Sche­pers ist zu­rück in Fa­mi­li­en­hand

Ei­gent­lich soll­te das 1892 ge­grün­de­te Uh­ren­ge­schäft in Ober­bilk für im­mer schlie­ßen. Jetzt hat es Do­ris Rei­ners wie­der­er­öff­net.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - STADTTEILE MITTE / WEST - VON MARC INGEL

OBER­BILK Es gibt sie noch, die­se alt­ein­ge­ses­se­nen Lä­den an der Köl­ner Stra­ße in Ober­bilk. Her­ren­mo­den Edel­mann ge­hört da­zu, das Mö­bel­haus Schä­fer eben­so, Ko­misch­ke (Stem­pel und Gra­vu­ren) oder Mas­uhr, spe­zia­li­siert auf Elek­tro­nik und al­les, was im Haus­halt so an­fällt. Und Uh­ren Sche­pers na­tür­lich, das Ge­schäft wirbt im­mer­hin mit ei­ner 127 Jah­re lan­gen Tra­di­ti­on. Ob­wohl: Ei­gent­lich hat­te der La­den im ver­gan­ge­nen Jahr doch für im­mer ge­schlos­sen, nach­dem Eri­ka Ha­gen­brock nach 30 Jah­ren aus Al­ters­grün­den ein letz­tes Mal die Tür hin­ter sich ab­schloss. Drei Ge­ne­ra­tio­nen war das Uh­ren- und Ju­we­lier­ge­schäft in Fa­mi­li­en­be­sitz, dann fand sich kein Nach­fol­ger, und sie war ein­ge­sprun­gen. Den Miet­ver­trag aber für wei­te­re zehn Jah­re ver­län­gern, das woll­te und konn­te sie aus Al­ters­grün­den nicht.

Aber sie­he da: Plötz­lich hat Sche­pers wie­der ge­öff­net – und ist zu­rück­ge­kehrt in den Schoß der Fa­mi­lie. Do­ris Rei­ners woll­te nicht, dass das Er­be ih­res Ur­groß­va­ters vor die Hun­de geht und hat zu­sam­men mit ih­rem Le­bens­ge­fähr­ten Ar­min Jentzsch nun das Kom­man­do über­nom­men. „Ich war da­mals noch nicht so weit, war noch in der Leh­re, muss­te mir wohl auch erst mei­ne Hör­ner ab­sto­ßen“, blickt die heu­te 62-Jäh­ri­ge zu­rück auf die Zeit, als das Ge­schäft, in dem sie zu­vor schon bei ih­ren El­tern aus­ge­hol­fen hat­te, in „frem­de Hän­de“ver­pach­tet wur­de.

Statt­des­sen hat Rei­ners Ein­zel­han­dels­kauf­frau ge­lernt, zu­sätz­lich De­ko-kur­se be­sucht, noch Ver­kaufs­leh­re in Abend­kur­sen hin­ten­dran ge­han­gen – und dann erst mal ganz wo­an­ders ge­ar­bei­tet. Aber als jetzt zur Dis­po­si­ti­on stand, dass das 1892 ge­grün­de­te Un­ter­neh­men wo­mög­lich für ei­nen wei­te­ren Han­dy­la­den auf der Köl­ner Stra­ße Platz ma­chen soll­te, griff das Paar zu.

Zwar hat kei­ner von bei­den das Uhr­ma­cher­hand­werk ge­lernt. Rei­ners: „Bei mei­nem Va­ter und mei­ner Mut­ter war das noch so.“Statt­des­sen wur­den nun ei­ne Gold­schmie­din und ein Uhr­ma­cher an­ge­stellt, die bei­den küm­mern sich um Ser­vice, Buch­hal­tung und was sonst noch al­les so an­fällt, von Bat­te­rie­wech­sel bis Per­len auf ei­ne Ket­te auf­zie­hen.

Und wenn es ganz ko­misch läuft, wird Sche­pers viel­leicht spä­ter so­gar in fünf­ter Ge­ne­ra­ti­on wei­ter­ge­führt. „Mei­ne Toch­ter Sven­ja hilft oft am Sams­tag aus, sie fährt auch ger­ne mit zu Mes­sen, es macht ihr Spaß – ob­wohl sie ei­gent­lich Er­zie­he­rin lernt“, er­zählt Do­ris Rei­ners. Auf den ers­ten Blick merk­wür­dig: Häu­fig wech­sel­te der Na­me des In­ha­bers in der Ver­gan­gen­heit – von Rott­län­der über Sche­pers und Mau­rer bis Rei­ners – ob­wohl al­les in der Fa­mi­lie blieb. „Es wa­ren stets die Töch­ter in der Fa­mi­lie, die den La­den wei­ter­führ­ten und dann durch Hei­rat ei­nen an­de­ren Na­men tru­gen“, er­klärt Do­ris Rei­ners.

Na­tür­lich hat sich das Ge­schäft im Ver­gleich zu frü­her er­heb­lich ge­än­dert, be­stä­tigt auch Ar­min Jentzsch: „Kaum noch ei­ner kauft Stand- oder Wand­uh­ren. Die klas­si­sche Arm­band­uhr stirbt da­ge­gen trotz Han­dy nie aus, das gilt auch für den We­cker auf dem Nacht­tisch“, sagt er. Auch beim Schmuck zeigt sich Sche­pers vom Trau­ring bis zu flip­pi­gen Troll­beads-kol­lek­tio­nen breit auf­ge­stellt. An die gu­te al­te Zeit er­in­nert ei­gent­lich nur die denk­mal­rei­fe Re­gis­trier­kas­se auf dem Ver­kaufs­tre­sen. Und die al­ten Fo­tos von Ober­bilk im All­ge­mei­nen und der Köl­ner Stra­ße im Be­son­de­ren, die bis in die 30er Jah­re zu­rück­rei­chen.

„Ja, hier hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren viel ge­än­dert, nicht un­be­dingt al­les zum Po­si­ti­ven“, be­stä­tigt Jentzsch, „kei­ne Dro­ge­rie mehr, kein Bä­cker.“Den­noch will er die Köl­ner Stra­ße nicht auf­ge­ben: „Wir sind ja noch da. Und ein paar an­de­re auch“, sagt er.

FO­TO: AR­CHIV H. BACHMANN

Blick auf den Ober­bil­ker Markt in den 30er Jah­ren

FO­TO: PRI­VAT

An­fang der 1930er Jah­re ka­men vie­le Men­schen zur Köl­ner Stra­ße mit ih­ren zahl­rei­chen Fach­ge­schäf­ten.

FO­TO: PRI­VAT

Jo­han­nes Sche­pers (l.), Sohn des Grün­ders Jo­han­nes Rott­län­der, mit Mar­tha und Eber­hard Mau­rer (3. und 4. v.l.), den El­tern von Do­ris Rei­ners, so­wie drei An­ge­stell­ten in den spä­ten 50ern im La­den

FO­TO: MARC INGEL

Sie ha­ben das Ge­schäft über­nom­men: Ar­min Jentzsch und Do­ris Rei­ners.

FO­TO: AR­CHIV H. BACHMANN

An der Ecke Köl­ner und Stof­feler Stra­ße nimmt ei­ne Tram die Fahr­gäs­te auf.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.