Beh­rin­ger Wing

Das neue 48-Ste­reo­ka­nal-/16-ste­reo-bus-mo­dell mit 24 kon­fi­gu­rier­ba­ren Fa­dern und Mul­ti-touch-dis­play ent­wi­ckelt das Kon­zept ei­nes Di­gi­tal­mi­xers im Nied­rig­preis­seg­ment um 3.000 Eu­ro wei­ter

Production Partner - - Inhalt - Text: Det­lef Ho­e­pfner | Fo­tos: Die­ter Stork

Nach­dem Beh­rin­ger vom X32 fast

700.000 Ex­em­pla­re auf die Büh­nen ge­bracht hat, soll das Wing des­sen Nach­fol­ge an­tre­ten. Wir sind ein paar Pro­berun­den mit dem 3000-Eu­ro-pult ge­flo­gen.

Mit dem „Wing“ent­wi­ckel­te Beh­rin­ger nach dem X32die nächst­hö­re­re Stu­fe: Wäh­rend das R&D au­gen­zwin­kernd wit­zelt, mit dem X32 – des­sen Ver­kaufs­zah­len al­le Re­kor­de bra­chen – ha­be man sich da­mals ei­gent­lich nur ganz ei­gen­nüt­zig ei­nen Mi­scher für die ei­ge­nen Zwe­cke bau­en wol­len, stand bei der „Wing“nun die Evo­lu­ti­on an, ins­be­son­de­re beim UI und in Rich­tung Mul­ti­tracks/re­cor­ding. Da­bei ist es kein „Nach­fol­ger“des X32: Die neue Wing bie­tet 48 Ka­nä­le in­cl. vier Ste­reo-mas­ter auf 24 Fa­dern und mit 16 Ste­reo-bus­sen. Op­tisch fällt das De­sign auf den 87 cm Brei­te und 58 cm Tie­fe der Wing auf: Die un­ter­stüt­zen­de Hand­schrift von Chef­de­si­gner Ivar Iver­sen bei TC – eben­falls in der Mu­sic-tri­be-hol­ding be­hei­ma­tet – ist un­über­seh­bar. Ers­te Re­ak­tio­nen in den so­zia­len Net­zen sind noch ge­spal­ten, sie rei­chen von Be­geis­te­rung über „Ist das ein Licht­pult?“bis zu au­gen­zwin­kernd-an­er­ken­nen­dem „Sie­mens-ton­meis­ter-charme“: Die Farb­ge­bung ist hel­ler, ei­ne Han­dab­la­ge aus Holz ver­mit­telt Wer­tig­keit und das Haupt­dis­play ist nun als von sie­ben Touch-sen­si­ti­ve-reg­lern flan­kier­tes 10“-Touch­screen aus­ge­führt. Auch auf ihm ei­ne neue Op­tik, es wur­den die Res­sour­cen be­züg­lich UI- und Ux-de­sign auf­ge­stockt. Die Fra­ge nach dem „rich­ti­gen“Dis­play­win­kel stellt sich nicht: der Touch­screen kann mecha­nisch an­ge­ho­ben und im Win­kel jus­tiert wer­den.

Ein deut­li­cher Un­ter­schied zu Kon­zep­ten, die auf meh­re­re oder sehr gro­ße Bild­schir­me set­zen und dort prak­tisch das kom­plet­te UI ab­bil­den: Beim Wing muss man sich erst et­was ori­en­tie­ren, was al­les auf die gan­zen zu­sätz­li­chen klei­nen Screens, Reg­ler und Tas­ter ge­spie­gelt wird, wenn man sich aus dem Haupt­bild­schirm ent­fernt. Und man ist er­staunt, wie deut­lich und ei­gen­stän­dig sich das Pult wei­ter­ent­wi­ckelt hat. Auch die bis­he­ri­ge Nä­he Mi­das/beh­rin­ger mit par­al­le­len, leicht va­ri­ier­ten Hard­ware-va­ri­an­ten ist (bis­her) nicht zu er­ken­nen. Das Beh­rin­ger Wing nutzt zwar jetzt grund­sätz­lich die hö­her­wer­ti­gen Ein­gangs­stu­fen, die zu­vor den Mi­das-ver­sio­nen vor­be­hal­ten wa­ren, geht aber an­sons­ten ei­nen deut­lich ei­ge­nen, of­fen­bar von der Pro­dukt­ent­wick­lung in Deutsch­land vor­an­ge­trie­be­nen Weg.

Sour­ces statt Chan­nels

Ver­än­dert hat man die Lo­gik, mit der Si­gna­le im Pult ver­wal­tet wer­den: Das Team frag­te sich, wie man noch dich­ter an den Li­ve-all­tag her­an­kommt und ob es nicht un­lo­gisch sei, in „Ka­nä­len“zu den­ken. Statt­des­sen setzt man jetzt „Sour­ces“in den Mit­tel­punkt: Ich ha­be ei­ne Qu­el­le – wie ein Key­board – und das soll ir­gend­wo hör­bar wer­den. In die­ser Sour­ce wird nun (ne­ben Na­me, Lo­go, Far­be) fest­ge­legt, wie das Gain aus­sieht, ei­ne Fil­te­rung, ist die Qu­el­le mo­no oder ste­reo usw. Die­se Qu­el­le kann dann im nächs­ten Schritt auf ei­nen Fa­der ge­zo­gen wer­den, wo­bei auch Ste­reo­si­gna­le (oder ste­reo M/S) platz­spa­rend auf ei­nem Fa­der lie­gen. Das soll auch das Patching auf der Büh­ne er­leich­tern. Ein In­stru­ment auf der Ober­flä­che ver­schie­ben oder statt mo­no in ste­reo ver­ar­bei­ten – im Ge­gen­satz zum X32 hier ea­sy. R/L ver­tauscht? Lässt sich über den Ba­sis­brei­ten­reg­ler in­ver­tie­ren. Der Ch-fa­der ist oben, aber ich hö­re nix? Dann zeigt ei­ne blaue Li­nie am Screen-fa­der, dass der DCA un­ten ist. Ein Ka­nal könn­te so­gar an­ders als die von ihm be­her­berg­te Qu­el­le be­nannt/ein­ge­färbt sein – oder man über­nimmt die Qu­el­len­par­am­ter in den Ka­nal. Ein zu­sätz­li­cher Mu­te di­rekt am He­a­damp si­chert, dass beim Patching nix schief­geht, z.b. beim Zu­schal­ten von 48 V ak­ti­viert er sich au­to­ma­tisch. Wei­te­re, sehr mo­der­ne Idee: Quel­len kön­nen mit meh­re­ren Be­grif­fen/tags ver­se­hen wer­den. Über die Tags las­sen sich dann z. B. au­to­ma­tisch Mu­te-grup­pen oder DCAS de­fi­nie­ren.

Wing läuft wie ge­habt auf 48 oder 44.1 khz, was Kos­ten drückt; ex­tern soll es ei­nen „96k com­pa­ti­bi­li­ty mo­de“ge­ben; die Pult-durch­lauf­la­tenz wird mit 1 ms an­ge­ge­ben (Sta­ge­box-pult-sta­ge­box: 1,2 ms). Si­gna­le kön­nen di­rekt oder über das Si­gnalpro­ces­sing ver­bun­den wer­den.

Ei­ne schö­ne Idee sind auch der „Al­ter­na­ti­ve Chan­nel In­put“je Ka­nal (z. B. für ein Spa­re-mic oder vir­tu­el­le Sound­checks) oder die „User Si­gnals“(ei­ne Art vir­tu­el­les Patch-ka­bel). Die In­vert-funk­ti­on er­laubt in der 8 8 Ma­trix auch ei­ne Mix-mi­nus-funk­ti­on (Si­gnal post Fa­der tap, in­vert on).

Die An­zahl der FX wur­de auf je acht Stan­dard- und acht Pre­mi­um-fx er­wei­tert, die auch in den Bus­sen, Mains und Chan­nels ver­wen­det wer­den kön­nen. Die Rei­hen­fol­ge im Chan­nel und die zwei In­serts sind per Touch ver­schieb­bar. „Op­fert“man ein­zel­ne FX für ei­nen Ch-in­sert, hat man in die­sem Ka­nal die drei al­ter­na­ti­ven Stan­dard-emu­la­tio­nen für EQ, Com­pres­sor, Ga­te plus die­se zwei zu­sätz­li­chen FX. Die Au­to­mix­funk­ti­on steht im Post-fa­der In­sert zur Ver­fü­gung und

kann in bis zu 16 Ka­nä­len (2. In­sert) si­mul­tan ver­wen­det wer­den. Auch auf die Mo­del­lie­rung hat man sich noch­mal ge­stürzt: Dy­na­mics und EQS schöp­fen aus ei­ner lan­gen Lis­te mo­der­ner oder his­to­ri­scher Ty­pen; zu­sam­men mit den Re­verbs, De­lays, EQS oder Amp-mo­dels kommt man auf über 70 (ei­ni­ge wie der TC Elec­tro­nic VSS3 noch im Be­ta-sta­di­um).

Chan­nel Strip

Die elf Eq-/dy­na­mics-reg­ler rechts vom Main-dis­play wer­den von ei­nem wei­te­ren, klei­nen Lcd-dis­play flan­kiert, das un­ab­hän­gig Sta­tus-in­fos (ist L/R ge­rou­tet? In­put-le­vel, Gain-re­duc­tion usw.) oder den Ver­lauf des EQS an­zeigt. Touch auf den Reg­ler vi­sua­li­siert des­sen Funk­tio­nen, kur­zer Tap auf den Schal­ter wech­selt Funk­tio­nen durch, lan­ger Tap de­ak­ti­viert z. B. den Com­pres­sor – dar­auf muss man erst mal kom­men und sich ein­ge­wöh­nen. Zu­sätz­lich zu den Eqbän­dern, Hoch-/tief­pass gibt es ei­nen Fil­ter, der als Tilt-eq ar­bei­tet, als So­nic Ma­xer oder All­pass, um zeit­lich ko­hä­rent zu wer­den. In den Bus-sends gibt es zu­dem ei­nen wei­te­ren 3-Band-eq, der nur auf die Aux-sends des Ka­nals wirkt – hilf­reich in Mo­ni­tor­an­wen­dun­gen. Je­der Aux be­sitzt zu­dem so­wie­so 8-Band-pa­ra­metric EQ, Ste­reo Ima­ger und Dy­na­mics. Das „Fil­ter­band-so­lo“ist eben­falls pra­xis­nah: Ein Fil­ter­band-gain auf neu­tral stel­len, durch­stim­men und im So­lo fürs Pu­bli­kum un­be­merkt vor­hö­ren, wo ei­ne Fre­quenz nervt – erst dann dort das Gain run­ter­zie­hen. Funk­tio­niert auch als Pre-lis­ten für Key-si­gna­le. Zu­letzt er­laubt ein Wet/ Dry-pa­ra­me­ter ei­ne „In­ten­si­täts­re­ge­lung“des EQS.

User As­si­gnables

Die User-as­si­gnable control sec­tion bie­tet vier Reg­ler und 20 But­tons in acht Lay­ern, auch für Pa­ra­me­ter des 16-Ch­au­to­mi­xing (vier Grup­pen). In der un­te­ren Hälf­te lie­gen vor­de­fi­niert Trans­port- und Show-control (ak­tu­ell erst im­ple­men­tiert: Sna­phots, thea­ter­ge­mä­ße Sze­nen­steue­rung ist in Ar­beit, kein MI­DI) und Mu­te-grup­pen. Die frei be­leg­ba­ren Tas­ten kann man auch mit dem Whee­l­pa­ra­me­ter ein­stel­len.

Frei­heit auch im Fa­der-lay­out: In üb­li­chen Stan­dard­be­le­gun­gen, oder man „ver­schiebt“die Fa­der in 4er-grup­pen seit­lich. Es kann auch frei und „durch­ein­an­der“ge­stal­tet wer­den, bei­spiels­wei­se den Bus-/ef­fect-send ne­ben dem zu­ge­hö­ri­gen Ka­nal­zug. Vier Fa­der rechts ent­spre­chend den vier Ste­reo-outs – aber wer muss schon an den Mas­ter? Al­so sind sie un­ab­hän­gig nutz­bar für ei­nen 2. En­gi­neer, oder wich­ti­ge Mo­ney-chan­nels wer­den dort fi­xiert mit Zu­griff auf Gain, Ga­te, Comp, EQ, Pan usw. oder Fx-sends.

Für das Re­cor­ding auf Sd-kar­ten stat­tet Beh­rin­ger das Pult mit der Ein­schub­kar­te Wing-li­ve aus: Au­dio mit 48 khz / 32 Bit auf zwei Sd-slots zur Ver­dopp­lung der Spu­ren auf 64 (ak­tu­ell noch nicht sam­ple­syn­chron). Auf ein gleich­zei­ti­ges Play­back muss da­bei nicht ver­zich­tet wer­den (32 play, 32 rec). Zu­sätz­li­che Si­cher­heit im Re­cor­ding bei Strom­aus­fäl­len ver­schafft ei­ne op­tio­nal auf der Kar­te ein­setz­ba­re Puf­fer-bat­te­rie (in­cl. Clip ge­gen Her­aus­fal­len). Auf der Pult­front gibt es den (noch in­ak­ti­ven) USB-PORT, der spä­ter so­gar vier Spu­ren (z. B. für Click-tracks) ab­spie­len kön­nen soll. Das USB 2.0 Au­dio/mi­di-in­ter­face er­laubt 48 48 CH Re­cor­ding/play­back. Der in­ter­ne Play­er kann nun auch Aus­schnit­te nur zwi­schen Mar­kern ab­spie­len oder loo­pen.

Wing-soft­ware

So weit Hard­ware und Firm­ware auch En­de 2019 sind – das Pult wird vor­aus­sicht­lich noch im De­zem­ber in Stück­zah­len aus­ge­lie­fert – be­züg­lich ex­ter­ner Edi­to­ren gibt es noch Zeit­be­darf. We­der las­sen sich im Mo­ment Shows, Se­tups oder Pre­sets aus der X32-welt di­rekt im­por­tie­ren oder über­tra­gen, noch gibt es ei­nen ex­ter­nen Edi­tor. Ge­plant für 2020 (und im „Roh­bau“fer­tig) sind mit dem WING Co-pi­lot ei­ne mo­bi­le Ap­pli­ka­ti­on (ios/an­dro­id, Js/html5-ba­siert) für das Set­up/patching auf der Büh­ne (Ka­nal­be­nen­nung di­rekt auf der Büh­ne), den mo­bi­len Mix und das Mo­ni­to­ring. MX-MIX für die glei­chen Platt­for­men soll al­le Mo­del­le X32, M32, XAIR und M-AIR be­die­nen und über­grei­fend ei­nen ein­heit­li­chen Look zei­gen. Au­ßer­dem wer­den häu­fi­ge­re Up­dates für die ak­tu­el­len Be­triebs­sys­te­me ver­spro­chen. Als Über­gang für die Ear­ly Ad­op­ters aber bie­tet sich ei­ne Al­ter­na­ti­ve an: Sei­ne „Mi­xing Sta­ti­on“hat Da­vid Schu­mann schon bis­her recht flott an di­ver­se Di­gi­tal­mi­xer an­ge­passt. ■

Tilt-screen, 8 XLR-IN/-OUT, 8 Ste­reo-aux in /6 Out plus Mo­ni­tor, AES/EBU In/out, 3 × AES50, Sta­ge­con­nect, MI­DI, GPIO, 2 × USB 2.0, in­ter­ner So­ckel für 64 × 64 AOIP, 2 × RJ45, Ex­pan­sioncard 64 × 64, re­gel­ba­re Patch­feld-be­leuch­tung

Neu­es UI auf dem Mul­ti­touch-screen, flan­kiert von Touch-reg­lern

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