VI­VID Grand Show: Au­dio­tech­nik

Production Partner - - Inhalt - Text: Mat­thi­as Fuchs | Fo­tos: Mat­thi­as Fuchs, Brink­hoff-mö­gen­burg (1)

Die Tech­nik der VI­VID Grand Show im Ber­li­ner Fried­rich­stadt-pa­last steht selbst gro­ßen Us-pro­duk­tio­nen in nichts nach. Hin­ter den Ku­lis­sen der fu­tu­ris­tisch an­mu­ten­den Show ar­bei­ten erst­ma­lig ein Im­mer­si­ve-sound-kon­zept und Avid-s6-kon­so­len

Der Fried­rich­stadt-pa­last im Ber­li­ner Be­zirk Mit­te zählt zu den füh­ren­den Show-auf­füh­rungs­or­ten Eu­ro­pas. So ver­fügt der 1984 wie­der­er­öff­ne­te Pa­last­neu­bau über ei­nen Saal mit 1895 am­phi­thea­trisch an­ge­leg­ten Sitz­plät­zen. Die 24 Me­ter brei­te Büh­ne bie­tet ei­ne be­spiel­ba­re Ge­samt­flä­che von 2.854 Qua­drat­me­tern

und gilt da­mit als der­zeit größ­te Thea­ter­büh­ne der Welt.

Für die ak­tu­el­le Pro­duk­ti­on VI­VID Grand Show wur­den al­le Re­gis­ter ge­zo­gen: Mit dem bis­her um­fang­reichs­ten Pro­duk­ti­ons­bud­get des Fried­rich­stadt-pa­las­tes (12 Mil­lio­nen Eu­ro) rea­li­sier­te das in­ter­na­tio­na­le und nam­haf­te Pro­duk­ti­ons­team (u. a. Berndt Schmidt Pro­duk­ti­on, Kris­ta Mon­son Re­gie, Micha­el Cot­ton Büh­nenn­bild, Ste­fa­no Ca­nul­li, Phi­lip Tre­acy Ko­s­tü­me, Chris Moy­lan Licht­de­sign, Sound­de­sign Cedric Be­at­ty) ei­ne fu­tu­ris­tisch an­mu­ten­de Re­vue mit fas­zi­nie­ren­der Op­tik und au­ßer­ge­wöhn­li­chem Sound. Der ver­dien­te Er­folgt ist nicht aus­ge­blie­ben. VI­VID er­freut sich na­he­zu all­abend­lich aus­ver­kauf­ten Shows und be­geis­ter­ten Re­ak­tio­nen sei­tens Pu­bli­kum und Kri­tik. Im Herbst star­tet VI­VID Grand Show in sei­ne zwei­te Spiel­zeit.

Zu­sam­men mit Sound­de­si­gner Cedric Be­at­ty, der zu­vor schon vier vor­aus­ge­gan­ge­ne Shows be­treu­te, ent­stand erst­ma­lig im Fried­rich­stadt-pa­last ein auf­wän­di­ges 3D-sound

de­sign, für das die be­ste­hen­de Be­schal­lungs­an­la­ge grund­le­gend ver­än­dert und er­wei­tert wur­de. Já­nos Lin­de, Sound En­gi­neer des Pa­las­tes, er­klär­te uns die we­sent­li­chen Merk­ma­le von VIVIDS Sound-kon­zept und die Her­aus­for­de­run­gen an­ge­sichts der neu­en Im­mer­si­ve-au­dio-be­schal­lung.

Er­wei­te­rung um Im­mer­si­ve-ar­rays

Die bau­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten des Fried­rich­stadt­pa­las­tes sor­gen grund­sätz­lich für ei­ne an­spruchs­vol­le Be­schal­lungs­si­tua­ti­on, die es bei je­der Show zu meis­tern gilt. So ver­fügt der Saal über ver­gleichs­wei­se we­ni­ge Sitz­rei­hen, gleich­zei­tig aber über ei­ne enor­me Brei­te. Die Büh­ne ist da­ge­gen sehr tief und be­sitzt ei­ne weit vor­ge­zo­ge­ne, ge­krümm­te Vor­der­kan­te, die stö­ren­de Re­fle­xio­nen be­güns­tigt. Die L/c/r-struk­tur der Main-pa be­steht aus ei­nem drei­fa­chen Cen­ter so­wie den bei­den seit­li­chen Ar­rays. Hier kom­men alt­be­währ­te Tur­bo­sound Flex Ar­ray zum Ein­satz. Glei­ches gilt für die über der Büh­ne be­find­li­che Bass­zei­le aus Tur­bo­sound TFA 600L Subs. Un­ter den bal­ko­n­ähn­li­chen Sei­ten­büh­nen sind Out­fills an­ge­ord­net (Meyer Sound MM-4).

Für das Nah­feld sind im Büh­nen­rand wei­te­re Meyer Sound MM-4 ein­ge­baut. Bei VI­VID ge­ben sie den kom­plet­ten Mix wie­der, wäh­rend sie bei an­de­ren Shows meist den/die Sän­ger her­vor­he­ben.

Es­sen­ti­ell für die VI­VID Grand Show war der Aus­bau der vor­han­de­nen Sur­round-an­la­ge von bis­her ein­zel­nen, ma­nu­ell über Bus­se an­ge­steu­er­ten Laut­spre­chern zu ei­ner er­wei­ter­ten An­zahl an Ar­rays für im­mer­si­ven Sound. So be­fin­den sich Ar­rays aus Meyer-sound M’elo­die-laut­spre­chern im Zu­schau­er­raum ver­teilt. Was auf den ers­ten Blick mög­li­cher­wei­se et­was über­di­men­sio­niert er­schei­nen mag, wird von Já­nos Lin­de mit den Not­wen­dig­kei­ten für ei­ne mög­lichst fo­kus­sier­te Schall­ab­strah­lung im 3D-se­t­up er­klärt.

FOH: Mul­ti-tas­king at it’s best

Seit kur­zem ar­bei­tet man im Fried­rich­stadt-pa­last mit ei­nem Avid Ve­nue S6L, be­ste­hend aus je zwei 32D-con­trol­lern und En­gi­nes E6L-192 für FOH und

Mo­ni­tor so­wie meh­re­ren, im Hau­se ver­teil­ten Sta­ge-racks (zwei 64er, vier 16er). Die Si­gnal­ver­tei­lung er­folgt über Glas­fa­ser. Laut Já­nos Lin­de fiel die Ent­schei­dung zu­guns­ten des Avid-sys­tems auf­grund be­que­mer und zeit­ge­mä­ßer Work­flows, so­wie der gro­ßen An­zahl ver­füg­ba­rer Ka­nä­le. Für VI­VID wer­den von den 192 Chan­nels im­mer­hin ins­ge­samt 156 ge­nutzt. Eben­so ge­schätzt wird die bis da­to kon­kur­renz­lo­se Pro-tools-ein­bin­dung, denn zu­sätz­lich zum 16-köp­fi­gen Orches­ter wird mit bis zu 64-ka­na­li­gen Sla­ve-tracks ge­ar­bei­tet, die von Pro Tools zu­ge­spielt wer­den. Pro Tools lie­fert zu­dem auch Ti­me­co­de und Click.

Im Avid S6L des Fried­rich­stadt-pa­las­tes war zu un­se­rem Be­such das 6.1-Up­date in­stal­liert. Já­nos Lin­de hebt un­ter des­sen Neue­run­gen vor al­lem die er­wei­ter­te Aux-an­sicht so­wie die fle­xi­ble Func­tion-be­le­gung und ih­re be­lie­big kon­fi­gu­rier­ba­re Trig­ge­rung her­vor.

In die­sem Zu­sam­men­hang be­merkt Já­nos Lin­de, dass die Ab­läu­fe der VI­VID Grand Show ver­gleichs­wei­se we­nig au­to­ma­ti­siert statt­fin­den. Im We­sent­li­chen han­delt es sich um auf­ein­an­der­fol­gen­de Songs. Der Show-cal­ler si­gna­li­siert dem Di­ri­gen­ten den je­wei­li­gen Song­s­tart. Die­ser wie­der­um star­tet per Knopf­druck die bei­den Pro-tools-zu­spie­ler und da­mit auch den Ti­me­co­de, wel­cher am Pult ei­ni­ge Sze­nen

trig­gert. An­de­re Sze­nen/songs wer­den je­doch per Hand ge­fah­ren. Q-lab lie­fert bei VI­VID di­ver­se Sound-ef­fek­te, die al­ler­dings zu­meist eben­falls hän­disch ge­trig­gert wer­den. An­ders bei der nach­mit­täg­li­chen Young-show: Hier gibt es deut­lich mehr „Knall“- bzw. Sound-ef­fek­te, was ei­ne wei­ter­ge­hen­de und Ti­me­co­de-ge­steu­er­te Au­to­ma­ti­on von Q-la­bevents er­for­der­lich macht. Al­les in al­lem, so Já­nos Lin­de, for­de­re vor al­lem die Abend­show vom En­gi­neer „Mul­ti­tas­king at it’s best".

Flux SPAT Re­vo­lu­ti­on am Avid S6L

Für die Im­mer­si­ve-au­dio-um­rüs­tung hat man sich im Fried­rich­stadt-pa­last an­läss­lich VI­VID für ei­ne SPAT Re­vo­lu­ti­on Im­mer­si­ve Au­dio En­gi­ne ent­schie­den. Die Soft­ware der Fir­ma Flux, die auch di­ver­se Plug-ins und Ana­ly­ser ent­wi­ckel­te, lie­fert ein 5th-or­der-am­bi­so­nics-klang­feld (HOA). Es er­laubt die kom­ple­xe räum­li­che Ver­tei­lung von bis zu 64 Mo­no-au­di­o­ob­jek­ten. Zu­dem ge­ne­riert das Sys­tem ei­nen Re­verb, der, so

Já­nos Lin­de, sehr schön mit dem ge­sam­ten Raum ar­bei­tet. Flux SPAT Re­vo­lu­ti­on wird vom S6L über 32 Ste­reo-bus­se via MA­DI ge­speist. Es plat­ziert die Sound-qu­el­len und lei­tet sie schließ­lich wei­ter an die Laut­spre­cher-con­trol­ler. Die Au­to­ma­ti­sie­rung er­folgt auch hier über den Pro-tools-ti­me­co­de. SPAT Re­vo­lu­ti­on ist da­bei mit­tels zwei­er App­le Mac Pro red­un­dant aus­ge­führt. Die Ent­schei­dung für die Spat Re­vo­lu­ti­on En­gi­ne fiel u. a. des­halb, weil sie auch in der La­ge ist, den Am­bi­so­nics-mix auf meh­re­re ver­schie­de­ne, ka­nal­ba­sier­te Laut­spre­cher­sys­te­me um­zu­rech­nen und dort gleich­zei­tig be­reit­zu­stel­len (üb­ri­gens auch in­cl. ei­ne bin­au­ra­len En­co­dings fürs Mo­ni­to­ring). So wird et­wa in ei­ner VIP-ZO­NE des Pa­las­tes ein 4.1-Mix und back­stage noch ein Ste­reo-mix ge­lie­fert.

Mo­ni­tor fürs Orches­ter

Im Ge­gen­satz zu zahl­rei­chen an­de­ren Thea­ter­häu­sern sind im Fried­rich­stadt-pa­last FOH- und Mo­ni­tor-platz iden­tisch

aus­ge­rüs­tet. Auch hier fin­det sich ein Avid S6L 32D samt 192er-en­gi­ne. Já­nos Lin­de weist da­bei auf das 16-köp­fi­ge Orches­ter hin, de­ren Mu­si­ker al­le­samt ei­nen ei­ge­nen Mix er­hal­ten und teil­wei­se auch auf der Büh­ne agie­ren. Da­zu kom­men die zahl­rei­chen Darstel­ler. Der Mo­ni­tor-mi­xer be­nö­tigt na­tür­lich je­der­zeit Zu­griff auf al­le Si­gnal­quel­len, dar­über hin­aus sind sämt­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­te­me in das Mo­ni­to­ring ein­ge­bun­den.

Ne­ben dem Misch­pult Avid S6L ge­hört zum Mo­ni­to­ring ein Per­so­nal-mo­ni­tor-sys­tem Roland M-48 für die 17 Mit­glie­der der Show­band. Ins­ge­samt 52 Si­gna­le wer­den vor­ge­mischt und auf die 17 Sub­grup­pen bzw. Mu­si­ker ver­teilt. Der Di­ri­gent hat zu­dem die Mög­lich­keit, über ein wei­te­res Pult (Sound­craft SI Im­pact) in sämt­li­che Ein­zel­si­gna­le hin­ein­hö­ren zu kön­nen. Am Mo­ni­tor­platz be­fin­det sich auch das In-ear-rack mit zwölf Über­tra­gungs­stre­cken (Shu­re PSM 1000). Ein App­le imac Pro dient am Mo­ni­tor­platz als Zu­spie­ler und Q-lab-host. Er spielt vor al­lem in der oben er­wähn­ten Young-show ei­ne wich­ti­ge Rol­le.

Nach Já­nos Lin­des Ein­schät­zung hat sich die Aus­rich­tung zum 3D-sound rund­um be­zahlt ge­macht und könn­te zu­künf­tig wei­ter aus­ge­baut wer­den – die all­abend­lich be­geis­ter­ten Zu­schau­er ge­ben ihm Recht.

VI­VID FOH mit der Avid S6L

Die Foh-racks be­inhal­ten im We­sent­li­chen die Avid S6L 192-En­gi­ne mit vier HDX- und ei­ner Sound­grid-kar­te, den in der Show reich­lich ver­wen­de­ten Wa­ves-sound­grid-ser­ver, zwei red­un­dant ar­bei­ten­de und via Ne­me­sis MADISW um­schalt­ba­re Mac Pro mit drei Pro Tools HD Ma­di-in­ter­faces. Wei­ter fin­den sich meh­re­re Ma­di-rou­ter, ei­ne Mu­tek Sys­temclock so­wie di­ver­ses Netz­werk- und Mi­di-zu­be­hör. Auf zwei wei­te­ren App­le Mac Pro lau­fen red­un­dant das Flux SPAT Re­vo­lu­ti­on Im­mer­si­ve-au­dio-sys­tem

Flux SPAT Re­vo­lu­ti­on Im­mer­si­ve Au­dio En­gi­ne mit Kon­fi­gu­ra­ti­ons­mög­lich­kei­ten für bis zu 64 Au­di­o­ob­jek­te, die Au­to­ma­ti­on er­folgt via Pro Tools und OSC

17-köp­fi­ge Show­band mit vier Strei­chern, sechs Blä­sern, drei Key­boar­dern (ei­ner da­von der Di­ri­gent), Drums, Per­cus­sion, Bass und Gi­tar­re. Je­der Mu­si­ker nutzt ein Roland M-48 Per­so­nal Mo­ni­to­ring, über das Sound­craft-pult kann der Di­ri­gent Ein­zel­si­gna­le ab­hö­ren

Mo­ni­tor­platz mit Avid S6L iden­tisch zum Foh-platz plus Roland M-48 und imac Pro als wei­te­rer Pro­tools-zu­spie­ler so­wie für Q-lab

Tech­nik­raum mit Rou­ting für ana­lo­ge und di­gi­ta­le Au­dio- und Steu­er­si­gna­le im ge­sam­ten Haus

Ra­dio­raum mit dem für VI­VID Grand Show neu in­stal­lier­ten Shu­re Axi­ent Di­gi­tal

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