Win­ter­li­che Spe­zia­li­tä­ten aus der Fla­sche

Wenn das Spel­le­ner Brau­pro­jekt 777 zum Werks­ver­kauf lädt, gibt es im­mer et­was zu ent­de­cken. Ne­ben Win­ter­bier war­ten ein rus­si­sches Stout auf die Gers­ten­saft­lieb­ha­ber, Bier­brän­de und „Snow Whi­te Se­ven“mit Zimt und Ing­wer.

Rheinische Post Dinslaken - - Rätsel - VON FLO­RI­AN LANGHOFF

VO­ER­DE Dass Bier nicht gleich Bier ist, weiß man wohl nir­gend­wo bes­ser, als am Nie­der­rhein, wo Pilsund Alt­bier­trin­ker auf­ein­an­der­tref­fen. Ganz an­de­re Sor­ten bringt man beim Brau­pro­jekt 777 her­vor. Die Pri­vat­braue­rei im klei­nen Rhein­dorf Spel­len zeich­net sich durch Ex­pe­ri­men­tier­freu­de aus – und das be­son­ders am Jah­res­en­de. Denn statt, wie üb­lich, die Braue­rei ein­mal im Mo­nat zu­mWerks­ver­kauf zu öff­nen, schrit­ten die Köp­fe hin­ter dem Brau­pro­jekt im Ad­vent gleich wö­chent­lich zur Tat und ser­vier­ten ganz spe­zi­el­le Pro­duk­te.

„Zur Jah­res­zeit pas­send ha­ben wir na­tür­lich ein Win­ter­bier“, er­zählt Tors­ten Möm­ken, ei­ner der vier Brau­meis­ter. Wo das Som­mer­bier aus der Spel­le­ner Pro­duk­ti­on mit hop­fi­ger Fri­sche da­her­kommt, ist das stark ein­ge­brau­te Win­ter­bier mit 5,5 Pro­zent Al­ko­hol­an­teil eher malz­las­tig. „Das kann man bei ei­si­gen Tem­pe­ra­tu­ren, Wind und Schnee ent­spannt drin­nen ge­nie­ßen“, sagt Tors­ten Möm­ken. In win­ter­li­che Ge­fil­de wa­gen sich die Spel­le­ner Bier­brau­er auch mit dem „Rus­si­an Im­pe­ri­al Stout“vor. „Das wur­de ex­tra für Kat­ha­ri­na die Gro­ße er­fun­den“, er­zählt Ar­ne Hendsch­ke, der zwei­te Ver­tre­ter des Brau­pro­jekts. Ob das his­to­risch so be­leg­bar ist, weiß er al­ler­dings nicht ganz si­cher.„Das Stout wur­de wohl für den Ex­port nach Sankt Pe­ters­burg stark ein­ge­braut und ex­tra gehopft“, er­klärt Tors­ten Möm­ken. „Der Na­me ist dann imVolks­mund ent­stan­den.“

Im­mer wie­der stel­len die Spel­le­ner Bier­brau­er auch be­son­de­re Gers­ten­säf­te her, die in der Pro­duk­ti­on et­was auf­wen­di­ger sind. Da wä­re zum ei­nen das„Sno­wWhi­te Se­ven“, das in ei­ner gro­ßen 0,75-Li­ter-Fla­sche die Braue­rei ver­lässt. „Das wird mit Zimt, Ing­wer und Pi­ment ein­ge­braut und la­gert dann drei Mo­na­te lang auf Oran­gen­scha­len“, er­klärt Tors­ten Möm­ken.Weih­nacht­li­cher könn­te der Bier­ge­nuss da wohl kaum sein. Al­ler­dings hat das Brau­pro­jekt noch ei­ne an­de­re Spe­zia­li­tät in pet­to: „Bar­ley Wi­ne“. Das Bier trägt sei­nen Na­men nicht von un­ge­fähr, liegt es mit sei­nem Al­ko­hol­ge­halt von zwölf Pro­zent doch nä­her an dem, was man von Wein kennt, als an dem von ge­wöhn­li­chen Bie­ren. „Der Bar­ley Wi­ne ist stark ein­ge­braut“, er­klärt Tors­ten Möm­ken. „Er wird mit ober­gä­ri­gen Bier­he­fen an­ver­go­ren und dann mit Weiß­wein­he­fe end­ver­go­ren“, er­klärt er wei­ter. Da­nach la­gert das Bier zwei Jah­re lang auf Ei­chen­holz.

Ne­ben­bei bie­ten die Bier­brau­er aus Spel­len auch noch Gers­ten­saft mit lo­ka­len Zu­ta­ten an. So fin­det sich im Ho­nig­bier aus der Braue­rei Ho­nig, der von ei­nem Im­ker aus dem Nach­bar­dorf Löh­nen stammt. Und beim „Ern­te­trank Gärt­ner Ale“stam­me ne­ben dem Hop­fen auch die ent­hal­ten­de Zi­tro­nen­me­lis­se, Min­ze und Ro­te Bee­te aus ei­nem Gar­ten, der in der Nä­he der Dins­la­ke­ner Rhein­au­en liegt. „Da­zu hat das Eti­kett da­für der aus Dins­la­ken stam­men­de Co­mic-Zeich­nerWit­tek ent­wor­fen“, er­zählt Ar­ne Hendsch­ke. Lo­ka­ler geht es kaum. Und ne­ben Bier ha­ben die Spel­le­ner mitt­ler­wei­le auch noch hand­fes­te­res im An­ge­bot: Ei­nen Bier­brand, her­ge­stellt aus dem be­lieb­ten IPA des Brau­pro­jekts. „Den ha­ben wir mit der Nie­der­rhein De­stil­le aus Em­me­rich her­ge­stellt“, er­klärt Tors­ten Möm­ken. Das Brau­pro­jekt lie­fer­te 500 Li­ter Bier, aus de­nen schließ­lich 30 Li­ter zwei­fach ge­brann­ter Bier­brand wur­den, aus dem man das Grund­pro­dukt noch her­aus­schme­cken kann. „Ich war wirk­lich über­rascht, dass der Ge­schmack so er­hal­ten bleibt“, sagt Tors­ten Möm­ken.

Die Braue­rei aus Spel­len ist da­bei mitt­ler­wei­le so be­liebt, dass man hier mitt­ler­wei­le auch T-Shirts, Hoo­dies und Bier­glä­ser mit dem Schrift­zug und Lo­go des Brau­pro­jekts be­kom­men kann. „Die ha­ben wir auf viel­fa­che Nach­fra­ge von un­se­ren Kun­den her­ge­stellt“, er­klärt Tors­ten Möm­ken. Für das Jahr 2019 ha­ben sich die Spel­le­ner auch ei­ni­ges vor­ge­nom­men.„Die Braue­rei soll kom­plett ge­fliest wer­den. Da wird sich das Er­schei­nungs­bild kom­plett ver­än­dern“, er­zählt Ar­ne Hendsch­ke. Au­ßer­dem möch­ten sich die Bier­brau­er Bar­ri­que-Fäs­ser an­schaf­fen, in de­nen in Zu­kunft aus­ge­wähl­te Bie­re rei­fen sol­len. „Wir wer­den uns auch mal wie­der zu­sam­men­set­zen und über­le­gen, was wir an neu­en Bier­sor­ten aus­pro­bie­ren kön­nen“, sagt Tors­ten Möm­ken. Au­ßer­dem wird es aus Spel­len in die Welt ge­hen. „Wir ha­ben uns ei­nen Bier­wa­gen an­ge­schafft und wer­den wohl ver­mehrt auf Craft­beer-Fes­ti­vals un­ter­wegs sein.“

Mit dem „Wurst und Bier“-Fes­ti­val im Fe­bru­ar in Ber­lin steht da­bei schon der ers­te Ter­min fest.„Da sind nur Selbst­brau­er ein­ge­la­den. Für uns wird das wie ein Klas­sen­tref­fen, wo wir Leu­te aus ganz Deutsch­land wie­der­se­hen“, sagt Tors­ten Möm­ken. So wird es auch 2019 nicht ru­hig wer­den in der Pri­vat­braue­rei in Spel­len.

FO­TOS (2): MAR­TIN BÜTT­NER

Die Mann­schaft des Brau­pro­jekts Spel­len (v.l.n.r): Tors­ten Möm­ken, Tim Scha­de, Chris­ti­an Preu­we, Mal­te Gün­disch und Ar­ne Hendsch­ke

Wohl­sein: Tors­ten Möm­ken(l.) schenkt ei­nen zwei­fach ge­brann­ten Bier­brand aus.

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