Tipps für den Ser­vice von Mo­ving Lights

„I li­ke to mo­ve it, mo­ve it“… aber was tun, wenn ein Mo­ving He­ad nach ei­ni­gen St­un­den im Ein­satz an Per­for­mance und Prä­zi­si­on zu wün­schen üb­rig­lässt oder so­gar aus­fällt? Chris­ti­an Fuß gibt Tipps für den Ser­vice von Mo­ving Lights

Production Partner - - Special | Service Von Moving Lights - Text und Bil­der: Chris­ti­an Fuß

Im har­ten Ar­beits­all­tag ist ein Mo­ving Light un­ter­schied­lichs­ten Be­las­tun­gen aus­ge­setzt. Von Ne­bel­flui­den, die sich auf Ober­flä­chen ab­setz­ten, bis hin zu me­cha­ni­schen Be­las­tun­gen der An­trie­be. Um das „bes­te Pferd im Stall“vor Aus­fall oder grö­ße­rem Ver­schleiß zu schüt­zen, soll­te in re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den ei­ne War­tung der ein­zel­nen Kom­po­nen­ten durch­ge­führt wer­den. Und da­mit sind wir auch schon mit­ten im The­ma.

1. Die Rie­men

Bei Pan- und Tilt-be­we­gun­gen ist das Mo­ving Light teil­wei­se ho­hen Be­las­tun­gen aus­ge­setzt. Durch die ent­ste­hen­de Rei­bung zwi­schen Rie­men und Rit­zel, nutzt sich die­ser mit der Zeit ab. An­fäng­lich kann sich das durch quiet­schen oder knar­zen bei ei­ner Be­we­gungs­fahrt zei­gen. Meis­tens ent­steht da­bei ein fei­ner schwar­zer Staub, wel­cher sich in die Öff­nung der so­ge­nann­ten Re­flex­kopp­ler (Licht­schran­ke) ab­setz­ten kann. Im schlimms­ten Fall ist dann ei­ne Po­si­ti­ons­be­stim­mung für Pan/tilt nicht mehr mög­lich, da die Sen­so­rik „blind“ist. Zum Staub ent­fer­nen emp­fiehlt sich der Ein­satz von Pin­sel und Druck­luft. Wich­tig ist, dass der Staub rund um die Sen­so­rik, auf den Rit­zeln und auf dem Rie­men selbst or­dent­lich ent­fernt wird. Im Zu­ge der Rei­ni­gung soll­te auch die Span­nung des Rie­mens kon­trol­liert wer­den. Ist die­ser zu stark ge­spannt, kann er im Be­trieb rei­ßen. Ist er zu lo­se, kann er durch­rut­schen. Ein Richt­wert ist, wenn der Rie­men un­ter leich­tem Druck an der längs­ten Stel­le et­wa ei­nen hal­ben Zen­ti­me­ter nach­gibt. Um die Rie­men op­ti­mal zu pfle­gen, soll­ten die­se ab­schlie­ßend mit ei­nem Si­li­kon­spray oder Si­li­kon­öl (z. B. Kent S100) be­han­delt wer­den. Die­ses hält die Rie­men ge­schmei­dig und min­dert den Ver­schleiß für die künf­ti­gen Ein­sät­ze. Vor­sicht ist bei di­rek­tem Be­sprü­hen des Rie­mens ge­bo­ten, da das Spray eben­falls der Sen­so­rik zu­setz­ten kann. Um auf Num­mer si­cher zu ge­hen, ein­fach das Si­li­kon­spray auf ein fus­sel­frei­es Tuch auf­tra­gen und da­mit die Rie­men von der In­nen- und Au­ßen­sei­te be­han­deln.

2. Das Küh­lungs­ma­nage­ment

Haupt­säch­li­che Wär­me­quel­len in Mo­ving Heads sind das Netz­teil und das Leucht­mit­tel. Da­bei spielt es kei­ne Rol­le, ob mo­derns­te Led-tech­nik oder ei­ne be­währ­te Ent­la­dungs­lam­pe zum Ein­satz kommt. Um die Funk­ti­on al­ler Kom­po­nen­ten im Be­trieb zu ge­währ­leis­ten, muss die über­schüs­si­ge Wär­me mit­tels Lüf­ter ab­ge­führt wer­den. Staub und fei­ner Dunst von Ne­bel­flui­den wer­den aus der Um­ge­bungs­luft ei­ge­saugt und set­zen sich un­wei­ger­lich auf Kühl­rip­pen, Fil­ter­ein­la­gen und Lüf­tern ab. Das kann mit der Zeit ei­ne schmie­ri­ge Mas­se er­ge­ben, wel­che die Wär­me­ab­fuhr be­hin­dern und zum Aus­fall der Lüf­ter füh­ren kann. Um dem vor­zu­beu­gen, soll­te stets auf Sau­ber­keit an den be­trof­fe­nen Tei­len ge­ach­tet wer­den. Her­aus­nehm­ba­re Fil­ter­ein­la­gen kön­nen un­ter flie­ßen­dem Was­ser aus­ge­spült wer­den. Kühl­rip­pen, Lüf­ter und Luft­ein­läs­se las­sen sich eben­falls mit Pin­sel und Druck­luft gut be­han­deln. In hart­nä­cki­gen Fäl­len kann auch ein Elek­tro­nik-rei­ni­gungs­spray (z. B. Kon­takt 413) zum Ab­spü­len ge­nutzt wer­den.

Aber nicht nur Staub kann ei­nen Lüf­ter in der Funk­ti­on ein­schrän­ken. Es kann auch vor­kom­men, dass die La­ger in den Lüf­tern mit der Zeit aus­schla­gen. Dann hilft nur noch der Aus­tausch die­ser. Bei leis­tungs­schwä­che­ren Ge­rä­ten ist oft nur das Leucht­mit­tel selbst ge­kühlt. In hö­he­ren Leis­tungs­klas­sen sind häu­fig noch Lüf­ter am Netz­teil oder ein­zel­nen Ef­fek­ten wie Go­bo­rad, Farb­rad und Blen­den­schie­ber zu fin­den.

3. Glas­kla­re Sa­che

Bis das Licht des Leucht­mit­tels aus dem Mo­ving He­ad aus­tritt, muss es u. a. di­ver­se Lin­sen und Farb­fil­ter pas­sie­ren. Im lau­fen­den Be­trieb lässt es sich nicht ver­mei­den, dass sich mit der Zeit Staub und Res­te von Ne­bel­flui­den auf den Glas­ober­flä­chen die­ser Kom­po­nen­ten nie­der­las­sen. Es kann pas­sie­ren, dass sich in der Licht­pro­jek­ti­on schwar­ze Fle­cken, her­vor­ge­ru­fen durch z. B. Staub, er­ken­nen las­sen. Wei­ter­hin ist es mög­lich, dass der Licht­strom ein­ge­schränkt wird und so­mit die Hel­lig­keit ab­nimmt. Um best­mög­li­che Pro­jek­ti­ons­qua­li­tät zu ge­währ­leis­ten, soll­ten al­le Glas­flä­chen re­gel­mä­ßig vom Dreck be­freit wer­den. Be­vor ge­rei­nigt wer­den kann, emp­fiehlt es sich, die Ef­fekt­ein­schü­be (Farb­rad, Go­bos, etc.) wenn mög­lich vor­sich­tig zu ent­fer­nen, um bes­se­ren Zu­gang zu den Lin­sen zu er­hal­ten. Meis­tens sind die Ein­schü­be mit zwei Hand­schrau­ben an den Sei­ten be­fes­tigt. Im aus­ge­bau­ten Zu­stand las­sen sich dann auch die dar­auf ver­bau­ten Kom­po­nen­ten leich­ter rei­ni­gen. Be­son­de­re Vor­sicht gilt beim Raus­zie­hen die­ser. Mög­li­cher­wei­se müs­sen erst Steck­ver­bin­der ge­löst wer­den, die die Ein­hei­ten mit Be­triebs­span­nung und Steu­er­si­gna­len ver­sor­gen. Es be­darf kei­ner exo­ti­schen oder teu­ren Spe­zi­al­rei­ni­ger für das Säu­bern der Glas­flä­chen. Ein­fach ein Fens­ter­le­der oder fus­sel­frei­es Tuch mit et­was Sei­fen­was­ser trän­ken und die Lin­sen da­mit ab­wi­schen. Für die Rei­ni­gung von Farb- und Cmy­fil­ter emp­fiehlt sich der Ein­satz von ge­tränk­ten Wat­te­stäb­chen. Da­mit lässt sich prä­zi­ser auf den klei­ne­ren Glas­flä­chen ar­bei­ten.

Für die End­rei­ni­gung kann Iso­pro­pa­nol ge­nutzt wer­den. Da­mit wer­den die Flä­chen strei­fen­frei und mög­li­che Sei­fen­rück­stän­de ent­fernt. Es emp­fiehlt sich, auf den Ein­satz von haus­halts­üb­li­chem Glas­rei­ni­ger zu­sam­men mit Kü­chen­rol

len­pa­pier oder ähn­li­chem zu ver­zich­ten. Die­se Kom­bi­na­ti­on hin­ter­lässt häu­fig Schlie­ren auf den Lin­sen.

4. Ka­bel und Ste­cker

In je­dem Mo­ving Light sind ei­ne Viel­zahl von Steck­ver­bin­dern und ver­leg­ten Ka­beln zu fin­den, um die ein­zel­nen Kom­po­nen­ten mit Be­triebs­span­nung und Steu­er­si­gna­len zu ver­sor­gen. Je nach Ein­satz­um­ge­bung kann es da­her pas­sie­ren, dass die­se oxi­die­ren und so­mit Feh­ler ver­ur­sa­chen. Es kann zu spo­ra­di­schen Stö­run­gen ein­zel­ner Funk­tio­nen oder zum Aus­fall die­ser füh­ren. Es bie­tet sich da­her im Zu­ge ei­ner kom­plet­ten Rei­ni­gung an, die Steck­ver­bin­der und Ka­bel auf Oxi­da­ti­on und Kor­ro­si­on zu prü­fen. Soll­ten Ste­cker be­trof­fen sein, kön­nen die­se mit et­was Kon­takt­rei­ni­ger (z.b. CAIG Deo­xit D5) ge­rei­nigt und vor er­neu­ter Oxi­da­ti­on ge­schützt wer­den.

5. Sa­fe­ty First

Nach­dem al­le re­le­van­ten Kom­po­nen­ten ge­rei­nigt oder mög­li­cher­wei­se in­stand­ge­setzt wor­den sind, muss ei­ne elek­tri­sche Si­cher­heits­prü­fung nach den Vor­ga­ben der DIN VDE 0701 – 0702 er­fol­gen, be­vor das Ge­rät wie­der in Be­trieb ge­nom­men wird. Da­mit ist ge­währ­leis­tet, dass nur ein elek­trisch si­che­res Ge­rät ein­ge­setzt wird.

Ei­ne si­cher­heits­tech­ni­sche Beur­tei­lung elek­tri­scher Ar­beits­mit­tel setzt im­mer die Qua­li­fi­ka­ti­on ei­ner Elek­tro­f­ach­kraft für fest­ge­leg­te Tä­tig­kei­ten vor­aus – in die­sem Fall al­so die „Elek­tro­f­ach­kraft für Ver­an­stal­tungs­tech­nik“. Zu­dem soll­ten Kennt­nis­se der ak­tu­el­len Nor­men, Ver­ord­nun­gen und Ge­setz­te vor­han­den sein. Un­ter Lei­tung, Auf­sicht und mit Hil­fe ge­eig­ne­ter Mess- und Prüf­ge­rä­te darf auch ei­ne elek­tro­tech­nisch un­ter­wie­se­ne Per­son (EUP) ei­ne Prü­fung elek­tri­scher Be­triebs­mit­tel durch­füh­ren. Wich­tig: Die Aus­bil­dung zur „Fach­kraft für Ver­an­stal­tungs­tech­nik“

be­inhal­tet nicht au­to­ma­tisch die Qua­li­fi­ka­ti­on zur „Elek­tro­f­ach­kraft für. Ver­an­stal­tungs­tech­nik“. Im Zwei­fel kann dies bei der zu­stän­di­gen IHK er­fragt wer­den.

6. Funk­ti­ons­prü­fung und Ka­li­brie­rung

Nach er­folg­rei­cher Prü­fung der elek­tri­schen Si­cher­heit soll­te der Mo­ving He­ad ei­nem Funk­ti­ons­test un­ter­zo­gen wer­den. Zu Be­ginn ist es hilf­reich, wenn die kor­rek­te Dmx-ta­bel­le vor­liegt, um mög­li­che Feh­ler in der Dmx-an­steue­rung zu ver­mei­den. Zu­dem emp­fiehlt sich ei­ne ebe­ne, hel­le Ober­flä­che (z. B. De­cke oder Wand) zur Be­wer­tung der Licht­pro­jek­ti­on. Nach dem An­le­gen der Be­triebs­span­nung am Ge­rät in­itia­li­siert sich die­ses. Das Ge­rät prüft nun als ers­tes, ob al­le Sen­so­ren für die Po­si­ti­ons­be­stim­mun­gen ord­nungs­ge­mäß funk­tio­nie­ren und stellt die Grund­po­si­tio­nen der ein­zel­nen Kom­po­nen­ten ein. Soll­te be­reits hier ein Feh­ler auf­tre­ten, kön­nen mög­li­che Ur­sa­chen ei­ne feh­ler­haf­te Steck­ver­bin­dung oder ein ver­bo­ge­ner oder de­fek­ter Sen­sor sein. Um die Licht­pro­jek­ti­on zu be­wer­ten, wird der Licht­ke­gel senk­recht auf die

Ober­flä­che pro­ji­ziert und mit­tels der Fo­cus Lin­se scharf ge­stellt. Soll­te der Licht­ke­gel nun z. B. nicht kreis­rund sein, son­dern eher ei­ne leicht el­lip­ti­sche Form auf­wei­sen, wird ver­mut­lich ein Go­bo­rad nicht kor­rekt im Licht­ka­nal po­si­tio­niert sein. Die meis­ten Mo­ving Lights be­sit­zen die Mög­lich­keit zur Ka­li­brie­rung der Grund­stel­lun­gen der ein­zel­nen Ef­fek­te und Kom­po­nen­ten – meis­tens als Me­nü­punkt „Ca­li­bra­ti­on“in den Ein­stel­lun­gen des Ge­räts zu fin­den. Hier kann, wenn nö­tig, ei­ne Kor­rek­tur vor­ge­nom­men wer­den.

Wei­te­re mög­li­che Kom­po­nen­ten, wel­che durch die Ka­li­brier­funk­ti­on an­ge­passt wer­den kön­nen, sind:

• Far­b­rä­der und Go­borä­der

• Fo­cus und Zoom-op­tik

• Frost und Pris­men

• Blen­den­schie­ber und Iris

Et­was Ge­duld und Übung ist er­for­der­lich, wenn meh­re­re Mo­ving Heads ka­li­briert wer­den müs­sen. Hier liegt die Her­aus­for­de­rung

da­rin, die ein­zel­nen Funk­tio­nen mög­lichst ge­nau auf­ein­an­der ab­zu­stim­men.

Im Zu­ge des Funk­ti­ons­tests soll­te au­ßer­dem der Stand der auf­ge­spiel­ten Firm­ware über­prüft wer­den. Ist die­se ver­al­tet oder ha­ben die Ge­rä­te un­ter­schied­li­che Firm­ware auf­ge­spielt, soll­te ein Up­date auf die ak­tu­ells­te Ver­si­on er­fol­gen. In­for­ma­tio­nen da­zu gibt es meist beim ent­spre­chen­den Her­stel­ler.

Fa­zit

Im Grun­de ist die War­tung und Pfle­ge von Mo­ving Heads ei­ne un­ab­ding­ba­re Auf­ga­be, wel­che zwar et­was Fin­ger­spit­zen­ge­fühl und Ge­duld er­for­dert, sich am En­de aber be­zahlt macht. In re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den durch­ge­führt, beugt es er­höh­ten Ver­schleiß und mög­li­chem Aus­fall vor. Wie är­ger­lich wä­re es, soll­te ein Mo­ving He­ad in ei­ner Show plötz­lich aus­fal­len, wenn es im Vor­aus mög­li­cher­wei­se hät­te ver­hin­dert wer­den kön­nen? Al­so, ran an die Putz­lap­pen…

An­triebs­rie­men Sehr gut zu se­hen: der schwar­ze Staub vom Abrieb des Rie­mens – hier be­steht Hand­lungs­be­darf

Küh­lung Schön zu se­hen sind die Lüf­ter und Kühl­rip­pen so­wie die Ef­fekt­ein­schü­be

Glas-rei­ni­gung Ver­gleich zwi­schen ver­dreck­ter und ge­rei­nig­ter Lin­se

Farb­misch­ein­heit Für die Rei­ni­gung von Farb- und Cmy-fil­ter emp­fiehlt sich der Ein­satz von ge­tränk­ten Wat­te­stäb­chen

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