Wo Kul­tur für je­den zu­gäng­lich ist

Reut­lin­gen Was als Wag­nis be­gann, ist heu­te nicht mehr aus dem kul­tu­rel­len Le­ben der Re­gi­on weg­zu­den­ken: das so­zio­kul­tu­rel­le Zen­trum franz.k wird zehn. Die Ma­cher bli­cken zu­rück und in die Zu­kunft. Und freu­en sich auf die Ju­bi­lä­ums­ver­an­stal­tun­gen.

Reutlinger Nachrichten  - - SAMSTAGSTHEMA - Von An­ja Weiß

Es war ein Wag­nis. Aber die Zeit war reif und das In­ter­es­se groß: Vor zehn Jah­ren ha­ben Kul­tur­schaf­fen­de in Reut­lin­gen das so­zio­kul­tu­rel­le Zen­trum franz.k er­öff­net. Der Weg da­hin war nicht ganz ein­fach, wie Auf­sichts­rat Karl Grü­ner zu­rück­blickt. „Es war nicht so, dass wir nur of­fe­ne Tü­ren ein­ge­rannt sind. Wir muss­ten ge­gen Wi­der­stän­de kämp­fen.“Auch war un­ge­wiss, wie vie­le Be­su­cher das neue Zen­trum an­lo­cken wür­de. In den ers­ten Kal­ku­la­tio­nen sei man von 30 000 bis 32 000 aus­ge­gan­gen. Es wa­ren gleich im ers­ten Jahr 40 000. Seit Jah­ren hat sich die Be­su­cher­zahl nun kon­stant bei 50 000 ein­ge­pen­delt, sagt Andre­as Roth, der ge­mein­sam mit Clau­dia Heldt ge­schäfts­füh­ren­der Vor­stand ist. Die Re­so­nanz ist al­so bes­ser als er­war­tet und die Gäs­te kom­men nicht nur aus Reut­lin­gen, son­dern aus dem gan­zen Land­kreis. „Es ist ei­ne Er­folgs­ge­schich­te“, be­tont Auf­sichts­rä­tin Ri­ta Wil­de, „das franz.k ist aus Reut­lin­gen nicht mehr weg­zu­den­ken“, er­gänzt Karl Grü­ner.

Kul­tur für al­le

Ge­bo­ten wird ein brei­tes Spek­trum an Kul­tur, das war den Initia­to­ren von An­fang an ein An­lie­gen. Ob Wort­ver­an­stal­tun­gen wie Ka­ba­rett oder Poe­try Slam, Thea­ter, Tanz, Kon­zer­te aus al­len Be­rei­chen, Va­rie­tés oder of­fe­ne Treffs: Im franz.k ist fast al­les mög­lich. Hier ge­ben sich Top­stars wie Wolf­gang Nie­de­cken oder Lea ein Stell­dich­ein, aber es wer­den auch im­mer wie­der Ei­gen­pro­duk­tio­nen auf den Weg ge­bracht. Ger­ne pro­biert man Neu­es aus, selbst wenn dies nicht un­be­dingt die Mas­sen an­zieht. Auch ha­be man von An­fang an ver­sucht, den Zu­gang zur Kul­tur nie­der­schwel­lig zu hal­ten. So ist das Zen­trum auch An­lauf­stel­le für Flücht­lin­ge und Men­schen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund, zu­dem kön­nen so­zi­al schwa­che Men­schen über die Wohl­fahrts­ver­bän­de an Frei­kar­ten für Ver­an­stal­tun­gen kom­men. Teil­ha­be ist den Ma­chern wich­tig, und das so­wohl bei der In­te­gra­ti­on wie auch der In­klu­si­on. Man will ein of­fe­nes Haus sein, in dem sich die Men­schen wohl füh­len und wo sie Kul­tur er­le­ben kön­nen. 550 Mit­glie­der hat der Trä­ger­ver­ein in der Zwi­schen­zeit und mit den Ju­gend­grup­pen wird auch an den Nach­wuchs ge­dacht.

Für die Zu­kunft wünscht man sich ei­nen zwei­ten un­ab­hän­gi­gen Spiel­ort, am Bes­ten im Haus, „da­für wer­den wir kämp­fen“, sagt Heldt. Auch für Open-air-ver­an­stal­tun­gen ha­ben sie ei­nen Ort im Au­ge. das eins­ti­ge Postare­al bie­te da­für die per­fek­te Flä­che. Frei­lich gibt es auch Wün­sche zum Ge­burts­tag – das franz.k hofft, vom Land­kreis ei­nen in­sti­tu­tio­nel­len Zu­schuss zu be­kom­men, denn oh­ne öf­fent­li­che Gel­der ist so ein Be­trieb nicht mög­lich. Den Lö­wenan­teil über­nimmt die Stadt Reut­lin­gen und der Kreis hat bis­lang Pro­jekt­zu­schüs­se ge­währt, au­ßer­dem gibt es Lan­des­mit­tel. Nun hofft man auf ei­ne ste­ti­ge För­de­rung durch den Kreis, der An­trag ist ge­stellt, er­zählt Grü­ner, und er ist zu­ver­sicht­lich, denn das franz.k ge­nießt ei­nen ho­hen Stel­len­wert.

Ge­fei­ert wird der Ge­burts­tag na­tür­lich auch ge­büh­rend: Zehn Ver­an­stal­tun­gen zum Ju­bi­lä­um wer­den von De­zem­ber bis Fe­bru­ar ge­bo­ten und zwar mit ei­nem „Qu­er­schnitt von dem, was das franz.k im An­ge­bot hat“, sagt Sa­rah Pe­trasch, die für das Pro­gramm zu­stän­dig ist. Mit da­bei sind treue Weg­ge­fähr­ten, so mo­de­rie­ren Clown Kli­kusch und Ina Z. erst­mals seit lan­gem wie­der ge­mein­sam ein Show, das Ca­fe Can­tan­te gibt es eben­falls seit Be­ginn an und darf nicht feh­len. Aber auch die „Ur­ban-reg­ge­ae-hip­hop­per“Mo­no & Ni­kita­man sind kei­ne Un­be­kann­ten: Sie wa­ren die drit­te Band, die im neu­er­öff­ne­ten franz.k auf­ge­tre­ten ist und sie tun dies mit Freu­de auch im Ju­bi­lä­ums­jahr.

Da kann man nur gra­tu­lie­ren und für die nächs­ten zehn Jah­re al­les Gu­te und vie­le wei­te­re kul­tu­rel­le High­lights wün­schen.

Un­ter an­de­rem tre­ten an­läss­lich des Ju­bi­lä­ums auf: So­nic Vi­si­ons, Mo­no & Ni­kita­man, Ca­fe Can­tan­te, Hei­ners Schmuck­scha­tul­le, Mat­thi­as Deutsch­mann und das gro­ße Ju­bi­lä­ums­va­rie­té.

Das franz.k wird zehn Jah­re alt. Das wird na­tür­lich aus­gie­big ge­fei­ert mit zehn Ver­an­stal­tun­gen. Da­bei zeigt das so­zio­kul­tu­rel­le Zen­trum das gan­ze Spek­trum sei­nes An­ge­bots: von der Ar­tis­tik bis zur Welt­mu­sik. Fo­tos: Pri­vat

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