check in Mo­ment mal ... rai­mund Joos ist buch­au­tor und pas­sio­nier­ter pil­ger. Da liegt es na­tür­lich auf der hand, dass er sein Geld mit rei­se­bü­chern übers pil­gern ver­dient. Was macht den be­son­de­ren zau­ber des pil­gerns aus? Wo pil­gert es sich am schöns­ten?

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Herr Joos, was fas­zi­niert Sie ei­gent­lich am Pil­gern?

Das gu­te al­te »ana­lo­ge Le­ben«. Das Face-to­f­ace mit den Pil­ger­freun­den und Pil­ger­freun­din­nen. Man ist wie­der zu­rück auf dem Bo­den der Rea­li­tät an­ge­kom­men und er­lebt, wie wun­der­bar es ist, je­den Tag Son­ne, Na­tur und Spa­ni­en pur aus ers­ter Hand zu er­le­ben.

Der Pil­ger­weg zum Gr­ab des Apos­tels Ja­ko­bus in San­tia­go de Com­pos­te­la gilt als Klas­si­ker un­ter al­len Pil­ger­we­gen. Wel­cher Weg zum Gr­ab ist Ihr liebs­ter?

Die Fra­ge ist so grau­sam wie die, wel­ches sei­ner Kin­der ein Va­ter am meis­ten liebt. Je­der Weg hat sei­nen Reiz. Der Ca­min­ho Por­tu­gués ist durch sei­ne lieb­li­che und gast­freund­li­che por­tu­gie­si­sche Kul­tur bei den Deut­schen in­zwi­schen genau­so be­liebt wie der Ca­mi­no Fran­cés, wel­cher ja durch Ha­pe Ker­ke­ling so be­kannt wur­de. Hart, aber wun­der­schön ist der Küs­ten­weg in Nord­spa­ni­en. Die Vía de la Pla­ta ab Se­vil­la in Süd­spa­ni­en hält ih­re Lieb­ha­ber durch ih­re Wei­te, Ein­sam­keit und Na­tur­be­las­sen­heit in Bann.

Wel­che Pil­ger­tour ma­chen Sie am liebs­ten?

Wenn ich ei­ne net­te Reis­grup­pe füh­re, lie­be ich das und schä­me mich fast, da­für auch noch ein Ho­no­rar zu be­rech­nen. Bei mei­nen Up­dates für mei­ne Rei­se­bü­cher bin ich am liebs­ten auf der Vía de la Pla­ta ab Se­vil­la un­ter­wegs. Un­be­rühr­te Na­tur und we­nig In­fra­struk­tur – was we­nig Re­cher­che­ar­beit für mich be­deu­tet.

Wel­che Feh­ler be­ge­hen Ih­rer Be­ob­ach­tung nach un­er­fah­re­ne Pil­ger am häu­figs­ten?

Zu viel be­las­ten­des Ge­päck auf dem Rü­cken und vor al­lem auch im all­tags­ge­plag­ten Kopf. Zu we­nig Zeit und Ge­las­sen­heit, dass letzt­lich doch al­les gut wird, wenn man nur dar­auf ver­traut.

Frü­her sind die Men­schen ge­pil­gert, weil sie um Ver­ge­bung ih­rer Sün­den ba­ten oder weil sie hoff­ten, von ih­ren Krank­hei­ten be­freit zu wer­den. Was ist von die­sen Mo­ti­ven heu­te noch üb­rig ge­blie­ben?

Ha – das mit der Ver­ge­bung der Sün­den ist heu­te auch gar nicht mal so­oo falsch. Al­ler­dings sind das heu­te eher vor­her­ge­gan­ge­ne Ka­lo­ri­en­sün­den oder der Raub­bau an der ei­ge­nen see­li­schen Ge­sund­heit durch Be­rufs- oder Be­zie­hungs­stress. Die See­le krankt und sucht sich in­stink­tiv den Ort ih­rer Hei­lung. Das Su­chen und Fin­den ge­schieht da ganz oh­ne Ho­kus­po­kus aus sich selbst her­aus.

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