mit DVBT be­leg­ten Fre­quen­zen über An­ga­be des je­wei­li­gen Tv-ka­na­les (z. B. für 782-790 MHZ: „TV CH 60“). Nach dem Scan kann die Soft­ware ein selbst be­rech­ne­tes Fre­quenz-set­up in

die Emp­fän­ger hin­ein­pro­gram­mie­ren. Da­nach ist der Ab­gleich der Be­triebs­fre­quenz zwi­schen dem ein­zel­nen Emp­fän­ger und sei­nem Sen­der über ei­ne In­fra­rot-stre­cke durch­zu­füh­ren (Tas­te „Sync“am Emp­fän­ger). Da­zu gibt es ein klei­nes Ir-feld im Emfpän­ger-dis­play und am Sen­der.

Die Ten­denz bei der Soft­ware der ver­schie­de­nen Ge­rä­te­her­stel­ler geht in die Rich­tung, dass die Dvbt-ka­nä­le der ver­schie­de­nen Län­der und nach je­wei­li­ger Re­gi­on be­reits dort hin­ter­legt, al­so ab­ruf­bar sind. Als Faust­re­gel für die Ab­stän­de der ei­ge­nen Be­triebs­fre­quen­zen zu mit Fremd­trä­gern be­las­te­ten Fre­quen­zen kann gel­ten, was bei Ab­stän­den zu mit DVBT be­leg­ten Tv-ka­nä­len gilt: 400 khz Ab­stand zu den ei­ge­nen Be­triebs­fre­quen­zen.

Wie­viel Be­triebs­si­cher­heit bringt ein Scan ?

Ein Scan ist ei­ne Mo­ment­auf­nah­me und kein Blick in die Zu­kunft. Bei der Er­öff­nung der BMW-WELT in Mün­chen bei­spiels­wei­se wur­de kurz vor dem Be­ginn der Ver­an­stal­tung ein Scan und ei­ne Pro­gram­mie­rung der Funk­an­la­ge durch­ge­führt. Fünf Mi­nu­ten vor Start gab es ei­nen Voll­aus­schlag auf ei­nem der Emp­fän­ger: ein Re­por­ter hat­te auf der an­de­ren Büh­nen­sei­te sei­nen Ta­schen­sen­der ein­ge­schal­tet! Zwei­tes Bei­spiel: Bei ei­ner Cha­ri­ty-ga­la in Pal­ma de Mallor­ca mit ei­ner Wo­che Auf­bau­zeit er­gab ein täg­li­cher Scan, dass im­mer mehr Fremd­trä­ger pro Tag re­gis­triert wer­den muss­ten. Ent­spre­chend wur­de pro Tag ei­ne Neu­pro­gram­mie­rung der Be­triebs­fre­quen­zen vor­ge­nom­men.

Um dau­er­haft Si­cher­heit durch ei­nen Scan zu ha­ben, müss­te er al­so per­ma­nent wäh­rend der Show durch­ge­führt wer­den und es müss­ten sich durch ge­scann­te Fremd­trä­ger be­las­te­te ei­ge­ne Be­triebs­fre­quen­zen wäh­rend des Be­trie­bes auf neue un­be­las­te­te au­to­ma­tisch um­stel­len las­sen. Das kann nach vor­lie­gen­dem Wis­sens­stand nur ei­ne Funk­stre­cke von Au­dio­tech­ni­ca (Sys­tem 10) im Fre­quenz­be­reich des WLAN (2,4 GHZ). Es ist mög­lich, dass die zu­künf­ti­gen Kun­den­wün­sche da­zu füh­ren, dass sich die­se Tech­no­lo­gie auch im Uhf-be­reich eta­bliert. Jetzt (2019) ist das noch nicht so.

Fa­zit: es braucht Maß­nah­men, um ei­ne Be­ein­träch­ti­gung nach ei­nem Scan ab­zu­fe­dern. Schau­en wir uns ei­ni­ge mög­li­che Si­cher­hei­ten über ei­nen Scan hin­aus an.

Emp­fang ver­bes­sern

Die Emp­fangs­si­tua­ti­on der ei­ge­nen Be­triebs­fre­quen­zen soll­te man op­ti­mie­ren, so­dass fre­quenz­glei­che Ener­gi­en frem­der Trä­ger stets schwä­cher am Emp­fän­ger ein­tref­fen und von ihm igno­riert wer­den („Cap­tu­re Ef­fekt“). Bei der Über­tra­gung von Au­dio­si­gna­len über Trä­ger­fre­quen­zen von meh­re­ren hun­dert MHZ kann dies ko­diert wer­den ent­we­der über ei­ne Ve­rän­de­rung der Si­gnal­grö­ße der Trä­ger­fre­quenz (grö­ßer und klei­ner im Rhyth­mus der Au­dio­in­for­ma­ti­on, „AM“für Am­pli­tu­den­mo­du­la­ti­on) oder über ei­ne Ve­rän­de­rung der Schwin­gungs-schnel­lig­keit der Trä­ger­fre­quenz (schnel­ler und lang­sa­mer im Rhyth­mus der Au­dio-in­for­ma­ti­on, „FM“für Fre­quenz­mo­du­la­ti­on). Bei Funk­stre­cken wird FM ver­wen­det und hier kommt der Cap­tu­re-ef­fekt zum Tra­gen: der Emp­fän­ger ver­ar­bei­tet stets das stär­ke­re Si­gnal, wenn zwei fre­quenz­glei­che Si­gna­le an den An­ten­nen emp­fan­gen wer­den.

Ei­ni­ge Kri­te­ri­en für die Op­ti­mie­rung der Emp­fangs-si­tua­ti­on:

- 4 m Ab­stand zwi­schen al­len Sen­dern und den Emp­fangs­an­ten­nen (Ge­ring­hal­ten der IMS) - op­ti­sche Sicht­li­nie zwi­schen Sen­dern und Emp­fän­gern - Wi­der­stän­de sind: Be­ton, me­tall­be­dampf­tes Glas (lässt sich

nicht er­ken­nen) und Me­tall­git­ter - kei­ne Wi­der­stän­de sind: Holz, Plas­tik und ein­fa­ches Glas - hoch­wer­ti­ge An­ten­nen­ka­bel (hö­he­re Be­triebs­fre­quenz ->

hö­he­rer Ver­lust / „Dämp­fung“) - nur 50-Ohm-ka­bel und Ver­bin­der ver­wen­den (Vi­deo ver­wen­det 75-Ohm-tech­no­lo­gie) - ge­rich­te­te An­ten­nen und rich­tig aus­ge­rich­tet: ein Dre­hen

kann Stö­rer bzgl. der Rich­tung er­mit­teln! - kei­ne un­ge­rich­te­ten An­ten­nen („Rund­strah­ler“), wenn Stö­rer zu be­fürch­ten sind (Open Air) - we­nig Steck­ver­bin­dun­gen zwi­schen An­ten­nen und Emp­fän­ger (je­weils 1 bis 3 db Dämp­fung)

- bei lan­gen Ka­beln Ver­stär­ker vor den Ka­bel­stre­cken ein­pla­nen - nur die ab­seh­ba­ren Ver­lus­te in den Ka­beln und Ste­ckern

mit Ver­stär­kung kom­pen­sie­ren - nicht un­be­se­hen mög­li­cher Ver­lus­te auf Ma­xi­mal­ver­stär­kung ge­hen (Ge­ring­hal­ten der IMS) - Ab­stand der bei­den („Di­ver­si­ty„) An­ten­nen mind. ei­ne hal­be

Be­triebs-fre­quenz-wel­len­län­ge - op­ti­mal: bei­de An­ten­nen über die Spiel­flä­che im ge­drit­tel­ten Ab­stand po­si­tio­nie­ren - 2 m weg von Mo­ving-heads und Led-schein­wer­fern (hoch­fre­quen­te Ein­streu­un­gen) - bei 2 An­ten­nen di­rekt am Emp­fän­ger: 90° für opt. Emp­fang

für al­le Schwin­gungs­rich­tun­gen

Fre­quenz­pla­nung

Fre­quenz-plät­ze soll­te man früh­zei­tig vor der Ver­an­stal­tung durch An­schal­ten der Sen­der be­set­zen. Ein Klas­si­ker sind die Pres­se­kon­fe­ren­zen: Stets kom­men ganz spät die Kol­le­gen von der elek­tro­ni­schen Be­richt­er­stat­tung (Eb-teams), sprich die Re­por­ta­ge-teams. Sind die ei­ge­nen Be­triebs­fre­quen­zen be­reits ak­tiv, mer­ken die Eb-kol­le­gen, dass sie auf mög­li­chen fre­quenz­glei­chen Funk­stre­cken ein Pro­blem ha­ben. Da­mit ist aber im Sin­ne der har­mo­ni­schen kol­le­gia­len Ko­or­di­na­ti­on nicht al­les ge­tan. Es hat je­mand vom ei­ge­nen Team die­se Kol­le­gen im Au­ge zu hal­ten und mit ih­nen Kon­takt auf­zu­neh­men samt ei­ner Lis­te der ei­ge­nen Be­triebs­fre­quen­zen. Gu­te Er­fah­run­gen wur­den ge­macht mit ei­nem Wor­ding im Sin­ne von: „Hal­lo, wir ha­ben hier ei­ne glei­che Fre­quenz im Ein­satz. Sol­len wir un­se­re um­stel­len oder könnt ihr eu­re um­stel­len?“So bie­ten wir un­er­fah­re­nen Kol­le­gen un­se­re Hil­fe an und ih­nen wird der Druck ge­nom­men, zu agie­ren. Was üb­li­cher­wei­se da­zu führt, dass sie sich mo­ti­viert füh­len, eben doch zu agie­ren im Sin­ne ei­ner Fre­quenz­um­stel­lung ih­rer­seits. Die­se Idee, die ei­ge­nen Fre­quenz­plät­ze früh­zei­tig zu be­set­zen, hat sich über PKS hin­aus ge­ne­rell bei al­len Ver­an­stal­tun­gen be­währt.

»Hal­lo, wir ha­ben hier ei­ne glei­che Fre­quenz im Ein­satz. Sol­len wir un­se­re um­stel­len oder könnt ihr um­stel­len?“So bie­ten wir un­er­fah­re­nen Kol­le­gen un­se­re Hil­fe an und es wird der Druck aus der Si­tua­ti­on ge­nom­men.« Wolf-chris­toph Mül­ler | emp­fiehlt lau­fen­de Kom­mu­ni­ka­ti­on

Über­blick be­wah­ren ... auch ei­ne Form von Si­cher­heit

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