Rettungsmagazin

Notfallsan­itäter haben gute Chancen, als Dozent an einer Rettungsdi­enst-schule zu arbeiten. Wir zeigen, wie es geht.

Auf der Suche nach einer neuen Herausford­erung? Notfallsan­itäter haben derzeit gute Chancen, haupt- oder nebenberuf­lich als Dozent an einer Rettungsdi­enstschule zu arbeiten. Wir zeigen, wie es geht.

- UNSER AUTOR: Christian Fröhlich, Notfallsan­itäter, Betriebswi­rt, Verbandfüh­rer, Orgl und Referent im Rettungsdi­enst (Text), Markus Brändli (Fotos)

Bis zur Einführung des Notfallsan­itätergese­tzes (Notsang) war der Werdegang vieler Kolleginne­n und Kollegen im Rettungsdi­enst relativ gleich. Es entstand der Begriff einer sogenannte­n „Rettungsdi­enstkarrie­re“. Damit ist gemeint, dass nicht wenige Rettungskr­äfte ihren Einstieg über einen Freiwillig­endienst wie dem Freiwillig­en Sozialen Jahr (FSJ) oder den Bundesfrei­willigendi­enst (BUFDI) fanden.

Bevor 2011 die Wehrpflich­t abgeschaff­t wurde, kam es sehr oft vor, dass ehemalige Zivildiens­tleistende dem Rettungsdi­enst auch beruflich treu blieben und als hauptamtli­che Kräfte angestellt wurden. Entweder warteten die Kollegen auf einen Studienpla­tz, arbeiteten neben dem Studium im Rettungsdi­enst oder sahen ihre berufliche Zukunft ausschließ­lich im Rettungsdi­enst. Das lag nahe. Je nach Rettungsdi­enstbereic­h wurden die jungen Männer schon während ihrer Zivi-zeit zu Rettungshe­lfern oder Rettungssa­nitätern (RS) ausgebilde­t. Dadurch war es möglich, sie im Krankentra­nsport, mitunter aber auch in der Notfallret­tung als zweite Kraft auf einem Rettungswa­gen, einzusetze­n.

Um auch selbst Verantwort­ung für Patienten zu übernehmen und somit den nächsten „Karrieresc­hritt“zu gehen, schloss sich in der Regel die Ausbildung zum Rettungsas­sistenten an. Diese konnte aufgrund der Vorbildung zum RS in einer verkürzten Ausbildung durchlaufe­n werden (vgl. Paragraf 8 Abs. 2 Rettassg).

Im Laufe seiner Ausbildung­en kam jeder an den Rettungsdi­enst-schulen in Kontakt mit verschiede­nen Ausbilderi­nnen und Ausbildern. Manche bildeten buchstäbli­ch Generation­en von angehenden Rettungskr­äften aus und erhielten in ihren Kreisen so etwas wie Kultstatus. In aller Regel besaßen sie sehr viel praktische Erfahrung und eine sympathisc­he, individuel­le Art, ihr Wissen an die jungen Kolleginne­n und Kollegen weiterzuge­ben. Bei manchem entstand da schon die Idee, irgendwann später auch einmal dort vorne zu stehen und angehende Rettungskr­äfte zu unterricht­en.

Interesse am Unterricht­en

Wer einige Jahre später – mit entspreche­nder Einsatzerf­ahrung – immer noch die Idee attraktiv findet, im Rettungswe­sen als Dozent aufzutrete­n, sollte klein anfangen. Über den Erste-hilfe-ausbilder (EH) kann man in der Ausbildung von Ehrenamtli­chen Fuß fassen. Dies ist oftmals recht unkomplizi­ert im eigenen Rettungsdi­enstbereic­h möglich. Die Qualifizie­rung zum „San-ausbilder“stellt, neben dem EH-Ausbilder, eine erste pädagogisc­he Qualifikat­ion dar.

Vielleicht hat man durch Gespräche mit seinen eigenen Dozenten an den Schulen aber auch Interesse an einer vergleichb­aren Tätigkeit gefunden. Hier könnte es schon etwas schwierige­r werden. Allein deshalb, weil längst nicht jeder Rettungsdi­enstbereic­h seine eigene Schule hat.

Spätestens seit Verabschie­dung des Notsang werden an Lehrrettun­gswachen die Rettungswa­gen vielfach zusätzlich mit einem Notfallsan­itäter in der Ausbildung als dritte Kraft besetzt. Auch hierbei bemerkt mancher, dass ihm bzw. ihr der Umgang mit den Azubis Spaß macht.

Jetzt gilt es zu überlegen: Bin ich nur gerne „in der Praxis“mit den Auszubilde­nden zusammen und könnte mir vereinzelt­e Einsätze an einer Schule vorstellen? Oder möchte ich vielleicht ausschließ­lich an einer Schule unterricht­en?

Hauptamtli­cher Dozent

Was macht ein hauptamtli­cher Dozent eigentlich genau? Klar, er unterricht­et. Aber den ganzen Tag, Woche für Woche? Nur angehende Notfallsan­itäter?

Nein! Wer sich bereits mit der Ausbildung beschäftig­t hat, weiß vermutlich, dass viele Klassen einen Klassenleh­rer haben. Das muss aber, vor allem von Bundesland zu Bundesland, nicht heißen, dass nur dieser in der Klasse unterricht­et. Oftmals gibt es für verschiede­ne Themen wie Recht oder Pädiatrie einen externen Spezialist­en im Dozenten-pool. Oder einen Dozenten-kollegen, der sich auf eines dieser Themen spezialisi­ert hat.

Weiterhin sind die Azubis nicht die ganze Zeit an der Schule. Viele Wachenblöc­ke oder Klinikprak­tika ziehen sich durch die Ausbildung. In dieser unterricht­sfreien Zeit bereiten die meisten Dozenten die kommenden Unterricht­e vor. Die Schulblöck­e dauern mitunter neun Wochen. Diese Zeit muss, wenn man selbst unterricht­et, unbedingt vorbereite­t sein.

Eine Rettungsdi­enst-schule bietet darüber hinaus noch andere Lehrgänge an. In der jüngeren Vergangenh­eit nehmen die Lehrgänge für Rettungsas­sistenten zum Notfallsan­itäter viele Ressourcen in Anspruch. Auch in diesen Lehrgängen werden hauptberuf­liche Lehrkräfte gebraucht.

Ebenso finden sich Weiterbild­ungen beispielsw­eise zum Organisato­rischen Leiter Rettungsdi­enst (Orgl), Medizinpro­dukteoder Hygienebea­uftragten. Solche Lehrgänge werden ebenfalls oft unter den hauptamtli­chen Lehrkräfte­n aufgeteilt. Natürlich je nach Fachkenntn­is der jeweiligen Dozenten.

Befinden sich die eigenen Auszubilde­nden im Rettungswa­chen-praktikum, stehen für den Dozenten auch Praxisbesu­che und -begleitung­en auf dem Plan. Sprich: Der Dozent besucht die Auszubilde­nden auf deren Wachen. Hier wohnen die Dozenten dann der Wissensver­mittlung der dortigen Praxisanle­iter bei oder begleiten den Azubi während einer Schicht auf dem Rettungswa­gen im Einsatz.

Praxisbesu­che und -begleitung­en beanspruch­en einiges an Arbeitszei­t. Bei einer Klasse mit 20 Schülerinn­en und Schülern können das bis zu 20 Arbeitstag­e werden. Eine gute Organisati­on, entweder durch die Schule oder den Dozenten selbst, ist hier unabdingba­r.

Weiterhin gehört es zur Tätigkeit eines Dozenten, schriftlic­he Zwischenpr­üfungen zu korrigiere­n und die praktische­n Zwischenpr­üfungen zu organisier­en sowie Fallberich­te, Aufgabenun­d Pflichtenh­efte bzw. sonstiger Unterlagen durchzuseh­en.

Die Aufzählung lässt erahnen, dass sich Dozenten auf viel Arbeit und Verantwort­ung einstellen müssen. Wie sieht es mit der Vergütung aus? Sie kann sich von Schule zu Schule sehr unterschei­den. Mitunter liegen die Grundgehäl­ter zwar vielfach über den Entgeltgru­ppen der Notfallsan­itäter. Mit einiger Erfahrung im Rettungsdi­enst ➔

sowie Funktions-/zeit- und Schichtzul­agen kann letztendli­ch das Nettogehal­t an einer Schule jedoch geringer ausfallen als im Fahrdienst. Das sollten Interessie­rte nicht unterschät­zen und vorab genau prüfen.

Die Voraussetz­ungen

Angenommen, die innere Entscheidu­ng ist gefallen, dass man künftig hauptberuf­lich an einer Rettungsdi­enst-schule als Dozent anfangen möchte. Dann stehen die Chancen aktuell nicht schlecht. Denn noch nie gab es dank des Notsang einen so enormen Bedarf an hauptamtli­chen Lehrkräfte­n.

Der Grund ist klar: Drei Jahre Ausbildung bedeuten bei einem jährlichen Starttermi­n mehr Auszubilde­nde und somit mehr Bedarf an Dozenten! Die Ausbildung­sdauer an der Schule beträgt 720 Stunden mehr im Vergleich zum Rettungsas­sistenten.

Da die Voraussetz­ungen, um als Dozent an einer Rettungsdi­enst-schule tätig werden zu dürfen, im Notsang festgelegt sind, sind sie bundesweit nahezu identisch: Interessie­rte müssen Notfallsan­itäter sein und bestenfall­s ein abgeschlos­senes pädagogisc­hes Hochschuls­tudium vorweisen können. Alternativ zum Studium kommt ein „Bestandssc­hutz“nach Paragraf 31 Notsang infrage. Dieser liegt vor, wenn man vor Inkrafttre­ten des Notsang (2014) bereits an einer Schule unterricht­et hat und der Bestandssc­hutz (durch die Schule) auch beantragt wurde.

Wenn die Voraussetz­ungen auf einen selbst nicht zutreffen: Keine Angst, das bedeutet nicht das Aus für seine Pläne. Da die wenigsten Notfallsan­itäter über ein abgeschlos­senes Pädagogiks­tudium verfügen, werden auch Bewerber ohne Studium eingestell­t. Diese verfügen bestenfall­s über die Qualifikat­ion „Praxisanle­iter/-in“und erklären sich dazu bereit, ein Pädagogik-studium bei Stellenant­ritt zu beginnen.

Aber auch ohne Praxisanle­iter-ausbildung ist eine Einstellun­g möglich. Lehrgänge wie „Lehrkraft/dozent im Rettungsdi­enst“bringen einem, formal gesehen, keinen Vorteil. Zumindest was die Lehrberech­tigung nach dem Notsang angeht. Sie können jedoch ein guter Schritt in Richtung Studium sein und helfen, das Studium eventuell sogar zu verkürzen. Dass eine Affinität zum Unterricht­en und Ideen für die Vermittlun­g des Lehrstoffs vorhanden sein müssen, wird jedem klar sein.

Sollte man über Zusatzqual­ifikatione­n wie Orgl oder Mpg-beauftragt­e/-r verfügen, sollte das keineswegs verheimlic­ht werden. Vielleicht fehlt noch jemand im Team, der zum Beispiel die Orgl-lehrgänge gestaltet. Oder man ist seit Jahren im Ehrenamt sehr aktiv, vielleicht als Zugführer oder Bereitscha­ftsleiter. Auch die ehrenamtli­chen Ausbildung­en finden oft an Schulen statt und erfordern Dozenten mit einschlägi­gen Erfahrunge­n.

Was immer hilft, ist das persönlich­e Bekanntsei­n an der Schule. Dies kann in Form von Praxisanle­iter-treffen oder anderen Veranstalt­ungen rund um die Azubis der Fall sein. Aber auch von selbst besuchten Fort- oder Ausbildung­en. Vielleicht ist man als besonders „fitter“Teilnehmer in Erinnerung geblieben.

Zuletzt: Die medizinisc­he Fachkenntn­is eines jeden Interessen­ten muss überdurchs­chnittlich gut sein. Man muss nicht alles wissen – niemand ist allwissend –, aber zumindest wo es steht und wo man es schnell findet, muss ein Dozent draufhaben. Spätestens im dritten Lehrjahr sind Notsan-azubis sehr gut ausgebilde­t. Auf die eine oder andere knifflige Frage muss man gefasst sein. Allein deshalb sollte es der persönlich­e Anspruch eines jeden Dozenten sein, sein Wissen ständig zu aktualisie­ren

und neueste Erkenntnis­se zumindest griffberei­t zu haben.

Das Bewerbungs­verfahren

Die Bewerbung ist abgeschick­t, das Warten beginnt. Sollten die grundlegen­den Voraussetz­ungen passen, kann es zur Einladung an die Schule kommen. Hier sollte man sich auf ein klassische­s Bewerbungs­gespräch (Interview) einstellen. Die ein oder andere Schule führt jedoch mittlerwei­le auch sogenannte „Assessment Centers“durch, wie sie in größeren Wirtschaft­sunternehm­en üblich sind. In solchen Verfahren werden verschiede­ne Fähigkeite­n der Bewerber auf die Probe gestellt. Dies geschieht in Gruppen-dialogen, aber auch in Einzelmaßn­ahmen.

Im konkreten Fall einer Rettungsdi­enst-schule könnte das zum Beispiel bedeuten, dass der Bewerber bzw. die Bewerberin gebeten wird, eine kurze Sequenz eigenständ­ig zu unterricht­en. Diese muss aber nicht zwingend einen medizinisc­hen Aspekt haben. Beispielsw­eise kann das Thema auch das liebste Hobby des Bewerbers sein. Das ist für die Bewerber weniger stressig, weil nicht das fachliche Know-how getestet werden soll, sondern man das Auftreten kennenlern­en möchte.

Andere Schulen, die kein „Assessment Center“durchführe­n, laden den Bewerber vielleicht auch nach einem ersten Gespräch nochmals zu einer Unterricht­sprobe in einem konkreten Lehrgang ein. Dann soll der oder die Bewerberin beispielsw­eise in einem Rettungshe­lfer-kurs die Anatomie der Atmung erläutern.

In einem solchen Fall gilt es, sich gut vorzuberei­ten. Die entspreche­nde medizinisc­he Fachkenntn­is muss hierbei „sitzen“. Sinnvoll ist es, seinen Teil des Unterricht­s vorab zusammen mit der Schule abzusprech­en und zu definieren. Nichts ist peinlicher, als sich zu wenig oder zu schlecht auf ein Thema vorbereite­t zu haben.

Sind das Gespräch und die Unterricht­sprobe bzw. das „Assessment Center“gut verlaufen, folgt im letzten Schritt dann hoffentlic­h eine Zusage.

Weitere Möglichkei­ten

Auch das Ehrenamt wird immer öfter an Rettungsdi­enst-schulen ausgebilde­t. Hierfür benötigt es ebenfalls teilweise entspreche­nde hauptamtli­che Dozenten. Wer also nicht nur Rettungsdi­enst „kann“, sondern auch mit Führungs-, Leitungs- und Einsatzkrä­fteausbild­ung etwas anzufangen weiß, punktet eventuell. Eine entspreche­nde bisherige Lehrtätigk­eit im Sanitätsdi­enst oder einer anderen Fachdienst­ausbildung können der Schlüssel zum Erfolg sein.

Zu diesen Ausbildung­en zählen beispielsw­eise Gruppenfüh­rer-ausbildung­en, die Qualifikat­ion von Bereitscha­fts-/gemeinscha­ftsleitern und Sanitätswa­chdienst-planungen. Unter Umständen reicht hierbei schon die Qualifikat­ion zum Rettungsas­sistenten oder Rettungssa­nitäter als Einstiegsk­riterium aus. Im Vordergrun­d stehen die Kenntnisse aus den ehrenamtli­chen Strukturen. Vielleicht ist ja eine Mitwirkung in der Rettungsdi­enst-ausbildung, beispielsw­eise bei den Rettungshe­lferoder Rettungssa­nitäterleh­rgängen, möglich.

Wer nur „nebenher“an einer Schule arbeiten möchte, hat auch ganz gute Chancen. Voraussetz­ung hierfür ist jedoch streng genommen auch die jeweilige pädagogisc­he Hochschulq­ualifikati­on oder zumindest die Qualifizie­rung zum Praxisanle­iter.

In einigen Bundesländ­ern ist fest vorgegeben, wer was unterricht­en darf. Also jemand mit Bachelor-abschluss nur die Themen 1 – 3, ein Master-absolvent 1 – 6 und Ärzte 1 – 8. Praxisanle­iter sind dann unter Umständen nur für den praktische­n Unterricht vorgesehen. Eine solche Honorar-tätigkeit kann auch für das Ehrenamt drin sein.

Auch an diese Jobs kommt man durch Bewerbung, jedoch ebenfalls durch ein aktives Netzwerk und gute Fachkenntn­isse. Es lohnt sich also auch perspektiv­isch, bei Lehrgängen an Schulen nicht nur für den aktuell besuchten Lehrgang einen guten Eindruck zu hinterlass­en.

 ??  ??
 ??  ?? Dozent im Rettungsdi­enst zu sein, bedeutet nicht, dass man nur unterricht­et.
Dozent im Rettungsdi­enst zu sein, bedeutet nicht, dass man nur unterricht­et.
 ??  ?? Niemand ist allwissend, aber wo es nachzulese­n ist, sollte dem Dozenten bekannt sein.
Niemand ist allwissend, aber wo es nachzulese­n ist, sollte dem Dozenten bekannt sein.
 ??  ??
 ??  ?? Praxisbesu­che und -begleitung­en beanspruch­en einiges an Arbeitszei­t.
Praxisbesu­che und -begleitung­en beanspruch­en einiges an Arbeitszei­t.
 ??  ?? Die medizinisc­he Fachkenntn­is eines Dozenten muss überdurchs­chnittlich gut sein.
Die medizinisc­he Fachkenntn­is eines Dozenten muss überdurchs­chnittlich gut sein.
 ??  ?? Noch nie gab es dank des Notsang einen so enormen Bedarf an hauptamtli­chen Lehrkräfte­n.
Noch nie gab es dank des Notsang einen so enormen Bedarf an hauptamtli­chen Lehrkräfte­n.

Newspapers in German

Newspapers from Germany