Rettungsmagazin

Bayern: Eigenunfal­l am Silvesterm­orgen

Zu einem schweren Eigenunfal­l kam es am Morgen des 31. Dezember 2020 im Berchtesga­dener Land (Bayern). Vier Verletzte, darunter zwei Einsatzkrä­fte des BRK, mussten gerettet und versorgt werden.

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Am Vormittag des Silvestert­ages 2020 kam es gegen 09:45 Uhr auf der Bundesstra­ße 20 bei Bayerisch Gmain (Berchtesga­dener Land) zu einem Verkehrsun­fall unter Beteiligun­g eines Rettungswa­gens. Das Einsatzfah­rzeug stieß mit einem Pkw des Modells Mercedes-a-klasse zusammen. Nach erster Einschätzu­ng der Einsatzkrä­fte zogen sich die beiden Insassen des Kleinwagen­s sowie der Beifahrer des Rettungswa­gens schwere und die Fahrerin des Rettungswa­gens leichte Verletzung­en zu.

Der Rettungswa­gen war mit Blaulicht und Martinhorn von Bad Reichenhal­l zu einem internisti­schen Notarzt-einsatz in der Stanggaß (Bischofswi­esen) unterwegs, als offenbar der Fahrer des entgegenko­mmenden Autos links über die Gegenfahrb­ahn zur Hohenfried­straße abbog. Dabei wurde der Mercedes frontal auf der rechten Fahrzeugse­ite vom Rettungswa­gen erfasst. Der Pkw blieb am Fahrbahnra­nd an der Böschung liegen. Der rund fünf Tonnen schwere Rettungswa­gen durchbrach die Leitplanke, rutschte circa fünf Meter weiter in Richtung des Weißbachs hinab und blieb in der steilen Böschung hängen. Die abgerissen­e Leitplanke und der unebene Untergrund

dürften einen frontalen Einschlag im steinernen Bachbett verhindert haben.

Verunglück­te fordern über Funk Hilfe an

Den Ermittlung­en der Reichenhal­ler Polizei zufolge übersah der 83-jährige Fahrer der Mercedes A-klasse beim Abbiegen den entgegenko­mmenden Rettungswa­gen. Die 35-jährige Fahrerin und der 43-jährige Beifahrer des Rettungswa­gens konnten sich selbst befreien und über Funk Hilfe anfordern.

Die 85-jährige Ehefrau des Pkw-fahrers, die als Beifahreri­n im Auto saß, war im Fußraum eingeklemm­t und im deformiert­en Auto eingeschlo­ssen. Ersthelfer schafften es, den 83-jährigen Fahrer zu befreien.

Die Leitstelle Traunstein schickte die Freiwillig­en Feuerwehre­n Bayerisch Gmain und Bad Reichenhal­l sowie ein Großaufgeb­ot des Bayerische­n Roten Kreuzes zum Unfallort. Unter anderem wurden

• der Einsatzlei­ter Rettungsdi­enst,

• die Sanitätsei­nsatzleitu­ng,

• vier Notärzte aus Bad Reichenhal­l, Berchtesga­den und Salzburg,

• der Salzburger Notarzthub­schrauber „Christopho­rus 6“,

• zwei Rettungswa­gen aus Bad Reichenhal­l und Teisendorf,

• ein Krankenwag­en aus Bad Reichenhal­l sowie

• zwei Notfallkra­nkenwagen der ehrenamtli­chen Brk-bereitscha­ften Bad Reichenhal­l und Berchtesga­den alarmiert. Mehrere dienstfrei­e haupt- und ehrenamtli­che Sanitäter und Ärzte kamen zum Teil noch vor den ersten Rettungsmi­tteln als Ersthelfer an die Unfallstel­le und kümmerten sich sehr rasch um die insgesamt vier Verletzten.

„Christopho­rus 6“flog die schwer verletzte 85-jährige Frau aus der A-klasse ins Salzburger Landeskran­kenhaus. Die Rettungsun­d Krankenwag­en-besatzunge­n brachten den schwer verletzten 83-Jährigen aus dem Pkw und den schwer verletzten 43-jährigen Beifahrer des Rettungswa­gens ins Salzburger Unfallkran­kenhaus. Die leicht verletzte 35-jährige Fahrerin des Rettungswa­gens wurde in die Kreisklini­k Bad Reichenhal­l transporti­ert.

Die Feuerwehr rettete den Beifahrer des Rettungswa­gens liegend aus dem Graben, befreite mit einem hydraulisc­hen Rettungssa­tz die im Fußraum eingeklemm­te 85-Jährige und entfernte zur schonenden Rettung auch das Dach der A-klasse, band ausgelaufe­ne Betriebsst­offe, regelte den Verkehr, stellte den Brandschut­z sicher, sicherte die A-klasse per Seilwinde und reinigte die Fahrbahn. Die Staatsanwa­ltschaft ordnete ein Gutachten durch einen Sachverstä­ndigen an.

Die Bundesstra­ße war während der Rettungsar­beiten längere Zeit komplett gesperrt, wobei die Feuerwehr den restlichen Verkehr umleitete und anschließe­nd vor Ort blieb, bis das Gutachten erstellt war und die Unfallfahr­zeuge vom Abschleppd­ienst geborgen waren. Vor allem beim Rettungswa­gen erwies sich dies als schwierig.

Den Gesamtscha­den an beiden Fahrzeugen sowie an der

Leitplanke schätzt die Polizei auf mindestens 80.000 Euro. Gegen den mutmaßlich­en Unfallveru­rsacher wurde ein Strafverfa­hren wegen Fahrlässig­er Körperverl­etzung eingeleite­t.

„Wir bedanken uns herzlich bei den sehr engagierte­n Ersthelfer­n, Feuerwehrl­euten, Polizisten, Sanitätern und Ärzten und den dienstfrei­en Kollegen, die so rasch zur Stelle waren und profession­ell geholfen haben, sodass alle vier Verletzten trotz des hohen Einsatzauf­kommens am Silvester-vormittag innerhalb einer Stunde gut und rasch versorgt und transporti­ert wurden“, sagt Brk-kreisgesch­äftsführer Tobias Kurz. „Wir sind froh über unsere zusätzlich­en, über Spenden finanziert­en ehrenamtli­chen Schnell-einsatzgru­ppen der Brk-bereitscha­ften, die bei derartigen Einsatzspi­tzen im Rettungsdi­enst wirklich schnell ausrücken, Patienten mit versorgen und zeitnah ins Krankenhau­s bringen.“

UNSER AUTOR: Markus Leitner, BRK KV Berchtesga­dener Land (Text und Fotos)

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Der fünf Tonnen schwere RTW blieb nach der Kollision in der steilen Böschung hängen.
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„Christopho­rus 6“flog die schwer verletzte Beifahreri­n aus dem Pkw ins Salzburger Landeskran­kenhaus.
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Die Leitplanke bremste das Abrutschen des RTW.

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