Wie man mit Moo­sen den Fe­in­staub sen­ken kann

Am Max-we­ber- und Wal­ter-eu­cken-be­rufs­kol­leg wird der­zeit viel ge­baut. Zwei Moos­mat­ten an den Bau­zäu­nen sol­len die Um­welt­be­las­tung nun ver­rin­gern.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - SCHULE UND BILDUNG IN DÜSSELDORF - VON CHRIS­TO­PHER TRINKS

Seit Jah­ren be­herrscht ein Bild den Blick aus den Klas­sen­zim­mern der Max-we­ber- und Wal­ter-eu­cken-be­rufs­kol­le­gi­en: Bau­stel­len­zäu­ne. Für 9,3 Mil­lio­nen Eu­ro ent­steht auf dem Schul­hof der­zeit ein 2000 Qua­drat­me­ter gro­ßer Er­wei­te­rungs­bau.

Und auch vor der Schu­le wur­de in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren kräf­tig ge­baut. Im­mer­hin sind die Ar­bei­ten an den Woh­nungs­neu­bau­ten Ka­ro­lin­ger Hö­fe fast ab­ge­schlos­sen. „Wir sind in­zwi­schen bau­stel­le­ner­probt“, sagt Sa­bi­ne von Zed­litz-neu­kirch, Schul­lei­te­rin des Max-we­ber-be­rufs­kol­legs. Sie freue sich zwar auf den Neu­bau, der zum En­de des Schul­jah­res 2020/21 fer­tig sein soll und die Platz­not an bei­den Be­rufs­kol­legs deut­lich ent­span­nen wer­de. „Aber mit so ei­ner Groß­bau­stel­le geht na­tür­lich auch viel Lärm und Fe­in­staub ein­her.“

Zwei un­schein­ba­re, brau­ne Mat­ten sol­len nun da­bei hel­fen, die Ne­ben­ef­fek­te der Bau­stel­le ein­zu­däm­men – und da­bei gleich­zei­tig ei­nen wert­vol­len Bei­trag zum Kli­ma­schutz leis­ten. Denn seit ver­gan­ge­nem Di­ens­tag zie­ren Moos­mat­ten die Bau­stel­len­zäu­ne auf dem Schul­hof. Noch müs­sen die Moo­se al­ler­dings wach­sen und er­grü­nen, be­vor sie ih­re Wir­kung ent­fal­ten. Dann kön­nen die Pflan­zen wie ein gro­ßes Mi­kro­fa­ser-staub­tuch wir­ken und ge­fähr­li­che Luft­par­ti­kel wie Fe­in­staub ab­sor­bie­ren, fan­den For­scher der Uni­ver­si­tät Bonn her­aus. Der Fe­in­staub wür­de so­gar bio­lo­gisch ab­ge­baut, da er vie­len der auf den Moos­blätt­chen le­ben­den Bak­te­ri­en als Nah­rung die­nen wür­de. Da­zu re­du­zie­ren sie Lärm und ha­ben als Luft­be­feuch­ter dar­über hin­aus ei­nen küh­len­den Ef­fekt an hei­ßen Som­mer­ta­gen.

So­mit wür­den sich die Moos­mat­ten auch mit Blick auf die Stadt­be­grü­nung zur Sen­kung der Fe­in­staub­be­las­tung eig­nen, fin­det Leh­rer Jens Wes­sel. „Die Moos­mat­ten sind kei­ne Pa­tent­lö­sung für das Pro­blem. Da­zu braucht es vie­le Schrit­te in die rich­ti­ge Rich­tung“, sagt er. Die Aus­zu­bil­den­den sei­ner In­dus­trie­kauf­manns-klas­sen wa­ren es, wel­che die Idee vor­schlu­gen. Ein Pro­jekt zum The­ma Nach­hal­tig­keit im Schul­le­ben ist im Lehr­plan fest ver­an­kert. Da­zu be­gab sich ein Lehr­gang auf Ur­sa­chen­for­schung zu den größ­ten Um­welt­be­las­tun­gen in­ner­halb ei­ner Stadt, der an­de­re such­te nach Lö­sun­gen und stieß auf die Moos­mat­ten der Köl­ner Fir­ma Stadt­kul­tur. Die­se ver­treibt die Moos­zäu­ne für Bau­stel­len in Kom­bi­na­ti­on mit ei­ner Wer­be­flä­che für Ver­an­stal­tungs­pla­ka­te, die Bau­fir­men wa­ren ein­ver­stan­den – so ent­stan­den auch kei­ne Kos­ten für das MWBK.

Pfle­ge brau­chen die na­tür­li­chen Fe­in­staub­fil­ter kei­ne. Ein Sys­tem von per­fo­rier­ten Schläu­chen ver­sorgt die Pflan­zen mit Re­gen­was­ser. Al­ler­dings war es ge­ra­de die Tro­cken­heit der Som­mer­mo­na­te, wel­che 2017 ei­nen Pra­xis­ver­such der Stadt Stutt­gart mit Moos­mat­ten an ei­ner viel be­fah­re­nen Stra­ße schei­tern ließ. Je­doch zeig­te sich un­ter dem Elek­tromi­kro­skop, dass die drei über­le­ben­den Moo­sar­ten kleins­te Par­ti­kel gut auf­ge­nom­men hät­ten.

Die an­ge­hen­den In­dus­trie­kauf­leu­te, Jus­tin Fort­kamp, Said Me­kic und Ele­na Hap­pe­kot­te – al­le drei waBAUER ren an der Ur­sa­chen­for­schung be­tei­ligt – zeig­ten sich be­geis­tert von der Lö­sung. „Man hört die Bau­stel­le viel we­ni­ger“, sagt Fort­kamp. „Und viel­leicht könn­te das ja nun ein Vor­bild sein“, er­gänzt Hap­pe­kot­te. Ge­mein­sam mit Leh­rer Wes­sel hof­fen die Be­rufs­schü­ler nun auf den Ge­winn des Düs­sel­dor­fer Um­welt­prei­ses für die Schu­le.

RP-FO­TO: HANS-JÜR­GEN

Said Me­kic (v.l), Leh­rer Jens Wes­sel, Jus­tin Fort­kamp und Marc Zum­kel­ler be­gut­ach­ten die na­tür­li­chen Fe­in­staub­fil­ter.

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