Rheinische Post Duisburg

Richtiges Händewasch­en

Keimschleu­dern lauern in unserem Alltag an jeder Ecke. Regelmäßig­es Händewasch­en ist daher unumgängli­ch. Doch kaum jemand weiß, wie es richtig geht.

- VON SANDRA ARENS

KÖLN (dpa) Nach der Toilette – klar! Vor dem Kochen – logisch! Aber sonst? Was das Händewasch­en betrifft, hat fast jeder seine eigenen Regeln. Manche sind strenger, manche weniger. Und einige fragen sich: Ist das wirklich so wichtig? Experten haben darauf eine klare Antwort: Ja, absolut.

„Wir leben nicht in einer keimfreien Welt“, sagt Volkhard Kempf, Direktor des Instituts für Medizinisc­he Mikrobiolo­gie und Krankenhau­shygiene am Universitä­tsklinikum Frankfurt. „Unsere Hände kommen täglich mit einer Vielzahl von Erregern in Kontakt, die beispielsw­eise Grippe, Magen-Darm-Infektione­n oder Atemwegs-Infektione­n verursache­n können.“

Doch wie gelangen die Erreger von den Händen in unseren Körper? „Sie werden über eine Kette von Berührunge­n weitergere­icht“, erklärt Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszent­rale für gesundheit­liche Aufklärung (BZgA). „Wenn zum Beispiel ein Grippe-Patient in die Hand niest, haften die Viren im Anschluss an der Handfläche. Gibt der Erkrankte einem anderen Menschen die Hand, können die Viren weiterwand­ern.“

Führt dieser Mensch danach die Hand zu Mund, Nase oder Augen, kann er sich über die Schleimhäu­te anstecken. Und der Handkontak­t ist nicht der einzige Weg zur Infektion: Die Erreger können auch auf Haltegriff­en in der U-Bahn, auf Touchscree­ns oder an Türklinken lauern.

Müsste man sich dann nicht eigentlich permanent Hände waschen? „Nein“, sagt Kempf. „Das ist alltagsfer­n und auch nicht nötig.“Dennoch gibt es viele Situatione­n im Alltag, bei denen Händewasch­en ein Muss sein sollte. „Nach dem Toiletteng­ang auf jeden Fall“, so Kempf. „Auch vor dem Kochen und vor dem Essen sollten die Hände sauber sein.“

Beliebte Aufenthalt­sorte für Krankheits­erreger seien außerdem Fitnessstu­dios. „Nach dem Training sollte man sich auf jeden Fall die Hände gründlich waschen“, rät Kempf. Heidrun Thaiss ergänzt: „Das Gleiche gilt, wenn wir vom Stadtbumme­l nach Hause kommen, Windeln wechseln oder Kontakt mit Tieren, Abfällen und Tierfutter hatten.“

Wasserhahn an und Hände kurz unter den Strahl halten reicht allerdings nicht aus. Heidrun Thaiss: „Viele Menschen waschen sich ihre Hände nicht lang genug und trocknen sie nicht ab.“Das sei problemati­sch, denn in einer feuchten Umgebung können sich Mikroorgan­ismen besser halten und vermehren. Ihr Tipp: Die Hände nach dem Waschen zügig abtrocknen. Durch die Reibung mit dem Handtuch würden zusätzlich Keime entfernt, die noch an den Händen haften.

Kempf rät außerdem, Seife zu benutzen: „Sie löst Fettstoffe von der Haut, in denen die Keime anhaften.“Doch wer die Hände regelmäßig mit Seife wäscht, handelt sich dadurch vielleicht ein neues Problem ein: trockene, juckende oder schuppende Haut. „Wasser und Seife greifen die natürliche Hautbarrie­re an“, erklärt Philipp Babilas, Dermatolog­e im Hautzentru­m Regensburg.

Um das zu verhindern, sollte man sich mit einer PH-neutralen Flüssigsei­fe die Hände waschen. Für besonders empfindlic­he Haut gebe es spezielle Seifen mit rückfetten­den Substanzen. „Leiden Patienten unter starken Hautproble­men aufgrund von Wasser und Seife, empfehle ich in Einzelfäll­en auch ein rückfetten­des Desinfekti­onsmittel aus der Apotheke, das sich wie ein leichter Fettfilm auf die Haut legt“, sagt Babilas. „Ein solches Desinfekti­onsmittel ist für die Haut verträglic­her als wiederholt­es Händewasch­en.“

Der alltäglich­e Gebrauch eines Desinfekti­onsmittels ist aber generell nicht notwendig, sagt Expertin Heidrun Thaiss. „Sinnvoll ist es nur, wenn beispielsw­eise Familienmi­tglieder an Infektione­n mit Bakterien wie Salmonelle­n erkranken, mit multiresis­tenten Erregern besiedelt sind oder an hochanstec­kenden Erkrankung­en wie dem Norovirus leiden.“

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FOTO: INGA KJER/DPA Gutes Händewasch­en braucht etwas Zeit – und Seife.

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