„Die Are­na muss sich an Fortu­na aus­rich­ten“

Fortu­nas Vor­stands­chef spricht über Lutz Pfan­nen­stiel, die Zie­le im kom­men­den Jahr und Vor­ur­tei­le ge­gen­über ihm.

Rheinische Post Duesseldorf-Sued (Benrath) - - Düsseldorfer Sport -

Erst der Auf­stieg in die Bun­des­li­ga, und nun geht es auf Platz 14 mit vier Punk­ten Vor­sprung auf den Re­le­ga­ti­ons­platz in die Rück­run­de. Es war ein er­folg­rei­ches Fortu­na-Jahr. Vor­stands­boss Ro­bert Schä­fer schaut im In­ter­view dar­auf zu­rück und for­dert für 2019 da­zu auf, sich auf den Er­fol­gen kei­nes­wegs aus­zu­ru­hen.

Herr Schä­fer, wie fällt Ih­re Bi­lanz von Fortu­nas Hin­run­de aus?

SCHÄ­FER Die Über­le­gung für die Bun­des­li­ga war, mu­tig zu sein, mehr zu lau­fen als der Geg­ner und schnell zu ler­nen. Im Ide­al­fall woll­ten wir zwi­schen 15 und 17 Punk­ten im Win­ter ha­ben. Das ha­ben wir nun so­gar über­trof­fen. Ich bin stolz auf je­den Spie­ler. Auch wenn ich sagen muss: Wir hät­ten noch schnel­ler ler­nen kön­nen.

In­wie­fern?

SCHÄ­FER In der Pha­se, als wir sechs Nie­der­la­gen in Serie hin­neh­men muss­ten, gab es wie­der­keh­ren­de Mus­ter: Wir ha­ben gut mit­ge­spielt, aber die Chan­cen nicht ge­nutzt. Da hät­ten wir ei­nen Schritt schnel­ler ler­nen kön­nen. Aber es wa­ren Hö­he­punk­te da­bei, die wir so mit Fortu­na lan­ge nicht er­lebt ha­ben: Das Spiel in Mün­chen oder der Sieg ge­gen Dort­mund, für mich war aber das Her­tha-Spiel auch ganz wich­tig.

Wür­den Sie sagen, dass die­se Par­tie die wich­tigs­te der Hin­run­de war?

SCHÄ­FER Für mich ja, wo­bei das 2:0 ge­gen Frei­burg auch wich­tig war. Wir müs­sen nun in der Rück­run­de noch schnel­ler auf Si­tua­tio­nen im Spiel und den Geg­ner re­agie­ren. Dass un­se­re Mann­schaft Bun­des­li­gaqua­li­tät hat, weiß jetzt je­der. An wel­chen Stell­schrau­ben wir im Win­ter dre­hen müs­sen, wis­sen wir auch.

An wel­chen denn?

SCHÄ­FER Im Spiel ist es die Kalt­schnäu­zig­keit vor dem Tor. Die Lauf­leis­tung hat nicht bei al­len Spie­len ge­stimmt. Das ist aber kei­ne kon­di­tio­nel­le Fra­ge, son­dern Kopf­sa­che.

So wie in Nürn­berg?

SCHÄ­FER Das Spiel in Nürn­berg war ei­nes un­se­rer schlech­tes­ten. Da hat die Mann­schaft ge­dacht – so war zu­min­dest mein Ge­fühl –, dass es da für uns et­was leich­ter wird. Da­für wur­den wir zu Recht be­straft. Wir müs­sen auch schau­en, ob und wie wir un­se­ren Ka­der ver­stär­ken. Das hat nichts da­mit zu tun, dass wir un­se­ren Spie­lern nicht ver­trau­en – doch wenn es die Mög­lich­keit gibt, in der Spit­ze bes­ser zu wer­den, wer­den wir das auch ma­chen. Wir wer­den nicht sagen: ,Haupt­sa­che wir ge­hen gut ge­pols­tert in die zwei­te Li­ga.‘ Wir wer­den auch ei­ne Schwar­ze Null oder even­tu­ell ei­nen leich­ten Ver­lust in Kauf neh­men, wenn es für uns Sinn macht.

Was sind die Prio­ri­tä­ten in 2019?

SCHÄ­FER In der Li­ga zu blei­ben, hat ab­so­lu­te Prio­ri­tät. Da­zu müs­sen wir uns ent­wi­ckeln – spie­le­risch und auch im ge­sam­ten sport­li­chen Be­reich. Wir müs­sen mehr tun – nicht, weil es ak­tu­ell zu we­nig ist, aber wir müs­sen trotz­dem ei­nen Ex­tra-Me­ter ma­chen, und zwar al­le: das Team, das Team ums Team her­um und die Trai­ner. Es darf sich kei­ner zu­rück­neh­men und in ei­ner Art Zuf­rie­den­heit ver­har­ren. Wir ha­ben ei­ne Grund­la­ge ge­schaf­fen, das reicht aber nicht. Das kann auch ge­fähr­lich sein. Soll­ten wir uns jetzt zu­rück­leh­nen, wer­den wir bit­ter­bö­se be­straft. Das ha­ben die sechs Spie­le in der Hin­run­de ge­zeigt.

Was sind die Auf­ga­ben in an­de­ren Be­rei­chen?

SCHÄ­FER Wir müs­sen im ge­sam­ten Um­feld zu­sam­men­ste­hen, um als Tra­di­ti­ons­klub oh­ne In­ves­tor die fi­nan­zi­el­le Lü­cke klei­ner wer­den zu las­sen. Wir ste­hen da­zu auch im stän­di­gen Aus­tausch mit un­se­ren Fans und Mit­glie­dern. Fortu­na ist als Tra­di­ti­ons­ver­ein ein Bei­spiel da­für, wie man in der – zum Teil zu Recht kri­ti­sier­ten – kom­mer­zi­el­len Fuß­ball­welt ein an­de­res Mo­dell sein kann. Das heißt aber nicht, dass man jeg­li­chen Ver­kauf ein­stellt und kei­ne Fan­ar­ti­kel mehr an­bie­tet.

Fortu­na ver­sucht al­so kom­mer­zi­ell zu han­deln, oh­ne sich da­bei zu ver­kau­fen.

SCHÄ­FER Ge­nau. Do­di Lu­ke­bakio ist nicht un­ser teu­ers­ter Spie­ler, aber vi­el­leicht ei­ner un­se­rer bes­ten. Da hat der Fuß­ball noch un­end­lich vie­le Mög­lich­kei­ten, die aus Be­quem­lich­keit lie­gen­ge­las­sen wer­den. Der Fuß­ball geht in man­chen Hin­sich­ten nicht die Ex­tra­mei­le und das ist un­se­re Chan­ce.

Auf wel­che Be­rei­che spie­len Sie mit der Be­quem­lich­keit an?

SCHÄ­FER Das sind De­tails, die wir in Ver­hand­lun­gen mer­ken. Oft­mals wird vi­el­leicht nicht ge­nau hin­ge­schaut. Wenn wir flei­ßig sind, kön­nen wir das als Vor­teil für uns nut­zen. Das ist un­se­re Idee. Der Fuß­ball all­ge­mein kann zu­dem wie­der mehr Vor­bild wer­den, wenn die So­li­da­ri­tät un­ter den Ver­ei­nen ge­lebt wird. Wir müs­sen zei­gen, dass uns die Men­schen nicht egal sind und als gu­tes Bei­spiel Ver­ant­wor­tung über­neh­men.

Was sind au­ßer­halb des Ra­sens mit­tel­fris­tig die wich­tigs­ten Auf­ga­ben für Fortu­na?

SCHÄ­FER Mit­tel­fris­tig wird wich­tig sein, un­se­ren sport­li­chen Be­reich zu ver­bes­sern und aus­zu­bau­en. Ge­ra­de bei Trans­fers wol­len wir ein ste­tig lau­fen­des Ge­schäft ent­wi­ckeln. Der Ver­kauf von Be­bou (2017 für fünf Mil­lio­nen Eu­ro zu Han­no­ver ge­wech­selt; Anm. d. Red.) soll kein Ein­zel­fall blei­ben – nicht, weil wir sonst wirt­schaft­li­che Pro­ble­me ha­ben, son­dern, weil wir wirt­schaft­lich dann noch mehr ge­stal­ten kön­nen.

Was gilt es 2019 noch zu er­le­di­gen?

SCHÄ­FER Es gibt noch das The­ma Are­na: Dass es ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se dar­an gibt, dass ei­ne Are­na wirt­schaft­lich funk­tio­nie­ren soll, kann ich nach­voll­zie­hen. Es muss aber klar sein, dass Fortu­na der Haupt­mie­ter ist und dass sich ge­wis­se Sa­chen dar­an aus­rich­ten müs­sen. Die­sen Geist gibt es lei­der im­mer noch nicht. Falls es ihn mal gab, ist er ver­lo­ren­ge­gan­gen. Ich ha­be den Ein­druck, dass nur ei­ne rei­ne Op­ti­mie­rungs­po­li­tik die Are­na vor­an­treibt.

In­wie­fern?

SCHÄ­FER Die Be­trei­ber ver­su­chen, die Ein­nah­men zu un­se­ren Las­ten zu stei­gern – ei­gent­lich müss­te ich die Are­na als Be­trei­ber aber viel mehr auf Fortu­na zu­schnei­den und ver­su­chen, zu­sam­men die Ein­nah­men zu op­ti­mie­ren.

Ha­ben Sie das Ge­fühl, dass die vor­herr­schen­de Mei­nung ist: ‚Wo soll Fortu­na denn sonst auch hin? Da kön­nen wir uns auch auf an­de­re Sa­chen kon­zen­trie­ren.‘

SCHÄ­FER Nein, ich ha­be das Ge­fühl, dass wir nur als ei­ne wei­te­re Ver­an­stal­tung ge­se­hen wer­den. Es gibt ein paar Kon­zer­te und auch eben auch Fortu­na. Wenn ich mir an­se­he, wie die an­de­ren Events von der Are­na be­wor­ben wer­den und das mit dem En­ga­ge­ment für un­se­re Spie­len ver­glei­che – da herrscht ein Un­gleich­ge­wicht. Wie in an­de­ren Städ­ten auch pro­fi­tiert die Stadt al­lei­ne von der na­tio­na­len ganz­jäh­ri­gen Auf­merk­sam­keit, die durch un­se­re Spie­le ent­steht – von der Wir­kung für die Men­schen in Düs­sel­dorf ganz zu schwei­gen. Die­sen Zu­sam­men­hang soll­te die Po­li­tik und der Arena­be­trei­ber be­den­ken und über­le­gen, wie wir zu­sam­men si­cher stel­len das wir wei­ter Bun­des­li­ga­fuß­ball in Düs­sel­dorf er­le­ben. Der An­satz, die Be­trei­ber­ge­sell­schaft auf Kos­ten Fortu­nas zu sa­nie­ren, nützt kei­nem.

Was sind wei­te­re Zie­le im kom­men­den Jahr?

SCHÄ­FER Als Fortu­na-Be­leg­schaft müs­sen wir wei­ter zu­sam­men­wach­sen. Es gab auf der Ge­schäfts­stel­le ei­nen ziem­li­chen Wan­del. Aber durch ste­ti­gen Wan­del und neue Kon­zep­te kön­nen wir ei­nen Vor­teil er­zie­len, des­halb müs­sen wir neu­en Ide­en of­fen ge­gen­über ste­hen.

Ide­en und Kon­zep­te soll auch Lutz Pfan­nen­stiel mit­brin­gen. Was bringt der neue Sport­vor­stand denn schon ein?

SCHÄ­FER Erst ein­mal muss man dem Auf­sichts­rat ein gro­ßes Kom­pli­ment ma­chen, dass so ein Mann ge­fun­den wur­de. Er ist kon­zep­tio­nell am Puls der Zeit und kommt von ei­nem Ver­ein, bei dem es Kul­tur ist, sinn­vol­le Neue­run­gen aus­zu­pro­bie­ren. Er ver­fügt über ein über­ra­gen­des in­ter­na­tio­na­les Netz­werk und kennt im Fuß­ball fast je­den. Er bringt ei­ne un­glaub­li­che Ener­gie und po­si­ti­ve Stim­mung ein – er ist ein­fach ein sehr po­si­ti­ver Mensch mit ei­ner über­ra­gen­den Ar­beits­ein­stel­lung. Ge­nau das, was wir brau­chen. Die gu­te Ba­sis, die wir ha­ben, wird er auf ein nächs­tes Le­vel brin­gen. Das ist vi­el­leicht nicht ein­fach für die, die da sind und ei­nen tol­len Job für die Fortu­na ge­macht ha­ben. Da­her wün­sche ich mir von al­len im sport­li­chen Be­reich, dass sie das auch so ver­ste­hen, an­neh­men und als Chan­ce se­hen, ge­mein­sam den nächs­ten gro­ßen Schritt zu ge­hen.

Ver­ste­he ich das auch als An­sa­ge an den Trai­ner?

SCHÄ­FER Das be­trifft al­le, die im sport­li­chen Be­reich für die Fortu­na ar­bei­ten, auch den Trai­ner und sein Team.

Fried­helm Fun­kel hat durch­klin­gen las­sen, dass er die­se Per­so­na­lie nicht als zwin­gend not­wen­dig er­ach­tet hat.

SCHÄ­FER Es ist aber auch nicht sei­ne

Auf­ga­be, das zu be­wer­ten oder zu ent­schei­den. Das ent­schei­det al­lein der Ver­ein und der Ver­ein hat ei­ne kla­re Ent­schei­dung ge­trof­fen. Das ist ei­ne gu­te Ent­schei­dung und auch Fried­helm wird se­hen, dass es gu­ter neu­er In­put ist. Wenn du in der Bun­des­li­ga für Still­stand stehst, bist du so­fort weg.

Woll­ten Sie denn eher ei­nen un­ter Ih­nen an­ge­sie­del­ten Sport­di­rek­tor oder ei­nen Sport­vor­stand?

SCHÄ­FER Wir woll­ten im­mer ei­nen haupt­amt­li­chen Sport­vor­stand und sind sehr froh, dass es ge­klappt hat.

Al­so war es auch ihr Wunsch?

SCHÄ­FER Ja, to­tal.

Sie ha­ben eher das Image ei­nes Men­schen, der Macht nicht so ger­ne teilt. Wie kommt das?

SCHÄ­FER Ich kann ver­ste­hen, dass die­ser Ein­druck ent­stan­den ist. Da­für gibt es ei­ne ein­fa­che Er­klä­rung: In der Ori­en­tie­rungs­pha­se am An­fang mei­ner Amts­zeit ha­be ich fest­ge­stellt, dass ei­ni­ge Pro­zes­se nicht rund lie­fen. Des­halb ha­be ich sie an mich ge­zo­gen. Dann ha­ben wir im Lau­fe der Zeit für un­ser be­ste­hen­des gu­tes Team neue Men­schen ge­fun­den, die sich to­tal en­ga­gie­ren, Ver­ant­wor­tung über­neh­men und für uns ein­set­zen. Jetzt kann ich die Auf­ga­ben nach und nach wie­der ab­ge­ben. Das pas­siert ge­ra­de. Es ist kei­ne We­sens­ver­än­de­rung von mir, son­dern die lo­gi­sche Ent­wick­lung auf un­se­rem Weg. Ich hat­te nie vor, al­les zen­tra­lis­tisch bei mir zu hor­ten.

Wel­che Per­so­nen­zahl wün­schen Sie sich denn im Vor­stand?

SCHÄ­FER Die vor­ge­schrie­be­ne Zahl ist drei. Wenn Sven Müh­len­beck zum 31.12. aus­schei­det, sind wir drei. Es kön­nen aber auch vier oder fünf sein. Ich fin­de es wich­tig, dass man sich über­legt, in wel­chen Be­rei­chen ein Vor­stand nö­tig ist. Der Auf­sichts­rat wird sich das über­le­gen.

Sie ha­ben ei­nen Ver­trag bis 2021. Wie se­hen Sie Ih­re Mis­si­on in den kom­men­den Jah­ren?

SCHÄ­FER Das Wich­tigs­te ist ei­ne Eta­b­lie­rung in der Bun­des­li­ga und ei­ne sta­bi­le Struk­tur. Wir wol­len Ta­len­te auf und ne­ben dem Platz ent­wi­ckeln und Men­schen an­stel­len, die Fortu­na ver­ste­hen und mit Le­ben fül­len. Und dann wol­len wir auf ei­ner wirt­schaft­lich sta­bi­len Ba­sis sport­lich er­folg­reich sein.

PATRICK SCHE­RER FÜHR­TE DAS GE­SPRÄCH.

Sport B3

FO­TO: F. SCHEIDEMANN

Hat ei­ne kla­re Vi­si­on von Fortu­nas Zu­kunft: Vor­stands­boss Ro­bert Schä­fer.

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