Nicht nur auf die Ma­trat­ze kommt es an

Rich­ti­ges Schla­fen ist gar nicht so leicht. Zwei Ex­per­ten aus Düs­sel­dor­fer Fach­ge­schäf­ten sa­gen, wor­auf man ach­ten soll­te.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - DÜSSELDORF­ER WIRTSCHAFT - VON HOL­GER LODAHL

Ei­gent­lich klingt das Ge­schäfts­mot­to von Carsten Her­ge­m­öl­ler ganz ba­nal. „Abends gern zu Bett ge­hen und mor­gens aus­ge­ruht er­wa­chen.“Aber so ein­fach ist es dann noch nicht, denn: „Das ist kei­ne Fra­ge von der Schlaf­dau­er, son­dern von der Schlaf­qua­li­tät“, sagt der Ge­schäfts­lei­ter von Bet­ten Hön­scheidt.

Es gibt vie­le Fak­to­ren, die­ses Ziel zu er­rei­chen. Als ers­tes ist ei­ne gu­te Ma­trat­ze wich­tig – und zwar ei­ne, die ganz in­di­vi­du­ell auf den Schlä­fer aus­ge­sucht wer­den muss. „Gu­te One-fit-ma­trat­zen, die für al­le Men­schen gleich sind und we­nig kos­ten, gibt es nicht“, be­tont der Fach­mann.

Wich­tig sei­en fol­gen­de Fra­gen: Hat der In­ter­es­sent Rü­cken­be­schwer­den? Muss die Ma­trat­ze die Wir­bel­säu­le gut stüt­zen? Oder ist der Kun­de schon äl­ter? Dann ist er oder sie wohl­mög­lich nicht mehr so gut in der La­ge, die Haus­ar­beit zu ver­rich­ten. Und da­zu ge­hört auch das Wen­den der Schlaf­un­ter­la­ge, die dann et­was leich­ter sein soll­te.

Auch, ob Mann oder Frau spielt ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Denn Män­ner sind meist kräf­ti­ger im Schul­ter­be­reich, wäh­rend Frau­en oft um die Hüf­te et­was schwe­rer sind. La­tex, Kalt­schaum, Ta­schen­fe­der­kern? „Wir su­chen Ma­trat­zen aus, die den mensch­li­chen Kör­per ent­spre­chend sei­nen Ei­gen­hei­ten stüt­zen“, sagt der 46-Jäh­ri­ge.

Aber es ge­hört mehr zum gu­ten Schlaf als aus­schließ­lich ei­ne gut ge­wähl­te Ma­trat­ze. Es gel­te, so sagt Her­ge­m­öl­ler, ein an­ge­neh­mes Raum­kli­ma zu schaf­fen. Das Schlaf­zim­mer er­hal­te im­mer grö­ße­re Auf­merk­sam­keit. „Frü­her noch reich­ten Bett, Schrank und Nacht­tisch im Zim­mer aus“, sagt er. „Heu­te ist der Schlaf­raum ein wich­ti­ger Rück­zugs­ort mit hoch­wer­ti­gen Tex­ti­li­en und an­spre­chen­den Mö­beln.“

Wer sich im Häs­tens Store den Auf­bau ei­ner Ma­trat­ze an­schaut, dürf­te sich zu­erst ein­mal wun­dern. Die Schlaf­un­ter­la­ge des Fach­ge­schäfts hat es in sich: Oben ein Top­per, dann Baum- oder Schur­wol­le, dann zwei oder drei La­gen mit Ta­schen­fe­der­kern so­wie da­zwi­schen ein Ma­te­ri­al, dass die Ma­trat­ze so be­son­ders macht: Ross­haar.

„Das Haar vom Pferd in der Mit­te der Ma­trat­ze bil­det ein luf­ti­ges Kis­sen aus Mil­lio­nen elas­ti­scher Spi­ra­len“, er­klärt Chris­ti­an Thie­le. Ob der Kun­de ein Mann oder ei­ne Frau ist, bleibt erst ein­mal zweit­ran­gig. Mehr von Be­deu­tung ist, wie sich der In­ter­es­sent auf dem Fe­der­kern-ross­haar-schur­wol­le-ge­mach fühlt. Un­ge­wohnt, weiß Thie­le, denn das Häs­tens-pro­dukt ist oft wei­cher als von man­chem Kun­den er­war­tet. Dass ei­ne Ma­trat­ze aber an den wich­ti­gen Kör­per­stel­len wie Schul­tern und Hüf­te nach­gibt, sei ent­schei­dend für ei­ne gu­te La­ge.

Für ei­nen per­fek­ten Schlaf rät Chris­ti­an Thie­le auch zu ei­nem pas­sen­den Raum, des­sen De­tails po­si­tiv auf die Nacht­ru­he ein­wir­ken. Die Far­be der Ta­pe­ten zum Bei­spiel: ein leich­tes Gelb wirkt oft be­ru­hi­gend, ein Bl­au­ton sorgt eher für ein Ge­fühl der Küh­le. Das Ther­mo­me­ter je­doch soll­te beim Schla­fen zwi­schen 16 und 20 Grad zei­gen. Wich­tig sein zu­dem, so sagt Chris­ti­an Thie­le, ein Blick auf die elek­tri­schen Ge­rä­te im Schlaf­zim­mer. Al­les, was mit ei­nem Tra­fo be­trie­ben wird – et­wa Ra­dio­we­cker oder Lam­pen – muss we­gen der Ge­fahr von Elek­tro­smog drau­ßen blei­ben.

Ta­bu sei auch ei­ne LED-BE­leuch­tung. „Sie stört die Me­la­to­nin-pro­duk­ti­on.“Die­ses Hor­mon steu­ert den Tag-nacht-rhyth­mus des mensch­li­chen Kör­pers. Kon­tra­pro­duk­tiv zu ei­ner gu­ten Nacht ist auch, ne­ben das Bett ei­nen Schreib­tisch oder ein Bü­gel­brett zu stel­len. Klar, wenn das Licht aus ist, sind die­se Ar­beits­mit­tel nicht mehr zu se­hen, räumt der Spe­zia­list ein. „Aber der Kopf weiß, dass sie da sind.“Und wäh­rend der Nacht sol­le der Mensch lie­ber von schö­nen Din­gen träu­men als von Ar­beit.

FO­TOS: LODAHL

Chris­ti­an Thie­le rät, un­be­dingt auch auf ei­nen pas­sen­den Schlaf­raum zu ach­ten. Ta­bu sei dar­in ei­ne Led-be­leuch­tung.

Carsten Her­ge­m­öl­ler weist dar­auf hin, dass es kei­ne so­ge­nann­te One-fit-ma­trat­ze ge­be, die für je­den Typ gleich gut ge­eig­net sei.

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