Graf­fi­ti-künst­ler be­ma­len Brü­cke

Beim 40 Grad Ur­ban Art Fes­ti­val sol­len dau­er­haf­te Mo­ti­ve ent­ste­hen, aber auch Bil­der, die wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den kön­nen. Wie bei der Hall of Fa­me an der Venn­hau­ser Al­lee.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - STADTTEILE MITTE / WEST - VON NI­CO­LE KAMPE

PEMPELFORT Die meis­ten Schrift­zü­ge, die auf die Wän­de und Be­ton­pfei­ler ge­schmiert wur­den, sind kaum zu ent­zif­fern. Na­mens­kür­zel oder Lie­bes­er­klä­run­gen, ein ge­wis­ser „KSR“hat sich mehr­fach ver­ewigt un­ter der Brü­cke der Jü­li­cher Stra­ße – mal mit wei­ßer Far­be, mal mit grü­ner. Schön ist an­ders, fin­det An­dré Si­mon (CDU), Mit­glied in der Be­zirks­ver­tre­tung 1, der in Venn­hau­sen lebt und fast täg­lich an der Hall of Fa­me an der Venn­ha­su­er Al­lee vor­bei­kommt. „Ich bin Kind der 80er, hat­te im­mer was üb­rig für Stree­tart“, sagt Si­mon, der im Früh­jahr schließ­lich ei­nen An­trag schrieb, da­mit es ein biss­chen an­sehn­li­cher wird un­ter der Brü­cke. Sei­ner Idee, ei­nen wei­te­ren Stand­ort für Graf­fi­ti und Stree­tart frei­zu­ge­ben, hat­ten sich al­le Frak­tio­nen in der Be­zirks­ver­tre­tung 1 an­ge­schlos­sen. Das Gre­mi­um hofft, dass ei­ne le­ga­li­sier­te Flä­che zur Ver­bes­se­rung und Ver­schö­ne­rung bei­trägt.

Und das soll auch schon bald pas­sie­ren: Beim 40 Grad Ur­ban Art Fes­ti­val, das von der Düs­sel­dor­fer Künst­ler­grup­pe Farb­fie­ber or­ga­ni­siert wird. 1300 Qua­drat­me­ter sol­len vom 18. bis 22. Sep­tem­ber ge­stal­tet wer­den, „man­che Bil­der wer­den dau­er­haft blei­ben, an­de­re wer­den sich wei­ter­ent­wi­ckeln“, sagt Klaus Klin­ger, der in Düs­sel­dorf kein Un­be­kann­ter ist. Mit Farb­fie­ber be­malt er schon seit mehr als 40 Jah­ren Häu­ser­wän­de, das Fes­ti­val stell­te die Künst­ler­grup­pe zum ers­ten Mal vor sechs Jah­ren auf die Bei­ne. 2015 zum Bei­spiel fo­kus­sier­ten sich Klin­ger und sein Team auf den Gus­taf-gründ­gens-platz, der kom­plett be­malt wur­de. Jetzt sind es die Brü­cke un­ter­halb der Jü­li­cher Stra­ße und die Auf- und Ab­fahr­ram­pen auf der Tou­lou­ser Al­lee/ecke Marc-cha­gall-stra­ße.

Ein paar Be­din­gun­gen stell­te die Po­li­tik an die Or­ga­ni­sa­to­ren, zum Bei­spiel, dass die An­woh­ner, die Ju­gend­frei­zeit­ein­rich­tung und die Hoch­schu­le FOM ein­ge­bun­den wer­den. „Wir ha­ben auch mit Micha­el Szen­tei-hei­se ge­spro­chen we­gen des an­gren­zen­den Mahn­mals für de­por­tier­te Ju­den“, sagt An­dré Si­mon. Die Jü­di­sche Ge­mein­de ha­be nichts ge­gen das Pro­jekt, „so­lan­ge nichts An­ti­se­mi­ti­sches, nichts Se­xis­ti­sches ge­sprüht wird“, so Si­mon. Klaus Klin­ger kann sich so­gar vor­stel­len, dass die Mahn- und Ge­denk­stät­te am Ent­ste­hungs­pro­zess ei­ni­ger Mo­ti­ve mit­wirkt, „der Kon­takt ist da“, sagt Klin­ger, der das dies­jäh­ri­ge Ur­ban Art Fes­ti­val mit dem Ti­tel „Brü­cken Den­ken“über­schrie­ben hat. Ein­mal, weil Brü­cken­pfei­ler die Lein­wand sind; „aber auch, um dem Ge­den­ken an die De­por­ta­ti­on und ak­tu­el­len The­men ge­recht zu wer­den“, sagt Klaus Klin­ger.

Mehr als 60 Spray­er wer­den ab dem 18. Sep­tem­ber in Pempelfort ar­bei­ten, die Majo Bro­thers et­wa, die hin­ter dem be­kann­ten gel­ben Af­fen auf ei­ner Haus­wand an der Köl­ner/ecke Ein­tracht­stra­ße ste­cken. Die ers­ten Ta­ge wer­den sich die Pro­fis um die dau­er­haf­ten Wer­ke küm­mern, es wird ei­nen Treff­punkt am Ge­län­de ge­ben mit Mu­sik und Drinks. Ab dem Wo­che­n­en­de dann lädt Farb­fie­ber auch zu Work­shops ein, an de­nen Kin­der und Ju­gend­li­che teil­neh­men kön­nen. „Bei Kin­der- und Ju­gend­ver­samm­lun­gen im Stadt­be­zirk 1 kam im­mer mal wie­der der Wunsch auf, dass Flä­chen für Graf­fi­ti und Stree­tart frei­ge­ge­ben wer­den“, sagt An­dré Si­mon, der hofft, dass sich die Hall of Fa­me in Pempelfort ge­nau­so ent­wi­ckelt wie in El­ler. Die Wän­de dort wer­den vom Ver­ein Ver­bunt be­treut, die bei re­gel­mä­ßi­gen Ak­tio­nen durch die Graf­fi­ti­sze­ne neue Kunst­wer­ke be­kom­men. „Die stark ver­schmier­te Un­ter­füh­rung ver­wan­del­te sich in ei­ne Ga­le­rie“, sagt Si­mon.

40 Grad Ur­ban Art Fes­ti­val Seit 2013 fin­det das Fest statt, im­mer in ei­nem an­de­ren Stadt­teil. An­mel­dung für die Work­shops am Wo­che­n­en­de 21. und 22. Sep­tem­ber per E-mail an 40grad­bru­ecken­den­[email protected] mit dem Be­treff „An­mel­dung“.

RP-FO­TO: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Die Pfei­ler und Be­ton­wän­de un­ter der Brü­cke an der Tou­lou­ser Al­lee sind mit häss­li­chen Schrift­zü­gen be­schmiert.

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