Über­ra­schen­de Fe­s­tungs­res­te frei­ge­legt

Die Ge­mäu­er, die auf der Groß­bau­stel­le an der Ecke Es­pla­na­de/Kreuz­stra­ße ge­fun­den wur­den, sind Tei­le der We­seler Fe­s­tung. In der Er­de wird noch mehr er­war­tet. Erst wenn al­les do­ku­men­tiert ist, kann hier wei­ter­ge­ar­bei­tet wer­den.

Rheinische Post Dinslaken - - Wesel - VON FRITZ SCHU­BERT

WE­SEL Wenn in der We­seler In­nen­stadt neu ge­baut wird, ist die Wahr­schein­lich­keit groß, auch 73 Jah­re nach dem En­de des Zwei­ten Welt­kriegs noch auf Blind­gän­ger zu sto­ßen. Oder auf his­to­ri­sches Ge­mäu­er. Bei­des wi­der­fuhr nun bin­nen kür­zes­ter Frist den Bau­her­ren des Pro­jek­tes auf dem Ge­län­de des ehe­ma­li­gen Kreis­wehr­er­satz­am­tes an der Ecke Es­pla­na­de/Kreuz­stra­ße. Hat­te der Bom­ben­fund kurz­fris­tig für Auf­re­gung und Still­stand ge­sorgt, so könn­ten die an­schlie­ßend ent­deck­ten An­la­gen den Fort­gang der Ar­bei­ten im be­trof­fe­nen Ab­schnitt et­was län­ger be­ein­träch­ti­gen. War ur­sprüng­lich von Res­ten der (mit­tel­al­ter­li­chen) Stadt­mau­er die Re­de, so steht jetzt fest, dass es sich um bis­lang un­be­kann­te Tei­le der spä­ter ge­bau­ten Fe­s­tung han­delt.

Was bis­lang zu se­hen ist, be­ein­druckt zwar, doch wird noch viel mehr ver­mu­tet. Des­halb darf nach ei­nem Orts­ter­min mit Ex­per­ten der Denk­mal­be­hör­den nun nur vor­sich­tig wei­ter Er­de ab­ge­tra­gen wer­den. In Kür­ze wird ei­ne ar­chäo­lo­gi­sche Fach­fir­ma dies fort­set­zen. Ziel ist es, wie im­mer in sol­chen Fäl­len, die Fun­de ein­zu­mes­sen und zu do­ku­men­tie­ren, um den bis­he­ri­gen Kennt­nis­stand über We­sels span­nen­den Un­ter­grund zu er­wei­tern. Wann ge­nau an den Fund­stel­len die nor­ma­le Bau­ar­beit for­ge­setzt wer­den kann, mag Alex­an­dra Kele­men von der Un­te­ren Denk­mal­be­hör­de bei der Stadt We­sel nicht ab­schät­zen. Sie sag­te je­doch am Frei­tag, dass man sich sehr um Ei­le be­mü- hen und die Bau­her­ren un­ter­stüt­zen wer­de. Al­ler­dings müs­se auch erst ein Fach­be­trieb mit frei­en Ka­pa­zi­tä­ten ge­fun­den wer­den.

Na­tür­lich wa­ren im Vor­feld des Groß­pro­jekts die Kar­ten­wer­ke be­fragt wor­den, ob in dem Ge­biet Fun­de zu er­war­ten sind. Die ver­füg­ba­ren Pa­pie­re ga­ben kei­nen An­lass da­zu. Wie Kele­men sag­te, war auf ih­ren Plä­nen aus dem Jahr 1880 nichts zu se­hen. Be­kannt­lich hat­te die Fe­s­tung We­sel, be­ste­hend aus dem mi­li­tä­ri­schen Kern­werk Zi­ta­del­le und der ge­sam­ten Stadt, einst so rie­si­ge Di­men­sio­nen an­ge­nom­men, dass sie im Ver­tei­di­gungs­fall per­so­nell kaum noch zu be­set­zen war. Wenn dann – deut­lich vor 1880 – ober­ir­disch An­la­gen ent­fernt wur­den, blie­ben sie un­ter­ir­disch er­hal­ten. Dies scheint hier der Fall zu sein, deu­ten die Fun­de doch auf Stüt­z­wän­de ei­nes Gr­a­ben­sys­tems hin.

Was aber ge­nau ist es? Zu­nächst kon­zen­trier­ten sich Ver­mu­tun­gen auf die Bas­ti­on Kö­nig der na­hen Zi­ta­del­le. Die in dem Band „Die Fe­s­tun­gWe­sel“1981 vonWer­ner Arand, Volk­mar Braun und Jo­sef Vogt zu­sam­men­ge­stell­ten Kar­ten ga­ben da­zu kei­nen Auf­schluss. Wer­ner Köh­ler von der His­to­ri­schen Ver­ei­ni­gung hat ei­nen dar­in nicht ent­hal­te­nen Kup­fer­stich von 1765, auf dem der Bas­ti­on Kö­nig Rich­tung In­nen­stadt vor­ge­la­ger­te Ver­tei­di­gungs­wer­ke zu se­hen sind, und tipp­te auf die Fran­zo­sen­zeit. Der We­seler Fe­s­tungs­for­scher Jo­sef Vogt such­te ei­nen Plan von 1823 ab und kam zu dem Schluss, dass die An­la­gen an die­ser Stel­le schon ge­schleift wor­den sein muss­ten. Auch er hat ei­nen Plan aus der Fran­zo­sen­zeit, und zwar von 1758. Hat­te Vogt bis Frei­tag­mor­gen noch auf ein Rück­zugs­werk, ein so­ge­nann­tes Re­du­it ge­tippt, so ließ er sich am Nach­mit­tag da­von über­zeu­gen, dass ei­ne Kon­ter­gar­de zu se­hen ist, ein meist ei­ner Bas­ti­on vor­ge­la­ger­tes Au­ßen­werk. Bei be­sag­ter Zeit geht es um je­ne Pha­se im Sie­ben­jäh­ri­gen Krieg (1756-1763), in der Fried­rich II. die Fe­s­tung räu­men ließ (24. März 1757) und sie so­mit kampf­los in die Hän­de der Fran­zo­sen fiel. Aus­führ­lich be­schrie­ben wird das Ge­sche­hen zum Bei­spiel von Horst Carl in „Ge­schich­te der Stadt We­sel, Band 2“.

RE­PRO: KÖH­LER

Der Plan von 1765 brach­te Wer­ner Köh­ler auf die Spur, was zwi­schen Zi­ta­del­le (un­ten) und Es­pla­na­de (Frei­flä­che am un­te­ren Rand der In­nen­stadt) jetzt ge­fun­den wur­de.

RP-FO­TOS (2): FRITZ SCHU­BERT

Das für Ver­tei­di­gungs­wer­ke wie die Fe­s­tung We­sel ty­pi­sche Zick­zack aus Grä­ben, Wäl­len und Mau­ern wird an­hand der Res­te auf der Bau­stel­le an der Ecke Kreuz­stra­ße/Es­pla­na­de deut­lich sicht­bar.

Bis zur Ober­kan­te der un­ter­ir­di­schen Mau­ern darf nun ge­gra­ben wer­den. Dann rückt ei­ne ar­chäo­lo­gi­sche Fach­fir­ma an, gräbt wei­ter und do­ku­men­tiert.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.