Mit com­pu­ter­ge­steu­er­ten Mi­kro­wel­len ge­gen den Krebs

An der Düs­sel­dor­fer Uni­k­li­nik wer­den so­gar Ba­bys und Kin­der mit ei­ner be­son­de­ren Kom­bi­na­ti­on aus Wär­me und Che­mo­the­ra­pie be­han­delt. Der Kin­der­arzt Rü­di­ger Wes­sa­low­ski wur­de für sei­ne Ar­beit mehr­fach aus­ge­zeich­net.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - GESUNDHEIT IN DÜSSELDORF - VON BEA­TE WERTHSCHUL­TE

Wäh­rend sei­ner Schul­zeit in Gel­dern am Nie­der­rhein woll­te Rü­di­ger Wes­sa­low­ski ei­gent­lich Leh­rer wer­den. Sport und Bio­lo­gie in­ter­es­sier­ten ihn be­son­ders. Ein gu­ter Freund, der be­reits in Düs­sel­dorf Me­di­zin stu­dier­te, wäh­rend er selbst noch sei­ne Bun­des­wehr­zeit ab­sol­vier­te, in­spi­rier­te Wes­sa­low­ski dann je­doch auch zu ei­nem Me­di­zin-stu­di­um. Schnell war klar, dass er Kin­der­arzt wer­den woll­te – be­reut hat der heu­te 59-Jäh­ri­ge den Ent­schluss auch nach mehr als 30 Jah­ren an der Düs­sel­dor­fer Uni­k­li­nik nie: „Der Be­ruf ist span­nend, in­ter­es­sant und bie­tet ein brei­tes me­di­zi­ni­sches Spek­trum. Zu­dem macht es viel Freu­de, sich mit Fein­ge­fühl um Kin­der zu küm­mern und die bes­ten Stra­te­gi­en für ih­re Er­kran­kun­gen zu fin­den.“

Die re­gio­na­le Tie­fen­hy­per­ther­mie, kurz Hy­per­ther­mie, be­schäf­tigt den Kin­de­ron­ko­lo­gen schon seit vie­len Jah­ren, ist so­zu­sa­gen sei­ne Lei­den­schaft. Be­reits sei­ne Dok­tor­ar­beit schrieb Wes­sa­low­ski zu ei­ner ähn­li­chen The­ra­pie. Heu­te gilt er welt­weit als Ex­per­te auf die­sem Ge­biet, ins­be­son­de­re wenn es um die Be­hand­lung von Kin­dern, aber auch von Er­wach­se­nen geht, die an bös­ar­ti­gen Tu­mo­ren er­krankt sind, die auf Stan­dard­the­ra­pi­en nicht an­spre­chen oder nach Che­mo­the­ra­pie und Be­strah­lung Rück­fäl­le ih­rer Er­kran­kun­gen er­lit­ten ha­ben. Im Früh­jahr er­hielt er in den USA für sei­ne Pio­nier­ar­beit in der Ent­wick­lung von Be­hand­lungs­kon­zep­ten zur Tu­morthe­ra­pie von Kin­dern mit bös­ar­ti­gen Tu­mo­ren den J. Eu­ge­ne Ro­bin­son Award.

„Wir kön­nen heut­zu­ta­ge ins­ge­samt mehr als 80 Pro­zent al­ler an Krebs er­krank­ten Kin­der hei­len. Das um­fasst al­le Ka­te­go­ri­en, bei­spiels­wei­se auch Leuk­ämi­en. Von den rest­li­chen 20 Pro­zent kön­nen wir ei­nem Teil mit Hy­per­ther­mie be­son­ders hel­fen“, sagt Wes­sa­low­ski. Al­ler­dings, be­tont er, sei die Be­hand­lung nicht für je­den ge­eig­net. An­ders als bei Er­wach­se­nen sei es bei Kin­dern sehr wich­tig, die Hei­lungs­aus­sich­ten im Blick zu ha­ben, nicht die kurz­fris­ti­ge Le­bens­ver­län­ge­rung. So soll­ten sich bei den klei­nen Pa­ti­en­ten bei­spiels­wei­se kei­ne Me­ta­sta­sen in Lun­ge oder Kno­chen ge­bil­det ha­ben. Wäh­rend ei­ner Hy­per­ther­mie-be­hand­lung, die et­wa ein­ein­halb St­un­den dau­ert und bei Kin­dern in Se­die­rung er­folgt, wird das Tu­mor­ge­we­be mit­tels com­pu­ter­ge­steu­er­ter Mi­kro­wel­len, die in den Tu­mor ge­lei­tet wer­den, ge­zielt auf Tem­pe­ra­tu­ren zwi­schen 42 und 44 Grad er­wärmt. Das ge­sun­de Ge­we­be wird weit­ge­hend ge­schont. Im Tu­mor plat­zier­te Ka­the­ter mes­sen per­ma­nent die Tem­pe­ra­tur. Zu­sätz­lich ist es seit ei­ni­gen Jah­ren mög­lich, wäh­rend der Hy­per­ther­mie mit­tels MRT farb­co­dier­te Tem­pe­ra­tur­bil­der zu er­zeu­gen. Die­ses Ver­fah­ren ist nicht in­va­siv, wo­durch die Über­wär­mung noch ge­ziel­ter und scho­nen­der er­fol­gen kann. Durch die­se Über­wär­mung des Tu­mors wird des­sen Blut- und Sau­er­stoff­ver­sor­gung un­ter­bro­chen, sei­ne Re­pa­ra­tu­ren­zy­me wer­den blo­ckiert.

Die Hy­per­ther­mie sorgt da­für, dass die Krebs­zel­len durch die ein­ge­setz­ten Me­di­ka­men­te oder Be­strah­lung wirk­sa­mer ab­ge­tö­tet wer­den, zu­dem kann ein vor­mals in­ope­ra­bler Tu­mor ope­ra­bel ge­macht wer­den. „Ganz wich­tig ist es, dass die Hy­per­ther­mie bei Tu­mo­ren der­zeit nie­mals al­lein ein­ge­setzt wird, son­dern im­mer nur in Kom­bi­na­ti­on mit Che­mo­the­ra­pie oder Strah­len­be­hand­lung“, be­tont Wes­sa­low­ski. Da­mit sei sie kei­ne Al­ter­na­ti­ve zu ei­ner Stan­dard­be­hand­lung, son­dern ei­ne Er­gän­zung, sagt er. Die Uni­k­li­nik ist die ein­zi­ge Kli­nik welt­weit, die Kin­der, so­gar Säug­lin­ge und Klein­kin­der, mit Hy­per­ther­mie in Kom­bi­na­ti­on mit Che­mo­the­ra­pie be­han­delt.

RP-FO­TO: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Rü­di­ger Wes­sa­low­ski be­schäf­tigt sich seit vie­len Jah­ren mit der Tie­fen­hy­per­ther­mie.

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