Und es sind doch die Grü­nen

Aus­ge­rech­net sie wer­den vom Kampf um die Frak­ti­ons­spit­ze kalt er­wischt.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - STIMME DES WESTENS - EVA QUAD­BECK

Die Grü­nen sind in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu ei­ner Art Mus­ter­schü­ler der Par­tei­en­land­schaft ge­wor­den: Kon­flik­te wer­den nicht öf­fent­lich aus­ge­tra­gen, die Um­fra­ge­wer­te sind top, ih­re The­men tref­fen den Nerv der Zeit. Sinn­bild­lich für die­ses Image steht das Par­tei­chef-duo Ro­bert Ha­beck und An­na­le­na Ba­er­bock.

Frü­her hin­ge­gen wa­ren die Grü­nen im­mer für ei­ne Über­ra­schung gut. Das Spit­zen­per­so­nal stand stets un­ter Be­schuss, stritt sich auf of­fe­ner Büh­ne, die Ba­sis bock­te, auf Par­tei­ta­gen konn­te we­gen des gro­ßen Aus­sprache­be­darfs kein Zeit­plan ge­hal­ten wer­den und am En­de stand ein

Be­schluss, dass der Li­ter Sprit künf­tig fünf D-mark kos­ten sol­le (1998) oder man zu­min­dest ei­nen Veg­gie-day ein­mal pro Wo­che ver­ord­nen möch­te ( Wahl­kampf 2013).

Wäh­rend die Grü­nen im­mer smar­ter wur­den, hat sich bei Uni­on und SPD Ba­sis-de­mo­kra­tie im Hau­ruck-ver­fah­ren breit ge­macht. Dass so­gar die CDU ih­re neue Par­tei­che­fin nicht im Hin­ter­zim­mer aus­kun­gel­te, son­dern ei­nen Par­tei­tag über die drei Kan­di­da­ten ab­stim­men ließ, kam ei­ner Re­vo­lu­ti­on gleich. Die SPD ist in­zwi­schen so rat­los, dass sie für je­de wich­ti­ge Fra­ge, die Ba­sis zu Ra­te zieht. Und die Grü­nen? Ha­ben al­les im

Griff – das schien so, bis der frü­he­re Par­tei­chef Cem Öz­de­mir ge­mein­sam mit der eher un­be­kann­ten Fach­po­li­ti­ke­rin Kirs­ten Kap­pert-gon­ther sei­ne Be­wer­bung für den Frak­ti­ons­vor­sitz be­kannt gab. In der kom­men­den Wo­che wird es nun ei­ne Kampf­ab­stim­mung um die Frak­ti­ons­spit­ze ge­ben. Der Aus­gang ist of­fen, weil nie­mand ab­schät­zen kann, wie sich die Rea­los und die Lin­ken in der Frak­ti­on sor­tie­ren wer­den. Vor dem Hin­ter­grund, dass die Ba­sis­de­mo­kra­tie ei­gent­lich zur DNA der Grü­nen ge­hört, hat die Kampf­kan­di­da­tur er­staun­lich viel Un­ru­he in Frak­ti­on und Par­tei ge­bracht.

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