Oman

DER OMAN IST ZWAR LÄNGST KEIN GE­HEIM­TIPP MEHR, DOCH NACH BIL­LI­GEN BETTENBURGEN UND MAS­SEN­TOU­RIS­MUS SUCHT MAN HIER VER­GEB­LICH – DER SUL­TAN LEGT WERT AUF KLAS­SE STATT MAS­SE. GE­NAU DER RICH­TI­GE ORT AL­SO, UM EIN NEU­ES KEM­PIN­SKI-HO­TEL ZU ER­ÖFF­NEN.

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Vom na­gel­neu­en Kem­pin­ski in Mus­kat bis zu den zehn Ent­de­ckun­gen im Oman, die auf je­de Bu­cket­list ge­hö­ren

Be­vor ich mein Zim­mer be­zie­he, ha­be ich be­reits et­li­che Fo­tos ge­schos­sen. Schuld ist die schöns­te Ho­tel-lob­by, die ich je ge­se­hen ha­be. Die­ser ma­jes­tä­ti­sche Raum strotzt förm­lich vor Sym­me­trie und spielt ge­konnt mit den Ef­fek­ten von Licht und Schat­ten. Wei­ße Säu­len, die an gi­gan­ti­sche Golf­tees er­in­nern, stüt­zen die De­cke, die durch ein fei­nes ara­bi­sches Loch­mus­ter das Son­nen­licht bün­delt. Ed­le Sand- und Erd­tö­ne do­mi­nie­ren, der hoch­glanz­po­lier­te Mar­mor­bo­den re­flek­tiert das Licht, das durch die rie­si­ge Fens­ter­front förm­lich hin­ein­strömt und den Blick auf die Ho­tel­an­la­ge und das Meer frei­gibt. Män­ner in wei­ßen und Frau­en in schwar­zen Ge­wän­dern lau­fen um­her und wir­ken fast wie Sta­tis­ten in ei­nem Film.

Ei­ner der Män­ner im wei­ßen Ge­wand – der tra­di­tio­nel­len Dish­da­sha – kommt auf mich zu und bie­tet mir zur Be­grü­ßung oma­ni­schen Kaf­fee und Dat­teln an. Kann ja nicht so an­ders sein als tür­ki­scher Kaf­fee, den­ke ich mir, und lie­ge da­mit völ­lig da­ne­ben. Der oma­ni­sche »Kah­wa« wird mit Kar­da­mom, Ro­sen­was­ser und Saf­ran ver­fei­nert und schmeckt dem­ent­spre­chend säu­er­lich-bit­ter. Erst in Kom­bi­na­ti­on mit der sü­ßen, nus­sig-fruch­ti­gen Dat­tel ent­fal­tet er sei­nen vol­len Ge­schmack.

Ja, die Dat­teln sind hier ganz be­son­ders le­cker, sol­len aber nicht vom ei­gent­li­chen The­ma ab­len­ken: Im April die­ses Jah­res wur­de das neue Kem­pin­ski-ho­tel in Omans Haupt­stadt Mas­kat er­öff­net und gilt als neu­es­tes Schmuck­stück der Al Mouj Com­mu­ni­ty, ei­ner neu an­ge­leg­ten Wohn­ge­gend mit ei­ge­ner Ma­ri­na. Und Schmuck­stück ist hier wört­lich ge­meint: Ein gro­ßes Ge­bäu­de in Form ei­nes Diamanten emp­fängt die Gäs­te, und eben­so edel ist auch der Rest der An­la­ge mit 310 Zim­mer und Sui­ten, Spa, Fit­ness­club, ins­ge­samt zehn ver­schie­de­nen Re­stau­rants und Bars so­wie zwei Pools.

Ei­ner da­von ist der Cas­ca­de Pool, ein traum­haft ru­hi­ges Fleck­chen, das zum Re­la­xen ein­lädt. Als ich völ­lig tie­fen­ent­spannt am Pool lie­ge, be­ob­ach­te ich ei­ne Zeit lang den Ba­de­meis­ter mit sei­ner ro­ten Bay­watch-bo­je und fra­ge mich, ob er hier je­mals ei­nen rich­ti­gen Ein­satz ha­ben wird. Be­vor ich mei­nen Ge­dan­ken zu En­de ge­dacht ha­be, kommt auch schon der Pool­boy mit ei­ner eis­ge­kühl­ten Fla­sche Was­ser um die Ecke und bit­tet mich, mei­nen Kopf an­zu­he­ben. Er hat­te wohl be­ob­ach­tet, wie ich mir pro­vi­so­risch ein Hand­tuch hin­ter den Kopf ge­knud­delt ha­be, um wie­der­um den Ba­de­meis­ter bes­ser im Blick zu ha­ben. Er fal­tet das Hand­tuch fein säu­ber­lich und legt es mir wie­der in den Na­cken. Noch ein biss­chen mehr Schat­ten oder ein an­de­rer Lie­ge­win­kel ge­fäl­lig? Je­der Wunsch wird mir hier er­füllt, be­vor ich über­haupt rea­li­sie­re, dass ich ihn ha­be. Mei­ne Be­den­ken be­züg­lich der ho­hen Tem­pe­ra­tu­ren wa­ren üb­ri­gens völ­lig um­sonst, wie sich nun her­aus­stellt. Ja, es ist sehr warm, aber von un­er­träg­li­cher Hit­ze kann ab­so­lut nicht die Re­de sein. So­lan­ge man sich an das »O bis O«-prin­zip hält, das sich ja auch in Sa­chen Win­ter­rei­fen seit Jah­ren be­währt, kann ei­gent­lich nichts schief­ge­hen. Von Ok­to­ber bis Os­tern herr­schen hier traum­haf­te Be­din­gun­gen.

Am nächs­ten Tag geht es nach ei­nem reich­hal­ti­gen Früh­stück zur Al Mouj Ma­ri­na, wo uns ein Ka­ta­ma­ran samt Crew schon er­war­tet. Mit or­dent­lich Wind in den Se­geln steu­ern wir die klei­ne In­sel­grup­pe Day­many­iat an, die nord­west­lich der Haupt­stadt im tür­kis­blau­en Was­ser des Golfs von Oman liegt. Gänz­lich un­ent­deckt ist der Ort zwar nicht, den­noch hält sich die Zahl der Be­su­cher in Gren­zen. Und das hat zur Fol­ge, dass man hier in weit­ge­hend un­be­rühr­ter Na­tur zwi­schen wun­der­schö­nen, in­tak­ten Koral­len­rif­fen in ei­ner bun­ten Un­ter­was­ser­welt schnor­cheln kann. Wer Glück hat, kann so­gar Del­fi­ne und Wal­haie be­ob­ach­ten. Zwar hat­ten wir dies­be­züg­lich kein Glück, aber ich be­trach­te es als per­sön­li­chen Er­folg, trotz aus­ge­dehn­ter Schnor­che­lei und feh­len­der Schutz­klei­dung oh­ne ver­brann­ten Rü­cken da­von­ge­kom­men zu sein.

Nach ei­nem Tag auf ho­her See freue ich mich jetzt auf ein le­cke­res Abend­es­sen. Aber vor­her bleibt noch ein biss­chen Zeit, end­lich mei­ne frei ste­hen­de Ba­de­wan­ne mit Blick auf den Pool und das Meer aus­zu­pro­bie­ren. Da­nach schlen­de­re ich zum Za­le Beach Club – für mich ei­nes der High­lights der An­la­ge. Ge­die­ge­ne Mu­sik, loun­gi­ge Sitz­ecken mit Blick aufs Meer, le­cke­re Cock­tails und ei­ne re­lax­te At­mo­sphä­re ver­brei­ten ech­tes Beach-club-fee­ling. Be­son­ders am Wo­chen­en­de ist es hier le­ben­dig, denn auch die Ein­woh­ner der Al Mouj Com­mu­ni­ty, dar­un­ter vie­le Oma­nis und Ex­pats, ha­ben die­sen Ort für sich ent­deckt.

Die Kü­che ist mul­ti­kul­tu­rell, leicht und ein biss­chen ver­spielt. In den Qui­no­asa­lat mit Gra­nat­ap­fel hät­te ich mich am liebs­ten rein­ge­legt und den Was­ser­me­lo­nen­sa­lat mit Ro­te Be­te, Fe­ta und Min­ze ver­su­che ich bis heu­te er­folg­los zu ko­pie­ren. Aber viel­leicht liegt es nicht nur an den Zu­ta­ten, dass er zu Hau­se ein­fach nicht so recht ge­lin­gen will. Es feh­len ein paar ent­schei­den­de ex­ter­ne Fak­to­ren, um den Sa­lat zu per­fek­tio­nie­ren: die Mee­res­bri­se im Haar, das loun­gi­ge Strand­bar-am­bi­en­te und die to­ta­le Ent­schleu­ni­gung.

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