Strom: Chan­ce für Stadt­wer­ke ge­for­dert

SPD und CDU wol­len, dass die Stadt mit der RWE-Toch­ter In­no­gy das We­seler Strom­netz kauft und ab 2020 ge­mein­sam be­treibt. Doch ge­nau die­ses An­sin­nen wird von WfW, Grü­nen, FDP und Lin­ken scharf kri­ti­siert.

Rheinische Post Dinslaken - - Hintergrund & Meinung - VON KLAUS NIKOLEI

WE­SEL DieRats­frak­tio­nen vonWfW, Grü­nen, FDP und Lin­ken kri­ti­sie­ren den Plan von SPD und CDU, das städ­ti­sche Strom­netz künf­tig von ei­ner aus Stadt und RWE-Toch­ter In­no­gy be­ste­hen­den Strom­netz­ge­sell­schaft be­trei­ben zu las­sen. Die Vor­sit­zen­den der vier klei­nen Frak­tio­nen – al­le­samt Mit­glie­der im Auf­sichts­rat der We­seler Stadt­wer­ke – plä­die­ren nun da­für, dass auch den Stadt­wer­ken die Mög­lich­keit ge­ge­ben wer­den muss, sich um die Strom­kon­zes­si­ons­ver­trä­ge zu be­wer­ben und ei­ne Mo­dell­rech­nung vor­zu­le­gen. Dass der An­trag von CDU und SPD, ei­nen von der Stadt und In­no­gy ak­zep­tier­ten Gut­ach­ter mit der Wer­ter­mitt­lung des städ­ti­schen Strom­net­zes zu be­auf­tra­gen, be­reits am Di­ens­tag im Rat im nicht öf­fent­li­chen Teil zur Ab­stim­mung steht, sorgt bei dem Quar­tett für reich­lich Ver­druss.

Vor Jour­na­lis­ten er­klär­te amF­rei­tag Tho­mas Moll (WfW), dass er SPD-Frak­ti­ons­chef Lud­ger Ho­vest für ei­nen „Ge­trie­be­nen“hal­te, der kei­ne „in­halt­li­chen Ar­gu­men­te vor­brin­gen kann und die Sa­che des­halb zu ei­ner schnel­len Ent­schei­dung brin­gen will“. Har­sche Kri­tik üb­te er auch an sei­nem ehe­ma­li­gen Par- tei­freund, CDU-Frak­ti­ons­chef Jür­gen Linz. „Wenn ich hö­re, dass er ver­kün­det, dass das Mo­dell für den Bür­ger kei­ne ne­ga­ti­ven Fol­gen ha­be, dann fra­ge ich mich: Sind wir hier bei denHot­ten­tot­ten?“Ziel müs­se doch sein, dass am En­de für den Bür­ger et­was Bes­se­res her­aus­kom­me. Un­ver­ständ­lich für ihn sei auch, dass die CDU vor Jah­ren noch auf der Sei­te der Stadt­wer­ke ge­stan­den ha­be und nun den Schul­ter­schluss mit der SPD­ü­be. „Doch weil Herr Linz jetzt mit Ho­vest stimmt, be­kommt er da­für ein an­de­res Räs­sel­chen. Sprich: den Um­bau der We­seler Stra­ße in Bü­de­rich, ge­gen den die SPD frü­her im­mer ge­wet­tert hat.“So aber sei Po­li­tik.

Nicht nur Pe­ter Berns (FDP) ist über­zeugt, dass die Stadt­wer­ke ge­stärkt wür­den, wür­den sie künf­tig das städ­ti­sche Strom­netz be­trei­ben. Doch da­für müs­se man dem kom­mu­na­len Be­trieb auch die Mög­lich­keit ge­ben, an­hand von be­last­ba­ren Zah­len ei­ne Mo­dell­rech­nung auf­zu­stel­len. Die­se Mei­nung ver­tritt auch Nor­bert Se­gerath (Lin­ke). Was ih­n­maß­los är­gert, sei, „dass hier oh­ne Be­ra­tung imVor­feld al­les schon fest­ge­legt wird. Das ist un­lau­ter und ganz mie­ser Stil.“Die Nä­he von Ho­vest und Linz zur RWE-Toch­ter In­no­gy las­se ein ob­jek­ti­ves Ur­teil gar nicht mehr zu. Al­le Vor­tei­le, die durch die Ein­be­zie­hung der Stadt­wer­ke mög­lich wä­ren, wür­den gar nicht erst in Be­tracht ge­zo­gen. „Das ist Bas­ta-Po­li­tik, wie sie einst Kanz­ler Schrö­der be­trie­ben hat. Die Stadt­wer­ke wer­den so zu ei­nem arm­se­li­genWas­ser­lie­fe­rant de­gra­diert“, be­fürch­tet Se­gerath.

Ul­rich Gor­ris (Grü­ne), der aus be­ruf­li­chen Grün­den den Pres­se­ter­min ab­sa­gen muss­te, mel­de­te sich schrift­lich bei der Re­dak­ti­on. In sei­nem State­ment be­tont er, dass die Stadt­wer­ke das We­seler Strom­netz bräuch­ten, um bei­spiels­wei­se den Strom aus Block­heiz­kraft­wer­ken und Nah­wär­me­net­zen auch kos­ten­güns­tig an dieWe­seler Be­völ­ke­rung verkaufen zu kön­nen. „Strom wird ein ent­schei­den­der Be­stand­teil der künf­ti­gen Mo­bi­li­tät sein. Stadt­wer­ke kön­nen da­bei ei­ne stär­ker ge­stal­ten­deRol­le ein­nah­men, als ei­ne blo­ße Strom­netz­ge­sell­schaft“, is­tGor­ris über­zeugt.

Auch wenn das Quar­tett weiß, dass CDU und SPD dank ih­rer über­wäl­ti­gen­den Stim­men­mehr­heit im Rat ih­ren Wil­len durch­set­zen wer­den, hält das die vier Frak­ti­ons­chefs nicht da­von ab, für ih­re Über­zeu­gun­gen zu strei­ten. „An­sons­ten könn­ten wir ja gleich un­se­re Ar­beit im Rat ein­stel­len“, sagt Berns. Und ir­gend­wie ha­ben er und sei­neMit­strei­ter dann wohl doch die stil­leHoff­nung, mit ih­ren For­de­run­gen SPD und CDU zum Nach- und Um­den­ken zu be­we­gen. Denn, so sagt Tho­mas Moll, „wenn sich her­aus­stellt, dass das Mo­dell von Stadt und In­no­gy am En­de bes­ser sein soll­te als das der Stadt­wer­ke, wür­den wir der gan­zen Sa­che zu­stim­men. Aber da­für­müss­te In­no­gy den Stadt­wer­ken mal Zah­len zur Ver­fü­gung stel­len, um Rech­nun­gen an­stel­len zu kön­nen.“Doch ge­nau das, so scheint es, wird wohl nicht pas­sie­ren.

FO­TO: DPA

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