Shet­land

reisen EXCLUSIV - - Inhalt - Text & fo­tos Ul­ri­ke Klaas

Sie fei­ern Fes­te, bis die Fun­ken sprü­hen, und kom­men sehr gut da­mit klar, dass ihr Le­ben kein Po­ny­hof ist: zu Be­such bei den star­ken Män­nern im Nor­den.

ES GIBT IM NORDATLANTIK EI­NE WACKERE INSELKETTE, DIE DEN WETTERKRÄFTEN TROTZT UND DA­BEI DEN­NOCH JE­DE MEN­GE LE­BENS­FREU­DE VERSPRÜHT. DIE SHETLANDINSELN ZÜCHTEN NICHT NUR ÄUSSERST RO­BUS­TE KLEI­NE PO­NYS, SON­DERN WIS­SEN AUCH,

WIE MAN FES­TE FEI­ERT, BIS DIE FUN­KEN SPRÜ­HEN.

Es ist weit nach Mit­ter­nacht. In der Turn­hal­le der Pri­ma­ry School in Ler­wick sind die Lö­wen los – und zwei Leo­par­den­da­men. Auf Ri­han­na tan­zend bän­di­gen die Leo­par­den die Lö­wen­ban­de, die au­ßer Rand und Band scheint – auf den zwei­ten Blick ent­pup­pen sich al­le Be­tei­lig­ten dann als ver­klei­de­te Män­ner. Die Schau­lus­ti­gen grö­len und klat­schen vor Freu­de. Kaum ha­ben sich die Lö­wen- und Leo­par­den­men­schen ge­trollt, Áiegt )ly­be in die Turn­hal­le ein. Eben­falls in mensch­li­cher Form. Die bri­ti­sche Flug­li­nie kommt bei der Per­for­mance schlecht weg und wird we­gen ih­rer dau­ern­den Ver­spä­tun­gen aufs Korn ge­nom­men. Apro­pos, Korn: Zeit für ei­nen Drink. Die Um­klei­de­ka­bi­ne ist der »Al­ko­hol­raum«. Nur hier dür­fen die Fei­er­wü­ti­gen Al­ko­hol zu sich neh­men, den sie selbst in rau­en Men­gen dort­hin ge­schleppt ha­ben. So nippt die knapp be­klei­de­te Ju­gend ein­träch­tig ne­ben grau­haa­ri­gen An­we­sen­den an ih­ren Plas­tik­be­chern. )ast k|nn­te man mei­nen, man be­fin­de sich mit­ten in ei­nem ab­stru­sen Traum. Aber es ist Rea­li­tät. Ich ste­he tat­säch­lich in die­ser Turn­hal­le in Ler­wick, der Haupt­stadt der Shetlandinseln, und feie­re mit den Ein­hei­mi­schen. Ich muss zu­ge­ben, ich bin et­was er­schöpft. Der Tag hat sei­ne Spu­ren hin­ter­las­sen. Par­ty li­ke a Shet­län­der? Ei­ne Her­aus­for­de­rung.

+eu­te frh war ich be­reits um acht Uhr auf­ge­bro­chen. Be­waų­net mit ei­nem Schirm und ei­ner Re­gen­ja­cke. Der Schirm brach auf der kur­zen Stre­cke zwi­schen Ho­tel und Au­to. Da der Re­gen eh von al­len Sei­ten zu kom­men schien, war es kein gro­ßer Ver­lust. »Die Wind­stär­ke er­ken­nen wir nur dar­an, wie viel Kraft wir brau­chen, um die Hauso­der die Au­to­tür auf­zu­be­kom­men. Bäu­me und Bü­sche wach­sen hier nicht«, er­klär­te Ro­bi­na Bar­ton mir la­chend. Die End­drei­ßi­ge­rin hat in das In­sel­reich ein­ge­hei­ra­tet, lebt seit zehn Jah­ren in Ler­wick und zeigt Tou­ris­ten wie mir die Shetlandinseln. Zum In­sel­reich ge­hö­ren rund 100 mal mehr, mal we­ni­ger gro­ße In­seln, die sich 180 Ki­lo­me­ter vom schot­ti­schen Fest­land wa­cker im Nordatlantik den Ge­ge­ben­hei­ten an­pas­sen und von de­nen ge­ra­de ein­mal 16 be­wohnt sind.

DIE HAUPT­IN­SEL HEISST HAUPT­IN­SEL – SO EIN­FACH IST DAS

Ro­bi­na parkt das Au­to im Zen­trum Ler­wicks, das mit rund 6.950 Ein­woh­nern die größ­te Stadt und Ver­wal­tungs­sitz der Shetlandinseln ist. Ich muss mich mit mei­nem gan­zen Ge­wicht ge­gen die Au­to­tür stem­men, um sie auf­zu­be­kom­men und wä­re am liebs­ten so­fort wie­der hin­ein­ge­kro­chen so un­ge­müt­lich schlägt mir das Wet­ter ent­ge­gen.

Ler­wick liegt auf Main­land, der Haupt­in­sel. Sie schlicht und er­grei­fend »0ain­land« zu nen­nen, oųen­bart viel vom &ha­rak­ter der (in­woh­ner: Die Shet­län­der sind herr­lich di­rekt und un­kom­pli­ziert. Und trot­zen fast tag­täg­lich ei­nem böi­gen Wind, der stets zor­nig an ih­ren Dä­chern, Fens­tern und Tü­ren rüt­telt, als ha­be man ihn aus­ge­sperrt. Der Re­gen scheint nie senk­recht, son­dern stets waa­ge­recht her­un­ter­zu­pras­seln. Doch trotz die­ser Wet­ter­ka­prio­len sind die Stra­ßen von Ler­wick an die­sem Mor­gen sehr gut ge­füllt. »Für vie­le ist heu­te der wich­tigs­te Tag im Jahr. Wich­ti­ger als Sil­ves­ter oder Weih­nach­ten«, weiß Ro­bi­na.

Das Up Hel­ly Aa Fes­ti­val ist der Tag der Ta­ge im In­sel­reich. Es ist der Tag, an dem die Ein­woh­ner ei­ne Mi­schung zwi­schen Kar­ne­val und Sankt 0ar­tin fei­ern. (in Tag der Brauch­tum­spáe­ge, der all­mlhr­lich am letz­ten Di­ens­tag im Ja­nu­ar be­gan­gen wird und an die skan­di­na­vi­schen Wur­zeln er­in­nern soll. Denn einst wa­ren hier die Wi­kin­ger zu Hau­se. Im . -ahr­hun­dert trat dann aber &hris­ti­an I., .|nig von 1or­we­gen und Dä­ne­mark, die In­seln als Mit­gift für sei­ne Toch­ter Mar­ga­ret an Ja­mes III., Kö­nig von Schott­land, ab. Sonst wä­ren die Shetlandinseln viel­leicht noch heu­te skan­di­na­visch.

BURNING LO­VE UND EI­NE HOR­DE WIL­DER WI­KIN­GER

Heut­zu­ta­ge ist das Up Hel­ly Aa vor al­lem ei­ne Me­ga­par­ty, an der 5.000 Men­schen teil­neh­men und die die Haupt­stadt in Aus­nah­me­zu­stand ver­setzt. »Wir läu­ten mit dem Fes­ti­val die Mit­te des Win­ters, al­so der dunk­len Mo­na­te ein«, er­klärt Ro­bi­na, wird aber un­ter­bro­chen von lau­tem Ge­brüll: Ei­ne Hor­de bär­ti­ger Wi­kin­ger, die zwi­schen der Men­ge War­ten­der ent­lang­mar­schie­ren, nä­hert sich – al­len vor­an der »Gui­zer Jarl«, der Häupt­ling. Ein Bär von ei­nem Mann mit ei­nem wirk­lich be­ein­dru­ckend üp­pi­gen Bart, in dem ein klei­nes Vo­gel­nest nicht wei­ter auųal­len wrde. $uf sei­ner 0lh­ne thront ein +elm mit 5abenágeln. Sei­ne Gar­de trägt erd­far­be­ne Hel­me, Um­hän­ge aus Schafs­fell, Ket­ten­hem­den, gro­be Le­der­stie­fel und Schutz­schil­der. Sie sin­gen laut­hals ein Lied na­mens »Burning Lo­ve«. Mo­ment, ist das nicht El­vis? Ei­ne Hor­de wil­der Ker­le ent­sprun­gen aus ei­nem an­de­ren Jahr­hun­dert und der King of 5ock ƀnƀ 5oll" 5ock ƀnƀ 5oll war sch­lie‰lich auch wild und un­gezgelt.

»Schlä­ge­rei­en und Mas­sen­be­säuf­nis­se – das wa­ren der Be­ginn des Up Hel­ly Aa im Jahr 1840«, schreit Ro­bi­na ge­gen Wind, Män­ner­ge­brüll und vor­bei­zie­hen­de Du­del­sack-ka­pel­le an. Zu Be­ginn hät­ten Hor­den Be­trun­ke­ner bren­nen­de Teer­fäs­ser durch die Stra­ßen ge­rollt. »Ei­ne brand­ge­fähr­li­che Sa­che«, ruft sie. Des­we­gen sei der Brauch im -ahr ab­ge­schaųt wor­den und mehr und mehr das Up +el­ly $a ins Le­ben ge­ru­fen wor­den, wie es heu­te ge­fei­ert wird. Ro­bi­na winkt ab. Die Ge­schichts­stun­de set­zen wir spä­ter im War­men und Tro­cke­nen fort. In der Fer­ne se­hen wir den Mast ei­ner be­ein­dru­ckend gro­ßen Ga­lee­re auf uns zu­kom­men, an der das Fest­ko­mi­tee ein Jahr lang ge­zim­mert hat. :ikin­ger im *rund­schul­al­ter wer­den in ihr chauűert.

Wi­kin­ger sein ver­leiht Flü­gel – auch der Nach­wuchs ist bei der Pa­ra­de in Ler­wick on fi­re.

AB UND AN DUCKEN SICH GRAUE HÄUSERANSAMMLUNGEN IN DIE LAND­SCHAFT, ZUSAMMENGEDRÄNGT WIE EI­NE SCHAFHERDE BEI GE­WIT­TER.

Fast möch­te man los­lau­fen und sie in war­me De­cken hül­len, so blau an­ge­lau­fen bib­bern ih­re Lip­pen. Das Le­ben als Wi­kin­ger ist eben kein Po­ny­hof. Ich brau­che St­un­den, um spä­ter im Shet­land-mu­se­um wie­der auf­zu­tau­en.

Ganz an­ders der Häupt­ling. Nicht nur sein Helm ver­leiht ihm Flü­gel, son­dern wohl auch die Eh­re und das Ad­re­na­lin. Es ist die Rol­le sei­nes Le­bens. »Lyall Gair, der dies­jäh­ri­ge Gui­zar Jarl hat 15 Jah­re auf die­sen Tag hin­ge­ar­bei­tet«, er­klärt mir Ro­bi­na. Häupt­ling kön­ne nur der wer­den, der min­des­tens so lan­ge Zeit Mit­glied im Or­ga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee sei. Mitt­ler­wei­le sind auch die Wi­kin­ger im Mu­se­um für ei­ne kur­ze Stipp­vi­si­te an­ge­kom­men. »Es ist die­se un­glaub­li­che Stim­mung und der Spi­rit des Vol­kes, die mich heu­te durch den Tag brin­gen wer­den«, sagt Lyall Gair. »Das und ein wei­te­rer Drink«, lacht er im Vor­bei­ge­hen. Doch dem Gui­zar Jarl bleibt nicht viel Zeit zur Kon­ver­sa­ti­on. Die Leu­te to­ben, als die 58 Mann star­ke Gar­de und der Häupt­ling »I’m on my way« zum Bes­ten ge­ben. Ein Lied, das mir noch wo­chen­lang im Ohr blei­ben wird und im Ori­gi­nal von der schot­ti­schen Folk-band The Pro­clai­mers ge­sun­gen wird. Kaum ist die letz­te Sil­be ver­klun­gen, gibt es kein Hal­ten mehr. Die Zu­schau­er drän­geln sich zwi­schen die :ikin­ger und wer­fen sich in Po­se fr di­ver­se Sel­fies. »Sich ei­nen Tag lang wie *eor­ge &loo­ney fhlen" *ibt Schlim­me­res«, grinst 0icha­el John­son, Mit­glied der Gar­de, mit ei­nem so wil­den Bart, als ha­be er heut früh in die Steck­do­se ge­fasst.

WENN DIE AU­GEN UND DIE GA­LEE­RE BREN­NEN …

Doch der Hö­he­punkt des Up Hel­ly Aa ist zu die­sem Zeit­punkt noch lan­ge nicht er­reicht. :ir treųen uns al­le am $bend wie­der. Drau‰en in der Dun­kel­heit rund um den Ju­bi­lee-flo­wer-gar­den-platz mit­ten in Ler­wick. Der Wind tobt und peitscht die Re­gen­trop­fen kreuz und qu­er, als ha­be er end­gül­tig die Na­se voll. Die Luft ist pe­trol­ge­tränkt. Mei­ne Au­gen trä­nen schlim­mer als beim Zwie­bel­schnei­den. Zu den Re­gen­trop­fen ge­sel­len sich Aber­tau­sen­de Fun­ken, die mit dem Wind Fan­gen spie­len. Ein nicht ab­rei­ßen wol­len­der Fa­ckel­zug von rund 1.000 zum Teil ul­kig ver­klei­de­ten Ein­hei­mi­schen – al­len vor­an der Wi­kin­ger-tross – um­krei­sen die Ga­lee­re, wäh­rend sie mit tie­fen Bass­stim­men das Volks­lied »The Nor­se­man’s Ho­me« sin­gen. In­mit­ten des Gän­se­haut­spek­ta­kels steht mit stolz ge­schwell­ter Brust und ei­nem Grin­sen, das bis zum schot­ti­schen )est­land reicht, der +lupt­ling im Áa­ckern­den /icht. In wel­chem -ahr be­fin­de ich mich" " 2der eher in ei­nem frhe­ren Jahr­hun­dert? Ich ver­ges­se al­les um mich her­um: den Re­gen, dem Fun­ken­re­gen aus­zu­wei­chen (zum Glück ist nichts mehr an mir tro­cken), mei­ne Fü­ße, die Eis­klum­pen glei­chen, mei­ne bren­nen­den Au­gen – und schaue ge­bannt zu, wäh­rend die Ga­lee­re in Flam­men auf­geht.

Das Fes­ti­val, von Ein­woh­nern für Ein­woh­ner, das sei­nes­glei­chen sucht, hat sei­nen Show­down er­reicht. Und hat das raue Wi­kin­ger­le­ben von da­mals in die Neu­zeit ka­ta­pul­tiert. Da­mals, als die Ein­hei­mi­schen noch kei­ne wet­ter­fes­te und wind­ab­wei­sen­de Klei­dung tru­gen und sich wahr­schein­lich nicht da­nach in ei­ner der zwölf Hal­len tra­fen, um ver­klei­det bis zum Mor­gen­grau­en den Na­tio­nal­fei­er­tag zu be­gie­ßen – ganz nach dem Mot­to »Was in der Turn­hal­le pas­siert, bleibt bes­ser in der Turn­hal­le«. Bis zum Mor­gen­grau­en mit den Fei­er­wü­ti­gen mit­zu­hal­ten, schaųe ich nicht ann­lhernd. .ein :un­der, dass nur Per­so­nen, die seit fünf Jah­ren im Land le­ben, an der Pro­zes­si­on teil­neh­men dür­fen. Shet­län­der – ro­bust, ein klein we­nig ver­rückt und aus­dau­ernd – sein, muss ge­lernt sein.

INSELHOPPING BIS NACH UNST, DER IN­SEL DER SUPERLATIVE

Wie das Land, so die Ein­hei­mi­schen? Die nächs­ten bei­den Ta­ge be­kom­me ich ei­nen klei­nen Ein­blick und ler­ne das Land, oder bes­ser ge­sagt die In­seln ken­nen, die eben­so ro­bust wie idyl­lisch schei­nen. Wo ge­lan­de­te Tou­ris­ten zu­nächst ein­mal mit dem Au­to die Lan­de­bahn que­ren müs­sen, um vom Flug­ha­fen Sum­burgh Rich­tung Stadt zu fah­ren. Wo Shet­land-pony­da­men na­mens Pen­ny, stol­ze -ah­re alt, in al­ler See­len­ru­he mit al­len vier Hu­fen im Schlamm ste­hen, Heu kau­en, dem ei­si­gen Wind trot­zen, als wä­re das Le­ben hier doch ein Po­ny­hof.

Mein Ziel: Unst. Die nörd­lichs­te der Shetlandinseln. Von Nord­main­land geht es in 0inu­ten mit der )lh­re nach <ell, wo mich /es Sin­clair ab­holt. Der &ome­di­an, /eh­rer und *ui­de lebt auf Unst, der In­sel der Superlative mit der n|rd­lichs­ten Post­fi­lia­le, dem n|rd­lichs­ten Ho­tel, der nörd­lichs­ten Bus­hal­te­stel­le, dem nörd­lichs­ten Pub, der nörd­lichs­ten Braue­rei und Gin-de­stil­le­rie Groß­bri­tan­ni­ens.

»Les, wie lan­ge brau­chen wir bis zur nächs­ten Fäh­re nach Unst«, fra­ge ich den (ndfnf­zi­ger. In 0inu­ten hlt­ten wir die In­sel berTu­ert. .arg und ge­spens­tisch ru­hig ist es auf <ell. :ir fah­ren ber Stra­ßen, die bei uns als Rad­we­ge ge­kenn­zeich­net wä­ren. Stets so vor­aus­schau­end, dass wir in die schma­len Hal­te­buch­ten aus­wei­chen kön­nen, wenn uns ein Au­to ent­ge­gen­kommt. Da dies auf der Stre­cke ge­nau ein­mal der Fall ist, kann ich den Blick schwei­fen las­sen. Ab und an ducken sich graue Häuseransammlungen in die Land­schaft, zusammengedrängt wie ei­ne Schafherde bei Ge­wit­ter. Das Hei­de­kraut scheint hier wie Un­kraut zu wach­sen und über­zieht die In­sel mit ei­nem r|tli­chen Schim­mer. »<ell ist zu zwei Drit­teln von ei­ner durch­schnitt­lich an­dert­halb Me­ter di­cken Torf­schicht be­deckt«, er­klärt mir

Les. Ab­bau und das Ver­hei­zen von Torf sei­en aber mitt­ler­wei­le fast ein­ge­stellt. Öl, Schaf­zucht, Wol­le und Fi­sche­rei – das brin­ge den Shetlandinseln den Wohl­stand. 1.000 Be­woh­ner le­ben auf der zweit­größ­ten In­sel. Es gibt ein Di­ner, drei Grund­schu­len, ei­ne wei­ter­füh­ren­de Schu­le und ei­nen Shop so­wie ein paar Bed and Bre­ak­fasts. Und die Tou­ris­ten" Die lie­ben <ell fr die 1atur, die 2tter, die hier zu­hauf her­um­lau­fen, und das Vo­gels­re­ser­vat, sagt Les.

Fünf Wind­rä­der ste­hen auf der ein­zi­gen An­hö­he der In­sel und dre­hen sich Áei‰ig. $uf mei­ne nai­ve )ra­ge, war­um es bei dem :ind nur fünf sind, lacht Les nur. Mehr Ener­gie könn­ten sie hier nun wirk­lich nicht hän­deln. »Der Wind, das ist hier auf den ab­ge­le­ge­nen In­seln die größ­te Her­aus­for­de­rung«, fügt er hin­zu. Er legt nicht sel­ten al­les lahm. Ist un­plan­bar. Macht, dass die Ein­woh­ner fest­sit­zen, weil der Fähr­be­trieb ein­ge­stellt wird. Und dass die Kin­der nicht zur Schu­le kön­nen. Mitt­ler­wei­le ha­ben wir die Ab­le­ge­stel­le nach Unst er­reicht. Wie um Les Wor­te zu un­ter­strei­chen, rüt­telt der Wind so stark am Au­to, dass mir lieb wä­re, die Fäh­re wür­de nicht fah­ren. Ein See­hund streckt sei­nen Kopf aus dem Was­ser wie ei­ne neu­gie­ri­ge Nach­ba­rin. »Nichts bleibt hier un­be­merkt«, lacht Les, »wer an­onym le­ben möch­te, muss nach Ler­wick zie­hen.«

Die Über­fahrt ist dann wie er­war­tet aben­teu­er­lich. Je­den­falls mei­nem (mp­fin­den nach. (ine rie­si­ge Bug­wel­le er­gie‰t sich ber das Au­to. Ich se­he uns schon im Nordatlantik ver­sin­ken, als mei­ne pa­ni­schen Ge­dan­ken vom Fähran­ge­stell­ten un­ter­bro­chen wer­den, der von Au­to zu Au­to wan­dert und die Ti­ckets kon­trol­liert. Auf der Fäh­re von 0ain­land nach <ell war kein )lhran­ge­stell­ter weit und breit zu se­hen. Ich ha­be kei­nes. »Glück für dich«, lau­tet sei­ne ent­spann­te Ant­wort. Zwin­kernd fügt er noch hin­zu: »Du bist doch un­sicht­bar, oder nicht?« Ich mag sie, die un­kom­pli­zier­te, hu­mor­vol­le Art der Shet­län­der.

DIE NÖRD­LICHS­TE BUS­HAL­TE­STEL­LE GROSSBRITANNIENS

Unst ² rund .ilo­me­ter lang und , .ilo­me­ter breit, mit (in­woh­nern, Zahl ab­neh­mend. Das Mut­ter­land der Shet­land­po­nys, wie Les er­klärt, als wir an ei­nem der »Vor­sicht, Po­ny«-schil­dern vor­bei­fah­ren. Man wähnt sich ein biss­chen am En­de der Welt. Und ist es ir­gend­wie auch. Je­den­falls am En­de von Groß­bri­tan­ni­en. Da­nach ist Schluss.

Unst ist hbscher als <ell. +ge­li­ger, wenn auch eben­so karg. Im Som­mer kön­nen Tou­ris­ten hier Pa­pa­gei­en­tau­chern be­geg­nen und Wa­len mit dem Ka­nu hin­ter­her­pad­deln. An der be­kann­tes­ten Se­hens­wür­dig­keit auf Unst ma­chen sie al­le Halt: Bob­by’s Bus Shel­ter, die nörd­lichs­te Bus­hal­te­stel­le Groß­bri­tan­ni­ens. Sie ge­nießt Welt­ruhm und hat so­gar ei­ne ei­ge­ne +ome­page. :ar­ten­de neh­men auf der &ouch Platz und tra­gen sich ins Gäs­te­buch ein. Ei­ne herr­lich ver­rück­te Idee mit­ten im Nir­gend­wo. »Les, wir ha­ben ver­ges­sen, das Au­to ab­zu­schlie­ßen«, flllt mir pl|tz­lich ein. /es lacht nur. »:ohin soll man denn hier Áie­hen?«

Das Le­ben ein Po­ny­hof? Auf den Shetlandinseln wahr­lich nicht. Aber das muss es für die Ein­woh­ner auch gar nicht sein.

IN­FO

AN­REI­SE Mit Bri­tish Air­ways oder fly­be von meh­re­ren deut­schen Flug­hä­fen di­rekt oder über Aber­de­en nach Sum­burgh, dem in­ter­na­tio­na­len Flug­ha­fen der Shetlandinseln.

SCHLA­FEN Ein wirk­li­cher Ge­heim­tipp ist das von au­ßen recht un­spek­ta­ku­lär da­her­kom­men­de fa­mi­li­en­geführ­te Scal­lo­way Ho­tel im gleich­na­mi­gen Ort. Der klei­ne Ha­fen­ort liegt rund 15 Au­to­mi­nu­ten von der Haupt­stadt Ler­wick ent­fernt. Die 23 Zim­mer sind zwar et­was in die Jah­re ge­kom­men, aber der plü­schig-bri­ti­sche Stil ist den­noch char­mant. Gran­di­os ist das Es­sen. Un­be­dingt Fisch und Se­a­food be­stel­len, das ist ge­ho­be­ner Gau­men­schmaus, und auch das Früh­stück ist ex­zel­lent mit viel Obst wie fri­schen Bee­ren. DZ ab 140 die Nacht in­klu­si­ve Früh­stück, www.scal­lo­way­ho­tel.com

UP HEL­LY AA Das Fes­ti­val 2018 wird am Di­ens­tag, den 30. Ja­nu­ar, statt­fin­den. Mehr In­fos gibt es un­ter: www.uphel­lyaa.org

IN­FO www.vi­sits­cot­land.com/de

Den rei­sen EX­CLU­SIV-GUI­DE fin­den Sie un­ter rei­sen­ex­clu­siv.com/gui­de-shet­land

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