An­ti-kli­ma­schutz als neu­es Al­lein­stel­lungs­merk­mal der AFD

Den men­schen­ge­mach­ten Kli­ma­wan­del zu leug­nen, ge­hört zum Pro­gramm, nun po­si­tio­niert sich die AFD auch in kon­kre­ten Punk­ten ge­gen al­le an­de­ren.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - POLITIK - VON GRE­GOR MAYNTZ

BER­LIN Al­le ge­gen die AFD – die­se Grund­po­si­tio­nie­rung hat der Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land be­reits wie­der­holt zu mehr Auf­merk­sam­keit und Wäh­lern ver­hol­fen. Nun nutzt sie den Hö­he­punkt der Kli­ma­schutz­ent­schei­dun­gen, um sich ein wei­te­res Al­lein­stel­lungs­merk­mal zu si­chern – als Hei­mat für al­le Kli­ma­wan­del­leug­ner.

Von „ima­gi­nier­ten Welt­un­ter­gän­gen“sprach Afd-frak­ti­ons­che­fin Ali­ce Wei­del in der Haus­halts­de­bat­te im Bun­des­tag. Sie stand da­bei in ei­ner Li­nie mit den Zwei­feln, die die AFD in ih­rem Par­tei­pro­gramm zum men­schen­ge­mach­ten Kli­ma­wan­del her­aus­stellt. Es ist ein ris­kan­tes Ma­nö­ver. Denn auch un­ter Afd-an­hän­gern sagt je­der Drit­te, der Kli­ma­wan­del ver­stär­ke sich un­ter dem Ein­fluss des Men­schen. Wie der Ard-deutsch­land­trend im Mai her­aus­fand, lie­gen die Über­zeu­gun­gen vom Kli­ma­wan­del durch Men­schen­hand bei den An­hän­gern von Lin­ken, Grü­nen, Uni­on und SPD zwi­schen 90 und 98 Pro­zent, bei de­nen der FDP sind es 86 Pro­zent und un­ter Afd-an­hän­gern 60 Pro­zent.

Des­halb sagt De­mo­skop Her­mann Bin­kert (In­sa) vor­aus: „Den Kli­ma­wan­del zu leug­nen, bringt der AFD si­cher kei­nen wei­te­ren Zu­spruch.“Da­ge­gen wer­de eher Ak­zep­tanz fin­den, die in der Dis­kus­si­on ste­hen­den Maß­nah­men ge­gen den Kli­ma­wan­del zu kri­ti­sie­ren.

Drei ge­ne­rel­le Stoß­rich­tun­gen zeich­nen sich bei Wei­del ab. Sie stellt zum ei­nen den „Kli­ma­schutz­wahn“in ei­nen Zu­sam­men­hang mit ei­ner „De­mon­ta­ge der Au­to­in­dus­trie“. Da­mit ein­her geht die ge­ne­rel­le Ver­däch­ti­gung, dass der „vor­geb­li­che Kli­ma­schutz“auf ein „mons­trö­ses De­in­dus­tria­li­sie­rungs­pro­gramm“hin­aus­lau­fe und zu ei­ner „ve­ri­ta­blen Ar­beits­platz­ver­nich­tung“füh­re. Schließ­lich be­kommt sie auch noch ei­ne – ziem­lich kon­stru­ier­te – Ver­bin­dung zum Lieb­lings­the­ma Mi­gra­ti­on mit­samt Schü­ren von Pro­test ge­gen vor­geb­li­che Un­gleich­be­hand­lung hin. Ihr Vor­wurf an die Ko­ali­ti­on: „Sie wol­len Mil­lio­nen Bür­ger durch Ver­bo­te, Straf­steu­ern und di­ri­gis­ti­sche Maß­nah­men in ih­rer in­di­vi­du­el­len Mo­bi­li­tät ein­schrän­ken, aber il­le­ga­le Ein­wan­de­rer kön­nen sich wei­ter frei und un­ge­hin­dert über un­se­re Gren­zen be­we­gen.“

Der­zeit ist das Kli­ma­schutzthe­ma für die AFD ei­ne Art Pro­jek­ti­ons­flä­che, um ih­re üb­li­chen The­sen dar­auf zu ver­sam­meln. So be­müh­te sich Par­tei­chef Alex­an­der Gau­land, sei­ne his­to­ri­schen Schlusstri­ch-at­ti­tü­den eben­falls als Mo­ti­va­ti­on für den Kli­ma­schutz in Deutsch­land zu in­ter­pre­tie­ren: „1945 wa­ren wir der Teu­fel der Welt, heu­te wol­len wir die En­gel des Pla­ne­ten sein.“

Der Mei­nungs­for­scher Mat­thi­as Jung (For­schungs­grup­pe Wah­len) ver­weist dar­auf, dass es un­ter füh­ren­den Po­li­ti­kern der AFD un­ter­schied­lich in­ten­si­ve Re­la­ti­vie­run­gen ei­nes men­schen­ge­mach­ten Kli­ma­wan­dels ge­be. Die­se in­halt­li­chen Po­si­tio­nie­run­gen sei­en letzt­lich für die AFD nicht so ent­schei­dend, „weil sie da­von lebt, das all­ge­mei­ne Un­be­ha­gen der Men­schen an der Mo­der­ne und den dar­aus re­sul­tie­ren­den Not­wen­dig­kei­ten von Ve­rän­de­run­gen po­pu­lis­tisch zu ver­stär­ken“.

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