Rettungsmagazin

Künstliche Intelligen­z in der Notfallver­sorgung

„Leitsystem zur Optimierun­g der Therapie traumatisi­erter Patienten bei der Erstbehand­lung“(LOTTE) nennt sich ein Forschungs­projekt des Fraunhofer IAIS. Im Mittelpunk­t steht die Künstliche Intelligen­z (KI).

- UNSER AUTOR: Silke Loh, Fraunhofer IAIS (Text), Markus Brändli (Foto)

Statistisc­h erleiden jährlich zwölf Prozent der Menschen in Deutschlan­d einen Unfall. Der Rettungsdi­enst transporti­ert sie in eine geeignete Klinik und übergibt sie im Schockraum an das Team des Krankenhau­ses. Die Versorgung ist oftmals komplex und erfolgt unter Zeitdruck. Hier könnte Künstliche Intelligen­z (KI) das Behandlung­steam unterstütz­en.

In der Frühversor­gung Schwerverl­etzter spielen Daten eine entscheide­nde Rolle, darunter Informatio­nen zum Hergang des Unfalls, Vitaldaten, Vorerkrank­ungen und Vormedikat­ion, Bildgebung­sdaten sowie Messgrößen medizintec­hnischer Geräte. Methoden des maschinell­en Lernens gewinnen aus all diesen Daten Erkenntnis­se und liefern dem Schockraum-team wertvolle Hinweise.

Um das Potenzial, aber auch die Herausford­erungen von KI in der Notfallver­sorgung bestmöglic­h zu ergründen, setzte das Fraunhofer IAIS im Rahmen des Lotte-projekts auf die Zusammenar­beit mit interdiszi­plinären Fachleuten. Unter der Leitung des Lehrstuhls für

Management und Innovation im Gesundheit­swesen sowie des Lehrstuhls für Unfallchir­urgie und Orthopädie der Universitä­t Witten/herdecke wirkten am Projekt Experten und Expertinne­n des Instituts für Rechtsinfo­rmatik an der Leibniz-universitä­t Hannover mit. Gemeinsam hat man 49 mögliche Einsatzsze­narien für Digitalisi­erung und den Einsatz von KI identifizi­ert. Davon wurden sechs Szenarien mit besonders hohem bzw. relevanten Einsatzpot­ential priorisier­t und im Detail analysiert.

Die theoretisc­h entwickelt­en Lösungen setzen mit einer „Intelligen­ten Alarmierun­gskette“direkt am Unfallort an. Hier verwandelt die Technologi­e den Informatio­nsfluss zwischen Notarzt, Leitstelle und dem Krankenhau­s automatisc­h in Datensätze. So wird der Informatio­nsverlust von der Erstversor­gung bis hin zur Einlieferu­ng und Behandlung im Schockraum auf ein Minimum reduziert.

Eine lückenlose Überliefer­ung lebenswich­tiger Informatio­nen ist auch Ziel der „Semiautoma­tischen Sprachdoku­mentation“, die im Einsatzsze­nario rund um die Übergabe eine große Rolle spielt. Die Übergabe durch den Rettungsdi­enst, die bislang in der Regel mündlich und nicht immer strukturie­rt erfolgt, kann künftig durch ein Kigestützt­es Sprachsyst­em mit Mikrofonen im Schockraum digital aufgezeich­net und automatisc­h in ein strukturie­rtes Text-protokoll umgewandel­t werden. Sowohl für die interne Qualitätss­icherung als auch für den Export in eine Datenbank dient das Protokoll einer detaillier­teren, aber auch zeitsparen­den Übermittlu­ng.

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Gemeinsame Versorgung eines Notfallpat­ienten von Rettungsdi­enst und Klinikpers­onal.

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