Mehr Geld, mehr Zeit, mehr Un­ter­stüt­zung

Bil­dung Im Land feh­len dut­zen­de Schul­lei­ter. Und die, die es gibt, kla­gen oft über ei­ne ho­he Ar­beits­be­las­tung. Die Lan­des­re­gie­rung will den Rek­to­ren nun hel­fen.

Reutlinger Nachrichten  - - SÜDWESTUMSCHAU - Von Axel Ha­ber­mehl

Als der Lan­des­rech­nungs­hof 2014 die La­ge der Schul­lei­ter un­ter­such­te, geiz­te er nicht mit Kri­tik. Schu­li­sche Ma­nage­ment­auf­ga­ben sei­en „um­fang­rei­cher und kom­ple­xer ge­wor­den“. Rek­to­ren hät­ten im­mer mehr Auf­ga­ben in im­mer we­ni­ger Zeit zu er­fül­len, das Un­ter­stüt­zungs­per­so­nal rei­che nicht, das Be­richts­we­sen sei auf­wän­dig, die It-aus­stat­tung dürf­tig. Aus- und Fort­bil­dung sei­en schwach, prak­ti­ka­ble Vor­schrif­ten und Check­lis­ten fehl­ten. Kurz­um: „Den Schul­lei­tun­gen wird im­mer mehr ab­ver­langt.“

Un­ter Leh­rern ist der Job un­be­liebt. Zu we­ni­ge Päd­ago­gen wa­gen den Schritt an die Spit­ze des Kol­le­gi­ums, mit dem statt Leh­re viel Ver­wal­tung und Är­ger ein­her­geht – aber nicht viel mehr Geld. Die Fol­ge: Lan­des­weit feh­len Be­wer­ber. Kürz­lich re­cher­chier­te die „Schwä­bi­sche Zei­tung“, dass zum Be­ginn des neu­en Schul­jah­res 156 Schu­len oh­ne ech­ten Lei­ter da­ste­hen.

Die grün-schwar­ze Lan­des­re­gie­rung hat sich im Ko­ali­ti­ons­ver­trag vor­ge­nom­men, die La­ge der Rek­to­ren zu ver­bes­sern. Nun liegt das Kon­zept von Kul­tus­mi­nis­te­rin Su­san­ne Ei­sen­mann (CDU) vor. Grü­nen- und Cdu-frak­ti­on sol­len es be­ra­ten, da­mit es im De­zem­ber ins Ka­bi­nett kann. Das ist im Ein­zel­nen ge­plant:

Das Kon­zept sieht ei­ne hö­he­re Be­sol­dung an Grund-, Haupt- und Werk­re­al­schu­len vor. Grund­schul­rek­to­ren wer­den bis­her nach Be­sol­dungs­stu­fe A12 be­zahlt, da­zu be­kom­men sie ei­ne Zu­la­ge. Künf­tig sol­len Lei­ter von Grund­schu­len mit mehr als 40 Schü­lern nach A13 ver­die­nen, wie ih­re Kol­le­gen an an­de­ren Schul­ar­ten auch. An Haupt- und Werk­re­al­schu­len soll sich die Be­sol­dung an Funk­ti­ons­stel­len in Re­a­lund Ge­mein­schafts­schu­len ori­en­tie­ren. Da­mit wä­ren al­le Schu­len der Se­kun­dar­stu­fe gleich­ge­stellt. Das al­les kos­te rund 16,8 Mil­lio­nen Eu­ro. Zu­sätz­lich ist ei­ne neue Zu­la­ge für Leh­rer vor­ge­se­hen, die län­ger als drei Mo­na­te als kom­mis­sa­ri­scher Schul­lei­ter ein­sprin­gen. Klar be­zif­fert wer­den kann die­se Maß­nah­me nicht, ge­schätzt sei­en es rund 750 000 Eu­ro.

Je nach Schul­art und Schü­ler­zahl gibt es zur Un­ter­stüt­zung der Schul­lei­tung „Funk­ti­ons­stel­len“: Kon­rek­to­ren, Stell­ver­tre­ter, Ab­tei­lungs­lei­ter. Sie will das Land aus­bau­en. „Durch Schul­lei­tungs­teams kann die Ver­ant­wor­tung auf meh­re­re Per­so­nen ver­teilt wer­den“, heißt es. Klei­ne Schu­len et­wa ha­ben bis­her kei­ne Kon­rek­to­ren. Dies soll ge­än­dert wer­den. Zu­sätz­li­che Kos­ten: et­wa 2,5 Mil­lio­nen Eu­ro. An gro­ßen Ge­mein­schafts- und Re­al­schu­len, die zwi­schen 541 und 850 Schü­ler ha­ben, soll zu­dem der Pos­ten ei­nes zwei­ten Kon­rek­tors ein­ge­führt wer­den. Das kos­te 2,3 Mil­lio­nen Eu­ro.

Schul­lei­ter sind auch nur Leh­rer. Doch da sich der Job mit sei­nen vie­len Ma­nage­ment-aspek­ten sehr von dem ei­nes Päd­ago­gen im Klas­sen­zim­mer un­ter­schei­det, geht das Land die Aus- und Fort­bil­dung an. So sol­len ent­spre­chen­de An­tei­le ins Lehr­amts­stu­di­um, aber auch die ein­füh­ren­de und be­rufs­be­glei­ten­de Fort­bil­dung soll ver­bes­sert wer­den. „Schul­lei­ter sind so­wohl Päd­ago­gen als auch Füh­rungs­kräf­te. Um sie noch stär­ker zu be­fä­hi­gen, die­se Füh­rungs­rol­le zu über­neh­men und er­folg­reich aus­zu­üben, müs­sen die be­ste­hen­den Fort­bil­dungs- und Be­ra­tungs­an­ge­bo­te wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den“, be­grün­det das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um die Idee, für die es mit Kos­ten von rund 590 000 Eu­ro rech­net. Di­ens­te über­neh­men. (...) Noch gra­vie­ren­der ist die Si­tua­ti­on bei den Se­kre­ta­ri­ats­diens­ten. Über die Hälf­te der Schul­lei­tun­gen be­kla­gen feh­len­de Ka­pa­zi­tä­ten.“

Ver­ant­wort­lich ist aber nicht das Land, son­dern die Schul­trä­ger vor Ort, meist Kom­mu­nen. Sie will das Land nun stär­ker an­hal­ten, die Schu­len ent­spre­chend aus­zu­stat­ten. Ei­ne ge­mein­sa­me Ar­beits­grup­pe soll un­ver­bind­li­che „Leit­li­ni­en für ei­ne sinn­vol­le und für er­for­der­lich ge­hal­te­ne Per­so­nal­aus­stat­tung“er­ar­bei­ten.

In ei­nem Mo­dell­ver­such zur „Schul­ver­wal­tungs­as­sis­tenz“wur­de er­probt, wie sol­che As­sis­ten­ten Rek­to­ren ent­las­ten kön­nen. Die Er­geb­nis­se sei­en so gut, dass das auf al­le gro­ßen Schu­len – min­des­tens 1000 Schü­ler, 1500 Wo­chen­stun­den oder min­des­tens 70 Leh­rer – aus­ge­wei­tet wer­den soll Der­zeit er­fül­len rund 400 Gym­na­si­en und be­ruf­li­che Schu­len die­se Vor­aus­set­zun­gen. „Für klei­ne Schu­len bie­tet das Kon­zept al­ler­dings kei­ne prak­ti­ka­ble Lö­sung.“Zu­dem will Ei­sen­mann die­sen Schritt we­gen des Lehrer­man­gels ei­ni­ge Jah­re auf­schie­ben. Sie rech­net mit Kos­ten von rund 12 Mil­lio­nen. Auch die Kom­mu­nen müss­ten Kos­ten über­neh­men.

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