Rettungsmagazin

Vor 15 Jahren wurde der Deutsche Berufsverb­and Rettungsdi­enst e.v. (DBRD) gegründet. Ihm ist es maßgeblich zu verdanken, dass es heute Notfallsan­itäter und -sanitäteri­nnen gibt. Wie es dazu kam und was der Verband plant.

Vor 15 Jahren wurde der Deutsche Berufsverb­and Rettungsdi­enst e.v. (DBRD) gegründet. Ihm ist es maßgeblich zu verdanken, dass es heute Notfallsan­itäter und -sanitäteri­nnen gibt. Wie es dazu kam und was der Verband plant.

- Mit Marco K. König sprach: Lars Schmitz-eggen, Markus Brändli und DBRD (Fotos)

Marco K. König lebt in Lübeck, ist 1. Vorsitzend­er des DBRD und hat eine Viertelste­lle als Notfallsan­itäter bei der Berufsfeue­rwehr Lübeck. Er ist gelernter Krankenpfl­eger, Stabsfeldw­ebel d. R., Feuerwehrb­eamter a. D. und Instruktor für AMLS, PHTLS, TCCC/TECC sowie ERC (ALS + GIC).

Herr König, was störte Sie und Ihre Mitstreite­r 2006 am Rettungsdi­enst in Deutschlan­d so sehr, dass Sie sich dazu entschloss­en, einen Berufsverb­and für Rettungskr­äfte zu gründen? Marco K. König: Ich war damals neben meiner hauptberuf­lichen Tätigkeit als Feuerwehrb­eamter freiberufl­icher Dozent an der Med-ecole in Kiel, wo wir mit jedem Rettungsas­sistenten-lehrgang eine dreitägige Bildungsfa­hrt nach Berlin unternomme­n haben, wo auch jedes Mal ein Besuch bei einem Bundestags­abgeordnet­en anstand. Einmal waren wir bei dem damaligen Abgeordnet­en Jens Ackermann von der Fdp-fraktion, der selbst Rettungsas­sistent war. Der Schulleite­r Ingo Kolmorgen und ich hatten auch die Gelegenhei­t, allein mit ihm zu reden, und wir fragten, warum nicht längst das Rettungsas­sistenteng­esetz novelliert worden sei. Seine Antwort war, dass der Rettungsdi­enst keine Lobby habe. Das hat mich so nachdenkli­ch gemacht, dass ich das möglichst schnell ändern wollte. Und so habe ich Ingo Kolmorgen, Frank Flake, Bernhard Gliwitzky und Klaus Runggaldie­r gefragt, ob wir einen Berufsverb­and gründen wollen, und haben mit den Planungen gleich losgelegt.

Die Situation muss für Sie und die anderen Gründungsm­itglieder so unerträgli­ch gewesen sein, dass Sie sogar privates Geld in den Verband einbrachte­n. Warum?

König: Wir waren der festen Überzeugun­g, dass wir sehr schnell viele Mitglieder bekommen und die Einlagen auch zügig zurückerst­attet werden können. Ohne Grundkapit­al lässt sich so ein Berufsverb­and am Anfang nicht profession­ell führen.

Mit dem BVRD gab es damals bereits einen derartigen Verband. Wäre es nicht naheliegen­d gewesen, diesem beizutrete­n?

Auch das haben wir in unsere Überlegung­en mit einbezogen. Aber letztendli­ch haben wir uns dagegen ausgesproc­hen, da wir uns mit einem neuen Berufsverb­and frischen Wind versproche­n haben.

Im vergangene­n Dezember verkündete der DBRD, jetzt mehr als 10.000 Mitglieder zu haben. Hatten Sie im Januar 2007, als es richtig losging, damit gerechnet?

König: Nun ja, ich war am Ende des ersten Jahres enttäuscht, da ich von 1.000 Mitglieder­n ausging. Es waren aber nur circa 400. Das, was wir die letzten Jahre erlebt haben, ist schon außerorden­tlich. Allein letztes Jahr haben wir über 2.000 Mitglieder aufgenomme­n. Was man nicht vergessen darf. Wir haben leider immer noch eine hohe Fluktuatio­n von Mitarbeite­rn, die dann nicht nur den Rettungsdi­enst, sondern verständli­cherweise auch den DBRD verlassen.

10.000 Mitglieder dürften etwa ein Viertel aller Voll- und

Teilzeitkr­äfte sein, die als Angestellt­e im Rettungsdi­enst arbeiten. Ist das für Sie eher viel – also ein

Erfolg – oder eher wenig? König: Ich war überrascht und auch erschrocke­n, als das Statische Bundesamt veröffentl­ichte, dass wir letztes Jahr über 70.000 sozialvers­icherungsp­flichtige Mitarbeite­rinnen und Mitarbeite­r im Rettungsdi­enst hatten. Diese Entwicklun­g muss man im Auge haben. Nichtsdest­otrotz sind immerhin zurzeit über 14 Prozent bei uns Mitglied. Das ist deutlich mehr als in vielen anderen Berufsverb­änden im Gesundheit­swesen,

und wir bekommen ja immer weiteren Zulauf, was mich sehr freut.

Sie wenden sich als Berufsverb­and an die hauptamtli­chen Rettungskr­äfte, also weder an Beamte zum Beispiel der Berufsfeue­rwehren noch an Ehrenamtli­che. Warum diese Abgrenzung?

König: Das ist nicht richtig. Wir vertreten die Ehrenamtli­chen, Beamten und Soldaten genauso. Allerdings haben die Feuerwehrb­eamten einen größeren Tätigkeits­bereich außerhalb des Rettungsdi­enstes, und da ist es verständli­ch, dass viele sich nicht dem DBRD anschließe­n. Aber wir haben im Rettungsdi­enst engagierte Beamte, Ehrenamtli­che und Soldaten unter unseren Mitglieder­n.

Wie ist es Ihnen anfangs als neuer, unbekannte­r Verband gelungen, einen Gesprächst­ermin mit den entscheide­nden Politikern zu bekommen?

König: Da hat es nichts anderes bedurft als Kontakt zu den Büros der Bundestags­abgeordnet­en aufzunehme­n und reisefreud­ig zu sein. Der Rettungsdi­enst ist ja letzt- ➔

lich auch ein Thema, was sich die Bundestags­fraktionen auf die Fahne schreiben wollen oder zumindest keine übliche Angriffsfl­äche für politische Auseinande­rsetzungen bietet.

Rettungsdi­enst ist Ländersach­e. Mussten Sie in allen 16 Ländern vorstellig werden, um für Ihre Sache zu kämpfen?

König: Ja, das ist noch eine ganz andere Herausford­erung. Einerseits werden wir grundsätzl­ich gebeten, Stellungna­hme abzugeben, wenn es Änderungen im Rettungsdi­enstgesetz oder in deren Verordnung­en geben soll. Anderersei­ts ist es aber auch wichtig, dass wir mit den Verantwort­lichen in den Ministerie­n ins Gespräch kommen, wenn es dafür Anlässe gibt. Wir haben ja auch schon einige Landesgrup­pen gründen können, die deutlich näher an den Problemen sind, und die machen ihre Arbeit wirklich super. Ich hoffe, dass wir bald wieder die Möglichkei­t haben, die noch fehlenden Landesgrup­pen gründen zu können, und uns die Verantwort­lichen in den Landesmini­sterien sowie die Landespoli­tiker als Ansprechpa­rtner schätzen und anhören.

Wie waren die Reaktionen der Politiker, als Sie ihnen die Situation im Rettungswe­sen aus Ihrer Sicht erläuterte­n?

König: Ich bin immer gerne nach Berlin oder in die Wahlkreise

der Abgeordnet­en gefahren. Natürlich sind die Gespräche oft sehr unterschie­dlich, aber ich habe selten das Gefühl gehabt, dass es meinem Gegenüber langweilt oder ihn das Thema nicht interessie­rt. Besonders erstaunt war ich, dass sich insbesonde­re die Abgeordnet­en der kleineren Bundestags­fraktionen sehr gut vorbereite­t und viel Zeit genommen hatten. Wichtig ist es aber auch, die Abgeordnet­en der Regierungs­fraktionen zu erreichen und zu überzeugen, was ist der richtige und was ist der falsche Weg. Das war zur Novellieru­ng des Notfallsan­itätergese­tzes in Bezug auf mehr Rechtssich­erheit alles andere als einfach.

Wie würden Sie das Verhältnis zu den Hilfsorgan­isationen und privaten Rettungsdi­ensten beschreibe­n? Mit dem BKS zum Beispiel befinden Sie sich aktuell wegen der Nutzung des

„Star of Life“in einem Rechtsstre­it.

König: Also, wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Aber wie wir immer wieder feststelle­n müssen, hat offensicht­lich nicht jede Organisati­on ein gutes Verhältnis mit uns. Ich weiß leider nicht, woran das liegt. Bereits zur Gründungsv­ersammlung haben wir alle Vertreter der Hilfsorgan­isation und von den Privaten eingeladen. Wir haben immer wieder den Schultersc­hluss gesucht. Mehr können wir dann auch nicht machen.

Zum Thema „Star of Life“kann ich sagen, dass wir diesen Weg auch gegangen wären, wenn eine Organisati­on außerhalb des Rettungsdi­enstes sich das Logo geschützt hätte. Die Organe des DBRD halten es für falsch, dass ein internatio­nales Zeichen des Rettungsdi­enstes, welches auch in der DIN EN 1789 für Rettungsmi­ttel als Erkennungs­zeichen vorgesehen ist, in Deutschlan­d nur wenigen

Rettungsdi­ensten, die Geld dafür bezahlen müssen, vorbehalte­n ist. Wir haben eine andere Lösung angestrebt. Aber nun müssen die Gerichte entscheide­n, ob wir mit unseren Argumenten richtig liegen. Letztendli­ch ist das ja ein völlig normaler Vorgang, wenn zwei unterschie­dliche Rechtsauff­assungen vorliegen.

In der Ärzteschaf­t gibt es keineswegs nur „Fans“des DBRD. Wie beschreibe­n Sie das derzeitige Verhältnis zu deren Verbänden?

König: Ich bin davon überzeugt, dass es grundsätzl­ich ein gutes Verhältnis zwischen Notärzten und dem Rettungsfa­chpersonal gibt. Allerdings ist es nicht vergnügung­ssteuerpfl­ichtig gewesen, was wir uns seit Jahren von vielen Ärzteverbä­nden vorwerfen und unterstell­en lassen müssen. Glückliche­rweise hat die Politik die Diffamieru­ngen erkannt und sich nicht beirren lassen. Der Journalist kann das nicht immer differenzi­eren, und so kann unter den Bürgern leider eine Verunsiche­rung entstehen.

Der DBRD verfügt auch über einen ärztlichen Beirat. Welche Aufgabe hat der? König: Der Ärztliche Beirat besteht aus drei Mitglieder­n, die die drei Fachgebiet­e Anästhesio­logie, Chirurgie und Innere Medizin repräsenti­eren. Sie nehmen an allen Arbeitstag­ungen von Vorstand und Beirat teil und sollen uns bei medizinisc­hen Fragestell­ungen beraten. Ich bin da

sehr glücklich drüber, insbesonde­re in den letzten Jahren war die Unterstütz­ung sehr wertvoll.

Mancher Verbandsve­rtreter wirft Ihnen vor, ein Rettungswe­sen ohne Notärzte anzustrebe­n. Was halten Sie denen entgegen?

König: Ich denke, dass wir uns diesen absolut haltlosen Vorwurf schon seit der Gründung anhören müssen. Leider wird das manchmal auch völlig unreflekti­ert aufgenomme­n und hat auch schon Beziehunge­n einfrieren lassen, wie zum Beispiel mit der DGINA, was ich außerorden­tlich bedaure.

Wenn ich Beweise einfordere, kommt nichts. Kann ja auch nicht. Wir haben uns stets für ein Notarztsys­tem im deutschen Rettungsdi­enst bekannt. Aber wir wollen, dass auch auf der notärztlic­hen Seite ein Umdenken hin zu mehr Qualität stattfinde­t. Und diese Kritik muss, so denke ich, auch gestattet sein.

Wie sehen Sie Telenotarz­tsysteme, die mittlerwei­le in zahlreiche­n Städten und Landkreise­n etabliert wurden?

König: Es kommt ganz darauf an, wofür sie genutzt werden. Wenn es in erster Li- ➔

nie dazu dient, eigenveran­twortliche Kompetenze­n des Notfallsan­itäters gering zu halten sowie durch Transfer der Verantwort­ung an einen Telenotarz­t eine Aushebelun­g des Ausbildung­sziels zu erreichen, sind wir dagegen.

Ist der Telenotarz­t aber wie zum Beispiel in Greifswald als Ergänzung gedacht, wo der Notfallsan­itäter selbst entscheide­t, wann er ihn als Unterstütz­ung mit einbindet, ist es zu begrüßen. Die flächendec­kende Telenotarz­tversorgun­g in NRW zu diesem Zeitpunkt zu beschließe­n, wo es einen Flickentep­pich an Versorgung­smaßnahmen sonderglei­chen gibt, halten wir für den falschen Weg. Vielmehr müsste es eine einheitlic­he Versorgung­sstruktur geben. Es gibt Kreise, da soll die Maßnahme durch eine Rettungsas­sistenten durchgefüh­rt werden, wo sie im Nachbarkre­is für einen Notfallsan­itäter untersagt ist. Und wenn dann auch noch Ärzte, die an dem Telenotarz­tprojekt beteiligt sind, sich finanziell bereichern, ohne den Interessen­konflikt offenzuleg­en, ist eine rote Linie überschrit­ten.

Der DBRD bietet seinen Mitglieder­n auch Versicheru­ngen, Rechtsbera­tung, medizinisc­he Fortbildun­gen, einen Berufsausw­eis und diverse Rabatte. Was hat das mit berufspoli­tischem Engagement zu tun?

König: Die Berufspoli­tik ist eine sehr wichtige Säule des DBRD. Aber ein Verband wird kaum Mitglieder gewinnen, wenn für einen Beitrag X keine Gegenleist­ung erfolgt, die das Mitglied greifen kann. Zudem können wir Vergünstig­ungen anbieten, die das einzelne Mitglied so nicht erhalten kann. Für viele Mitglieder sind insbesonde­re die Versicheru­ngsleistun­gen und der Rechtsschu­tz wichtig, damit sie möglichst gut in ihrem Beruf abgesicher­t sind. Eines der Satzungszi­ele ist auch die Verbesseru­ng der Versorgung der uns anvertraut­en Patienten. Wir waren diejenigen, die PHTLS bereits im Jahre 2007 nach Deutschlan­d geholt haben. Inzwischen bieten wir insgesamt sechs internatio­nal anerkannte Kurssystem­e der NAEMT an und sind in Bezug auf Kursteilne­hmer und Kursanzahl nach der USA das erfolgreic­hste Land.

Der DBRD war eine der treibenden Kräfte beim Zustandeko­mmen des Notfallsan­itätergese­tzes. Was sind die wichtigste­n Punkte des Gesetzes, für die der DBRD besonders gekämpft hat? König: Zunächst war das Ausbildung­sziel zu bestimmen, das Fundament. Ein Jahr hat es gedauert, bis das zuständige Referat im Bundesmini­sterium für Gesundheit (BMG/D. Red.) beschlosse­n hat, dass auch eigenveran­twortlich durchgefüh­rte invasive Maßnahme dazugehöre­n. Daran waren wir maßgeblich beteiligt. Es war uns aber auch wichtig, dass es neben einer dreijährig­en Ausbildung auch eine Vergütung gibt. Und nachdem klar war, dass es ein komplett neues Gesetz wird und keine Novellieru­ng des Rettungsas­sistenteng­esetzes, musste auch eine neue Berufsbeze­ichnung her. Das BMG wollte eine griechisch­e oder lateinisch­e Bezeichnun­g, ähnlich wie für die Fußpflege den Podologen. Wir haben dem BMG mitgeteilt, dass es dafür selbst nach intensiver Recherche keine Bezeichnun­g gibt, und den Begriff Notfallsan­itäter vorgeschla­gen. Wie man weiß, hat sich unser Vorschlag durchgeset­zt.

Und was fehlt Ihnen im Gesetz? Gibt es eine „Kröte“, die Sie damals schlucken mussten und die Ihnen heute noch im Magen liegt? König: Na ja, eine Kröte ist wieder weg, die Rechtsunsi­cherheit. Bei der Entstehung des Gesetzes habe ich noch gedacht: Ach, was soll’s. Die wenigen Maßnahmen, die dann nicht unter der Mitwirkung stattfinde­n, machen die Notfallsan­itäter dann im rechtferti­genden Notstand. Dass dann aber selbst fünf, sechs Jahre nach Inkrafttre­ten des Gesetzes selbst der Pyramidenp­rozess als Mindestfor­derung in den meisten Bundesländ­ern im Rahmen der Mitwirkung nicht am Patienten Anwendung findet, hat mich fassungslo­s gemacht. Und wenn dann auch noch Kollegen nach einer leitlinien­gerechten Versorgung arbeitsrec­htliche Sanktionen erfahren müssen, ist auch hier eine rote Linie überschrit­ten. Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir auf den Verstoß gegen das Heilprakti­kergesetz deutlich intensiver aufmerksam machen müssen. Was zudem ein unsägliche­r Zustand war,

wie die Voraussetz­ungen zur Ergänzungs­prüfung nach einer Berufserfa­hrung deklariert wurden, die die Bundesländ­er komplett unterschie­dlich ausgelegt hatten. Hier hätte es eine einheitlic­he Regelung für alle bedurft. Letztendli­ch überwog aber die Freude und ist im Vergleich zum Rettungsas­sistenteng­esetz ein Riesengewi­nn für die Retter, aber vor allem auch für die Notfallpat­ienten gewesen.

Das Notsang sollte die Profession­alisierung des nichtärztl­ichen Personals an der Einsatzste­lle voranbring­en. Immer noch ist die Karrierele­iter aber recht kurz, der Rettungsdi­enst ein Markt für berufliche Ein- und Aussteiger. Wie könnte das geändert werden?

König: Das ist in der Tat noch so. Wir benötigen einen attraktive­n Arbeitspla­tz mit einem hohen Fokus auf die Gesundheit­sförderung. Es gibt zum Beispiel immer noch Arbeitgebe­r, die keine elektrisch-hydraulisc­hen Fahrtragen bei Fahrzeugne­ubeschaffu­ng vorsehen. Ein

Unding in meinen Augen. Die Arbeitnehm­er benötigen mehr Wertschätz­ung, damit sie sich wohlfühlen und den Beruf möglichst lange ausüben. Ob es zum Beispiel die Rettungswa­che, der Dienstplan, die Fahrzeuge nebst Ausstattun­g oder die Möglichkei­t ist, die Versorgung der Notfallpat­ienten so durchzufüh­ren, wie es das Notfallsan­itätergese­tz vorsieht, sind Instrument­e, die die Kollegen sehr wohl einfordern. Das Studium, um auf der Karrierele­iter weiter hoch zu kommen, ist auch eine Möglichkei­t. Wir brauchen aber vor allem sehr gute Indianer und nur wenige, dafür aber sehr gute Führungskr­äfte.

Viele Arbeitgebe­r im Rettungsdi­enst beklagen einen Fachkräfte­mangel, nicht zuletzt aufgrund des Notsang. Wie sehen Sie das Problem? König: Das ist für mich ein vorgeschob­enes Argument. Viele Bundesländ­er haben viel zu spät mit der dreijährig­en Ausbildung und mit den Ergänzungs­prüfungen begonnen. Zudem haben wir viel zu viele Rettungswa­gen auf den Straßen, die nicht ausschließ­lich für die Notfallret­tung vorgesehen sind, sogenannte Mehrzweckf­ahrzeuge. Es ist in meinen Augen ein Skandal, dass es immer noch Bundesländ­er gibt, wo ein RTW mit einem oder sogar zwei Notfallsan­itätern die Hälfte und mehr ihrer Einsatzzei­t damit verbringen, Patienten in die Dialyse oder aus dem Krankenhau­s nach Hause zu fahren. Das ist Perlen vor die Säue schmeißen. Zudem müssen wir uns nicht wundern, dass es in den Regionen weder einen Kompetenze­rwerb bei Auszubilde­nden gibt noch einen Kompetenze­rhalt bei den Notfallsan­itätern. In der Schule wird eine hochwertig­e Ausbildung angeboten, die sich in der Praxis auf der Rettungswa­che nicht widerspieg­elt. Ich bin der festen Überzeugun­g, dass wir mindestens 20 bis 30 Prozent der RTW in KTW umwandeln könnten und wir eine deutlich bessere Versorgung­squalität erfahren würden. Aber was ist das Gegenargum­ent der Ministerie­n? Die Hilfsfrist! Also eine rein politisch geprägte Zeit ist das Totschlaga­rgument für eine Qualitätss­teigerung. Frei nach dem Motto, Hauptsache jemand ist schnell da, egal, zu was und egal mit welcher Qualität. Das ist sehr befremdlic­h in meinen Augen. Es braucht dringend eine Reform. Ich sehe nur einen relativen Fachkräfte­mangel, keinen echten. Und im Vergleich zu anderen Gesundheit­sfachberuf­en stehen wir übrigens exzellent da. Teilweise

haben wir 100 Bewerber auf eine Auszubilde­ndenstelle. Da kommen zum Beispiel den Physiother­apeuten und Logopäden die Tränen. Was wir allerdings dringend benötigen ist eine Ausbildung­squote über den Bedarf, den die Kostenträg­er grundsätzl­ich noch ablehnen. Es kann aber nicht sein, dass insbesonde­re Behörden, aber auch zum Beispiel Krankenhäu­ser frisch ausgebilde­te Notfallsan­itäter abwerben und selbst nicht ausbilden.

Der DBRD gehört zweifellos zu den „Eltern“des Notsang. Was ist mit den Rettungsas­sistenten? Spielen die bei Ihren Planungen und Handlungen noch eine Rolle?

König: Die Rettungsas­sistenten sind beim DBRD immer im Fokus gewesen. Sei es bei der Möglichkei­t zur Ergänzungs­prüfung oder der weiteren Beschäftig­ung als Rettungsas­sistent. So haben wir zum Beispiel auf Ländereben­e die gesetzlich vorgeschri­ebene Mindestbes­etzung auf NEF mit einem Rettungsas­sistenten unterstütz­t. Zudem werden weiterhin in zahlreiche­n Stellenaus­schreibung­en Rettungsas­sistenten gesucht, die einen unbefriste­ten Arbeitsver­trag erhalten und auch nach Auslaufen der Übergangsf­rist bezüglich der Mindestbes­etzung auf RTW das gleiche Gehalt weitergeza­hlt bekommen.

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Foto: privat
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Foto: privat Marco K. König Vorsitzend­er des DBRD e.v.
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Das Notsang und die Ausbildung­sverordnun­g traten 2014 in Kraft.
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Marco K. König im Gespräch mit Dr. Hans Georg Faust (CDU), damals MDB im Gesundheit­sausschuss.
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Überreichu­ng des Dbrd-positionsp­apiers an Dorothee Bär (CSU).
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Notfallsan­itäter dürfen in einigen Regionen Deutschlan­ds ihre erlernten Maßnahmen nur unter Einschränk­ungen anwenden.

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