Link­s­par­tei will Ge­spräch mit SPD

Der Kreis­vor­sit­zen­de der Link­s­par­tei über ein rot-rot-grü­nes Bünd­nis und die Wahl 2020.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - VORDERSEIT­E - HENDRIK GAASTERLAN­D UND ARNE LIEB FÜHR­TEN DAS GE­SPRÄCH.

Der Vor­sit­zen­de Udo Bonn schließt Un­ter­stüt­zung sei­ner Par­tei für Tho­mas Gei­sel nicht aus. Er sieht sich aber auch nicht am Zug.

Al­le Bli­cke rich­te­ten sich am Mitt­woch plötz­lich auf die Link­s­par­tei: Mit ih­rer Stim­me ge­lang es SPD und Grü­nen im Ver­kehrs­aus­schuss des Stadt­rats doch noch, die gro­ße Um­welt­spur durch­zu­set­zen. Udo Bonn (65) ist der Vor­sit­zen­de des Kreis­ver­bands – und be­rich­tet in un­se­rer Se­rie von Som­mer­inter­views dar­über, was die Link­s­par­tei im Vor­wahl­kampf be­schäf­tigt.

Herr Bonn, die Lin­ke hat die gro­ße Um­welt­spur er­mög­licht. Das Pro­jekt ist hoch um­strit­ten, weil auf ei­ner wich­ti­gen Pend­ler­ach­se ei­ne Fahr­spur für Au­tos weg­fällt. Ha­ben Sie kei­ne Sor­ge vor mehr Staus?

Udo Bonn Ich bin nicht si­cher, ob al­le rund 210.000 Au­to­pend­ler zwin­gend mit dem Au­to pen­deln müs­sen. Das müss­te man mal ge­nau un­ter­su­chen. Klar ist, dass wir die Al­ter­na­ti­ven zum Au­to stär­ken müs­sen. Da­zu ge­hört, dass wir das Park-and-ri­de-an­ge­bot aus­bau­en oder ein Ganz­jah­res­ti­cket des ÖPNV für 365 Eu­ro an­bie­ten. Ich bin frü­her selbst mit Bahn und Fahr­rad zur Ar­beit ge­pen­delt und weiß, dass man das nicht macht, wenn die Be­din­gun­gen zu schlecht sind. Für uns Lin­ke ist aber noch ein an­de­rer Punkt wich­tig.

Was denn?

Bonn Ich fin­de, wir müs­sen auch dar­über re­den, dass vie­le Men­schen gar nicht pen­deln, son­dern in Düs­sel­dorf woh­nen wol­len. Da wä­ren wir beim Woh­nungs­markt, bei dem 43.000 Woh­nun­gen im mitt­le­ren und un­te­ren Seg­ment feh­len.

Die ge­stie­ge­nen Prei­se sind ein Phä­no­men in vie­len Groß­städ­ten. Auch mehr Woh­nungs­bau hat die Ten­denz in Düs­sel­dorf bis­lang nicht ge­dreht. Was soll die Stadt denn noch tun?

Bonn Ei­ne Stadt kann si­cher nicht al­lei­ne al­le Pro­ble­me lö­sen, aber sie kann für mehr Woh­nun­gen im un­te­ren Preis­seg­ment viel tun. Die städ­ti­sche Woh­nungs­ge­sell­schaft kann zum Bei­spiel sel­ber auf städ­ti­schem Grund bau­en. Wenn die Stadt ei­nen nen­nens­wer­ten An­teil der Woh­nun­gen ver­mie­tet, kann sie die Miet­prei­se mit­be­stim­men.

Städ­ti­scher Woh­nungs­bau, Ver­kehrs­wen­de – das wür­de viel Geld kos­ten. Die Lin­ke hat auch vie­le an­de­re kost­spie­li­ge Ide­en. Wie wol­len Sie das fi­nan­zie­ren?

Bonn Wir for­dern ei­ne Er­hö­hung der Ge­wer­be­steu­er um zehn Pro­zent, dann wä­ren wir un­ge­fähr auf ei­nem Le­vel zum Bei­spiel mit Köln. Das wird im Stadt­rat lei­der seit Jah­ren ab­ge­lehnt. Die­se Er­hö­hung al­lein wür­de schon 90 Mil­lio­nen Eu­ro mehr pro Jahr ein­brin­gen.

Die Um­welt­spur wur­de von SPD, Grü­nen und Link­s­par­tei ge­mein­sam er­mög­licht, das funk­tio­nier­te durch ei­ne be­son­de­re Kon­stel­la­ti­on im Ver­kehrs­aus­schuss. Wä­re ein rot-rot-grü­nes Bünd­nis auch ein Mo­dell für den Stadt­rat nach der Kom­mu­nal­wahl 2020? Bonn Ich möch­te es nicht aus­schlie­ßen. Es kommt dar­auf an, wel­che In­hal­te bei der SPD wirk­lich ge­macht wer­den. Ich schät­ze SPD-CHEF Andre­as Rim­kus sehr, wir sind bei­de al­te Ge­werk­schaf­ter. Im Pro­gramm der SPD steht zum Bei­spiel zur Woh­nungs­po­li­tik auch nichts Fal­sches drin, und mit un­se­rem gibt es vie­le Über­ein­stim­mun­gen – bei den Grü­nen bin ich mir nicht so si­cher, sie schei­nen in Düs­sel­dorf eher kon­ser­va­tiv zu sein. Die Fra­ge bei der SPD ist, wel­che Po­li­tik sie tat­säch­lich um­set­zen will. In der Am­pel-ko­ali­ti­on lässt sie sich ja von der FDP auf der Na­se her­um­tan­zen. So­zia­le Po­li­tik macht die SPD nur, wenn sie Druck von der Lin­ken be­kommt.

Wür­den Sie mit Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Gei­sel zu­recht­kom­men? Bonn Die­se Fra­ge spielt si­cher auch ei­ne gro­ße Rol­le. Ich schät­ze es, wie er über Flücht­lings­po­li­tik und den Kampf ge­gen Rechts spricht. Aber sei­ne Ei­gen­mäch­tig­keit kann schnell zu ei­nem Pro­blem wer­den. Die So­zi­al­de­mo­kra­ten ste­hen dann plötz­lich nur noch wie die Un­ter­of­fi­zie­re an sei­ner Sei­te, auch wenn vie­le es in Wahr­heit an­ders se­hen.

Wird die Lin­ke ei­nen ei­ge­nen Ober­bür­ger­meis­ter­kan­di­da­ten stel­len? Bonn Mal schau­en. Wir wol­len in je­dem Fall kei­nen Ober­bür­ger­meis­ter aus der CDU oder der FDP. Wenn die SPD wirk­lich so­zia­le Po­li­tik ma­chen will, dann muss sie mei­ner Mei­nung nach auf uns zu­ge­hen und mit uns spre­chen. Da­nach müss­te man ab

wä­gen, ob wir Tho­mas Gei­sel un­ter­stüt­zen. Wir ste­hen un­ter kei­nem Zwang und ent­schei­den erst im März 2020.

Was wer­den Wahl­kampf­the­men der Lin­ken?

Bonn Woh­nen und Ver­kehr sind si­cher die bei­den gro­ßen The­men, aber es gibt vie­le wei­te­re. Es muss zum Bei­spiel ei­ne Of­fen­si­ve für mehr und wohn­ort­na­he Ki­ta­plät­ze ge­ben. Au­ßer­dem muss et­was ge­gen den ho­hen Kran­ken­stand in den Ki­tas un­ter­nom­men wer­den. Der Grund für den ho­hen Kran­ken­stand ist die Über­las­tung des Per­so­nals, die man üb­ri­gens im ge­sam­ten so­zia­len Be­reich be­ob­ach­ten kann. Wenn man Stel­len von So­zi­al­ar­bei­tern und Psy­cho­lo­gen in Ein­rich­tun­gen nicht ab­baut, son­dern wei­te­re hin­zu­nimmt, sorgt dies für mehr Ent­las­tung und für bes­se­re Ent­wick­lungs­chan­cen der Kin­der.

Der Stadt­rat hat am Don­ners­tag die ers­te Wohn­raum­schutz­sat­zung für Düs­sel­dorf ver­ab­schie­det. Die Lin­ke fand die Re­ge­lun­gen nicht weit­ge­hend ge­nug.

Bonn Ja. Mich er­in­nert die Wohn­raum­schutz­sat­zung an den Schein­rie­sen aus Jim Knopf . In der wei­ten Fer­ne sieht der Rie­se ganz grau­sam aus, genau­so wie die Sat­zung der Am­pel. Aber je nä­her man kommt, des­to lieb­li­cher wird er für die Im­mo­bi­li­en­bran­che. Düs­sel­dorf braucht här­te­re Re­geln und vor al­lem mehr Kon­trol­len, um Wohn­raum vor Zwe­ck­ent­frem­dung und Spe­ku­la­ti­on zu schüt­zen.

Sie woll­ten ei­gent­lich im Früh­jahr gar nicht mehr als Par­tei­chef an­tre­ten. Da Ih­re frü­he­re Part­ne­rin der Dop­pel­spit­ze zu we­nig Stim­men er­hielt und durch­fiel, sind Sie ge­blie­ben. Wie lange wol­len Sie noch an der Spit­ze des Ver­bands ste­hen? Bonn Dar­über ha­be ich mir noch kei­ne Ge­dan­ken ge­macht, ich bin noch bis März 2020 ge­wählt. Wir ha­ben ei­nen ganz jun­gen Kreis­vor­stand. Der wird ent­schei­den. Wenn es ge­wünscht wird, kann ich mir vor­stel­len, den Wahl­kampf zu ma­chen. Was mei­ne Per­spek­ti­ve be­trifft, bin ich sehr ent­spannt.

RP-FO­TO: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Udo Bonn beim In­ter­view in der Rp-re­dak­ti­on. Seit 2016 lei­tet der pen­sio­nier­te Ma­schi­nen­schlos­ser den Kreis­ver­band der Link­s­par­tei.

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