Links­ex­tre­mis­ti­sche Grup­pie­run­gen

Reutlinger Nachrichten  - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - Von Ste­fan Ke­gel Ste­fan Ke­gel

Un­ter Be­ob­ach­tung des Bun­des­ver­fas­sungs­schut­zes ste­hen u.a. fol­gen­de links­ex­tre­mis­ti­sche Grup­pen:

„In­ter­ven­tio­nis­ti­sche Lin­ke“: Platt­form zur Ko­or­di­na­ti­on au­to­no­mer Pro­tes­te. Ge­grün­det: 2005; Mit­glie­der: 850. Schwer­punkt der Grup­pe ist der ideo­lo­gi­sche Kampf ge­gen den Ka­pi­ta­lis­mus.

„… ums Gan­ze“: Ei­ne Ver­ei­ni­gung von An­ti­fa-grup­pen, Ge­grün­det wur­de sie 2006, Mit­glie­der: 250. „Deut­sche Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei“: Ge­grün­det: 1968, Mit­glie­der: 3000. Nach­fol­ge­rin der 1956 ver­bo­te­nen KPD.

„Mar­xis­tisch-leni­nis­ti­sche Par­tei Deutsch­lands“, Ge­grün­det: 1982, Mit­glie­der: 1800. Sie gilt in der lin­ken Sze­ne als weit­ge­hend iso­liert.

„Ro­te Hil­fe“: Ge­grün­det: 1975, Mit­glie­der: 8300. Leis­tet lin­ken Straf- und Ge­walt­tä­tern po­li­ti­sche und fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung. Tei­le der Par­tei „Die Lin­ke“, un­ter an­de­rem: Kom­mu­nis­ti­sche Platt­form, Ge­grün­det: 1989, Mit­glie­der: 1200. Ver­tei­digt die his­to­ri­sche Le­gi­ti­mi­tät der DDR und setzt sich für den Auf­bau ei­ner kom­mu­nis­ti­schen Ge­sell­schaft ein.

Zei­tung „Jun­ge Welt“: Ge­grün­det: 1947, Be­son­der­hei­ten: Ehe­ma­li­ges Zen­tral­or­gan der Ddr-ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on FDJ. Be­kennt sich nicht aus­drück­lich zur Ge­walt­frei­heit.

Qu­el­le: Bun­des­ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2017 his­to­ri­sche Schuld des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ver­drängt. Da­bei ge­be es an­ti­de­mo­kra­ti­sche Be­stre­bun­gen im lin­ken Mi­lieu. Aus­schrei­tun­gen wie in Ham­burg wür­den oft da­mit ver­harm­lost, dies sei un­po­li­ti­scher Kra­wall. „Es muss nicht bei je­dem Tä­ter ei­ne fes­te ideo­lo­gi­sche Fi­xie­rung vor­lie­gen, um zu sa­gen, dass er dem links­ex­tre­men Spek­trum an­ge­hört“, sagt Jes­se.

Auch bei den Si­cher­heits­be­hör­den be­ob­ach­tet man ei­ne „Ten­denz der Ver­harm­lo­sung“ge­gen­über Links­ex­tre­men. „Der Kampf ge­gen rechts wird in der Öf­fent­lich­keit eher als le­gi­tim emp­fun­den“, heißt es dort. Das un­ter­mau­ert ei­ne Stu­die der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin von 2015. Dem­nach ver­fügt ein Sechs­tel der Deut­schen über ein links­ex­tre­mes Welt­bild. Je­der fünf­te der Be­frag­ten plä­dier­te für ei­ne Re­vo­lu­ti­on, fast die Hälf­te der Deut­schen lehn­te in der Um­fra­ge das staat­li­che Ge­walt­mo­no­pol ab. Und 60 Pro­zent im Os­ten und 37 Pro­zent im Wes­ten halten den So­zia­lis­mus für ei­ne gu­te Idee, die nur falsch um­ge­setzt wur­de.

Im Jahr 2017 – ak­tu­el­le­re Zahlen gibt es bis­lang nicht – zähl­te das Bun­des­kri­mi­nal­amt 9752 po­li­tisch links mo­ti­vier­te Straf­ta­ten, da­von 1648 ge­walt­sa­me. Zum Ver­gleich: Rech­te wur­den mehr als dop­pelt so häu­fig straf­fäl­lig: 20 520 Mal; da­bei kam es 1054 Mal zu Ge­walt. Un­ter­schie­de gibt es bei den ein­zel­nen De­likt­for­men, et­wa bei der Ge­walt­kri­mi­na­li­tät. So war bei Links­ex­tre­men et­wa je­de drit­te Ge­walt­tat ei­ne Kör­per­ver­let­zung, bei Rechts­ex­tre­men mehr als 85 Pro­zent. Lin­ke fal­len eher durch Straf­ta­ten wie Land­frie­dens­bruch oder Brand­stif­tung auf.

Links­ex­tre­mis­ten ha­ben das Image, dass sich ih­re Ge­walt nur ge­gen Sa­chen rich­tet. Das ist al­ler­dings nicht die gan­ze Wahr­heit, denn An­schlä­ge auf Bahn­stre­cken oder Po­li­zei­sta­tio­nen brin­gen auch Men­schen in Gefahr. „Der Haupt­feind für den Links­ex­tre­mis­mus sind zum ei­nen Po­li­zis­ten und zum an­de­ren tat­säch­li­che oder ver­meint­li­che Rechts­ex­tre­mis­ten“, be­ob­ach­tet der Po­li­to­lo­ge Jes­se. Laut Bun­des­kri­mi­nal­amt rich­te­ten sich 2017 sich rund zwei Drit­tel der Ge­walt­ta­ten Links­ex­tre­mer ge­gen die Po­li­zei und an­de­re Si­cher­heits­be­hör­den. Dar­über hin­aus gab es auch 264 Über­grif­fe ge­gen Rechts­ex­tre­mis­ten.

gibt ei­nen of­fen­kun­di­gen Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Er­folg von Rechts­ex­tre­mis­ten oder Rechts­po­pu­lis­ten und ei­ner ge­walt­tä­ti­gen Re­ak­ti­on von Links­au­ßen“, er­klärt Po­li­tik­for­scher Eck­hard Jes­se. Dem In­lands-ge­heim­dienst zu­fol­ge gab es meh­re­re groß­an­ge­leg­te Ak­tio­nen von lin­ker Sei­te ge­gen die rechts­po­pu­lis­ti­sche AFD, et­wa die so­ge­nann­te Ni­ka-mit­mach­kam­pa­gne. Ni­ka steht für „Na­tio­na­lis­mus ist kei­ne Al­ter­na­ti­ve“. Ak­tio­nen wie die­se wer­den in Si­cher­heits­krei­sen als Zünd­stoff der Lin­ken an­ge­se­hen, um Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit dem po­li­ti­schen Geg­ner ge­walt­sam zu füh­ren.

Seit 2014 wur­den dem säch­si­schen In­nen­mi­nis­te­ri­um zu­fol­ge al­lein im Frei­staat 143 An­schlä­ge auf Par­tei­bü­ros der AFD ver­übt. Das sind et­wa so vie­le wie ge­gen al­le an­de­ren Par­tei­en zu­sam­men­ge­nom­men. auch ge­gen Po­li­zis­ten. An den Er­eig­nis­sen in der Ri­ga­er Stra­ße oder beim G20-gip­fel kann man ja ab­le­sen, dass es kei­ne Rech­ten braucht, da­mit Links­ex­tre­me Straf­ta­ten be­ge­hen. Im Ham­burg ha­ben Links­ex­tre­me ge­zielt schwers­te Straf­ta­ten or­ga­ni­siert – mit der Be­reit­schaft, Men­schen zu tö­ten.

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