30 Jah­re Mau­er­fall

Production Partner - - Inhalt - Text und Fo­tos: Lu­kas J. Her­bers

Gro­ße Show am Bran­den­bur­ger Tor als Ab­schluss­in­sze­nie­rung der ein­wö­chi­gen Fes­ti­val­wo­che

„30 Jah­re Fried­li­che Re­vo­lu­ti­on“der Kul­tur­pro­jek­te Gm­bh – ein Blick auf die Ver­an­stal­tungs­tech­nik des Gro­ßevents

Die gro­ße Show am Bran­den­bur­ger Tor am 9. No­vem­ber 2019 bil­de­te die Ab­schluss­in­sze­nie­rung der ein­wö­chi­gen Fes­ti­val­wo­che „30 Jah­re Fried­li­che Re­vo­lu­ti­on“, die von der Kul­tur­pro­jek­te Gm­bh als Ver­an­stal­ter kon­zi­piert und um­ge­setzt wur­de. Ein Blick auf die Ver­an­stal­tungs­tech­nik des Gro­ßevents

Wo drei St­un­den vor der Show noch Fa­mi­li­en über die ehe­ma­li­ge in­ner­deut­sche Gren­ze am Bran­den­bur­ger Tor hüpf­ten als sei nie et­was ge­we­sen, fei­er­ten am Abend des 9. No­vem­bers Po­lit-pro­mi­nenz und 100.000 Zu­schau­er vor der Büh­ne das En­de der Tei­lung – und wand­ten sich heu­ti­gen Mau­ern an Gren­zen und in den Köp­fen der Men­schen zu. Bei ei­nem Event für Zeit­zeu­gen, jun­ge Fa­mi­li­en, aber auch die Bun­des­kanz­le­rin und den Bun­des­prä­si­den­ten sei es un­ab­ding­bar, brei­te Gen­res zu ver­tre­ten, er­klärt Re­gis­seur Sven Sö­ren Bey­er, des­sen Künst­ler­kol­lek­tiv pha­se7 per­for­ming.arts mit der Ins­ze­nie­rung der Ju­bi­lä­ums­show von der Kul­tur­pro­jek­te Gm­bh be­traut wur­de. „Wir ha­ben ver­sucht, dem ,Kes­sel Bun­tes‘ durch un­se­re Er­zähl­struk­tur ent­ge­gen­zu­wir­ken. So sind wir vom Mau­er­fall zu heu­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen wie Flucht und den Fol­gen des Kli­ma­wan­dels ge

kom­men.“Die Band­brei­te an ver­tre­te­nen Künst­lern sei bei ei­ner Ver­an­stal­tung die­ser Art na­tür­lich wich­tig, aber „man muss aus­hal­ten, dass Künst­ler, die man ein­lädt, dann auch das tun, wo­für sie ste­hen“, er­klärt er die Aus­wahl von po­la­ri­sie­ren­den Künst­lern wie Zu­ge­zo­gen Mas­ku­lin mit Songs wie „End­lich wie­der Krieg“oder Hiphop-künst­ler Trett­mann, der mit „Grau­er Be­ton“zum ei­nen sei­ne Ge­schich­te in der DDR re­flek­tiert und gleich­zei­tig mit „Stol­per­stei­ne“ei­nen Bo­gen von der Ns-zeit in die Ge­gen­wart schlägt. Ne­ben den Hiphop-acts spra­chen un­ter an­de­rem Bun­des­prä­si­dent Frank-wal­ter St­ein­mei­er, Zeit­zeu­gen aus der Zeit der Tei­lung, aber auch Ju­gend­li­che, die sich im Hier und Jetzt ge­gen die Fol­gen des Kli­ma­wan­dels en­ga­gie­ren. Zu den wei­te­ren mu­si­schen High­lights des Abends zähl­ten die Staats­ka­pel­le Berlin, die un­ter der Lei­tung von Daniel Ba­ren­boim die 5. Sinfonie von Lud­wig van Beet­ho­ven spiel­te, und West­bam, der die Ber­li­ner Tech­no-sze­ne nach dem Mau­er­fall nach­hal­tig ge­prägt hat.

Vor­be­rei­tun­gen mit Ein­schrän­kun­gen

Ac­count Ma­na­ge­rin Ul­ri­ke Wol­ter, die die Aus­schrei­bung in den Ge­wer­ken Ton, Licht und Vi­deo für PRG ge­won­nen hat­te, er­klärt: „Wir sind seit dem 31. Ok­to­ber mit dem Auf­bau vor Ort be­schäf­tigt. Ab dem 4. No­vem­ber durf­ten wir al­ler­dings nur noch nachts ar­bei­ten, um den Pu­bli­kums­ver­kehr bei Tag nicht zu sehr zu stö­ren.“

In der auf das Ju­bi­lä­um zu­lau­fen­den Wo­che hat­te die Kul­tur­pro­jek­te Gm­bh als Auf­trag­ge­ber be­reits an ver­schie­de­nen Or­ten über die Stadt ver­teilt für Pro­gramm ge­sorgt, um der in­ner­deut­schen Tei­lung zu ge­den­ken. Da­von war für Ul­ri­ke Wol­ter und ih­re Cr­ew be­son­ders das Kunst­werk „Vi­si­ons in Mo­ti­on“re­le­vant: Auf 150 Me­tern Län­ge hat­ten der Usame­ri­ka­ni­sche Künst­ler Patrick She­arn mit sei­nem Stu­dio Poe­tic Ki­ne­tics 30.000 Wün­sche von Men­schen zu ei­nem über der Stra­ße des 17. Ju­ni hän­gen­den Netz aus Stoff­fet­zen ver­wo­ben – ver­ant­wort­lich für die Er­rich­tung war Na­w­ro­cki Al­pin. Vor der auf der Nord/süd-ach­se vor dem Bran­den­bur­ger Tor ver­lau­fen­den Dop­pel­büh­ne stell­te die In­stal­la­ti­on ein zen­tra­les Ele­ment über den Köp­fen der Zu­schau­er dar – aber auch ei­ne be­son­de­re Her­aus­for­de­rung für das Ge­werk Ton: „Durch die Hö­he des Net­zes muss­ten wir mit un­se­rer Be­schal­lung et­was tie­fer ge­hen als nor­ma­ler­wei­se“, er­klärt Fe­lix Hahn, Ge­wer­ke­lei­ter Ton.

Grund für die nied­ri­ge Hö­he sei­en die Sta­tik­be­rech­nun­gen ge­we­sen, so Re­gis­seur Sven Sö­ren Bey­er vom für die Ge­samt­in­sze­nie­rung ver­ant­wort­li­chen Ber­li­ner Künst­ler­kol­lek­tiv pha­se7. „In den Fun­da­men­ten für das Netz, an dem die Zet­tel be­fes­tigt wa­ren, hat­ten wir teil­wei­se bis zu 60 Ton­nen Bal­last. Mehr Ge­wicht, um ent­spre­chend wei­ter in die Hö­he ge­hen zu kön­nen, war da ein­fach nicht mehr drin.“

Mey­er Sound für Büh­ne und De­lay

Letz­ten En­des lief es be­schal­lungs­sei­tig auf vier 10er-clus­tern aus Lyon-laut­spre­chern von Mey­er Sound in den

je­wei­li­gen Si­dewings der Büh­nen so­wie fünf wei­te­re De­lay­to­wer auf rund 500 m Stre­cke der Stra­ße des 17. Ju­ni hin­aus: Die Clus­ter an der Büh­ne be­stan­den aus sie­ben Lyon-m mit 80° und drei Lyon-w mit 110° Ab­strahl­win­kel. Die ers­ten bei­den De­lay-punk­te wa­ren mit je­weils ei­nem 9er-clus­ter Mey­er Sound M’elo­die be­stückt, wäh­rend an den drei hin­te­ren Mey­er Sound Mi­na in zwei 8er-clus­tern und ei­nem 6er-clus­ter am letz­ten To­wer ver­wen­det wur­den. Dar­über hin­aus fan­den an der Büh­ne 24 Mey­er Sound 1100-LFC Bäs­se und je vier UPA und UPJ fürs Nah­feld Ver­wen­dung. Al­les zu­sam­men wur­de von ei­nem Mey­er Sound Ga­li­leo Ga­la­xy und je drei Ga­li­leo Cal­lis­to 616 pro Büh­ne an­ge­steu­ert.

Kup­fer spa­ren mit­tels Di­gi­tal­pul­ten

Die Ab­nah­me der Staats­ka­pel­le Berlin un­ter Lei­tung von Daniel Ba­ren­boim mit knapp 50 Ka­nä­len wur­de über ei­nen se­pa­ra­ten Glas­fa­ser­ring und ein Di­gi­co SD5 ge­mischt. Auf ei­nem zwei­ten Glas­fa­ser­ring wa­ren ein SD9 am Mo­ni­tor­platz Nord für Mo­de­ra­ti­on, Red­ner, DJS und das Schau­spiel „Fried­li­che Re­vo­lu­ti­on“, so­wie ein SD10 am Mo­ni­tor­platz Süd für die Li­ve Per­for­man­ces der Bands an­ge­bun­den. Fi­nal wur­den Spra­che und Mu­sik über je ein SD12 im FOH ge­mischt: „An den bei­den Büh­nen ha­ben wir da­zu je ein Sdrack ver­baut, in der Vi­deo-re­gie und im Licht-foh steht je ein SD-MI­NI Rack für die MAZ und Ab­hö­ren“, so Hahn wei­ter. „Ins­ge­samt ha­ben wir knapp ei­nen Ki­lo­me­ter Glas­fa­ser lie­gen und al­le Pul­te kön­nen un­ter­ein­an­der auf al­le Res­sour­cen zu­grei­fen.“

Für das In-ear Mo­ni­to­ring stan­den acht Shu­re PSM 1000 zur Ver­fü­gung, wäh­rend sich die Schau­spie­ler dank zwölf Shu­re Axi­ent AD4D Dop­pel­funk­stre­cken und ak­ti­vem Zo­nen­ma­nage­ment mit­tels An­ten­nen-com­bi­ner frei auf

der 80 Me­ter brei­ten Büh­ne samt Pro­jek­ti­ons­kup­pel be­we­gen konn­ten. Do­me-pro­jek­ti­on als Mit­tel­punkt der Show Das von Sven Sö­ren Bey­er vor­ge­schla­ge­ne Set De­sign – ei­ne Halb­ku­gel in der Mit­te der von Me­ga­force kom­men­den Büh­nen – bot dank Ga­ze­be­span­nung ei­nen gu­ten Kom­pro­miss zwi­schen der Prä­senz des da­hin­ter ver­schwin­den­den Bran­den­bur­ger Tors als zen­tra­lem Ele­ment der Mau­er­fall-fei­er und den An­for­de­run­gen der Vi­deo­tech­nik. Pro­ji­ziert wur­de von zwei Punk­ten am Be­ginn der Stra­ße des 17. Ju­ni aus, an de­nen je­weils drei Pa­na­so­nic PT-RZ31K mit 3-CHIP-DLP und 30.000 ANSI-LU­MEN im Por­trait­mo­dus bei 1420 × 1200 Pi­xel ei­ne Sei­te der Halb­ku­gel ab­de­cken konn­ten. Die Be­spie­lung fand durch Ron Lin­denau und Paul Mef­fert vom Ber­li­ner Un­ter­neh­men Pix­way mit­tels zwei­er 2×4pro und zwei­er 4×4pro dis­gui­se-ser­ver statt, mit de­nen so­wohl das War­ping als auch die Sof­tedge der Do­me Pro­jek­ti­on um­ge­setzt wur­den. „Wir ge­ben sechs Si­gna­le di­rekt an die Pro­jek­to­ren aus“, so Lin­denau. „Zwei wei­te­re Si­gnal­we­ge ge­hen an die E2 und von dort auf die Led-wän­de. Wir lie­fern hier ei­ner­seits den na­tiv für die Do­me-pro­jek­ti­on und die Wän­de pro­du­zier­ten Con­tent und be­kom­men gleich­zei­tig die Vj-in­hal­te vom FOH und bei Be­darf das Ka­me­ra­bild vom Bild­mi­scher. Au­ßer­dem lie­fern wir den Ti­me­co­de für das Licht und Ton auf sechs Ka­nä­len.“ Spa­gat zwi­schen Li­ve-vi­deo und Tv-über­tra­gung „Ich bin qua­si ei­ne rie­si­ge Kreuz­schie­ne hier in der Vi­deo­re­gie“, schmun­zelt Marf Kret­sch­mer an sei­ner Bar­co E2. „Die Do­me-pro­jek­ti­on ha­ben wir zwar an mir vor­bei ge­schlif­fen, um zu gro­ßes De­lay zu ver­mei­den, aber im Not­fall kann ich auch dar­auf aus­ge­ben, falls die Ser­ver aus­fal­len. Gleich­zei­tig ver­wal­te ich ei­nen der In­puts der dis­gui­se, um die Op­ti­on zu ha­ben, dar­über un­ser Ka­me­ra­bild auf den Do­me zu map­pen.“Als pri­mä­re Spiel­flä­chen stan­den ihm vier ROE MC7-H Wän­de in 4,20 × 7,80 m Hoch­for­mat in den Si­dewings der Büh­nen so­wie zwei ROE MC7 De­lay-wän­de mit 3 × 6 m Flä­che zur Ver­fü­gung. Wei­ter hin­ten auf der Stra­ße des 17. Ju­ni wa­ren au­ßer­dem zwei LED Trucks mit je 50 m² ROE MC7-H im Qu­er­for­mat po­si­tio­niert. „Wir wur­den ge­be­ten, die vor­de­ren Wän­de im Hoch­for­mat so künst­le­risch wie

mög­lich mit Li­ve-bild und den vor­pro­du­zier­ten In­hal­ten zu be­spie­len“, er­klärt Kret­sch­mer wei­ter. „Die Trucks sind dann nur noch für das Li­ve-bild da.“Für die­sen Teil war sei­tens der Pro­duk­ti­on Mia Ruf­flet am Bild­mi­scher ver­ant­wort­lich: „Durch die Über­tra­gung der Show durch das ZDF pro­du­zie­ren wir hier ei­gent­lich zwei Ver­an­stal­tun­gen und tei­len uns da­bei die Büh­ne.“Wäh­rend sie selbst Zu­griff auf ei­ne Ka­me­ra mit Weit­win­kel vor der Büh­ne, ei­ne mit 40-fach Op­tik am Be­ginn der Stra­ße des 17. Ju­ni so­wie ei­ne draht­lo­se Ka­me­ra hat­te, mit de­nen sie ar­bei­ten konn­te, wa­ren die Bild­si­gna­le des ZDF im Grun­de nicht ver­wend­bar: „Von de­ren Ka­me­ras be­kom­men wir nur drei Si­gna­le. Weil wir an der Büh­ne und den ers­ten De­lay-wän­den aber im 2:3-Hoch­for­mat be­spie­len, sind die Bil­der, wie das ZDF sie für sich selbst baut, im Grun­de nutz­los für uns.“

Ne­ben dem Out­put für das Pu­bli­kum ver­teil­te die Cr­ew die Vi­deo­si­gna­le auf­wän­dig hin­ter den Ku­lis­sen. 28 Ein­gän­ge und 12 Aus­gän­ge be­leg­te Marf Kret­sch­mer letzt­lich an sei­ner E2, um dann mit­tels zwei­er 32 × 32 Dvi-ma­trix und ei­ner 16 × 16 Sdi-ma­trix bei­spiels­wei­se den Vip-be­reich zu be­spie­len oder dem FOH Zu­griff auf den Split­screen zu ge­ben, um die Ver­bin­dung der dort plat­zier­ten VJS mit der Vi­deo­re­gie hin­ter der Büh­ne über­prü­fen zu kön­nen.

Ab­wechs­lung beim Vi­deo Con­tent

Dort saß Till Va­nish, der den Vi­deo­con­tent für das Schau­spiel so­wie den Auf­tritt des Hiphop-du­os Zu­ge­zo­gen Mas­ku­lin lie­fer­te – und auch er sieht die be­son­de­re Her­aus­for­de­rung in der Zu­sam­men­ar­beit mit dem ZDF und den ei­ge­nen Li­ve-ka­me­ras: „Für uns Con­tent-de­si­gner ist das na­tür­lich im­mer bit­ter, wenn man was lie­fert und dann wird da ein­fach ein Li­ve-bild drü­ber­ge­bü­gelt.“Das meis­te Ma­te­ri­al war von ihm und stu­dio ei­gen­grau (Ha­jo Rehm und Daniel Band­ke) vor­pro­du­ziert wor­den. Rehm – als Teil des pha­se7 Netz­werks an­ge­hö­ren­den Ber­li­ner stu­dio ei­gen­grau – lie­fer­te bei­spiels­wei­se Mo­ment­auf­nah­men um die Ge­schich­te der Ber­li­ner Mau­er her­um, die den Auf­tritt der Staats­ka­pel­le Berlin er­gän­zen soll­ten. „Da­für ha­ben wir his­to­ri­sches Ma­te­ri­al ge­sich­tet, wo­bei wir in en­gem Aus­tausch mit da­ma­li­gen Zeit­zeu­gen wie dem Be­auf­trag­ten zur Au­f­ar­bei­tung der Sed-dik­ta­tur im Land Berlin Tom Sel­lo stan­den. Die ha­ben uns da­bei ge­hol­fen, dass wir nicht ver­se­hent­lich Sta­si-mit­ar­bei­ter in un­se­re Ar­beit ein­bau­en.“Der vor­pro­du­zier­te Con­tent muss­te per Ti­me­co­de mit den Sen­de­zei­ten des ZDF und des­sen Schal­ten ab­ge­gli­chen wer­den. Um et­wai­ge Ab­wei­chun­gen kor­ri­gie­ren zu kön­nen, wur­den ver­schie­de­ne Lo­go-loops an­ge­legt. Von ins­ge­samt 30 Cu­es der Show wur­de so ein Drit­tel au­to­ma­tisch per Ti­me­co­de ge­trig­gert. Zu dem den Abend ab­schlie­ßen­den Auf­tritt von West­bam und dem DJ-DUO Ki­kelo­mo und S Rus­ton der No Sha­de

Club­rei­he und des DJ Trai­ningpro­gramms für weib­li­che, trans und nicht-bi­nä­re DJS in Berlin, wur­den dann al­ler­dings doch free vi­su­als von der eben­falls zu No Sha­de ge­hö­ren­den VJ Bad Ju­ju per Re­so­lu­me Ser­ver ein­ge­spielt. „Wir ha­ben al­le ei­ge­ne Sti­le, das macht das gan­ze in­ter­es­sant“, fasst Rehm zu­sam­men.

Ela­ti­on-spon­so­ring als be­son­de­re Un­ter­stüt­zung

Ei­ne Rei­he vor Rehm sit­zend, tes­te­te Licht­de­si­gner Flo Erd­mann die letz­ten An­pas­sun­gen sei­nes Se­tups. Für sein Ge­werk konn­te er Un­ter­stüt­zung bei der Aus­leuch­tung der Kun­st­in­stal­la­ti­on „Vi­si­ons in Mo­ti­on“über dem Pu­bli­kum an Land zie­hen: „Bei öf­fent­li­chen Pro­duk­tio­nen die­ser Grö­ße stößt man ja schnell an die Gren­zen des Bud­gets. Ich ha­be dann ge­mein­sam mit pha­se7 ver­sucht, bei den ver­schie­de­nen Her­stel­lern nach neu­en Pro­duk­ten zu fra­gen, die sie zei­gen und viel­leicht auch noch tes­ten wol­len“, er­klärt Erd­mann. „Marc Pet­zold von LMP ha­be ich vor vier Mo­na­ten ken­nen­ge­lernt, als ich bei ihm mei­ne Cap­tu­re-li­zenz ge­kauft ha­be. Er war schnell be­geis­tert, sei­ne neu­en Pro­duk­te auch bei schlech­tem Wetter spie­len zu las­sen.“Über die 150 m Län­ge der In­stal­la­ti­on po­si­tio­nier­te Erd­mann letzt­lich 50 Ela­ti­on Pa­la­din Pa­nel als Grund­licht so­wie zwölf Ela­ti­on Pro­teus Ma­xi­mus für ein Go­bo-lay­er auf der ge­sam­ten Flä­che. Wei­te­re 68 Ela­ti­on Pro­teus Hy­brid plat­zier­te er an der Büh­ne so­wie auf den das Bran­den­bur­ger Tor ein­rah­men­den Ge­bäu­den des Com­merz­bank-hau­ses, des Max Lie­ber­mann Hau­ses und auf zwei Sche­ren­büh­nen hin­ter dem Tor. Am Bo­den wur­de das Tor mit SGM P-2, P-6 und Q-10 in Sze­ne ge­setzt, um auch hin­ter der Pro­jek­ti­ons­ga­ze als Teil der Show prä­sent zu sein.

Gu­te Vor­be­rei­tung ist al­les

Zum The­ma Vor­be­rei­tung führt Erd­mann aus: „Cap­tu­re hat mir die Vor­pla­nung un­heim­lich er­leich­tert. Wir hat­ten le­dig­lich ei­ne Ge­samt­pro­be und von da ab nur noch zwei Ta­ge Zeit für die Ein­zel­pro­ben und ei­nen wei­te­ren Tag für Li­ve-an­pas­sun­gen. Den Rest muss­te ich vor­pro­gram­mie­ren, da­mit das al­les so funk­tio­nie­ren konn­te.“An der Soft­ware lobt er die ex­trem gu­te Darstel­lung so­wie die Mög­lich­keit, be­reits bei der Vor­pro­gram­mie­rung den Con­tent sei­ner Re­so­lu­me-ser­ver per NDI in die Pro­gram­mie­rung ein­flie­ßen zu las­sen. „Das Pro­jekt wur­de re­la­tiv

spät an pha­se7 her­an­ge­tra­gen und war ur­sprüng­lich de­zen­tra­ler ge­plant. Als es dann dar­um ging, es am Bran­den­bur­ger Tor statt­fin­den zu las­sen, ha­be ich es zu­erst in Ci­ne­ma 4D vi­sua­li­siert und in knapp zwei Ta­gen um­ge­setzt.“Na­tür­lich fol­ge er mit dem Licht­de­sign dem Ge­samt­kon­zept bezgl. Büh­nen­de­sign, Form und An­ord­nung von Sven Sö­ren Bey­er. Ei­ne be­son­de­re Her­aus­for­de­rung sei der Kom­pro­miss zwi­schen aus­rei­chen­der Hel­lig­keit für das Pu­bli­kum und den licht­emp­find­li­chen Sen­so­ren der Tv-ka­me­ras ge­we­sen: „Aber das ha­ben wir vor­her er­staun­lich gut ein­ge­mes­sen, so dass wir da kei­ne Nach­kor­rek­tu­ren ma­chen muss­ten.“

Die ins­ge­samt über 600 Lam­pen in 50 Uni­ver­sen und mit 14.866 Pa­ra­me­tern wur­den über drei grand­ma2 full-si­ze in Ver­si­on 3.7.0.5 an­ge­steu­ert – da­von je­weils ei­ne für Show­licht, Weiß­licht und als vom Sys­te­mer nutz­ba­res Back­up, um bei Be­darf Lam­pen re­set­ten zu kön­nen. 83 Mar­tin VDO Ato­mic Dot CLD in der Rück­sei­te des Pro­jek­ti­ons­do­mes vor dem Bran­den­bur­ger Tor wur­den au­ßer­dem über ei­nen Mar­tin P3 Con­trol­ler ein­ge­bun­den und ge­map­ped.

„30 Jah­re Mau­er­fall“– tech­nisch sehr auf­wän­dig, was sich aber al­lein schon auf­grund der Wich­tig­keit die­ses ge­schicht­lich be­deut­sa­men Ju­bi­lä­ums ge­lohnt hat. ■ [11247]

Licht-de­si­gner Flo Erd­mann wäh­rend der letz­ten Pro­ben we­ni­ge St­un­den vor der Show zum 30. Mau­er­fall­ju­bi­lä­um am Bran­den­bur­ger Tor

Fe­lix Hahn war Ge­wer­ke­lei­ter Ton für die Um­set­zung des 30. Mau­er­fall­ju­bi­lä­ums am Bran­den­bur­ger Tor durch die Pro­duc­tion Re­sour­ce Group (PRG)

Ul­ri­ke Wol­ter hat­te als Ac­count Ma­na­ger al­le drei Aus­schrei­bun­gen der Ge­wer­ke Ton, Licht und Vi­deo für PRG ge­won­nen und das Pro­jekt be­treut

Ron Lin­denau von Pix­way wur­de von PRG mit der dis­gui­se-pro­gram­mie­rung für die Do­me Pro­jek­ti­on zwi­schen den Büh­nen be­auf­tragt

Re­gis­seur Sven Sö­ren Bey­er vom Ber­li­ner Künst­ler­kol­lek­tiv pha­se7 war be­reits für die Ins­ze­nie­rung der Mau­er­fall­fei­er zum 25. Ju­bi­lä­um ver­ant­wort­lich

Vi­deo Marf Kret­sch­mer an der E2 und Mia Ruf­flet am Bild­mi­scher für das Show-ei­ge­ne Li­ve-bild

Pro­jek­ti­ons­do­me mit Ma­trix Zwi­schen den links und rechts des Bran­den­bur­ger Tors plat­zier­ten Büh­nen wur­de ein Pro­jek­ti­ons­do­me er­rich­tet, an des­sen Rück­sei­te ei­ne Ma­trix aus 86 Mar­tin VDO Ato­mic Dot an­ge­bracht war. Da­zwi­schen wur­den Ayr­ton Per­seo Pro­fi­ler ver­wen­det. Dank GROSSE8 wur­den hier u. a. wei­te­re Wün­sche, die noch wäh­rend der Fes­ti­val­wo­che on­line ein­ge­sandt wer­den konn­ten, in Re­al­time auf den Do­me pro­ji­ziert

Kunst als Her­aus­for­de­rung Die Kun­st­in­stal­la­ti­on „Vi­si­ons in Mo­ti­on“des Us-ame­ri­ka­ni­schen Künst­lers Patrick She­arn be­stand aus 30.000 Wün­schen, die in den Vor­wo­chen ge­sam­melt und dann ab dem 4. No­vem­ber als 150 Me­ter lan­ger Tep­pich über der Stra­ße des 17. Ju­ni ge­spannt – und dort zur Her­aus­for­de­rung für das Ge­werk Ton wur­den

Trans­pa­renz Durch die Kon­struk­ti­on des mit Ga­ze be­spann­ten Pro­jek­ti­ons­doms konn­te das Bran­den­bur­ger Tor (wie hier beim Auf­tritt von Zu­ge­zo­gen Mas­ku­lin) auch hin­ter der Büh­ne an­ge­mes­sen in Sze­ne ge­setzt wer­den

De­lay-be­stü­ckung Zwei Trucks mit je 50m² ROE MC7-H und De­lay-clus­ter aus Mey­er-sound-mi­na-laut­spre­chern sorg­ten da­für, dass die Show auch am hin­te­ren En­de des Ver­an­stal­tungs­ge­län­des noch ver­folgt wer­den konn­te

Vor­de­res De­lay Die vor­de­ren De­lay-wän­de aus ROE MC7-H (hier 3 × 6 m) wur­den, wie die Wän­de auf der Büh­ne, di­rekt in das Pro­gramm ein­ge­bun­den, da­ne­ben ein 9er- Clus­ter Mey­er Sound M’elo­die

Licht und Vi­deo-to­wer Links und rechts der Stra­ße des 17. Ju­ni be­fan­den sich To­wer mit Clay Paky Sce­ni­us Pro­fi­le, ei­nem Ver­fol­ger Ro­bert Ju­li­at Lan­ce­lot und drei Pro­jek­to­ren Pa­na­so­nic PT-RZ31K

Bun­des­prä­si­dent Frank-wal­ter St­ein­mei­er auf der Nord­büh­ne am Bran­den­bur­ger Tor wäh­rend sei­ner Re­de zum 30. Mau­er­fall­ju­bi­lä­um

Die „La­ser Har­fe“lei­te­te zu­sam­men mit der SR & Com­pa­ny vom of­fi­zi­el­len Pro­gramm in die Af­ter­show Par­ty über – mit West­bam und dem Dja­ne Duo aus Ki­kelo­mo und S Rus­ton von der No Sha­de Club­rei­he und des DJ Trai­ningpro­gramms für weib­li­che, trans und nicht­bi­nä­re DJS in Berlin

Auf den Ge­bäu­den hin­ter den Büh­nen wa­ren Ela­ti­on Pro­teus Hy­brid plat­ziert, die in den Him­mel strahl­ten. Links im Bild die Vip-büh­ne, von der aus auch Bun­des­tags­prä­si­dent Wolf­gang Schäu­b­le und Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel an der Fei­er teil­nah­men

Um­welt­scho­nen­de Ins­ze­nie­rung Re­gis­seur Sven Sö­ren Bey­er konn­te die Be­hör­den über­zeu­gen, statt ei­nes Hö­hen­feu­er­werks über dem Tier­gar­ten auf klei­ne Ef­fek­te hin­ter dem Bran­den­bur­ger Tor zu set­zen, um ein schlüs­si­ge­res Ge­samt­bild zu er­zeu­gen und die Um­welt zu scho­nen

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