Tan­zen wie im Wil­den Wes­ten

Der Düs­sel­dor­fer Squa­re-dance-ver­ein Dan­cing Re­bels bie­tet zur­zeit meh­re­re Schnup­per­kur­se an – ei­ne gu­te Ge­le­gen­heit, den ame­ri­ka­ni­schen Volks­tanz nä­her ken­nen­zu­ler­nen. Das ist auch ein gu­tes Aus­dau­er­trai­ning.

Rheinische Post – Düsseldorf Mitte/West/Ost/Nord/Süd - - STADTTEILE NORD / OST - VON CHRISTOPH WE­GE­NER

Mit dem Rhyth­mus ist es so ei­ne Sa­che. Ich ha­be ihn in den Hän­den und kann beim Gi­tar­re spie­len si­cher den Takt hal­ten. Da­für ist aber der Rest mei­nes Kör­pers denk­bar un­ta­len­tiert, wenn es dar­um geht, sich pas­send zur Mu­sik zu be­we­gen. Des­we­gen ver­su­che ich auf Par­tys und in der Dis­co nach Mög­lich­keit, je­de Tanz­flä­che zu mei­den. Auch den klas­si­schen Stan­dard­kurs in der ach­ten Klas­se ha­be ich nur mit Mü­he und Not ab­sol­viert und da­bei re­gel­mä­ßig die Ze­hen mei­ner Tanz­part­ne­rin in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen. Et­was Ner­vo­si­tät macht sich des­we­gen schon breit, als ich mich auf den Weg ma­che, um bei ei­ner Schnup­per­stun­de der Dan­cing Re­bels das Tanz­bein zu schwin­gen. Die Mit­glie­der des Klubs tref­fen sich re­gel­mä­ßig und trai­nie­ren ge­mein­sam den Squa­re Dance. Der Volks­tanz wur­de im 18. Jahr­hun­dert in den USA er­fun­den und er­freut sich bis heu­te gro­ßer Be­liebt­heit. Al­lei­ne in Deutsch­land gibt es über 500 Klubs, die re­gel­mä­ßig Tanz­stun­den und Events an­bie­ten.

Vor dem Ge­mein­de­zen­trum Knitt­kuhl war­tet be­reits Uwe Jit­schin auf mich. Dass er zu den Dan­cing Re­bels ge­hört, ist un­schwer an sei­nem Klei­dungs­stil zu er­ken­nen: Er trägt blaue Je­ans, ein ka­rier­tes Wes­tern­hemd und ei­ne gro­ße, sil­ber­ne Schmuck­bro­sche am Re­vers. Jit­schin ist seit der Grün­dung des Klubs 1997 mit da­bei. Für ihn steht Squa­re Dance vor al­lem für zwei Din­ge: Die Freu­de am Tan­zen und Ka­me­rad­schaft­lich­keit. Er hat schon in Ka­na­da, Nor­we­gen und Schwe­den ge­tanzt, denn wer ein­mal ei­ne ent­spre­chen­de Prü­fung ab­ge­legt hat, darf in je­dem Klub auf der Welt mit­tan­zen. Die Of­fen­heit und Kon­takt­freu­dig­keit beim Squa­re Dance spürt man auch in der Schnup­per­stun­de so­fort. Be­reits die ers­ten Tanz­schrit­te hel­fen, sich bes­ser ken­nen­zu­ler­nen. Man geht Hän­de rei­chend an­ein­an­der vor­bei, dreht sich ge­mein­sam im Kreis und kommt zum Ab­klat­schen in der Mit­te zu­sam­men. Bis­her kön­nen wir Neu­lin­ge noch oh­ne Pro­ble­me al­les um­setz­ten. Das än­dert sich je­doch schlag­ar­tig, als der wich­tigs­te Mann beim Squa­re Dance den Raum be­tritt: Der Cal­ler. Heu­te über­nimmt Joe Ko­schig die­se Rol­le. Par­al­lel zur Mu­sik gibt er ge­spro­che­ne und ge­sun­ge­ne An­wei­sun­gen, wel­che Fi­gur ge­tanzt wer­den soll. Er ga­ran­tiert so, dass der so­ge­nann­te Squa­re nicht zu­sam­men­bricht. Das na­mens­ge­ben­de Vier­eck setzt sich aus je­weils vier Pär­chen zu­sam­men, die un­ter­ein­an­der nicht nur ih­re Po­si­tio­nen, son­dern auch die Tanz­part­ner im­mer wie­der tau­schen.

Die schnel­len An­sa­gen in Kom­bi­na­ti­on mit dem ein­ge­schränk­ten Platz auf der Tanz­flä­che sor­gen schnell für ei­ni­ge Ver­wir­rung un­ter den An­fän­gern. Wäh­rend man noch da­bei ist, ei­ne Fi­gur aus­zu­füh­ren, muss man schon auf die nächs­te An­wei­sung des Cal­lers hö­ren. Es ist al­so un­um­gäng­lich, men­tal im­mer ei­nen Schritt vor­aus zu sein. Das stellt sich als äu­ßerst knif­fe­lig her­aus, und ich bin froh, dass mei­ne Part­ne­rin Do­mi­ni­que be­reits seit

drei Jah­ren Squa­re Dance tanzt. Ge­dul­dig führt sie mich durch das Qua­drat und ver­hin­dert im­mer wie­der, dass wir mit an­de­ren zu­sam­men­sto­ßen. „Kei­ne Sor­ge, am An­fang ha­ben al­le ein biss­chen Pro­ble­me. Ihr habt heu­te auch schon sehr vie­le Fi­gu­ren für den ers­ten Ver­such ge­lernt“, sagt sie, wäh­rend wir auf den nächs­ten Tanz war­ten. Nach ei­ni­ger Zeit ver­steht man die An­sa­gen des Cal­lers, und auch die Um­set­zung der ein­zel­nen Schrit­te fällt zu­neh­mend leich­ter. Das mo­ti­viert und macht auch ziem­lich Spaß. Ge­gen En­de hat man so­gar das Ge­fühl, den Tanz be­reits ein biss­chen zu be­herr­schen. An­de­ren An­fän­gern geht es ähn­lich: „Ich bin zwar noch et­was un­si­cher, aber las­se mich ein­fach die meis­te Zeit füh­ren. Das klappt su­per“, er­zählt Aria­ne mit ei­nem La­chen.

Zum Ab­schluss wir­beln die Dan­cing Re­bels noch ein­mal al­lei­ne über die Tanz­flä­che. Bei ih­ren vie­len Po­si­ti­ons­wech­seln, Schritt­fol­gen und Dre­hun­gen wird ei­nem schon beim Zu­schau­en schwin­de­lig. Es ist al­so noch viel Luft nach oben, aber den­noch ver­las­se ich mit ei­nem Grin­sen im Ge­sicht das Ge­mein­de­zen­trum in Knitt­kuhl. Squa­re Dance wür­de ich auf je­den Fall noch ein­mal aus­pro­bie­ren, auch wenn ich nach wie vor kein gro­ßer Tanz­fan bin.

RP-FO­TO: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Die Squa­re-dance-grup­pe Dan­cing Re­bels probt bes­tens ge­launt im Ge­mein­de­zen­trum Knitt­kuhl.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.